Bricht das Finanzsystem jetzt zusammen, oder kann ein Bailout noch einmal Zeit kaufen?

Kiwi @, Samstag, 13.02.2016, 04:45 vor 3652 Tagen 5842 Views

Zunaechst vielen Dank fuer die Beitraege zu National Bank of Greece. Ich habe mich sehr darueber gefreut und nachgedacht. Meine Fragen sind (hoffentlich) fuer das Forum interessant, da sie im Grunde das globale Finanzsystem betreffen.

Wenn das Bankensystem jetzt kollabiert, muesste man das Bankkonto raeumen und noch schnell ein Haus kaufen (ohne Schulden aufzunehmen). Sehen die Foristen einen augenblicklichen Kollaps?

Ich habe bisher naemlich auf einen weiteren Rueckgang der hiesigen Immobilienpreise gewartet. Diese waren, seitdem Erdbeben hier fuer Wohnungsnot gesorgt hatten, zunaechst stark gestiegen. In den letzten Jahren sind hier nun massenweise neue Haeuser entwickelt worden, die jetzt wie Pilze aus dem Boden schiessen und in dieser laendlichen Region ohne nennenswerte Realwirtschaft zurzeit auf den Markt draengen.

Daher habe ich mein Pulver trocken gehalten, in der Hoffnung es auch noch ein wenig auszubauen (etwa mit Aktien). Meine Wunsch ist es naemlich, statt eines Stadthauses eine kleine Farm auf dem Land kaufen zu koennen. Nun frage ich mich allerdings, was jetzt zu tun ist.

A) Weiter abwarten und Pulver trocken halten. Sinnvoll falls das globale Bankwesen noch nicht kollabiert und Immobilienpreise zurueckgehen.

B) Weiter abwarten und zu gegebener Zeit in Aktien investieren. Etwa Gazprom, sobald die technische Analyse gruenes Licht gibt. Gazprom sitzt wohl auf massiven Vorraeten, ist niedrig bewertet, und der Kurs ist zuletzt stark gefallen.
Auch die griechischen Banken habe ich noch im Kopf. Allerdings habe ich einige warnende Stimmen von Foristen genauestens zur Kenntnis genommen.
Nur frage ich mich: Als Lehman 2007 bankrott ging, kollabierte beinahe das globale Finanzsystem. Kann man dann etwa die groesste Bank Griechenlands einfach pleite gehen lassen, waere hier nicht erneute Hilfe angesagt? Oder gibt es eine Moeglichkeit, die Bank zu „retten“, dabei die Aktionaere jedoch, auch ausgehend vom jetzigen Kurs von 0,12 EUR (nach mehr als 99% Rueckgang), weiter zu „rasieren“?

C) Schnell noch ein Hausgrundstueck schuldenfrei kaufen. Sinnvoll um die Mietzahlungen zu stoppen und falls das globale Finanzsystem jetzt oder in sehr naher Zukunft kollabiert.

Krisenmetalle sind fuer mich als Absicherung fuer einen Finanzkrach (bei dem es dann sicher ein Hauen und Stechen geben wird) im Grunde keine Option, da man sie hier nicht anonym kaufen kann.

Ich hoffe, mit meinen Fragen einen kleinen Beitrag fuer das Forum geleistet zu haben, indem diese meine Denkweise zeigen. Da sie richtig oder falsch sein kann, wuerde ich mich ueber Antworten wieder sehr freuen.

Gruesse

Kiwi

Denke mehr an BailIn

Basel @, Samstag, 13.02.2016, 06:56 vor 3652 Tagen @ Kiwi 4520 Views

Hallo Kiwi,

momentan sehen alle schwarz. Auch im Gelben wird in solchen Zeiten polarisiert; hinderte mich in der Vergangenheit, mit Anlagen Gewinne zu machen..... Es geht immer irgendwie weiter, aber ......

Deshalb finde ich Deine Ausführungen gut und breit genug gefächert. Mein Statement: Nie auf eine Karte setzen. Allerdings nehmen die liquiden Mittel auch schnell ab, wenn man z.B. in Immos investiert.

Wenn möglich würde ich (wenn ich jünger wäre und mehr an Landwirtschaft interessiert) ein Landhaus mit gr. Grundstück kaufen (ich denke es handelt sich bei Dir um NZ?). Grundstücke und Immos auf dem Land sind für mich "der" Anker beim Zusammenbruch des Systems.
Rest: Spekulieren, ähnlich deiner Andeutungen, z.B. Gazprom.
Jedenfalls immer einen "guten" Teil in Immobilien (nur komplette!), aber noch freies Geld für "Geschäfte".
Viel Glück!

