Frage um Rat: Wie gehe ich am besten gegen einen Lebensmittelkonzern vor?

helmut-1 @, Siebenbürgen, Samstag, 27.02.2016, 07:49 vor 3636 Tagen 3355 Views

Es dreht sich hier um eine Supermarktkette, die in Österreich und in einigen osteuropäischen Ländern, u.a. auch in Rumänien, Filialen vorhält.

Nur: Da bin ich nicht mehr der Meinung, dass sich diese Marke als positives Aushängeschild für Österreich erweist, was es eigentlich sollte. Vieles liegt hier im Argen, - nicht nur das Innenaussehen, meist auch die Außenansicht, - die Außenanlagen, - alles vernachlässigt und Kanalabflüsse seit Jahren defekt, - wenn man vom Parkplatz des Supermarktes bei Regen in den Supermarkt hineingeht, dann benützt man besser Gummistiefel, seit Jahren im Eingangsbereich fehlende Bodenfliesen, usw. Vom Umgang mit den Mitarbeitern möchte ich erst gar nicht sprechen, - auch da habe ich einiges erfahren. Die werden erheblich unter Druck gesetzt.

Jetzt kann es natürlich sein, dass derjenige, der hier in Rumänien das Aussehen und den Zustand der Supermärkte kontrollieren soll, ein Rumäne ist, für den derlei Dinge absolut untergeordnet sind, - ist eben Ansichtssache. Man schottet sich auch in der Zentrale ab, - ich komm an den zuständigen Herrn in Bukarest gar nicht dran.

Deshalb hatte ich die Idee, das einer größeren österreichischen Tageszeitung als Bildreportage anzubieten, - kostenlos. Das war noch im Spätherbst, - keine Antwort. Dann bin ich draufgekommen, dass diese Supermarktkette regelmäßig in dieser Tageszeitung ihre Sonderangebote inseriert. Davon aber sind die meisten Tageszeitungen betroffen. Natürlich ist mir klar, warum ich dann keine Antwort bekomme.

Jetzt bin ich mir unschlüssig:

- Soll man das im Internet veröffentlichen, oder die Veröffentlichung erst mal an die österreichische Konzernleitung schicken (ich will ja auch ein gewisses "Fair-play" einhalten, vielleicht wissen die darüber gar nichts, - oder die wissen es und schweigen, weil der Konkurrenzkampf keine besondere Rendite mehr zuläßt, die solche Reparaturen abdecken würden)?

- Darf man dann den Namen der Supermarktkette im Internet mit solchen Veröffentlichungen nennen?

- Wo gibt man das im Internet am besten hinein?

- Oder hat jemand eine andere - effektivere - Idee der Vorgehensweise?

Inwiefern bist du selber davon betroffen und hast Nachteile?

Mephistopheles @, Datschiburg, Samstag, 27.02.2016, 09:29 vor 3636 Tagen @ helmut-1 2411 Views

Es dreht sich hier um eine Supermarktkette, die in Österreich und in
einigen osteuropäischen Ländern, u.a. auch in Rumänien, Filialen
vorhält.

Nur: Da bin ich nicht mehr der Meinung, dass sich diese Marke als
positives Aushängeschild für Österreich erweist, was es eigentlich
sollte. Vieles liegt hier im Argen, - nicht nur das Innenaussehen, meist
auch die Außenansicht, - die Außenanlagen, - alles vernachlässigt und
Kanalabflüsse seit Jahren defekt, - wenn man vom Parkplatz des
Supermarktes bei Regen in den Supermarkt hineingeht, dann benützt man
besser Gummistiefel, seit Jahren im Eingangsbereich fehlende Bodenfliesen,
usw. Vom Umgang mit den Mitarbeitern möchte ich erst gar nicht sprechen,
- auch da habe ich einiges erfahren. Die werden erheblich unter Druck
gesetzt.

Du kannst am besten so dagegen vorgehen, indem du ihnen Geld gibst, um ihre Läden zu renovieren und besser auszustatten.
Auch das Personal nimmt sicher gerne Geld an, wenn du ihre Löhne erhöhen und damit ihre Behandlung verbessern willst.


