Gemeingüter: „Freedom in a commons brings ruin to all“

Weiner @, Montag, 22.02.2016, 00:24 vor 3643 Tagen 3063 Views

Guten Abend!

Die Meere gehören (noch) nicht irgendwelchen Staaten, man könnte sie als Gemeingut ansehen. Was macht der Mensch im Allgemeinen mit Gemeingütern? Er nutzt sie rücksichtslos aus. Beispielsweise fängt alle Fische aus dem Meer und kippt seinen Müll, ob Plastik oder CO2, in die Ozeane. Er zerstört damit das Gemeingut. Und am Ende haben nicht nur der Fischer sondern auch seine Kunden nichts mehr zum Essen (nebenbei: bitte beachten, dass ein erheblicher Teil des Proteinbedarfs der Menschheit immer noch aus dem Meer gedeckt wird!).

Das Meer sei hier nur ein Beispiel. Es gibt Hunderte von Gemeingütern, von Wetter, Luft und Wasser bis hin zu kulturellen Traditionen. Möglicherweise ist sogar der "Markt" ein Gemeingut. Vielleicht sogar der Staat - wenigstens seiner Idee nach. Sollte das Geldsystem ein Gemeingut sein? Ist der Begriff "Gut" überhaupt passend? Denn wenn wir in "Gütern" denken, sind wir sofort wieder in der Volks- und Betriebswirtschaft. Und die gilt es, zumindest streckenweise, neu zu denken. Die Gemeingutbewegung, "commons & commoning" ist ein Ansatz, das zu tun.

Ich habe über die Suchfunktion des Forums nach diesen Begriffen kurz gesucht, aber nichts gefunden. Deswegen stelle ich unten ein paar Links für diejenigen ein, für die das Thema interessant sein könnte. Meines Erachtens ist es, auf lange Sicht gesehen, wichtiger als das Thema "Immigranten".

Eine Protagonistin der Commons-Bewegung ist Silke Helfrich, deren Namen ich ebenfalls nicht via Suchfunktion hier finden konnte. Sie hat zwei Bücher herausgegeben, die zwar im Buchhandel sind, jedoch auch kostenlos heruntergeladen werden können.

Der Gedanke der "Commons" kam neu in die Diskussion durch einen inzwischen berühmten Aufsatz von Garrett Hardin "The Tragedy of the Commons" (1968). Hardin gehört zu den Malthusianern: wenn der Schafe zu viele sind und sie zu viel fressen, dann sollte man die Herde schlachten, mindestens aber die Schafe sterilisieren oder so morbide machen, damit sie von alleine sterben oder sich gegenseitig totbeißen. Wie ich bereits vor einigen Tagen sagte: wir werden erst zu Menschen, wenn wir die Herausforderungen der Übernutzung des Planeten und des inneren Friedens auf bessere Weise lösen können. Das geht vermutlich nur gemeinsam: es ist eine sozialorganisatorische und ethische, keine technische Aufgabe. Helfrich sagt: es kommt nicht auf gemeinsame Güter an, sondern auf die Fähigkeit, diese Güter gemeinschaftlich-einvernehmlich zu erhalten und zu nutzen, vielleicht sogar zu vermehren bzw. weiter zu entwickeln.

Ich wünsche allen eine gute neue Woche!
Weiner

http://band1.dieweltdercommons.de/
http://band2.dieweltdercommons.de/

https://commonsblog.wordpress.com

http://wealthofthecommons.org/

https://de.wikipedia.org/wiki/Tragik_der_Allmende

https://www.youtube.com/watch?v=rQkbImeVHr8
(3Sat scobel, 20.02.2014: Gemeingut, Gemeinwohl und Gemeinsinn)

Der Ansatz, das Gemeingut zu schützen...

winterfell67 @, Montag, 22.02.2016, 13:29 vor 3642 Tagen @ Weiner 2194 Views

...zielt darauf ab, das Überleben einer maximal großen Anzahl an menschlichen Individuen zu ermöglichen.

Es ist die Frage, ob dies den üblichen natürlichen Abläufen entspricht. Populationsregulation findet in der Natur (bei Tieren) auch sehr oft durch Katastrophen und Massensterben statt, gerade weil eine vorausschauende Begrenzung bei der Resourcennutzung fehlt.

Dies kann aber als wesentlicher Beitrag zur natürlichen Selektion gesehen werden, bei der nur die Stärksten überleben, welche sich auch bei knappen Resourcen erfolgreich behaupten können. In diesem Sinne würden sich gerade die Gene der erfolgreichen Egoisten durchsetzen.

