Was ist menschlich?
Eines der (durch evolutionäre Prozesse) entstandenen spezifischen Charakteristika des Menschen (durch die er sich von vielen anderen höheren Tieren unterscheidet) ist das besondere Ausmaß seiner Kooperationsfähigkeit. Die ist aber nicht allein genetisch verankert sondern bedarf der kulturellen Tradition und Fortentwicklung (genetisch angelegt ist hierbei nur die Kommunikation durch Sprache bzw. Zeichen, die außerordentliche Lernfähigkeit und das kreative Erfinden; angelegt vor allem in der Gehirnstruktur sowie in der retardierten Entwicklung, sprich langen Kindeszeit, welche die Voraussetzung für kulturelles Lernen ist).
Ganz im Sinne menschlicher Evolution wäre es also, die aktuellen Herausforderungen (große Zahl gegen begrenzte Ressourcen) auf diese spezifisch menschliche Art zu lösen (also durch Kooperation). Und (pseudodarwinistisch) argumentiert würden dadurch also gerade die Kooperationswilligen bevorzugt überleben - und wir würden noch "menschlicher" werden. Tatsächlich sind die technischen Mittel, um diese Herausforderung zu bewältigen, auch bereits vorhanden (in kleinen Gruppen, bei einzelnen Erfindern etc.). Aber es fehlt die Einsicht und Organisationsfähigkeit in der "großen Zahl".
Wenn gesagt und gewünscht wird, dass die Reduktion einer Population (die sich angeblich nicht selbst regulieren kann) durch eine Naturkatastrophe geschehe, so wäre das hinzunehmen, weil der Mensch darauf möglicherweise keinen Einfluss hat (Asteroidenimpakt, Seuchen, Vulkanausbrüche). Er könnte dabei nur die Folgen auf kooperative Weise besser bewältigen, was wiederum spezifisch menschlich wäre (oder könnte vorausschauend, prometheisch handeln - auch das wäre typisch menschlich). Wenn allerdings suggeriert wird, wiederum mit pseudodarwinistischer Argumentation (besser siehe Link im PS), dass Katastrophen doch ganz nützlich seien für die "Auslese" oder zur Entlastung der Ressourcen - oder wenn gar solche Katastrophen zugelassen oder gar herbeigeführt werden, dann wäre das in meinen Augen unethisch und nicht "menschlich".
Grundsatz der Ethik ist immer (ganz im Sinne der Biologie), das Leben zu bewahren. Stößt das an Grenzen, dann beginnt das Opfer (bereits im Tierreich gibt es hierfür Beispiele sowie vielfach in der ethnologischen Beobachtung, etwa durch Selbstopfer der Älteren in Hungersnöten und beim bevorzugten Schutz von Frauen, Kindern, Anführern). Das heißt: wer erkennt, dass ein Mangel unüberwindbar ist, verlangt nicht das Töten von Anderen sondern schaut auf sich selbst.
Wie bereits gesagt, wären derartige Zielkonflikte gegenwärtig vermeidbar, wenn die soziale Kommunikation und Organisation weiterentwickelt würden bzw. der Mensch sich von gewissen tierischen Verhaltensweisen seines Verhaltensrepertoires freimachen würde (siehe Zitat Heinroth hier: http://www.dasgelbeforum.net/forum_entry.php?id=396093).
Unabhängig von solchen theoretischen Überlegungen wird sich die Population des Menschen auf diesem Planeten zwischen 5 und 10 Milliarden in den nächsten Jahrzehnten einregeln und dann über lange Zeit stabil bleiben. Die genaue Zahl hängt eben ab von der dann erreichten sozialen Kooperationsfähigkeit und dem dann erreichten Stand der technischen Entwicklung. Und eben diese beiden Merkmale verkörpern (neben der Fähigkeit zur Transzendenz via Bewußtsein) das spezifisch Menschliche am Menschen.
MfG, Weiner
die biologische Evolution ist leider ein wenig "komplexer", als man sie sich gemeinhin vorstellt, hier nur ein Hinweis:
http://www.fr-online.de/wissenschaft/evolutionsbiologie--versteckte-architektur-des-leb...