Griechenland fügt sich in sein Schicksal: "Die Flüchtlinge werden 2-3 Jahre bleiben und die Grenzen geschlossen"

Gaby @, Donnerstag, 03.03.2016, 08:41 vor 3632 Tagen 5598 Views

bearbeitet von unbekannt, Donnerstag, 03.03.2016, 08:47

Moin,

Griechenland fügt sich nun auch offiziell in sein Schicksal. Der zuständige Minister ließ verlauten: Idomeni (gemeint ist der Grenzübergang im Norden) wird geschlossen bleiben, die Flüchtlinge werden in Griechenland bleiben. Woher er die Sicherheit nimmt, dass es "nur" zwei bis drei Jahre sein werden - und was danach passieren soll - das sagt er nicht. Bislang spricht er von ca. 100.000 Flüchtlingen, die Griechenland für diese Zeit erwartet. Auch hierfür meine ich gibt es keinen Beleg. Das Thema bereitet hier zunehmend Unbehagen, vorsichtig ausgedrückt.

Gleichzeitig herrscht hinter den Kulissen ein mehr oder minder offener Krieg zwischen IWF und den restlichen Gläubigern. Die Troika hätte schon längst zurück in Athen sein müssen, um endlich die Überprüfung des laufenden "Programmes" abzuschließen. Der IWF steht aber auf dem Standpunkt, es könne so nicht funktionieren - und fordert viel schärfere Einschnitte, blockiert so den nächsten Schritt. Der IWF pocht schon lange auf einen Schuldenschnitt für Griechenland - den die europäischen Geldgeber aber nicht akzeptieren.

Die Regierung in Athen ist auch deshalb schwer nervös. Ohne Abschluss des Untersuchungsberichtes kein neues Geld. Man habe nicht mehr viel Zeit, so heisst es.

M.E wird man die Lage nutzen: Griechenland fliegt aus dem Euro, kriegt (in Euro) eine "Gelddusche" aus Brüssel (die Transparenz zur Verwendung der Gelder vergessen wir mal ganz schnell), weil man "die Griechen ja mit der Situation nicht alleine lassen kann" - und im Trubel der Ereignisse darf Griechenland dann auch endlich Pleite gehen. Man hat ja einen Grund dafür (die Flüchtlingskrise) - und nicht etwa, dass man von vornherein bereits gewusst haben könnte, dass das "Hilfs-Geld" von Anbeginn an für immer verloren war.

Was als nächstes kommt ist auch noch ein Bail-In bei den Banken. Das pfeifen hier die Spatzen von den Dächern. Noch vor einiger Zeit hieß es: Im September, nun rutscht das Datum immer weiter an die Gegenwart ran.

Viele Grüße

Gaby

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"Das Dumme an Internetzitaten ist, dass man nie weiß, ob sie auch stimmen." Leonardo da Vinci

Ausbeutung und Knechtung durch IWF

Falkenauge @, Donnerstag, 03.03.2016, 10:52 vor 3632 Tagen @ Gaby 3307 Views

Gleichzeitig herrscht hinter den Kulissen ein mehr oder minder offener
Krieg zwischen IWF und den restlichen Gläubigern. Die Troika hätte schon
längst zurück in Athen sein müssen, um endlich die Überprüfung des
laufenden "Programmes" abzuschließen. Der IWF steht aber auf dem
Standpunkt, es könne so nicht funktionieren - und fordert viel schärfere
Einschnitte, blockiert so den nächsten Schritt.

Durchschauen alle, was der IWF für eine Organisation ist und mit welcher Organisation die EZB und die EU-Kommission paktieren? Man kann nicht oft genug auf Ernst Wolffs ausgezeichnetes Afklärungsbuch "Weltmacht IWF" hinweisen.

