Glyphosat und so

Domac @, Mittwoch, 02.03.2016, 08:33 vor 3632 Tagen 3830 Views

Servus,

Gly soll nun für weitere 15 Jahre zugelassen werden. Es gab von den Grünen ein paar Versuche dies zu beschießen (Muttermilch, Krebs,...), aber da sprang dann die ganze Bauernlobby drauf an. Genau das Klientel, welches den Politikern und der Großindustrie egal ist, wurde benutzt um Monsantos Grundlage für die kommende grüne Genoffensive (ich vermute sie warten noch TTIP, TESA,.. ab) durchzudrücken. Das bedeutet, genau die Gesellschaftsgruppe, die weiter Richtung Abgrund gedrängt wurde, hier instrumentiert worden ist. Wieder mal nach dem Schema: nützliche Idioten.

http://www.umweltinstitut.org/aktuelle-meldungen/meldungen/umweltinstitut-findet-glypho...

Aktuell wurde Glyphosat im Bier nachgewiesen. Ich vermute mal, dass man einfach Bierproben gemacht hat und diese zur Analyse im Labor ausgewertet hat. Wirkliche Studien sehen anders aus.
Dennoch bleibt die Frage woher das Glyphosat kommt und woraus die Unterschiede resultieren.
Zunächst ist die sog. Sikkation (Gly zur konterollierten Abreife) bei Braugerste verboten, da es zu Keimproblemen bei der Malzherstellung kommen kann. Es ist nun die Frage, ob mittlerweile die Mälzer das Know How besitzen die viel billigere Futtergerste unterzumischen. Das wäre dann auch dahingehend bedenklich, weil diese ja im Futtergetreide Verwendung findet. Oder ob es aus dem Hopfen kommt. Hopfen ist eine sog. Dauerkultur, also kann zur Behandlung um die Pflanze herum Glyphosat zum Einsatz kommen um das Unkraut zu minimieren. Oft wird auch das wesentlich günstigere Hopfenextrakt im Brauprozess verwendet. Es kann auch sein, dass bei der Extraktion der hopfeninhaltsstoffe Glyphosat besonders leicht löslich ist. Demnach müsste man einmal zusammentragen welche Biere mit Hopfenextrakt gebraut worden sind.

Was meint Ihr?

GrüßeD

Glyphosat als Wirtschaftstiefenindikator

nvf33 @, Mittwoch, 02.03.2016, 14:51 vor 3632 Tagen @ Domac 2730 Views

Hallo Domac,
Glyphosat ist m.E. sehr aufschlussreiches Thema, vielen Dank für Deinen Hinweis hier darauf. Ich glaube man kann sehr viel daran lesen.

Da ich vermute, dass einigen hier nur ungefähr geläufig ist, wozu Glyphosat eingesetzt wird, kurz zur Erläuterung: Glyphosat wirkt als ein Herbizid, weil es sich in lebende Blätter biologisch integrieren kann, und dabei zum Absterben der Blätter führt. Das wird logischerweise zur Unkrautbekämpfung eingesetzt, aber eben auch beim Getreidenanbau, wo man an einem homogenen Durchtrocknungsgrad der Ähren interessiert ist.
Den erreicht man sehr leicht, wenn man alle Halme gleichzeitig absterben und vertrocknen lässt, z.B. sehr wirksam, indem man Glyphosat auf die Pflanzen sprüht.
Dass man nun einen Stoff, der Blätter schnell tötet eben nicht unbedingt verzehren möchte, dürfte einleuchten.

Allein, man tut es trotzdem, weil es so schön praktisch ist.
Wir leben in einem Zeitalter, indem man nur gerne Dinge tut, die sich innerhalb des eigenen Horizontes lohnen. Für den Ackerbau bedeutet das, dass wir dort Dinge bevorzugen, die kurzfristig mehr Ertrag geben als wir, die also nicht auf Selbsterhalt, sondern auf Expansion ausgerichtet sind, ohne das wir das direkt mitbekommen. Die Natur macht so etwas nun nicht von selbst. Sie macht es nur dann, wenn wir "nachhelfen". Das geht zwingend mit einer Erschöpfung des Ackerbodens einher.