Grüße aus Deutschland
Basel

Auswirkungen eines Bail-In auf Aktionaere

Kiwi @, Samstag, 13.02.2016, 11:23 vor 3652 Tagen @ Basel 3249 Views

bearbeitet von unbekannt, Samstag, 13.02.2016, 11:27

Hallo Foristen,

herzlichen Dank fuer die schnellen und sehr nachdenkenswerten Antworten. Auch vielen Dank fuer die Gratulation zum Wohnsitz Neuseeland, selbstgewaehlt und im Grunde nie bereut. Dennoch ein paar kurze Andeutungen hierzu:

Es hoert sich bestimmt gut an, und mancher waere vielleicht auch gerne hier. Das Land ist schoen, und objektiv sicherlich krisenfester als Deutschland im Falle eines 'Weltuntergangsszenarios'. Allerdings ist und bleibt man eben Deutscher und damit ein spezieller Fall aus Sicht der Kiwis. Beruflich mit dieser Herkunft hier Fuss zu fassen, ist nicht leicht. Auch - wer haette das gedacht - lernt man die 'spiessigen' deutschen Tugenden wie etwa Ehrlichkeit, Zuverlaessigkeit, Qualitaetsbewusstsein beim Abliefern von Arbeitsleistungen und auch einen gewissen Anstand erst so richtig zu schaetzen, wenn man ein paar in dieser Hinsicht augenoeffnende Jahre hier verbracht hat.

Ich schreibe das nicht um zu jammern, sondern um vielleicht etwas Mut zu machen: Es ist naemlich gar nicht so schlecht, gerade auch im Krisenfall von Angehoerigen, Freunden und auch von (zumindest den verbleibenden) Einheimischen umgeben zu sein. Warum ich meine Auswanderung dennoch nie bereut habe, hat im Wesentlichen persoenliche Gruende. Ich habe hier sehr gute Freunde (viele davon ebenfalls Auslaender) und insbesondere meine Frau kennengelernt.

Was das Grundstueck auf dem Land betrifft: Ja, das ist mein Ziel und mein Traum. Allerdings fehlen mir dafuer noch etwa 20-30%, besser 40-50% Liquiditaetszuwachs. Daher ruehrt, zum Teil jedenfalls, das Aktienfieber. Gleichwohl werde ich vorsichtig vorgehen und nicht nur auf eine Karte setzen.

Nun meine Frage: Wie schaetzt Ihr die Auswirkungen eines 'Bail-In' auf Aktionaere ein?

Klar ist, dass bei einem Bail-In die Spareinlagen zumindest teilweise 'abgezypert' werden. Sollte das nicht die Verbindlichkeiten der Bank verringern und damit tendenziell aktionaersfreundlich sein? Oder gibt es Moeglichkeiten, aus Gruenden der 'sozialen Gerechtigkeit' etwa, beim Bail-In auch die Aktionaere abzuzypern?

Beste Gruesse und gutes Gelingen

Kiwi

Cut auf Spareinlagen, klar! Am Ende Zwangsanleihen/Zwangsverk. Aktien? (oT)

Basel @, Samstag, 13.02.2016, 11:49 vor 3652 Tagen @ Kiwi 3074 Views

- kein Text -

Ein Artikel dazu

Ankawor, Samstag, 13.02.2016, 09:55 vor 3652 Tagen @ Kiwi 4059 Views

Hallo Kiwi,

ich fühle mich zwar nicht befähigt, dir einen Tip zu geben, bin aber in ähnlicher Situation und werde wohl bald mal in dein Land fliegen, um die Lage dort zu peilen.

Aber beim Lesen deines Beitrags fiel mir ein Artikel auf Zerohedge ein, der vielleicht interessant ist:

http://www.zerohedge.com/news/2016-02-11/if-you-want-be-wealthy-dont-buy-house-build-bu...

Fazit aus dem Artikel:
Die ärmsten 90 % nutzen hauptsächlich Eigenheime zur Wertspeicherung.
besser:
"focus on owning income-producing assets, not a primary residence."
"finance your income-producing assets with savings and sweat equity, not borrowed money"

Ansonsten:
Ein Freund wollte nach NZ flüchten, und ich habe für ihn neulich ein Angebot gefunden, Haus mit Apfelplantage auf der Südinsel. War nicht sehr teuer und produziert Einkommen. Er hat sich dann aber entschieden, woanders hin abzuhauen, und das Angebot ist nicht mehr da.

