Selbstständiges denken
Ich pflichte Dir grundsätzlich bei, möchte Deinen Gedanken aber noch ein wenig weiterspinnen. Selbstständiges Denken im Sinne von Unabhängigkeit ist möglich. Sich also ständig selbst darauf abzuklopfen, ob das, was das soziale Umfeld als selbstverständlich betrachtet, auch wirklich selbstverständlich ist. Der Versuch Wiedersprüche zu finden etc...
Wir sind aber über unsere Sprache in unserem Denken stark gesteuert und diese Barriere sitzt so tief und ist dermaßen unüberwindbar, dass Manipulationen in diesem Bereich wahnsinnig schwer erkannt und überwunden werden können.
Um zu illustrieren was ich meine:
Nehmen wir das Wort ICH. Wenn man es als linguistische Manipulation ansieht, unterbindet dieses Wort in uns bereits weitestgehend jede Weltsicht, in der wir uns selbst als Teilobjekt unserer Umgebung begreifen können. Diese Manipulation ist so stark, dass praktisch alle Erfahrungen, alle Beobachtungen, die wir aus diesem anderen Verständnis her generieren könnten, nur mehr dann getätigt werden können, wenn wir schlafen oder aber starke psychoaktive Drogen nehmen. Nur in diesen Zuständen werden diese tiefen linguistischen Filter ausgeschalten.
Aus diesem Grund sind wir - streng genommen - niemals in der Lage selbstständig zu denken, sondern können bestenfalls den Versuch unternehmen unsere Meinung logisch und unabhängig zu Bilden. Trotzdem müssen wir uns immer bewusst sein, dass wir bei unserer Meinungsbildung (gut/böse/richtig/falsch) einem Wust an linguistischen und ethischen Prägungen unterliegen, die sowohl unsere Wahrnehmung an sich wie auch unser Empfinden für richtig und falsch determinieren - ja sogar unser körperlich emotionales Empfinden.