Russlands Fehleinschätzung wird offensichtlich
Hallo Apo,
Ich erwarte nach dieser Münchner Sicherheits-Konferenz eine rapide
Aufschaukelung aller Syrien - Kriegs-Parteien. Anders kann man den Wortlaut
der Delegierten nicht mehr interpretieren.
Ja, sieht so aus. Als ich Ron Paul las, hielt ich es noch für Spinnerei. Wenn jedoch die Masken herunter genommen werden, sind meist die Vorbereitungen schon abgeschlossen und der Auftritt in Gang gesetzt.
Russland*) dürfte die Türkei, Saudiarabien und Katar in die Schranken
weisen.
Das werden sie nicht schaffen. Sie haben Bündnispartner, die allerdings auch Rivalen sind (Islam und Russland ist keine Freundschaftsbeziehung).
Was ihnen (und China) inzwischen fehlt, ist die Ideologie, der Glaube. Genau das menschenrechtlich-genderisch-internationale Ersatzreligionssystem, das in der Flüchtlingshilfe seine Feuertaufe bestand.
Mit dem Untergang des "realen Sozialismus" sind sie nur noch eine Macht, kein Ideal mehr. Damit ist ihnen aber die Unterstützung der zweiten und dritten Welt abhanden gekommen.
Die Antipoden sind Menschenrechtler gegen Fundamentalisten, Russland ist ideologisch nicht dabei. Der putinsche Nationalchauvinismus mit Männlichkeitsideal etc. taugt da nicht, grenzt mögliche Anhänger (Afrikaner, Frauen, Moslems) zu sehr aus und isoliert sie.
Menschen kämpfen wegen Hoffnung oder mit dem Rücken an der Wand. Hoffnung bieten die Russen diesen Gruppen nicht. Und mit dem Rücken an der Wand stehen sie nicht in einer Weise, dass sie kämpfen würden (die Einen sind zu arm, dieAanderen träumen den Westtraum).
Deshalb haben sie langfristig keine Chance.
Das wirkt sich auch kurzfristig aus, wenn die Türkei die völkische Nummer (gegen die Kurden) ausspielt. Die Russen können sich nur auf die alte Ordnung des Völkerrechts stützen und Verbündete, die durch Religion verbunden sind. Sie haben keine Geschichte, kein Narrativ. "Nur" militärisches Engagement reicht heute nicht mehr, hätten sie in Afghanistan lernen können.
Sie werden deshalb zerrieben werden. Wenn sie klug sind, treten sie wieder mehr in den Hintergrund ("Mission erfüllt") und denken sich erst mal eine Geschichte aus. Für einen größeren Krieg, der auch ein Religionskrieg ist, sind sie denkbar schlecht aufgestellt und müssten diesen deshalb eskalieren.
Verzweifelte Mittel werden langsam erforderlich. Lasst uns beten, dass es (einmal mehr) glimpflich ausgeht.
Gruß
Mercury
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„Meine Arbeit ist ein Versuch, mit großer Traurigkeit die Tatsache der westlichen Kultur zu akzeptieren." Ivan Illich