Gruß Mephistopheles

--
Wenn wir nicht das Institut des Eigentums wiederherstellen, können wir nicht umhin, das Institut der Sklaverei wiederherzustellen, es gibt keinen dritten Weg. Hillaire Belloc

:)) - Sollen wir alle Dir unsere Kontodaten schicken, weil Du uns etwas spenden möchtest? (oT)

Vatapitta @, Samstag, 27.02.2016, 10:20 vor 3636 Tagen @ Mephistopheles 1825 Views

- kein Text -

--
Chronisch sind die Schmerzen dann, wenn der Doktor sie nicht heilen kann. http://www.liebscher-bracht.com/

Ev. ist die Siffbude der einzige Laden mit Auswahl am Ort.

FOX-NEWS @, fair and balanced, Samstag, 27.02.2016, 10:35 vor 3636 Tagen @ Mephistopheles 2077 Views

Dann könnte ich seinen Unmut verstehen.

Wenn du nicht die Nerven hast, das Thema selbst in die Welt zu tragen, dann nutze doch die Mechanismen des Internet für die Informationsverbreitung. Soweit ich das sehe, handelt es sich um ein klassisch rot-grünes Thema (Kapitalismus, Ausbeutung, Umweltverschmutzung). Ausserdem haben die mit "Österreich", seit die Balkanroute dichtgemacht wurde, sicher noch eine Rechnung offen [[zwinker]].

Spontan würde ich Indimedia als Einstiegspunkt wählen. Zwei Stunden später kennt die ganze Welt die Bilder via Facebook und Twitter ...

Grüße

--
[image]
** Keiner soll hungern ohne zu frieren! **

Ich will das etwas besser erklären

helmut-1 @, Siebenbürgen, Samstag, 27.02.2016, 12:10 vor 3636 Tagen @ FOX-NEWS 2309 Views

Dann könnte ich seinen Unmut verstehen.

Ist nicht der einzige Supermarkt, es gibt mehrere, vor allem aus Deutschland. Interessanterweise achten die mehr auf ihr Erscheinungsbild als - in diesem Fall - die österreichische Kette.


Wenn du nicht die Nerven hast, das Thema selbst in die Welt zu tragen,
dann nutze doch die Mechanismen des Internet für die
Informationsverbreitung.

Ich versteh das nicht, - "nicht die Nerven dafür haben, das Thema in die Welt zu tragen". Ich blitze bei den Zeitungen ab, also will ich mich des Internets bedienen. Ist das nicht genau das "in die Welt tragen"?

Soweit ich das sehe, handelt es sich um ein

klassisch rot-grünes Thema (Kapitalismus, Ausbeutung,
Umweltverschmutzung).

Da liegst Du falsch. Das ist kein rot-grünes Thema, sondern für jedermann allgemeingültig. Weil wenn Dir das Wasser aus den Pfützen beim Gang vom Auto zum Supermarkteingang in die Schuhe hineinläuft, dann fluchst Du genauso, - egal, ob Du grün oder braun bist.

Kapitalismus spielt nur insofern hinein, als dass man Lebensmittel, insbesonders die aus dem eigenen Land, mit wesentlich mehr angepaßten Preisen anbieten könnte. Der Durchschnittslohn der arbeitenden Bevölkerung liegt bei rund 300 € pro Monat. Die Lebensmittelpreise bei den ausländischen Supermarktketten sind aber gleich wie in Österreich oder Deutschland, oder manchmal sogar um einige Prozent höher. Lediglich einige Grundnahrungsmittel sind angepaßt.

Ausserdem haben die mit "Österreich", seit die

Balkanroute dichtgemacht wurde, sicher noch eine Rechnung offen
[[zwinker]].

Tut mir leid, da kann ich keinen Zusammenhang mit der Fragestellung erkennen. Ums mal klar zu sagen: Wir haben hier in Rumänien kein Problem mit de Balkanroute, wir haben hier kein Immigrationsproblem, und die paar Zuwanderer aus dem arabischen Raum sind echte Asylanten. Die sind froh, wenn sie ein Dach über dem Kopf haben und ruhig schlafen können. Durch Rumänien sind keine Völkerwanderungsströme geflossen, die letzte Völkerwanderung fand im 13. Jhdt. statt. Wüßte auch nicht, wofür da noch irgendeine Rechnung offen wäre.


Spontan würde ich Indimedia als Einstiegspunkt wählen. Zwei Stunden
später kennt die ganze Welt die Bilder via Facebook und Twitter ...