Hochinteressant ist dabei die Preisentwicklung eines Hektars Ackerland, z.B. Sachsen-Anhalt. Der Preis hat sich dort seit Anfang der 1990er Jahre verzwanzigfacht(!), von etwas über 1000 Mark 1992 auf über 15.000€ heute. Nun gut, inflationsbereinigt mag es etwas weniger sein, aber es ist massiv mehr, als sich z.B. der Preis für Weizen erhöht hat seitdem. Das zeigt ebenfalls die Irrationalität in Sachen Landwirtschaft.

Die Tatsache, dass man Glyphosat in Bier gefunden hat, halte ich dabei für wenig überraschend, etwa so, wie man auch Spuren von Nüssen in Kartoffelchips finden kann, oder wie man überall ein Natriumlinie im (optischen) Spektrum hat, auch wenn kein Natrium sonst zu finden ist. Wenn man Glyphosat im Freiland ausbringt, dann ist es potentiell auch in allen Produkten nachweisbar, die auch im Freiland stehen. Äcker sind keine Hochreinräume.
Vor diesem Hintergrund bewerte ich die Funde des Umweltinstitutes als wenig überraschend.

Ich denke, man kann an der Agrarpolitik am deutlichsten ablesen, wie es um unserer Kultur und ihren Bezug zum ernährenden Untergrund bestellt ist.
Glyphosat ist dabei ein schönes-schreckliches Beispiel, wo eine charakterlich-kulturelle Nachlässigkeit sich den Weg zu einem handfesten Irrsinn gebahnt hat. Sein Einsatz im Weizenbau ist etwa so klug, wie der scherzhafte Spruch aus der Ölbranche zu hohem Preisniveau: Wenn einem kalt ist und man sich in die Hosen macht, dann wird zwar warm, aber hilft das wirklich?

Ein weiteres Beispiel ist die Umstrukturierung von Bauernhöfen in LPGs früher in der DDR und heute in Agrarunternehmen dank EU-Subventionen. Klar bringt das erstmal Knete. Aber eben nicht nachhaltig.

Meiner Vermutung nach hat die Beschleunigung der Weltwirtschaft viel damit zu tun, dass man den schwarzen Peter nicht mehr so gerne halten will, aber jeder fürchtet, ihn schon zu halten. Wir werden da um die Grundfragen nicht herumkommen, egal wie schnell wir unser Hirn zentrifugieren. Wie wir mit der Spannung umgehen, mehr zu wissen und zu ahnen, als wir unmittelbar brauchen oder vermeintlich verkraften können, das ist die wirkliche Frage hinter dem gegenwärtigen Irrsinn. Ohne dosierten Kontrollverlust wird da vermutlich wenig verwärts gehen (siehe z.B. auch hier
http://www.dasgelbeforum.net/forum_entry.php?id=393652)
Das Forum hier zeigt diese Ausschläge ja bereits, und das halte ich für sehr gesund.
Oder wer es etwas amerikanischer mag, aus dem Film "The Big Short":

Truth is like poetry. Most people fucking hate poetry.

Viele Grüße
nvf33

Ergänzung

Domac @, Donnerstag, 03.03.2016, 09:27 vor 3631 Tagen @ nvf33 2048 Views

bearbeitet von unbekannt, Dienstag, 19.04.2016, 20:17

Hallo Domac,
Glyphosat ist m.E. sehr aufschlussreiches Thema, vielen Dank für Deinen
Hinweis hier darauf. Ich glaube man kann sehr viel daran lesen.

Da ich vermute, dass einigen hier nur ungefähr geläufig ist, wozu
Glyphosat eingesetzt wird, kurz zur Erläuterung: Glyphosat wirkt als ein
Herbizid, weil es sich in lebende Blätter biologisch integrieren kann, und
dabei zum Absterben der Blätter führt.

Nein, es ist ein sog. systemisches Totalherbizid, das heißt: alle Pflanzenteile (auch die Wurzel) sterben ab.

Das wird logischerweise zur
Unkrautbekämpfung eingesetzt, aber eben auch beim Getreidenanbau, wo man
an einem homogenen Durchtrocknungsgrad der Ähren interessiert ist.
Den erreicht man sehr leicht, wenn man alle Halme gleichzeitig absterben
und vertrocknen lässt, z.B. sehr wirksam, indem man Glyphosat auf die
Pflanzen sprüht.

Die Pflanzen gleichzeitig absterben lässt.

Dass man nun einen Stoff, der Blätter schnell tötet eben nicht unbedingt
verzehren möchte, dürfte einleuchten.