Und wie hier im Forum öfters mal gesagt wird: Die beste Investition ist die zwischen den Ohren.

Gruß
A.

Erde, Wein, Olivenöl, Trinkwasser, Strom - wir in Italien am Meer

modesto, Samstag, 13.02.2016, 11:14 vor 3652 Tagen @ Kiwi 4526 Views

Guten Morgen Kiwi,

danke für Deinen Beitrag, es geht uns ähnlich, nur dass wir auf verschiedenen Kontinenten leben.
Wir haben in Italien am Stiefelabsatz in Erde, Obst, Oliven und Trinkwasser investiert.
Allerdings ziehts meine Gute oft in die Heimat - und in Deutschland sind die Immopreise so hoch, dass man nur auf den Crash warten kann.
Nach jedem Hoch kommt auch ein Tief..

Viele denken wie Du - gerade Deutsche und Österreicher, un nicht nur die Vermögenden! - legen seit einiger zeit Geld an in ein Stückchen Land, was sie zur Not als Fluchtburg nutzen können, hier wo die Zeit stehengeblieben ist und nichtmal der 2. WK hinkam.

Sowas z.B. für Taschengeld mit Wasser und Strom, Oliven und Wein:
http://casamare.npage.ch/1000m-wasser-strom-gebaeude.html

oder sowas
http://casamare.npage.ch/grund-mit-strom-wasser/bauland-u9.html

Wir übersetzen ja öfters bei Kaufabwicklungen und sehen so, wer kauft.
Mich erstaunt, dass es vor allem junge Leute sind.
Wir führen sehr interessante Gespräche und uns erstaunt, dass doch so viele junge Menschen das System anzweifeln und einfach ihre kleinen Ersparnisse in Sicherheit bringen.
Mit Zusatznutzen, da sie dann hier urlauben mit dem Wohnmobil oder VW-Bus auf ihrem eigenen Grund.
Gerade waren 2 Pärchen da zur Olivenernte und haben sich ihr eigenes Öl dann mit nach Hause genommen.
Vergleichbares Öl ist in dieser Qualität in Deutschland zu haben für 40 Euro der Liter..
Sie hatten letztes Jahr einem Bauern Land abgekauft und einen Trinkwasserbrunnen bohren lassen.

Sehr liebe und aufgeweckte Leute, die wir in den Agrarhandel begleitet haben, um die Erntenetze zu kaufen und dann zur bäuerlichen Kooperative, wo sie sich angemeldet haben, um die Ölmühle zu nutzen.

Ein anderer junger Mann hat Land gekauft, sein Bruder hat Silber gekauft als Münzen, so sind sie gerüstet.

Wir selber haben, ohne es zu beabsichtigen spekuliert und sind mit 100% Gewinn sehr zufrieden.
Vor 3 Jahren haben wir 2 kleine Grundstücke gekauft mit Oliven und Obst drauf und die in diesem Jahr für genau das Doppelte verkauft.
Wobei auch diese Preise noch sehr moderat waren, denn die Preise gerade für fruchtbares Land mit Ertragsbäumen und in zu bewältigenden Dimensionen (3000/4000m²) steigen und steigen..

Dass man hier ohne Einschränkungen Trinkwasserbrunnen (über 100m tief) bohren darf als Privater, ist sicher auch ein Grund, Papier umzurubeln.

Und dass gern nur zum Verkehrswert beurkundet wird und die Leute den Rest "so" bezahlen können..

Übrigens hat Italien ja schon lange das Bargeldlimit und trotzdem oder deswegen sind diese "So"-Zahlungen immer beliebter..

Viele Grüße
modesto

Gallipoli + Mafia - Zahlst Du pizzo?

Vatapitta @, Samstag, 13.02.2016, 12:41 vor 3652 Tagen @ modesto 3376 Views

Hallo modesto,

danke für deine interessanten Beiträge.
Ich war vor ca. 25 Jahren mit einem Freund in San Luca - ein romantischer kleiner Ort in Kalabrien und Zentrum der Ndrangheta, wie ich vor kurzem erfuhr. Es waren wunderbare Tage und wir hatten keinerlei Probleme.
Wenn etwas gut und preiswert ist, dann steht für mich immer auch die Frage nach dem Warum im Raum. Wie sind deine Erfahrungen mit der Mafia vor Ort? - Wovon leben die 50% arbeitslosen Jugendlichen/jungen Erwachsenen?