Na, - das hilft mir wirklich weiter. Ich habe oftmals hier erklärt, dass ich mit dem IT-Thema nichts am Hut habe und ein einfacher Mensch vom Bau bin. Nun werde ich mich mit dem "Indimedia" auseinandersetzen und das dort veröffentlichen. Das wars ja eigentlich, was ich wissen wollte.

Natürlich kann man fragen, warum mich das interessiert. Klar habe ich persönlich (außer Wasser in den Schuhen) keine größeren Nachteile durch das Verhalten der Supermarktkette. Ich bin hier selbständig tätig, und ich kann mir das Angebot des Supermarktes finanziell erlauben.

Man muss allerdings wissen, dass sich die österreichischen Konzerne und Großfirmen in Rumänien viel früher etabliert haben, als es die deutschen und andere Konzerne gemacht haben. Dadurch haben die eine Art "Heimvorteil". Überhaupt sind hier wesentlich mehr österreichische Firmen als deutsche präsent.

Deshalb braucht man die Sache nicht zu übertreiben und zum Zwecke der Gewinnmaximierung irgendwelche vorsintflutlichen rumänischen Aspekte einzuführen, nach dem Motto, - Hauptsache Gewinn, egal mit welchem optischem Eindruck. Das ist einer österreichischen Firma nicht würdig, zumal es die Konkurrenz aus Deutschland unter Beweis stellt, dass es auch anders geht.

Ich gehöre einfach zu der aussterbenden Rasse, die sich mit dem, was aus der angestammten Heimat kommt (bei mir Österreich), identifiziert und das auch im Bedarfsfall kritisch sieht. Aber ich habe auch Verständnis dafür, dass derlei Gefühle in anderen Ländern abhanden gekommen sind.

Es gibt mittlerweile einige Negativbeispiele von Österreichern, die sich aufgrund dessen, dass sie sehr schnell nach dem Umsturz in Rumänien präsent waren, da "Sonderrechte" erwirtschaftet haben, die nicht mit den gültigen Gesetzen vereinbar sind. Da gibts Beispiele genug, u.a. auch in der Holzwirtschaft. Diese Leute werden - zu Recht- zur Verantwortung gezogen.

Wenn diese Leute aufgrund Ihrer persönlichen Gewinnvorstellungen Raubbau an der Natur betreiben, dann finden sie in vielen Bewohnern des Landes eine Kontrabewegung. Ich bin aus einem wunderbaren Land, nämlich Österreich, hierher gekommen, und habe festgestellt, dass dieses Rumänien landschaftlich sogar noch mehr Aspekte aufweist. Ich werde nicht zulassen, dass die kaputtgemacht werden, und werde mich dagegen - zusammen mit anderen Gleichgesinnten - wehren. Das geht aus dem logischen Hausverstand hervor, der bei mir mit Sicherheit nicht grün gefärbt ist.

Wenn ich mich mit so einer Supermarktkette auseinandersetze, - dann kann man mir auch Borniertheit unterstellen. Ich betrachte es als Weitsicht. Genauso hat es mit der Bausupermarktkette wie z.B. "Baumax" begonnen. Auch Österreicher. Was ist passiert: Aufgrund der von mir weiter oben angeprangerten Mentialität hat das Kundeninteresse nachgelassen, bis die Kette im ganzen Land aufgrund Unwirtschaftlichkeit geschlossen wurde. Die Mitarbeiter sitzen auf der Straße.

O.k., das war nicht in unserer Stadt. Aber auch hier - beim Thema Supermarkt - stellt man zunehmend den Unmut der Kunden fest, - aufgrund dieser Umstände. Klar gibt es auch andere Supermärkte, man wird kaum ein Defizit feststellen. Aber man kennt in einer Kleinstadt viele Leute, natürlich auch so manche der Angestellten in so einem Supermarkt. Und da ist es dann nicht mehr so egal, ob der irgendwann auf der Straße sitzt oder nicht.

Und warum? Aufgrund einer verfehlten Unternehmenspolitik, die dem Konzern, den Aktionären und auch den Angestellten schadet. Das Interessante ist nur dabei, dass diejenigen, die hier falsch am Rädchen drehen, niemals zur Verantwortung gezogen werden. Die kündigen zur rechten Zeit und bekommen einen gleichgearteten Job in einer anderen Supermarktkette.

