Die Menschen wurden jetzt 30 Jahre lang so konditioniert:
- Wir sind die Täter, böse, plump, primitiv.
- Alles was Fremd - speziell dunkelhäutig ist, ist erstens lieb und gut und hat ein tieferes Wissen und ist zweitens immer Opfer.
Da es sich um eine Konditionierung handelt sind weder Argumente noch negative Erfahrungen per se in der Lage diese Sicht auf die Welt zu ändern. Es handelt sich um eine Art Film mit Archetypen, der in unsere Hirne eingelegt wurde und sich immer und immer wieder abspielt. Erst wenn eine Gegenkonditionierung erfolgt, also die Filmrolle ausgetauscht wird und diese dann permanent abgespielt wird, ändert sich auch die Meinung.
Gegenkonditionierung funktioniert mit verschiedenen Mitteln und ich sehe im Moment gerade einen Haufen Gegenkonditionierungen ablaufen. Ob Spindoktoren dahinter stehen oder es einfach von selbst geschieht, wage ich nicht zu beurteilen.
Wie kann man sich das Vorstellen?
Einerseits rennt die Konditionierung als linguisisches Programm:
Ein spezifisches Vokabular wird angewandt. Z.b. wird jede Partei, die rechte Positionen vertritt "Rechtspopulistisch" oder "Rückwärtsgewandt" genannt, ein Adjektiv, das soviel wie "unseriös" bzw. "Verstaubt" suggeriert. Jörg Haider, zb. wurde auch ständig als "Rechtspopulist" bezeichnet. Er spielte aber auch auf dieser linguistischen Klaviatur und sprach bei seinen Kontrahenten (ÖVP und SPÖ) ständig von den "Altparteien" - seine eigene Partei war ungefähr gleich alt, aber der Begrifff saß und verfestigte sich.
Entscheidend ist nämlich, ob es gelingt diese linguistischen Viren in unsere Alltagssprache, speziell jene der Medien zu implementieren, wo sie dann ihre Wirkung entfalten und unsere Weltsicht bestimmen.
Bei "Neger" gelang es, man sprach nur mehr von Schwazen, das Binnen I hingegen scheitert gerade knapp. Genau deshalb kommen unsere "Feminazis" auch nun mit dem "Generischen Feminin" angetanzt. Ich denke, das wird der nächste linguistische Rohrkrepierer.
Die Gegenoffensive findet bereits statt.
Jüngeste Beispiele dieser sind Begriffe wie "Gutmensch" "Facharbeiter" oder "Kulturbereicherer". Sie sind bereits gut plaziert, vermehren sich im Alltag und transportieren eine spezifische Sicht auf Ausländer. Wenn man genau hinsieht, poppen im Moment immer mehr dieser Begriffe auf und das ist ein gutes Anzeichen. "Bahnhofsklatscher" ist zum Beispiel ein herrlich wirksames Wort als Synonym für "Naiver Vollidiot".
Auf der anderen Seite sehe ich im Moment wenig Neues. Die Mainstreamkonditionierung ist im Moment wenig einfallsreich und eher defensiv. Ihre linguistische Aktivität bringt in letzter Zeit gehäuft Rohrkrepierer hervor und verkommt zur Euphmismustretmühle. Ausländer -> Migrant -> Asylwerber -> Refugee -> Schutzsuchender -> ...
Die anderen Begriffe sind eher plumpe Verdrehungen wie "Pegidiot" "Idiotäre Bewegung"usw...
Die Rohrkrepierer erkennt man übrigens daran, dass sie die eigene Gesinnungsgemeinschaft nicht verlassen, sondern entweder dort als spezifisches Vokabular verbleiben oder selbst in den Urheberkreisen irgendwann nicht mehr gebraucht werden. Ein Beispiel: "Cis-sexuell" wird als Begriff wohl eher nicht in den allgemeinen Sprachgebraucht übergehen.
Die zweite Methode ist die ständige Wiederholung von ein und dem selben Narrativ in verschiedenen Permutationen.
Also: "Böse Reiche Weisse" beuten "arme Neger" aus. Egal ob als Doku oder Spielfilm. Es ist im Grunde immer die selbe Story. Wo sind die Gegenerzählungen? Sie finden nicht statt. "Neger in Südafrika schlachten wehrlose weisse Farmer ab." oder "Korrupter Präsident enteignet die letzten verbliebenen Farmer und löst damit eine Hungersnot im eigenen Land (Rhodesien) aus." Wo sind die entsprechenden Dokus und Filme?
Wo geben die Bombenopfer von Nelson Mandela tränenerstickte Betroffenheitsinterviews? Wo sprechen die Verwandten von Winnie Mandelas auftragsgemordeten Jungs? Wo bleibt der Aufschrei, wenn der aktuelle Präsident von Südafrika öffentlich "Kill the Boers" singt?
Im Moment unerwünschte Narrative und daher nicht produziert.
Das aktuelle Narrativ der Gegenseite: "Notgeile primitive Wilde wollen alles ficken" ist soeben gestartet worden und läuft gerade als Dauerschallplatte an. Jetzt wird jeder Arschgriff zur Vergewaltigung hochgespielt!
Ebenso das Köpfen. Ein Narrativ der Saison 2014/2015.
Und das Lügenpresse Narrativ - wird noch 2016 der Renner.
Da im Moment die verbreitungsstarken und mit entsprechenden Produktionsmitteln ausgestatteten Medien in der Hand der Fazilitatoren des ersten Narrativs sind, werden wir noch eine Weile warten müssen, bis wir hier ordentliche Filme präsentiert bekommen. Aber es wird schon kommen. Garantiert.
Das "böse Muselmanen" Narrativ wurde ja schon ganz schön eifrig bedient. Und wenn das Imperium den Bürgerkrieg wünscht, dann wird mit Sicherheit demnächst von wehrlos machenden Erzählungen auf Feindbildnarrative geschaltet.
Ein sehr schönes Beispiel ist der Film 300, der zufällig am Höhepunkt des Atomstreits mit dem Iran entstand. Sowas aber auch.
Ich möchte betonen, dass niemand diesen Manipulationen entkommt und dass diese - speziell die linguistischen - wie ein Virus ihre DNA in unser Denken einschreiben und dort sehr lange verbleiben. Das Wissen darum kann einen aber bisweilen helfen, sich aus den Begrifflichkeiten temporär zu befreien und Dinge von einer Metaebene zu betrachten.
Individuell bleibt einem also nur die Diskussion mit Menschen die es wünschen und werd darauf legen sich auszutauschen - das ist selten - oder aber die vorsichtige Manipulation durch kaum merkbare aber wirksame linguistische Injektionen in die Alltagssprache.