Hallo Domac,
Glyphosat ist m.E. sehr aufschlussreiches Thema, vielen Dank für Deinen
Hinweis hier darauf. Ich glaube man kann sehr viel daran lesen.
Da ich vermute, dass einigen hier nur ungefähr geläufig ist, wozu
Glyphosat eingesetzt wird, kurz zur Erläuterung: Glyphosat wirkt als ein
Herbizid, weil es sich in lebende Blätter biologisch integrieren kann, und
dabei zum Absterben der Blätter führt.
Nein, es ist ein sog. systemisches Totalherbizid, das heißt: alle Pflanzenteile (auch die Wurzel) sterben ab.
Das wird logischerweise zur
Unkrautbekämpfung eingesetzt, aber eben auch beim Getreidenanbau, wo man
an einem homogenen Durchtrocknungsgrad der Ähren interessiert ist.
Den erreicht man sehr leicht, wenn man alle Halme gleichzeitig absterben
und vertrocknen lässt, z.B. sehr wirksam, indem man Glyphosat auf die
Pflanzen sprüht.
Die Pflanzen gleichzeitig absterben lässt.
Dass man nun einen Stoff, der Blätter schnell tötet eben nicht unbedingt
verzehren möchte, dürfte einleuchten.
Das Problem ist oft: auch die Ähre wird benetzt und Regen ist immer Sommer weniger häufig. Somit haftet es auch den Körnern an.
M.E. gehört es grundsätzlich verboten als Ährenbehandlung.
Allein, man tut es trotzdem, weil es so schön praktisch ist.
Man tut es, weil man es für notwendig erachtet.
Wir leben in einem Zeitalter, indem man nur gerne Dinge tut, die sich
innerhalb des eigenen Horizontes lohnen. Für den Ackerbau bedeutet das,
dass wir dort Dinge bevorzugen, die kurzfristig mehr Ertrag geben als wir,
die also nicht auf Selbsterhalt, sondern auf Expansion ausgerichtet sind,
ohne das wir das direkt mitbekommen. Die Natur macht so etwas nun nicht von
selbst. Sie macht es nur dann, wenn wir "nachhelfen".
Nein, der sog. Durchwuchs ist ein Problem, indem man nachher im Ernteprodukt reife Ähren mit Feuchtegehalt von 15% und andere mit 20-25 % gemischt sind. Damit entsteht Schimmel bei der Lagerung.
Das geht zwingend mit
einer Erschöpfung des Ackerbodens einher.
Das halte ich für eine pauschale Bewertung, die oft in ökoromantischen Kreisen verwendet wird.
Wenn man das entzogene durch Düngung wieder zuführt, dazu bodenschonend und humusaufbauend wirtschaftet (z.B. durch Kompostdüngung) ist Nachhaltigkeit gegeben.
Hochinteressant ist dabei die Preisentwicklung eines Hektars Ackerland,
z.B. Sachsen-Anhalt. Der Preis hat sich dort seit Anfang der 1990er Jahre
verzwanzigfacht(!), von etwas über 1000 Mark 1992 auf über 15.000€
heute. Nun gut, inflationsbereinigt mag es etwas weniger sein, aber es ist
massiv mehr, als sich z.B. der Preis für Weizen erhöht hat seitdem. Das
zeigt ebenfalls die Irrationalität in Sachen Landwirtschaft.
Land ist ein knappes Gut. Und in Zeiten des Anlagenotstands gehen viele in den Kauf von Land. Weizen ist beliebig handelbar udn auch von weit her transpotabel. Man beachte den BalticDry.
Die Tatsache, dass man Glyphosat in Bier gefunden hat, halte ich dabei
für wenig überraschend, etwa so, wie man auch Spuren von Nüssen in
Kartoffelchips finden kann, oder wie man überall ein Natriumlinie im
(optischen) Spektrum hat, auch wenn kein Natrium sonst zu finden ist.
Das halte ich gelinde gesagt für Esoterik. Wenn Nüsse oder Flips auf den gleichen Abfüllstraßen nacheinander abgefüllt wird, dann ist in Kartoffelchips eine gewisse Chance gegeben, dass dort Nüsse enthalten sind.
Außerdem kennzeichnen Hersteller da eher vorsorglich um kein Risiko einzugehen.
Wenn
man Glyphosat im Freiland ausbringt, dann ist es potentiell auch in allen
Produkten nachweisbar, die auch im Freiland stehen. Äcker sind keine
Hochreinräume.
Nein, aber wenn es auf Ernteprodukte gesprüht wird, die 2 Wochen später im Mähdrescher u.U. mit fehlendem Niederschlag, dann ist das einfach nur dumm.
Vor diesem Hintergrund bewerte ich die Funde des Umweltinstitutes als
wenig überraschend.
Nein, die Frage ist nur, warum zum Beispiel Bitburger einen Nullkommawert besitzt und Hasseröder fast 30.
Ich denke, man kann an der Agrarpolitik am deutlichsten ablesen, wie es um
unserer Kultur und ihren Bezug zum ernährenden Untergrund bestellt ist.
Glyphosat ist dabei ein schönes-schreckliches Beispiel, wo eine
charakterlich-kulturelle Nachlässigkeit sich den Weg zu einem handfesten
Irrsinn gebahnt hat. Sein Einsatz im Weizenbau ist etwa so klug, wie der
scherzhafte Spruch aus der Ölbranche zu hohem Preisniveau: Wenn einem
kalt ist und man sich in die Hosen macht, dann wird zwar warm, aber hilft
das wirklich?
Ein weiteres Beispiel ist die Umstrukturierung von Bauernhöfen in LPGs
früher in der DDR und heute in Agrarunternehmen dank EU-Subventionen. Klar
bringt das erstmal Knete. Aber eben nicht nachhaltig.
Was ist an der heutigen Politik nachhaltig? Nicht mal das EEG.
Meiner Vermutung nach hat die Beschleunigung der Weltwirtschaft viel damit
zu tun, dass man den schwarzen Peter nicht mehr so gerne halten will, aber
jeder fürchtet, ihn schon zu halten. Wir werden da um die Grundfragen
nicht herumkommen, egal wie schnell wir unser Hirn zentrifugieren. Wie wir
mit der Spannung umgehen, mehr zu wissen und zu ahnen, als wir unmittelbar
brauchen oder vermeintlich verkraften können, das ist die wirkliche Frage
hinter dem gegenwärtigen Irrsinn. Ohne dosierten Kontrollverlust wird da
vermutlich wenig verwärts gehen (siehe z.B. auch hier
http://www.dasgelbeforum.net/forum_entry.php?id=393652)
Das Forum hier zeigt diese Ausschläge ja bereits, und das halte ich für
sehr gesund.
Oder wer es etwas amerikanischer mag, aus dem Film "The Big Short":
Truth is like poetry. Most people fucking hate poetry.
Viele Grüße
nvf33
Ich halte den Bezug von Glyphosat zur heutigen Zeit irgendwie unpassend.
GrüßeD