Sollte ich deshalb mit rot-grüner Einstellung bezeichnet werden, dann nehme ich es mit Ehre auf, - bislang hat man mich zumeist als rechtsaußen einsortiert.


Grüße

Beste Grüße zurück!

Ich bezog mich auf folgendes:

FOX-NEWS @, fair and balanced, Samstag, 27.02.2016, 16:04 vor 3636 Tagen @ helmut-1 1758 Views

Zitat:
- Darf man dann den Namen der Supermarktkette im Internet mit solchen Veröffentlichungen nennen?

- Wo gibt man das im Internet am besten hinein?

Daher dachte ich, daß du nicht als derjenige auftreten willst (siehe auch den Versuch, Zeitungen einzuspannen), der einen Shitstorm gegen die Firma auslöst. Es wäre also nur folgerichtig "Aktivisten" zu suchen, welche sich dein Problem zur Herzensangelegenheit machen [[zwinker]]. Die Teilnehmer von Indimedia sind von der Art, daß sie bei Stichwörtern Kapitalismus, Ausbeutung, Rechts abgehen wie die Pawlowschen Hunde ...

Danke übrigens für deine ausführliche Antwort.

Grüße

--
[image]
** Keiner soll hungern ohne zu frieren! **

Danke für die Info

helmut-1 @, Siebenbürgen, Samstag, 27.02.2016, 20:42 vor 3636 Tagen @ FOX-NEWS 1537 Views

Generell habe ich kein Problem damit, das, was ich behaupte oder anderen vorwerfe, mit meinem Namen zu versehen. Ich stehe immer zu meinen Aussagen.

Das Problem war hier ein anderes: Ich bin ständig aufgelaufen, zumindest bei den üblichen österr. Tageszeitungen, aus den genannten Gründen.

Deshalb ist der Hinweis auf diese Internetseite sehr hilfreich. Werd das schon so verpacken, damit die "soziale Komponente" dieser Seite zum Tragen kommt.

Im übrigen habe ich noch direkte Zuschriften erhalten, die mich gleich im Vorfeld darüber aufklärten, dass es sich um ein Mitglied der REWE-Holding handelt, auch, wenn der Sitz der Supermarktkette in Österreich ist. Auch gewisse Anleitungen zum effizienten Vorgehen habe ich erhalten, - vielen Dank übrigens!

Beste Grüße - Helmut

Einer der Ratschläge, die mir so gut wie nichts bringen (oT)

helmut-1 @, Siebenbürgen, Samstag, 27.02.2016, 11:19 vor 3636 Tagen @ Mephistopheles 1720 Views

- kein Text -

Kein Nachteil ohne Vorteil-Gruß vom Resignationalisten

Leisereiter @, Samstag, 27.02.2016, 11:37 vor 3636 Tagen @ helmut-1 2035 Views

Wir hatten doch schon besprochen, warum Rumänien für Völkerwanderer bisher kaum attraktiv ist.

... Vieles liegt hier im Argen, - nicht nur das Innenaussehen, meist
auch die Außenansicht, - die Außenanlagen, - alles vernachlässigt und
Kanalabflüsse seit Jahren defekt, - wenn man vom Parkplatz des
Supermarktes bei Regen in den Supermarkt hineingeht, dann benützt man
besser Gummistiefel, seit Jahren im Eingangsbereich fehlende Bodenfliesen,

Dies scheint mir einer der Gründe zu sein. Ich stelle mir gerade vor, wie so ein Völkerwanderer zum Anderen sagt: "Da siehts ja aus wie bei uns zu Hause! Da hätten wir gleich daheim bleiben können, da war wenigstens das Wetter besser."

Wenn die Grenzen so offen bleiben wie jetzt, werden wir eine globale Nivellierung der (aller!) Standards erleben. Dann werden unsere Enkel wahrscheinlich sogar froh sein, wenn es bei uns so aussehen wird wie jetzt in Rumänien.

Conclusio: Ich rege mich nicht mehr über solche Nebensächlichkeiten auf, die vielleicht sogar gewisse Vorteile (siehe oben) mit sich bringen.