Das Problem ist oft: auch die Ähre wird benetzt und Regen ist immer Sommer weniger häufig. Somit haftet es auch den Körnern an.
M.E. gehört es grundsätzlich verboten als Ährenbehandlung.

Allein, man tut es trotzdem, weil es so schön praktisch ist.

Man tut es, weil man es für notwendig erachtet.

Wir leben in einem Zeitalter, indem man nur gerne Dinge tut, die sich
innerhalb des eigenen Horizontes lohnen. Für den Ackerbau bedeutet das,
dass wir dort Dinge bevorzugen, die kurzfristig mehr Ertrag geben als wir,
die also nicht auf Selbsterhalt, sondern auf Expansion ausgerichtet sind,
ohne das wir das direkt mitbekommen. Die Natur macht so etwas nun nicht von
selbst. Sie macht es nur dann, wenn wir "nachhelfen".

Nein, der sog. Durchwuchs ist ein Problem, indem man nachher im Ernteprodukt reife Ähren mit Feuchtegehalt von 15% und andere mit 20-25 % gemischt sind. Damit entsteht Schimmel bei der Lagerung.

Das geht zwingend mit
einer Erschöpfung des Ackerbodens einher.

Das halte ich für eine pauschale Bewertung, die oft in ökoromantischen Kreisen verwendet wird.
Wenn man das entzogene durch Düngung wieder zuführt, dazu bodenschonend und humusaufbauend wirtschaftet (z.B. durch Kompostdüngung) ist Nachhaltigkeit gegeben.

Hochinteressant ist dabei die Preisentwicklung eines Hektars Ackerland,
z.B. Sachsen-Anhalt. Der Preis hat sich dort seit Anfang der 1990er Jahre
verzwanzigfacht(!), von etwas über 1000 Mark 1992 auf über 15.000€
heute. Nun gut, inflationsbereinigt mag es etwas weniger sein, aber es ist
massiv mehr, als sich z.B. der Preis für Weizen erhöht hat seitdem. Das
zeigt ebenfalls die Irrationalität in Sachen Landwirtschaft.

Land ist ein knappes Gut. Und in Zeiten des Anlagenotstands gehen viele in den Kauf von Land. Weizen ist beliebig handelbar udn auch von weit her transpotabel. Man beachte den BalticDry.

Die Tatsache, dass man Glyphosat in Bier gefunden hat, halte ich dabei
für wenig überraschend, etwa so, wie man auch Spuren von Nüssen in
Kartoffelchips finden kann, oder wie man überall ein Natriumlinie im
(optischen) Spektrum hat, auch wenn kein Natrium sonst zu finden ist.

Das halte ich gelinde gesagt für Esoterik. Wenn Nüsse oder Flips auf den gleichen Abfüllstraßen nacheinander abgefüllt wird, dann ist in Kartoffelchips eine gewisse Chance gegeben, dass dort Nüsse enthalten sind.
Außerdem kennzeichnen Hersteller da eher vorsorglich um kein Risiko einzugehen.

Wenn
man Glyphosat im Freiland ausbringt, dann ist es potentiell auch in allen
Produkten nachweisbar, die auch im Freiland stehen. Äcker sind keine
Hochreinräume.

Nein, aber wenn es auf Ernteprodukte gesprüht wird, die 2 Wochen später im Mähdrescher u.U. mit fehlendem Niederschlag, dann ist das einfach nur dumm.

Vor diesem Hintergrund bewerte ich die Funde des Umweltinstitutes als
wenig überraschend.

Nein, die Frage ist nur, warum zum Beispiel Bitburger einen Nullkommawert besitzt und Hasseröder fast 30.

Ich denke, man kann an der Agrarpolitik am deutlichsten ablesen, wie es um
unserer Kultur und ihren Bezug zum ernährenden Untergrund bestellt ist.
Glyphosat ist dabei ein schönes-schreckliches Beispiel, wo eine
charakterlich-kulturelle Nachlässigkeit sich den Weg zu einem handfesten
Irrsinn gebahnt hat. Sein Einsatz im Weizenbau ist etwa so klug, wie der
scherzhafte Spruch aus der Ölbranche zu hohem Preisniveau: Wenn einem
kalt ist und man sich in die Hosen macht, dann wird zwar warm, aber hilft
das wirklich?

Ein weiteres Beispiel ist die Umstrukturierung von Bauernhöfen in LPGs
früher in der DDR und heute in Agrarunternehmen dank EU-Subventionen. Klar
bringt das erstmal Knete. Aber eben nicht nachhaltig.

