Merkel ist tatsächlich beliebt (keine Ironie), vertut euch da mal nicht! (sorry, langer Text)
Ich lebe auf dem platten Land und habe täglich mein Ohr an den Sprüchen der Bevölkerung. Nehme zwischenzeitlich an Handwerkerstammtischen teil, bin in die Diskussionsrunden der Parteien eingebunden (SPD, CDU, FDP, Grüne) und lese auch in den einschlägigen geschlossenen Gruppen bei FB.
Dazu kommen die regelmäßigen Thekengespräche. Und das, was die Wirte erzählen, wenn das letzte Bier im kleinen Kreis geleert wird.
Es gibt auch Kontakte zu Leuten der AfD. Die Gespräche sind sehr erhellend, was deren eigene Erfahrungen betrifft, hinsichtlich der Ausgrenzung. Im Gegensatz zu den voran erwähnten Kontakten sind die Gespräche mit den Leuten von der AfD recht konstruktiv gestimmt und voller Hoffnung.
Anhänger der anderen Parteien neigen zur Zuspitzung, wenn es darum geht, was „richtig“ zu sein hat. In diesem Zusammenhang wird Frau Dr. Merkel wie eine Art Schutzschild argumentativ hochgehalten und – ich kann es nicht anders sagen – bis aufs letzte Messer verteidigt. Niemand aus dem Kreis der SPD, FDP oder den Grünen mag sich zu einer fundamentalen Kritik ihrer Politik hinreissen lassen. Es geht so weit, dass die eigenen Werte der Parteien (soziales Engagement, liberale Eigenverantwortung und Nachhaltigkeit) mit wenigen Sätzen oder Handbewegungen vom Tisch gefegt werden. Die Akteure merken dabei noch nicht einmal, dass sie ihren eigenen Grundsätzen nicht mehr folgen und sich „sklavenhaft“ einer Person unterwerfen, die sie nicht kritisch hinterfragen wollen.
Ich beobachte das schon seit rund einem Jahr.
Die öffentliche Argumentation der AfD (in meinem persönlichem Umfeld wohlgemerkt) wurde dabei zunehmend subtiler und nur für eine Zielgruppe verständlich, die „um die Ecke“ denken kann. Die „Argumente“ für Frau Dr. Merkel entwickelten sich im Vergleich dazu überproportional als auf ein Publikum abgestimmt, welches „von eins bis zwei“ zählen kann.
Mich hat das sehr beeindruckt, weil mich aufgrund meines Berufs die Kommunikation insgesamt sehr stark interessiert. Einerseits steigt die „Qualität“ der Kommunikation durch Einbeziehung intellektueller Aspekte. Andererseits ist zu beobachten, dass eine (gewollte?) Absenkung des Argumentationsniveaus dazu führt, dass im dörflichen Miteinander eine Radikalisierung stattfindet. Wer nicht für „die Merkel“ ist, gehört geouted.
Spannend wird es dann bei der Beobachtung der Medien.
Den voran erwähnten „subtil“ argumentierenden Personen (ich rede hier nicht von den Wahlplakaten, die sind stets argumentativ überschärft) wird „Hetze“ vorgeworfen. Und die Akteure, die eine seit Jahrzehnten funktionierende Dorfgemeinschaft mit dem Mantra der Kanzlerin sprengen (und zwar auf allen Ebenen: Existenziell und emotional) sind jetzt „die Guten“.
Mir gibt das sehr zu denken und ich bin auf den kommenden Sonntag gespannt. Hier wurde schon ein guter Anfang auf das Verhalten danach gemacht:
http://www.spiegel.de/politik/deutschland/afd-erfolg-der-rechten-versagen-der-etabliert...
Es wurden die Zeichen der Zeit erkannt und der „richtige“ Name war zur „richtigen“ Zeit dabei. Geht doch, oder?
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.zip