Die "Hilfen" des IWF 2010 waren an zwei strenge Sparpakete gebunden: Kürzung der Beamtengehälter, Schließung von 600 Stadtverwaltungen, 80-prozentiger Einstellungsstopp im öffentlichen Dienst, Anhebung des Rentenalters von 61,3 auf 63,4 Jahre und neben der Anhebung verschiedener Steuern eine Erhöhung der Mehrwertsteuer von 19 auf 23 %. Ein zweites „Hilfspaket“ über 130 Mrd. ein Jahr später erzwang u. a. die Entlassung von 150.000 Beschäftigten im öffentlichen Dienst bis 2015 und die Kürzung einer Reihe von Sozialleistungen, darunter im Gesundheitswesen, wo die Ausgaben bis 2015 um 1,43 Mrd. Euro gesenkt werden sollten.

„Mit dem vierten Sparpaket im Februar 2012 setzte in Griechenland ein Sozialabbau ein, wie ihn kein europäisches Land je in Friedenszeiten erlebt hatte.“ 15.000 Angestellte des öffentlichen Dienstes wurden mit sofortiger Wirkung entlassen, der Mehrheit der verbleibenden Angestellten die Gehälter rückwirkend zum Jahresbeginn um 20 % gekürzt. Der Mindestlohn für Erwachsene wurde auf 586 Euro, der für Jugendliche auf 525 Euro gesenkt und das Arbeitslosengeld auf 322 Euro herabgesetzt. Die Renten der Alten kürzte man um 10 – 15 %, erhöhte die Selbstbeteiligung an Medikamenten, schränkte die medizinischen Leistungen der Kliniken ein und strich den Ärzten die bezahlten Überstunden.

Im November 2012 und März 2013 setzte die Troika zwei weitere Sparpakete durch. Die Renten über 1.000 Euro wurden um 5 – 15 % gesenkt, Bezüge im öffentlichen Dienst um 6 – 20 % und das Kindergeld für Familien mit über 18.000 Euro Jahreseinkommen ersatzlos gestrichen. Die Medikamentenzuzahlungen erhöhte man erneut und ergänzte sie durch eine Einweisungsgebühr für das Krankenhaus. 30 % der griechischen Bevölkerung verloren aufgrund dauernder Arbeitslosigkeit ihren Krankenversicherungsschutz. Der gesamte Gesundheitsetat wurde von 14 Mrd. im Jahr 2009 um ein Drittel auf 9,5 Mrd. Euro im Jahr 2012 gesenkt mit dem Ergebnis, dass 46 der insgesamt 130 Hospitäler geschlossen, die Budgets der restlichen um 40 % gekürzt und 26.000 Bedienstete, darunter 9.100 Ärzte, entlassen werden mussten. Die Suizidrate stieg von 2008 – 2013 um 40 %, die Zahl der HIV-infizierten Drogenabhängigen um mehr als das Zwanzigfache, Malaria, Tuberkulose, das West-Nil- und Dengue- Fieber breiteten sich aus. „Die erschütterndsten Zahlen dürften die 19-
prozentige Zunahme von untergewichtigen Neugeborenen zwischen 2008 und 2010, der 21-prozentige Anstieg von Totgeburten zwischen 2008 und 2011 und die Zunahme der Kindersterblichkeit um 43 % zwischen 2008 und 2010 sein.“

Auszüge aus einem auf Ernst Wolff basierenden Artikel.

Nicht, dass ich IWF-Fan bin, aber die meisten Kürzungen mussten sein

Gaby @, Donnerstag, 03.03.2016, 12:01 vor 3632 Tagen @ Falkenauge 3436 Views

Moin,

nun bin ich kein Fan des IWF, aber die haben immer noch (was GR betrifft) einen besseren Plan als die EU. Die Kürzungen, die bislang hier durchgeführt wurden, mussten in den meisten Fällen sein (Gesundheitswesen ausgenommen, das ist eine Katastrophe für sich). Wer die Kohle nur auf Pump hat, kann sich halt kein Sozialsystem leisten. Und von den Beamten hätten sie locker die doppelten Menge rausschmeissen können, ohne dass es jemand gemerkt hätte (Ausnahme: Polizei). Gerne auch noch viel mehr.