--
https://www.youtube.com/watch?v=faNge-o0V-k https://www.youtube.com/watch?v=fl9HMSTHeTg Möglicher Ausweg für Weiße: Werdet schwarz! http://edition.cnn.com/2015/06/16/us/washington-rachel-dolezal-naacp/ https://www.youtube.com/watch?v=LPjzfGChGlE

Mein Eindruck von rumänischen Betrieben

Martin @, Samstag, 27.02.2016, 17:20 vor 3636 Tagen @ helmut-1 2191 Views

Ich kann nichts beitragen zur Kampagne, die vermutlich ein ganz guter Ansatz ist:

Wir (im Rahmen eines internationalen Konzerns) sind im Zuge des Outsourcing irgendwann in Timeswar mit der Leiterplattenbestückung gelandet. Auch wegen wiederkehrender Qualitätsprobleme hatte ich mehrere Gespräche mit unseren Einkäufern. Ungefähres Fazit: Die Mentalität der rumänischen Mitarbeiter war nicht sehr kompatibel mit dem was man in einem gut funktionierendem Qualitätssystem erwartet. Nicht rechtzeitiges Erscheinen bei der Arbeit war nur eines der Probleme.

Da aber in diesem Fall unsere Endkunden sehr hohe Ansprüche haben, die Folgekosten an uns selbst hängen blieben, war das Interesse groß, Missstände in den Griff zu bekommen. Harte Arbeit für die Einkäufer und das deutsche Mutterunternehmen.

In eurem Fall sitzt der Endkunde in Rumänien, die Berichterstattung nach Österreich dürfte gefiltert sein, da findet sich dann im Konzern niemand, der großen Handlungsbedarf sehen will.

Ein Hebel ist sicher, dies an die Öffentlichkeit zu bringen. Ein anderer Hebel könnte sein, dass Verstöße gegen Lebensmittelrichtlinien vorliegen (dazu müsste man sich aber schlau machen). Bei einem schlampig geführten Betrieb ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass beispielsweise abgelaufene Ware in den Regalen liegt. Dazu müsste es eigentlich eine nationale Anlaufstelle mit Eskalationsmöglichkeit zur EU geben, da Lebensmittel reguliert sind.

Dein Eindruck stimmt schon irgendwie

helmut-1 @, Siebenbürgen, Samstag, 27.02.2016, 21:14 vor 3636 Tagen @ Martin 1874 Views

Ich kann nichts beitragen zur Kampagne, die vermutlich ein ganz guter
Ansatz ist:

Wir (im Rahmen eines internationalen Konzerns) sind im Zuge des
Outsourcing irgendwann in Timeswar mit der Leiterplattenbestückung
gelandet. Auch wegen wiederkehrender Qualitätsprobleme hatte ich mehrere
Gespräche mit unseren Einkäufern. Ungefähres Fazit: Die Mentalität der
rumänischen Mitarbeiter war nicht sehr kompatibel mit dem was man in einem
gut funktionierendem Qualitätssystem erwartet. Nicht rechtzeitiges
Erscheinen bei der Arbeit war nur eines der Probleme.

Mein Kommentar dazu: In Rumänien hat man bei der Führung der Arbeitskräfte ein spezielles Naturell an den Tag zu legen. Auch ich mußte das lernen. Nach meiner Arbeitseinstellung, auch im Zusammenhang mit den Mitarbeitern, lege ich großen Wert auf Harmonie und Freude an der Arbeit. Für diese Neigung war ich auch immer bereit, über so manches hinwegzusehen. Das ist in Rumänien grundfalsch.

Mein Sohn, der sich derzeit in der Berufsausbildung befindet, aber bereits selbständig Teilbereiche meines Betriebes führt, ist da ganz anders. Allerdings ist er auch in Rumänien aufgewachsen und adaptiert sich ganz anders mit der hier vorhandenen Mentialität. Bei dem gehts knallhart zu, - entweder hopp oder tropp. Er hat auch mehr Erfolg bei dieser Vorgehensweise, - anscheinend verstehen die Rumänen das besser und legen eine "weiche" Mentialität wie die meine als Schwachheit aus.


Da aber in diesem Fall unsere Endkunden sehr hohe Ansprüche haben, die
Folgekosten an uns selbst hängen blieben, war das Interesse groß,
Missstände in den Griff zu bekommen. Harte Arbeit für die Einkäufer und
das deutsche Mutterunternehmen.

