OT: Mentor gesucht

Hyperion @, Mittwoch, 17.02.2016, 12:45 vor 3646 Tagen 3436 Views

Hallo zusammen,

ich suche einen Mentor.

Hintergrund:
Beruflich hat sich bei mir etwas geändert. Inzwischen muss ich mich mehr mit Menschen als mit technischen Systemen beschäftigen, und mir schwant, dass ich nicht das größte Talent auf Erden bin. Meine technische Intuition, auf die ich mich immer verlassen konnte, hilft mir hier nicht weiter. Ich denke aber auch: einen Teil meiner Fehler hätte ich nicht machen müssen, wenn ich sie vorher mit einem erfahrenen Mentor durchgesprochen hätte.

Zu mir:
Mitte dreißig, verheiratet, Kinder. Interesse an (Welt-)Wirtschaft, insbesondere auch an Finanzmärkten. Spiele gerne Schach, seltener Go oder Skat, Bridge würde ich gerne lernen; Laufe und schwimme zum Ausgleich.

Der aus meiner Sicht ideale Mentor:
Um die 60, in Rente oder am Ende einer Karriere im Management eines Unternehmens mit eigener Entwicklung (z.B. Maschinenbau, Automotive). Mit Führungs- und Mentoringerfahrung. Erfahrung mit internationalen Organisationen (besonders USA). Zumindest hin- und wieder im Großraum München anzutreffen.

Falls ihr jemanden kennt oder selbst Interesse habt, freue ich mich über eine private Nachricht über das Forum.

Danke und liebe Grüße,

Hyperion

Danke für den Tipp! Kommt auf die "to-read"-Liste! (oT)

Hyperion @, Freitag, 19.02.2016, 10:10 vor 3644 Tagen @ mabraton 1886 Views

- kein Text -

Militaer

Dragonfly @, Donnerstag, 18.02.2016, 15:37 vor 3645 Tagen @ Hyperion 2224 Views

Beruflich hat sich bei mir etwas geändert. Inzwischen muss ich mich mehr
mit Menschen als mit technischen Systemen beschäftigen, und mir schwant,
dass ich nicht das größte Talent auf Erden bin.

Erst mal Glueckwunsch, dass Du das erkannt hast.

Ich habe Fuehren beim US Militaer gelernt und es war Augen oeffnend fuer mich.

Lade Dir das "US Army field leadership manual" herunter und lese es. Es stehen einige gute Dinge drin, auch wenn sich vieles trivial anhoert.

Die wichtigste Erkenntnis: Fuehren ist nahezu das Gegenteil von Befehlen. Befehlen kann jeder, Fuehren nur wenige. Jedoch, und auch dies ist eine wichtige Erkenntnis: Fuehren kann man lernen.

Befehlen auf dem Kasernenhof kann jeder. "Wenn Du jetzt nicht 10 Liegestuetze machst rufe ich die Militaerpolizei". Das funktioniert, aber es funktioniert eben nur auf dem Kasernenhof. Wenn es ernst wird, bricht ein solches System zusammen. Im Vietnamkrieg wurden unfaehige Fuehrungskraefte mit einer Granate im Feld entsorgt "tragisch, der Mann ist gefallen!". Es gab sogar ein eigenes Wort dafuer "fragging" von "fragmentation grenade". Nach einigen Schaetzungen gehen bis zu 50% der Verluste von US Offizieren im Vietnamkrieg auf "fragging" zurueck.

Wenn Du den Unterschied zwischen Fuehren und Befehlen kennst, wirst Du ueber die Clowns in Unternehmen, die Befehlen nur noch laecheln koennen und Leute, die Fuehren, sehr respektieren.

Habe auch bei der Bundeswehr etwas über Führung gelernt

Hyperion @, Freitag, 19.02.2016, 10:08 vor 3644 Tagen @ Dragonfly 1962 Views

Ich habe Fuehren beim US Militaer gelernt und es war Augen oeffnend fuer
mich.

Habe auch sehr gute Erfahrung mit US-Vorgesetzten gemacht. Eine ganz andere Führungskultur als in Deutschland. Führungskräfte werden in den USA auch in der Wirtschaft anders entwickelt und gefördert als in Deutschland.

Lade Dir das "US Army field leadership manual" herunter und lese es. Es
stehen einige gute Dinge drin, auch wenn sich vieles trivial anhoert.

Danke für den Tipp, das schaue ich mir mal an.

Die wichtigste Erkenntnis: Fuehren ist nahezu das Gegenteil von Befehlen.
Befehlen kann jeder, Fuehren nur wenige. Jedoch, und auch dies ist eine
wichtige Erkenntnis: Fuehren kann man lernen.

Das ist meine Hoffnung :-)

Befehlen auf dem Kasernenhof kann jeder. "Wenn Du jetzt nicht 10
Liegestuetze machst rufe ich die Militaerpolizei". Das funktioniert, aber
es funktioniert eben nur auf dem Kasernenhof.

Selbst das nur eingeschränkt. Ich erinnere mich an eine Situation, als ich selbst bei der Bundeswehr war. Der ganze Zug döst auf den Zimmern. Plötzlich hallt ein gewaltiger Schrei durch das Gebäude - "GEFREITER K., ANTRETEN!" Meine Name... also springe ich raus und melde mich ordnungsgemäß beim schreienden Uffz. Der hat um sich eine ganze Clique lustiger Kameraden. Der Uffz: "K., rufen Sie den Zug zusammen!" Kichern in der Gruppe. Das kommt mir seltsam vor - wenn wirklich was wäre, hätte er den Zug doch direkt gerufen und nicht erst mich. Also verweigere ich - mit all dem Tamtam, was dazu gehört, inklusive Antreten beim Hauptmann. Weitere Konsequenzen hatte das allerdings nicht - typisch Bundeswehr.

Wenn es ernst wird, bricht
ein solches System zusammen.

So eine Erfahrung habe ich auch gemacht. Der ganze Zug, ca. 50 Mann, beim Marschieren auf einsamer Landstraße. Ein einzelnes Auto kommt vorbei. Söhnchen mit Papas Porsche. Der denkt sich wohl, er zeigt den Soldaten mal was für ein toller Hecht er ist und fährt in der nächsten Kurve mit ordentlich Wucht in den Graben.

Jetzt die Reaktion im Zug: der Zugführer, Oberfeldwebel, steht noch mit offenen Mund da. Seine Uffze gucken auf ihn und warten auf Anweisungen. Ein Stabsgefreiter, Kosovo-Veteran, seit 10 Jahren dabei, gibt innerhalb von Sekunden die richtigen Anweisungen: zwei Leute auf die Straße stellen, das nächste Auto anhalten und um Hilfe bitten; fünf Leute mit ihm zum Auto und den Fahrer bergen; der Rest (inklusive Zugführer) stehenbleiben und nicht rühren. ALLE haben diese Anweisungen befolgt. Inklusive Zugführer.

Lektion: die offizielle Hierarchie ist nicht alles, es gibt auch informelle Strukturen, die im Ernstfall belastbarer sind.

Hyperion

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