Was ist menschlich?

Weiner @, Montag, 22.02.2016, 14:32 vor 3642 Tagen @ winterfell67 2172 Views

Eines der (durch evolutionäre Prozesse) entstandenen spezifischen Charakteristika des Menschen (durch die er sich von vielen anderen höheren Tieren unterscheidet) ist das besondere Ausmaß seiner Kooperationsfähigkeit. Die ist aber nicht allein genetisch verankert sondern bedarf der kulturellen Tradition und Fortentwicklung (genetisch angelegt ist hierbei nur die Kommunikation durch Sprache bzw. Zeichen, die außerordentliche Lernfähigkeit und das kreative Erfinden; angelegt vor allem in der Gehirnstruktur sowie in der retardierten Entwicklung, sprich langen Kindeszeit, welche die Voraussetzung für kulturelles Lernen ist).

Ganz im Sinne menschlicher Evolution wäre es also, die aktuellen Herausforderungen (große Zahl gegen begrenzte Ressourcen) auf diese spezifisch menschliche Art zu lösen (also durch Kooperation). Und (pseudodarwinistisch) argumentiert würden dadurch also gerade die Kooperationswilligen bevorzugt überleben - und wir würden noch "menschlicher" werden. Tatsächlich sind die technischen Mittel, um diese Herausforderung zu bewältigen, auch bereits vorhanden (in kleinen Gruppen, bei einzelnen Erfindern etc.). Aber es fehlt die Einsicht und Organisationsfähigkeit in der "großen Zahl".

Wenn gesagt und gewünscht wird, dass die Reduktion einer Population (die sich angeblich nicht selbst regulieren kann) durch eine Naturkatastrophe geschehe, so wäre das hinzunehmen, weil der Mensch darauf möglicherweise keinen Einfluss hat (Asteroidenimpakt, Seuchen, Vulkanausbrüche). Er könnte dabei nur die Folgen auf kooperative Weise besser bewältigen, was wiederum spezifisch menschlich wäre (oder könnte vorausschauend, prometheisch handeln - auch das wäre typisch menschlich). Wenn allerdings suggeriert wird, wiederum mit pseudodarwinistischer Argumentation (besser siehe Link im PS), dass Katastrophen doch ganz nützlich seien für die "Auslese" oder zur Entlastung der Ressourcen - oder wenn gar solche Katastrophen zugelassen oder gar herbeigeführt werden, dann wäre das in meinen Augen unethisch und nicht "menschlich".

Grundsatz der Ethik ist immer (ganz im Sinne der Biologie), das Leben zu bewahren. Stößt das an Grenzen, dann beginnt das Opfer (bereits im Tierreich gibt es hierfür Beispiele sowie vielfach in der ethnologischen Beobachtung, etwa durch Selbstopfer der Älteren in Hungersnöten und beim bevorzugten Schutz von Frauen, Kindern, Anführern). Das heißt: wer erkennt, dass ein Mangel unüberwindbar ist, verlangt nicht das Töten von Anderen sondern schaut auf sich selbst.

Wie bereits gesagt, wären derartige Zielkonflikte gegenwärtig vermeidbar, wenn die soziale Kommunikation und Organisation weiterentwickelt würden bzw. der Mensch sich von gewissen tierischen Verhaltensweisen seines Verhaltensrepertoires freimachen würde (siehe Zitat Heinroth hier: http://www.dasgelbeforum.net/forum_entry.php?id=396093).

Unabhängig von solchen theoretischen Überlegungen wird sich die Population des Menschen auf diesem Planeten zwischen 5 und 10 Milliarden in den nächsten Jahrzehnten einregeln und dann über lange Zeit stabil bleiben. Die genaue Zahl hängt eben ab von der dann erreichten sozialen Kooperationsfähigkeit und dem dann erreichten Stand der technischen Entwicklung. Und eben diese beiden Merkmale verkörpern (neben der Fähigkeit zur Transzendenz via Bewußtsein) das spezifisch Menschliche am Menschen.

MfG, Weiner

die biologische Evolution ist leider ein wenig "komplexer", als man sie sich gemeinhin vorstellt, hier nur ein Hinweis:

http://www.fr-online.de/wissenschaft/evolutionsbiologie--versteckte-architektur-des-leb...

Kreationist

Domac @, Donnerstag, 25.02.2016, 05:13 vor 3640 Tagen @ Weiner 1937 Views

bin ich nicht. Aber das mit der Ursuppe und ein paar Blitzen kommt mir spanisch vor [[freude]]

GrüßeD

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