Hallo aprilzi,
danke, genial dieser Bericht. Es machte ja immer eine der Stärken dieses wunderbaren Forums aus, dass quasi überall Foristen sind und berichten (teilweise auch Leser, wie der bericht aus dem Irak, danke sehr dafür!).
Danke, danke, danke und klasse. Wie sieht man denn bei Euch die Flüchtlingskrise?
Das was Du berichtest, erinnert an den aktuellen "LKW-Krieg" (interessant, wie und von wem was wie verschlagwortet wird). Die hiesige geringe Berichterstattung hatte von den Protesten der Ukraine berichtet, dass Putin LKW-Transporte stoppe. Dabei wurde unterschlagen, dass er damit wieder mal nur reagiert hat. Zuvor hatten desperate nationalistische Kräfte in der Ukraine LKWs aufgehalten (das ist auch der Stil Sakaschwillig, den Mann fürs Grobe). Und am Ende hat sich auch Polen an der Sache beteiligt:
http://www.n-tv.de/politik/Russische-Lastwagen-stehen-im-Stau-article17020046.html
Apropos Polen. Konservative Regierungen müssten einer Kanzlerin und Vorsitzenden einer konservativen Partei ja liegen, aber dass scheint immer weniger zu stimmen.
Der Antrittsbesuch, dessen Verspätung hervorgehoben wird, wir mit einem bestimmten Zungenschlag berichtet:
"In den folgenden 40 Minuten bemüht sich die studierte Ethnografin und Kulturmanagerin dann, die Gäste der Körber-Stiftung auf ihre Art zu informieren. Freundlich kommt sie daher, wenn sie erklärt, wie wertvoll doch der Dialog innerhalb der EU sei, wie wichtig Europa und die europäische Partnerschaft seien. Doch mehr als das erscheinen Szydlo vor allem zwei Dinge unerlässlich: Respekt und Sicherheit. Respekt ist wohl eines der Worte, das sie am häufigsten in ihrer Rede benutzt, immer wieder kommt sie darauf zurück: Die universellen Werte der EU bestehen für sie aus "Freiheit, Gleichheit und Respekt". Die europäischen Länder müssten sich, ihre Souveränität, die Freiheit der Bürger respektieren. Dass dieser Respekt vor allem Polen und den Entscheidungen ihrer Regierung gelten soll, schwingt dabei mit."
Schwingt dabei mit... Was ist so verkehrt daran, auf Selbstbestimmung zu dringen?
"Auch die Sicherheit stellt Szydlo als zentrales Anliegen ihrer Partei immer wieder heraus. Der Bürgerkrieg in Syrien ist für sie "eine Bedrohung für die Sicherheit unserer Bürger", und die EU müsse alles tun, um ihre Außengrenzen zu schützen. Wie ihr Parteichef Jaroslaw Kaczynski, wenn auch deutlich verbindlicher im Ton, kritisiert sie die Entscheidungen der EU in der Flüchtlingskrise. Diese seien "nicht effizient genug und korrekt" gewesen, es seien viele Emotionen mit dem Thema verbunden.
"Helfen denen, die wirklich Hilfe brauchen"
So unvernünftig klingt das doch gar nicht. Bevor es weiter geht, wird erst einmal etwas degradiert:
"Szydlo selbst, die vor ihrer Wahl oft als "Kaczynskis Mädchen" verspottet wurde und heute noch vielen als Marionette in den Händen ihres Parteichefs gilt, zeigt sich dagegen wenig emotional: Wie die EU mit den Hunderttausenden Flüchtlingen umgehen soll, erklärt sie nicht, genauso wenig spezifiziert sie, was Polen für die Flüchtlinge tun will. "Wir werden all denen helfen, die wirklich Hilfe brauchen", sagt sie, um kurz danach hinterherzuschieben: "Sehr wichtig ist, dass sich die polnischen Bürger sicher fühlen können." Außerdem beherberge Polen ja schon eine Million Ukrainer. Dass von diesen allerdings nur eine Handvoll als Flüchtlinge anerkannt wurde, erwähnt sie nicht."
Es wird ohnehin kaum berichtet, dass Polen so viele Ukrainer aufgenommen hat, die nicht nur vor Kriegseinwirkungen flohen, sondern vor den neuen Machthaber in Kiew und ihren Bütteln.
"Die meisten von ihnen sind aus dem gleichen Grund nach Polen gezogen wie Polen nach Deutschland: wegen besserer Jobs."
Einen Satz, den man auf die Situation in Deutschland bezogen, derzeit besser nicht sagt, und kaum liest.
