Regierungskrise in Athen. Kann sein, dass die Koalition heute oder morgen krachen geht
Moin,
wahrscheinlich geht es eher mit dem Rücktritt eines Ministers aus, aber wer weiss. Besser, man berichtet mal davon. Kurzfassung: Flüchtlingsminister Mouzalas hat gestern das "M"-Wort gesagt. Er sagte in einem Interview "die Flüchtlinge aus Idomeni seien nach Mazedonien weiter gezogen."
Irgendwas verkehrt dran? Per se nein. Nur, dass das "M"-Wort in Griechenland ein absolutes No-Go ist. Mazedonien heisst hier (wie auch zumindest offiziell international) FYROM (Former Yugoslavian Republic of Mazedonia). Hintergrund des Namensstreites bitte hier nachlesen. Sehr kurz gefasst geht es darum, dass die Region Nordgriechenlands halt eben auch Makedonia heisst - und man u.a Gebietsansprüche fürchtet.
Wie gesagt, für Griechen ein No Go. Und so dauerte es auch nur Minuten, bis ein Shitstorm los tobte, online. Hastig entschuldigte sich der Minister, doch es ist bereits zu spät. Erstens haben griechische Medien genügend Belege raus gesucht, in denen er wiederholt "Mazedonien" sagte (es sich also nicht um einen Lapsus handelt, wie er versuchte zu beteuern) und zweitens fordert nun der ultrakonservative Panos Kammenos, Verteidigungsminister und Chef des Juniorkoalitionspartners ANEL, den Rücktritt von Mouzalas.
Es laufen bereits Krisengespräche, von Tsipras hat man noch nichts gehört. Aber wenn er das Bauernopfer nicht schlachtet, kracht es. Gerüchten zu Folge soll Kammenos bereits mit Mitsotakis zusammen sitzen, Chef der Nea Demokratia, die in Umfragen bereits deutlich vor der Syriza liegt. Kammenos ist ehemaliges ND-Mitglied.
Wie gesagt, kann ein Sturm im Wasserglas werden - oder auch nicht.
Viele Grüße
Gaby
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"Das Dumme an Internetzitaten ist, dass man nie weiß, ob sie auch stimmen." Leonardo da Vinci