Am Stiefelabsatz von Italien, Armes reiches Gallipoli - 4. Dezember 2011
"Der südliche Zipfel Apuliens liegt ziemlich weit weg von allem. Was für ein Glück! In der Kleinstadt Gallipoli treffen Besucher auf ein erstaunlich unverfälschtes Stück Italien - arm und doch voller Grandezza." Süddeutsche Zeitung

Scacco alla “Gallipoli mafiosa”: 15 arresti. Motta: “Imprenditori assuefatti ai voleri del clan” -TR NEWS

Die "Blu Sky M" erreicht den italienischen Hafenort Gallipoli in der Nacht zum 31. Dezember 2014. - Welt

Die google-Suche Gallipoli+Mafia ist überaus ertragreich.

Vielleicht kommen wir Dich mal besuchen. - Wann ist die beste Reisezeit?

VG Vatapitta

--
Chronisch sind die Schmerzen dann, wenn der Doktor sie nicht heilen kann. http://www.liebscher-bracht.com/

Mafia - kommt drauf an, was Du vorher angenommen hast..

modesto, Samstag, 13.02.2016, 13:18 vor 3652 Tagen @ Vatapitta 3139 Views

Buongiorno Vatapitta,

wofür soll ich Pizzo zahlen?

Die Mafia z.B. ist überall präsent, wenn Du "in Prostitution machst" und meinst, einen schummerigen Laden aufzumachen, ohne abzugeben ;)
Desweiteren bei Baufirmen, die bei kommunalen größeren Aufträgen mitmischen.
Auch in der Medizin bzw. Belieferung von Krankenhäusern spielt sie eine Rolle.

Der normale Bürger, der sich nie an jemanden wendet, hat damit - zumindest hier - nichts zu tun.

Ich habe genug Familie hier, die seit meiner Jugend als Handwerker oder Gastronomen tätig sind und keine Probleme haben.
Oft wird die Vorgeschichte der Betroffenen außer acht gelassen, wenn man ruft: "Uhhhh - Maafia!!!".

Man brauchte Geld oder eine Genehmigung und wendete sich an einen, der "helfen kann".
Und schon ist man drin und eigentlich weiß jeder, dass es nichts für nichts gibt.

Die echte Mafia sitzt in Rom und Berlin und Paris, in den Regionalparlamenten und in den Firmen, die Großaufträge ausführen. Da sollte man nicht dazwischenfunken.

Echte Mafiaskandale hört man aus den reichen Großstädten und Umland.
Expo Milano, Mafiacapitale sind nur 2 Stichworte der letzten Monate..

Übrigens hatte ich in meinem ersten Restaurant in Deutschland "Besuch" von der jugoslawischen Mafia ;)
Da muss man nur hart bleiben: "Ich brauche nichts, ich wünsche mir nichts, ich will vor allem nichts geschenkt." Denn das ist immer der Eintritt, so sind Politiker vor allem in Ostdeutschland korrumpiert worden.

..

Die Fähre damals, ja ich erinnere mich gut.
Da gabs viel Streit darum, welches Land denn nun zuständig ist. Italien war es nicht und Gallipoli als eher kleiner Hafen auch nicht das Ziel, aber sie haben geholfen.
Die "Flüchtlinge" wurden dann in den Norden geschafft wie immer.
Es stellte sich ja heraus, dass 2 von ihnen unter Deck, wo Tankwagen und LKW standen, ein Lagerfeuerchen gemacht hatten..

..

Die beste Reisezeit ist alles außer Juli und August.
Jetzt im Winter hat man eher deutsches Aprilwetter.
Heute morgen habe ich angefangen zu gießen, Sonne und seit Monaten ja eher nur spärlich Regen, aber viel Sonne.
Um 10 Uhr hat es angefangen zu regnen - sanft und für eine Stunde.
Jetzt bin ich auf ein Glas Wasser rein, habe weiter gegossen und es sind im Schatten auf der Terrasse 18 Grad - die Sonne knallt.
Also unbeständig..

Viele Grüße
modesto

Bella Italia

Kiwi @, Sonntag, 14.02.2016, 06:51 vor 3651 Tagen @ modesto 2117 Views

Hallo Modesto
Freut mich sehr fuer Dich. Mag auch Deine Beitraege.
Alles Gute
Kiwi

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