Unterschiedliche Sprachlogiken und die Besitzanzeige - Voraussetzungen für Besitz und Eigentum
Hallo Ostfriese,
danke für den Hinweis.
Humboldt und Zeitgenossen haben sich viele Versuche über die Typologisierungen von Sprachen unternommen. Die dabei erkannten Unterschiede werden noch heute verwendet.
https://de.wikipedia.org/wiki/Sprachtypologie
So lassen sich Sprachfamilien danach unterscheiden, wielche Satzstellungen üblich sind:
https://de.wikipedia.org/wiki/Subjekt-Verb-Objekt
https://de.wikipedia.org/wiki/Verb-Subjekt-Objekt
https://de.wikipedia.org/wiki/Subjekt-Objekt-Verb
Die Grammatik wird auch benutzt, um deutlich zu machen, was zu einem gehörig betrachtet wird: z. B. Körperteile; Clan-, Stammes- oder Familienmitglieder oder Objekte.
Z. B. Südamerika:
"Grammatik
Quechua ist eine agglutinierende Sprache wie Türkisch und Finnisch, d.h. die Bedeutung eines Wortes wird durch das Anhängen von Silben (Suffixe) an einen unveränderlichen Wortstamm angepasst, nicht durch Beugung (Veränderung des ganzen Wortes je nach Zeit, Person, Geschlecht und Fall) wie beispielsweise im Deutschen.
Die Reihenfolge der Suffixe ist streng geregelt, wie das Beispiel des Wortes chakra (Feld) illustriert:
Die Bedeutung „klein“ drückt man durch Anfügen des Suffixes -cha aus.
Die Besitzanzeige „mein“ wird durch Anfügen des Suffixes -y erreicht.
Den Plural erhält man durch Anhängen des Suffixes -kuna.
Der Ausdruck „meine kleinen Felder“ lautet auf Quechua folglich: chakrachaykuna.
Wie die meisten agglutinierenden Sprachen ist das Quechua eine Sprache vom Typ SOP (Subjekt-Objekt-Prädikat), d. h. im Normalfall gilt eine Wortfolge wie in diesem Satz:
Michiqkunaqa wayñutam takichkanku = Die Hirten [michiqkuna] singen [takiy] (gerade) [-chka-] einen Wayñu [Art Gesang/Tanz]. "
https://de.wikipedia.org/wiki/Quechua#Grammatik
Das Recht soll später u. a. helfen, das Eigene vor Fremdzugriffen zu schützen. Das setzt also voraus, also noch lange bevor das Rechtsinstitut Eigentum entsteht (das eigentliche gehören zu, von Rechtsobjekt zu einen Rechtssubjekt - im Unterschied zu einem - nur vorübergehenden, zeitweiligen "Haben dürfen", "nutzen oder gebrauchen können" => Besitz), dass es ein Verständnis und eine Beschreibung von mein und dein, unser oder euer gegeben ist. Die Besitzanzeige.
Es ist interessant zu sehen, welche uns bekannten weitverbreiteten Sprachen ähnlich aufgebaut bzw. gedacht und gesprochen werden. Daneben wäre interessant, in wie weit sich das auf die jeweiligen Rechtskreisen oder -familien auswirkt: https://de.wikipedia.org/wiki/Rechtskreis . Bzw. ob oder wie sich die unterschiedlichen typischen Beschreibungsweisen auf die jeweiligen Gemeinschaften und Gesellschaften auswirken.
Recht als solches kann nur über die Sprache funktionieren (wie aber auch vieles weitere, man denke an Mythen, Märchen, aber auch jede Beschreibung in der Wissenschaft). Nur dieser wird dargestellt, was sein soll und was verboten oder was wem wann gehören soll usw. Das allerdings auch bereits in vorrechtlichen Gemeinschaften. Das Begreifen von vorrübergehendem "haben dürfen" und "behalten dürfen" bzw. "gehören zu", wie auch "mein" und "dein" ("sein") sind überhaupt Voraussetzungen für z. B. Eigentum und Regelungen des Besitzes.
Das hierzulande sehr erfolgreich rezipierte römische Recht entstand in einer sehr variablen Sprache, und damit ebenfalls variablen Denkweise (die zudem als https://de.wikipedia.org/wiki/Lingua_franca diente):
"Latein als flektierende Sprache hat wie viele andere flektierende Sprachen eine sehr flexible Satzstellung, die üblichste ist jedoch SOV. Ein Beispiel ist der Satz „servus puellam amat“, wortwörtlich übersetzt „Der Sklave das Mädchen er liebt“ und in die deutsche Satzstruktur übertragen „Der Sklave liebt das Mädchen“. In diesem Satz ist servus das Subjekt, puellam das Objekt und amat das Verb."
https://de.wikipedia.org/wiki/Subjekt-Objekt-Verb
Friedrich Schiller
Dilettant.
"Weil ein Vers dir gelingt in einer gebildeten Sprache,
Die für dich dichtet und denkt, glaubst du schon Dichter zu sein?"
Dies nur eine kleine Ergänzung zur Deinem Post und zur Geschichte des Eigentums.
Ein schönes Wochenende!
Viele freundliche Grüße
azur
PS: Friedrich Schiller
Gefährliche Nachfolge.
"Freunde, bedenket euch wohl, die tiefere, kühnere Wahrheit
Laut zu sagen: sogleich stellt man sie euch auf den Kopf."
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Meide das Destruktive - suche das Konstruktive.