Die Malaria-Rückkehr dem IWF anzulasten ist auch ein wenig putzig. Die Mücken fragen nicht, ob der Gestochene Kohle hat oder nicht. Die sind einfach da. Vor allem, weil grüne Gutmenschen den Einsatz vieler Insektenvertilgungsmittel verhindert haben, die früher hier regelm#ßig in betroffenen Gebieten aus dem Flugzeug versprüht wurden.

Das Problem ist ein anderes: Die enorm hoch gerissenen Steuern. Verbrauchssteuern vor allem (Lebensmittel!) aber auch die anderen. Ohne gleichzeitig durch irgendeinen Hebel zu erzwingen, dass die so dringend nötigen ECHTEN Reformen auch angepackt werden (und mit Reformen meine ich nicht Kürzungen irgendwo, sondern echte Erneuerungen, Veränderungen, bei Verwaltung, Gerichten etc).

Viele Grüße

Gaby

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"Das Dumme an Internetzitaten ist, dass man nie weiß, ob sie auch stimmen." Leonardo da Vinci

Vermischung ist das Problem

mabraton @, Donnerstag, 03.03.2016, 13:37 vor 3632 Tagen @ Gaby 2613 Views

bearbeitet von unbekannt, Donnerstag, 03.03.2016, 14:47

Hallo Gaby,

ich hatte den selben Gedanken. Natürlich ist es bspw. gut, den korrupten Staatsapparat zurechtzustutzen. Aber in einer bescheidenen wirtschaftlichen Lage die MwSt. zu erhöhen, ist doch Schwachsinn. Die Frage ist, ob die Technokraten sich nicht an realen Verhältnissen orientieren oder ob ein Plan dahinter steht, der dazu führt, dass GR jetzt den Heuschrecken zum Fraß vorgeworfen wird.

Beste Grüße
mabraton

Ich sehe das ursächliche Problem an ganz anderer Stelle, nämlich auf der Einnahmenseite.

Kaladhor @, Münsterland, Donnerstag, 03.03.2016, 13:44 vor 3632 Tagen @ Gaby 2533 Views

Man muss sich doch eigentlich nur mal fragen, welche Einnahmequellen die Griechen denn tatsächlich haben. Tourismus allein hat vielleicht früher mal geholfen, aber das ist doch eigentlich seit Einführung des Euro Geschichte. Schließlich muss ein Urlaub immer billiger werden (aus Urlauber-Sicht, denn da ist das Geld auch nicht mehr so locker). Wenn aber alles in einer harten Währung verrechnet wird, kann man nicht beliebig mit den Preisen runtergehen. Griechenland dürfte hier sehr viel an die Türkei verloren haben.

Beim Thema Bodenschätze sieht es auch eher mau aus. Ok, es sollen Gas/Öl-Vorräte unter Griechenland liegen... können aber genauso gut auch nur Mutmaßungen sein, auch Geologen können sich mal irren. Landwirtschaftliche Produkte...nun es gibt genügend Mittelmeerstaaten, die ähnliche Produkte anbauen und anbieten, auch hier tobt ein im Grunde genommen töglicher Wettkampf.

Industriell ist Griechenland noch nie wirklich bekannt gewesen, eher vielleicht im Zuliefererbereich, und da kennt man ja die gängigen Praktiken der Konzerne, um hier möglichst viel zu sparen.

Wo also sollen die Einnahmen herkommen, um selbst nur einen Rumpfstaat zu finanzieren.

Und weitere Einsparungen? An der Stelle, wo es wirklich Sinn machen würde, nämlich beim Militär, wird die Säge nicht angesetzt, denn das wird wie eine heilige Kuh geschützt.

Gruß,
Kaladhor

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