Was ist an der heutigen Politik nachhaltig? Nicht mal das EEG.

Meiner Vermutung nach hat die Beschleunigung der Weltwirtschaft viel damit
zu tun, dass man den schwarzen Peter nicht mehr so gerne halten will, aber
jeder fürchtet, ihn schon zu halten. Wir werden da um die Grundfragen
nicht herumkommen, egal wie schnell wir unser Hirn zentrifugieren. Wie wir
mit der Spannung umgehen, mehr zu wissen und zu ahnen, als wir unmittelbar
brauchen oder vermeintlich verkraften können, das ist die wirkliche Frage
hinter dem gegenwärtigen Irrsinn. Ohne dosierten Kontrollverlust wird da
vermutlich wenig verwärts gehen (siehe z.B. auch hier
http://www.dasgelbeforum.net/forum_entry.php?id=393652)
Das Forum hier zeigt diese Ausschläge ja bereits, und das halte ich für
sehr gesund.
Oder wer es etwas amerikanischer mag, aus dem Film "The Big Short":

Truth is like poetry. Most people fucking hate poetry.

Viele Grüße
nvf33

Ich halte den Bezug von Glyphosat zur heutigen Zeit irgendwie unpassend.

GrüßeD

Nur teilweise nachvollziehbar....

J. v. Liebig @, Donnerstag, 03.03.2016, 10:55 vor 3631 Tagen @ nvf33 2049 Views

bearbeitet von unbekannt, Donnerstag, 03.03.2016, 14:44

Hallo, das Thema Sikkation ist weitestgehend richtig beschrieben.
Die Wartezeit liegt je nach Lösungsmittel zwischen 7 und 28 Tagen. Aus ästehtischen Gründen sollte man sich davon distanzieren.

Glyphosat wirkt systemisch bei einer im Wachstum stehenden Pflanze, das heißt es wandert in der Pflanze und lagert sich insbesondere in den Wurzeln an. Daher wird die Aufwandmenge so gewählt, dass die Pflanze noch relative lange assimiliert und den Wirkstoff nachhaltig in die Wurzeln wächst. Hier liegt der eigentliche Einsatzbereich von Glyphosat.

Roundup (Wirkstoff Glyphosat) ist das einzige Mittel, das die Wurzeln von Queckengrass (Rhizome) bekämpfen kann.(Wenn Quecken heute kein Begriff mehr sind, kann das an Roundup liegen). Der Einsatz erfolgt zu einer Zeit, wo die Kulturpflanze noch nicht einmal gesät ist. (Grüne Ungräser auf den Stoppeln).
Dieses Verfahren ist ein wesentlicher Baustein der Mulchsaat-(ohne Pflug). Die neuerdings großen Ernten der Prärien der nördlichen Halbkugel (Russland, Kanada, Ukraine, Polen, etc.) sind diesem Verfahren geschuldet.

Die Zusammenhänge zwischen Großbetrieben im Osten und EU Subventionen kann ich nicht nachvollziehen. Verarmen die Böden? - Wieso? Preis von Ackerland- Glyhposat? Mais ist eine Problemfrucht, da sehr stark humuszehrend.

Ob biologische Landwirtschaft erstrebenswert ist, kann ich letztlich nicht beurteilen. Lebt man länger oder besser? Wie sind Toxine aus Pilzen zu beurteilen? Aus der Praxis kann ich sagen, die machen richtig krank bei Kontamination.
Beurteilen kann ich aber, dass Dtl. sich selbst ohne Veredlung (Fleisch aus Getreide, Milch, Faktor 3:1) nicht mehr annähernd ernähren könnte und entsprechend die Kosten hierfür steigen würden.

Richtig ist auch, dass die Landwirtschaft in den Fokus der Grünen geraten ist, weil sie sonst ja kein Thema mehr haben. Der Wald wollte nicht sterben, Atomkraft ist abgeschaltet, C02 ist irgendwie unerfreulich.

Glyho im Bier, klingt nach preiswerter Futtergerste anstatt Braugerste. Kommt i.d.R. aus Schweden. Auch hier wieder das Thema Sikkation.

Weiterhin soll es so sein, das Monsanto einen Nachfolger für Roundup in der Pipeline hat und quasi selbst mit dem Mittel zündelt. Beim Roundup ist das Patent ausgelaufen, damit ist kein Geld mehr zu verdienen.


Gruß v.L.

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