Dein verlinkter Artikel betont Optimierungserfolge, erhöhte Wirkungsgrade. Die will ich nicht abstreiten.
Insgesamt ist das gesamte Ölbusiness des Westens unrentabler als das von Saudi-Arabien, Iran oder Russland. Es gibt Kredite, die die westlichen Ölförderer drücken. Um die Zinsen zu bezahlen, fördern sie weiter, auch wenn sie bei Vollkostenrechnung gnadenlos drauflegen.
http://www.focus.de/finanzen/news/kosten-hoeher-als-erloes-fuer-diese-laender-ist-oel-s...
https://www.3sat.de/page/?source=/makro/magazin/doks/185302/index.html
http://www.godmode-trader.de/artikel/oel-das-letzte-gefecht,4435035
http://www.godmode-trader.de/artikel/oel-fundamental-noch-lange-kein-boden-in-sicht,397...
Insbesondere die Grafiken verdeutlichen, dass bei aktuellen Preisen Neugeschäfte gar nicht begonnen werden würden, aber laufende, weil bereits vorfinanziert, weiter rennen müssen. Banken werden dieses Vorgehen unterstützen, um nicht Vollabschreibungen vornehmen zu müssen. Sie werden auch Fusionen unterstützen, wie im Bankengeschäft, um den Wasserpegel nicht zu tief fallen zu lassen, dass man die Klippen sehen könnte. Aber sie wollen gerne aussteigen.
http://harenzblog.com/2015/01/08/fracking-banken-steigen-aus/
http://www.stern.de/wirtschaft/fracking-und-der-oelpreis--kommt-der-naechste-crash-auf-...
"größter Stressfaktor, systemisches Risiko, Junk-Bonds, Pleitewelle" solche Stichworte gehören in den Zusammenhang mit dem Frackinggeschäft. Zudem wird das Umweltthema dann schwierig zu bewältigen sein, wenn die betreffenden Firmen nicht mal mehr aufräumen können, weil sie pleite sind.
Ich glaube zwar, dass es weitere Optimierungserfolge geben wird, aber der strategische Nachteil zu leichter förderbaren Quellen wird immer heißen:
"Wenn wir x Einnahmen pro Barrel haben, dann haben die anderen Y * x Einnahmen." Und Y ist und bleibt naturgegeben größer 1. Aktuell ist es zwischen 2 und 80, je nach Quelle und Einrechnung aller Kosten.
Um den Komparativen Kostenvorteil https://de.wikipedia.org/wiki/Komparativer_Kostenvorteil wenigstens teilweise wirken zu lassen, ist das Exportverbot für amerikanisches Öl letztes Jahr aufgehoben worden.
Die Exploration von Shale Gas hat vor allem politische und strategische Gründe. Das Geld wäre besser investiert im russischen oder iranischen Markt. Im Irakischen Markt wurde es allerdings auch investiert. (zynisch: für irgendwen sollte sich der Krieg dort ja gelohnt haben.) Der Ölmarkt ist kartelliert und strategisch bestimmt, Nachfrage wird immer befriedet, der Preis sinkt in der Deflation, weil wir die Kreditlasten und Zinsverpflichtungen haben.
Sogar die Staaten, die günstig fördern, haben eine Art Kreditschuld gegenüber ihrem Volk aufgebaut. Deshalb fördern auch sie, obwohl sie einen Bruchteil fürs Öl bekommen wie vor kurzem.
Interessante Überlegungen zum Big Oil Business, also den alten privaten Ölgesellschaften:
http://think-beyondtheobvious.com/stelters-lektuere/warum-big-oil-sich-selbst-liquidier...
http://think-beyondtheobvious.com/stelter-in-den-medien/oelaktien-steinzeitpapiere-oder...
Fazit: die von Dir genannten Aspekte beleuchten einen operativen Teilaspekt. Man sollte sie unbedingt ergänzen um die strategische Gesamtlage.
Blum
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It's not what you don't know that gets you into trouble, it's what you know that just ain't so that gets you into trouble. (Satchel Paige)