Ich kenne hier erfolgreiche Unternehmen, deren Mutterkonzern in Deutschland ansässig ist, und die in Rumänien mit Erfolg produzieren lassen. Da gibts z.B. Produktionsleiter, die nicht nur zweisprachig agieren, sondern auch knallharte Vorgaben zelebrieren. Kann man ruhig beim Namen nennen, - das wäre z.B. die Fa. Bachmann (Elektroartikel) oder auch die Fa. Kromberg & Schubert (Autozulieferer). Beide produzieren sowohl für den einheimischen, als auch für den EU-Markt.

Ich hab da einen gewissen Einblick: Da gibts bestimmte Produktionszahlen, die erfüllt werden müssen. Aber mit Qualität. Die haben ein System, bei dem klar erkennbar ist, wer was verpfuscht hat. Wird automatisch vom Lohn abgezogen. Das ist übrigens die einzige Sprache, die man in Rumänien versteht und nach der man sich richtet.

Bei mir hat sich da auch einigs geändert, z.B.: Werkzeug auf der Baustelle. Eine Kelle abgebrochen und mir die kaputte Kelle gebracht, kein Kommentar, sofort kaufe ich eine andere. Fehlt die Kelle (der Mann hat sie z.B. irgendwie verschlammt), wird sie ihm vom Lohn abgezogen. Ähnlich bei den Fahrzeugen, bei zerbrochenem Blinkerglas etc. Jeder Fahrer haftet für das zur Verfügung gestellte Fahrzeug. Fährt ihm ein anderer hinein, dann ist das was anderes und der Verursacher bezahlt (über dessen Haftpflicht). In der Früh um 10 Minuten verspäten, bedeutet bei einer 3-er Gruppe einen Abzug auf dem Stundenzettel von einer halben Stunde, weil die anderen wegen dem Verspäteten auch nicht auf die Baustelle können (die Leute werden mit dem Firmenfahrzeug zur Baustelle gebracht).


In eurem Fall sitzt der Endkunde in Rumänien, die Berichterstattung nach
Österreich dürfte gefiltert sein, da findet sich dann im Konzern niemand,
der großen Handlungsbedarf sehen will.

Klar, man will ja Gewinne einheimsen und nicht in Instandhaltungsmaßnahmen reinvestieren.


Ein Hebel ist sicher, dies an die Öffentlichkeit zu bringen. Ein anderer
Hebel könnte sein, dass Verstöße gegen Lebensmittelrichtlinien vorliegen
(dazu müsste man sich aber schlau machen). Bei einem schlampig geführten
Betrieb ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass beispielsweise abgelaufene
Ware in den Regalen liegt. Dazu müsste es eigentlich eine nationale
Anlaufstelle mit Eskalationsmöglichkeit zur EU geben, da Lebensmittel
reguliert sind.

Da passen die Angestellten des Supermarktes ganz genau auf, weil das ihren Arbeitsplatz kosten kann. Ich hab mich letztes Jahr einige Male geleimt gefühlt, weil in abgepackten Einheiten (z.B. Kartoffel, oder Zwiebel) das darauf angegebene Gewicht nicht gestimmt hat. Es war meistens etwas weniger. Die Filiale führte das auf den Feuchtigkeitsverlust beim Lagern der Ware zurück. Fest steht, ich habe den Verbraucherschutz angerufen (das gibts auch in Rumänien), die Kerle sind gekommen, haben das genauso festgestellt und der Filiale eine Strafe (weiß nicht, in welcher Höhe) aufgebrummt.

Das ist leider in Rumänien eine verdammt blöde Einrichtung. Es gibt so gut wie nie eine Art der Verwarnung, ein Hinweis, dass es im Wiederholungsfalle Konsequenzen nach sich zieht, - es wird immer gleich zur Kasse gebeten. Im Straßenverkehr genauso. Davon finanziert sich der Staat.

Generell kann man an der Qualität in Supermärkten selten was aussetzen, - höchstens an Schnittblumen oder Topfpflanzen, weil die Kerle keine Ahnung haben, wie sowas aufzubewahren ist. Verfallsdatum wird beachtet, - lediglich mit der Logistik haperts öfters. Die sind zumeist nicht in der Lage, rechtzeitig die Artikel zu ordern, die aus irgendeinem Grunde schneller weggehen als üblich. Z.B. im Sommer mit Mineralwasser.

Da spielt noch die alte Einstellung aus dem Kommunismus mit, - man kauft nicht, wenn man etwas benötigt, sondern dann, wenn es vorhanden ist.

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Wandere aus, solange es noch geht.