Ausbeutung und Knechtung durch IWF

Falkenauge, Donnerstag, 03.03.2016, 10:52 (vor 3634 Tagen) @ Gaby3312 Views

Gleichzeitig herrscht hinter den Kulissen ein mehr oder minder offener
Krieg zwischen IWF und den restlichen Gläubigern. Die Troika hätte schon
längst zurück in Athen sein müssen, um endlich die Überprüfung des
laufenden "Programmes" abzuschließen. Der IWF steht aber auf dem
Standpunkt, es könne so nicht funktionieren - und fordert viel schärfere
Einschnitte, blockiert so den nächsten Schritt.

Durchschauen alle, was der IWF für eine Organisation ist und mit welcher Organisation die EZB und die EU-Kommission paktieren? Man kann nicht oft genug auf Ernst Wolffs ausgezeichnetes Afklärungsbuch "Weltmacht IWF" hinweisen.

Die "Hilfen" des IWF 2010 waren an zwei strenge Sparpakete gebunden: Kürzung der Beamtengehälter, Schließung von 600 Stadtverwaltungen, 80-prozentiger Einstellungsstopp im öffentlichen Dienst, Anhebung des Rentenalters von 61,3 auf 63,4 Jahre und neben der Anhebung verschiedener Steuern eine Erhöhung der Mehrwertsteuer von 19 auf 23 %. Ein zweites „Hilfspaket“ über 130 Mrd. ein Jahr später erzwang u. a. die Entlassung von 150.000 Beschäftigten im öffentlichen Dienst bis 2015 und die Kürzung einer Reihe von Sozialleistungen, darunter im Gesundheitswesen, wo die Ausgaben bis 2015 um 1,43 Mrd. Euro gesenkt werden sollten.

„Mit dem vierten Sparpaket im Februar 2012 setzte in Griechenland ein Sozialabbau ein, wie ihn kein europäisches Land je in Friedenszeiten erlebt hatte.“ 15.000 Angestellte des öffentlichen Dienstes wurden mit sofortiger Wirkung entlassen, der Mehrheit der verbleibenden Angestellten die Gehälter rückwirkend zum Jahresbeginn um 20 % gekürzt. Der Mindestlohn für Erwachsene wurde auf 586 Euro, der für Jugendliche auf 525 Euro gesenkt und das Arbeitslosengeld auf 322 Euro herabgesetzt. Die Renten der Alten kürzte man um 10 – 15 %, erhöhte die Selbstbeteiligung an Medikamenten, schränkte die medizinischen Leistungen der Kliniken ein und strich den Ärzten die bezahlten Überstunden.

Im November 2012 und März 2013 setzte die Troika zwei weitere Sparpakete durch. Die Renten über 1.000 Euro wurden um 5 – 15 % gesenkt, Bezüge im öffentlichen Dienst um 6 – 20 % und das Kindergeld für Familien mit über 18.000 Euro Jahreseinkommen ersatzlos gestrichen. Die Medikamentenzuzahlungen erhöhte man erneut und ergänzte sie durch eine Einweisungsgebühr für das Krankenhaus. 30 % der griechischen Bevölkerung verloren aufgrund dauernder Arbeitslosigkeit ihren Krankenversicherungsschutz. Der gesamte Gesundheitsetat wurde von 14 Mrd. im Jahr 2009 um ein Drittel auf 9,5 Mrd. Euro im Jahr 2012 gesenkt mit dem Ergebnis, dass 46 der insgesamt 130 Hospitäler geschlossen, die Budgets der restlichen um 40 % gekürzt und 26.000 Bedienstete, darunter 9.100 Ärzte, entlassen werden mussten. Die Suizidrate stieg von 2008 – 2013 um 40 %, die Zahl der HIV-infizierten Drogenabhängigen um mehr als das Zwanzigfache, Malaria, Tuberkulose, das West-Nil- und Dengue- Fieber breiteten sich aus. „Die erschütterndsten Zahlen dürften die 19-
prozentige Zunahme von untergewichtigen Neugeborenen zwischen 2008 und 2010, der 21-prozentige Anstieg von Totgeburten zwischen 2008 und 2011 und die Zunahme der Kindersterblichkeit um 43 % zwischen 2008 und 2010 sein.“

Auszüge aus einem auf Ernst Wolff basierenden Artikel.


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