"Dass Deutschland in der Flüchtlingskrise für sie alles andere als ein Vorbild ist, haben Politiker der PiS immer wieder deutlich gemacht. Schon im Wahlkampf erklärte Kaczynski, Flüchtlinge würden Cholera, Ruhr und Parasiten einschleppen. Und auch Szydlo ließ am Tag ihres Berlin-Besuchs über die "Bild"-Zeitung verlauten: Die Lage in Deutschland und an den EU-Außengrenzen sei außer Kontrolle geraten: "Tag für Tag hören wir von Übergriffen, an denen Zuwanderer beteiligt sind."
Und allein so eine Verkündigung über Bild, sei nicht gehörig.
aus: http://www.n-tv.de/politik/Was-Polens-Aussenpolitik-will-article16989271.html
Interessant auch das: http://www.n-tv.de/politik/Was-Polens-Aussenpolitik-will-article16989271.html
"Die Regierung legte einen scharfen Antritt hin, entmachtete das polnische Verfassungsgericht, besetzte sämtliche hochrangigen Posten der öffentlich-rechtlichen Medien neu. Europäische und deutsche Politiker sind erzürnt. EU-Kommissionspräsident Martin Schulz sprach von einem "Staatsstreich" und warnte vor einer "Putinisierung", Unions-Fraktionschef Volker Kauder forderte Sanktionen."
Ein Staatsstreich? Das ist normalerweise dies: https://de.wikipedia.org/wiki/Putsch
"Gemeinsam sind wir stärker"
Die Reaktionen waren heftig. Jaroslaw Kaczynski, Chef der regierenden Pis-Partei und großer Strippenzieher, tönte, sein Land lasse sich von niemandem reinreden, erst recht nicht von Deutschland. Eine polnische Zeitung montierte die Köpfe von Schulz und Kanzlerin Angela Merkel in ein Foto von Wehrmachtssoldaten. Anfang Januar gab es Berichte, Warschau hätte den deutschen Botschafter einbestellt. Ein Missverständnis. Die Regierung habe lediglich um ein Gespräch zum Kaffee gebeten. Dieses sei freundlich abgelaufen heißt es aus Botschaftskreisen. Also doch alles halb so wild? Von wegen. Polen erlebt eine Renaissance antideutscher Ressentiments."
Wer den Link: "Renaissance antideutscher Ressentiments" anwählt, findet allerdings kaum etwas davon; http://www.n-tv.de/politik/Kaczynski-versucht-den-klassischen-Trick-article16685726.html
Polen findet es nach wie vor bedrohlich, dass eine Pipeline um es herum gebaut wird: http://www.n-tv.de/wirtschaft/Medwedew-wirbt-fuer-Pipeline-Projekt-article16990391.html
Wie zu erwarten, polarisieren große Themen. Allerdings muss man auch mit Wahlergebnissen und dem Recht Selbstbestimmung leben können, wenn man Demokrat sein will, wie sie ja alle von sich behaupten.
Viel, viel Unruhe also schon an den Grenzen. In Bulgarien, Polen, Russland, Ukraine, Griechenland, Syrien, Türkei... Und letztlich ja auch an denen von Österreich, Ungarn und sogar Deutschland. Konflikte, die noch vor Jahren fern lagen, als man sich empören konnte, dass Dänemark Grenzkontrollen erwog und zumeist nur davon schwieg, wie prekär die Lage in Hinsicht von grenznaher Kriminalität in Deutschland entlang der polnischen Grenze ist bzw. wie unkooperativ die polnische Polizei reagiert ( http://www.dasgelbeforum.net/forum_entry.php?id=309557 und http://www.dasgelbeforum.net/forum_entry.php?id=334936 ). Das macht alles keinen friedlichen Eindruck mehr.
Bei der Gelegenheit kann daran erinnert werden, dass Polen ein AKW unweit der deutschen Grenze bauen will: http://www.dasgelbeforum.net/forum_entry.php?id=309476
Man hört vom Merkels Positionen gegen über GB auf dem EU-Gipfel vor allem, dass sie sich sehr für Freizügigkeit einsetze und gegen Diskriminierung wende, womit wohl Englands Wunsch meint, dass diese mehr Kontrolle über den Zuzug haben und weniger Kindergeld für im Ausland lebende Kinder (einer Stimulanz erster Güte) zahlen wollen. Warum ist man nur aktuell bei diesem Herangehen Merkels verunsichert?
Viele freundliche Grüße zu Dir!
azur
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