Erfahrungsbericht - ein Jahr berufliche Selbständigkeit

Plancius @, Mittwoch, 20.01.2016, 13:57 vor 3671 Tagen 7484 Views

bearbeitet von unbekannt, Mittwoch, 20.01.2016, 14:50

Ich habe mich vor einem Jahr im Bereich SAP Beratung und Entwicklung mit der Gründung einer Einmann-GmbH selbständig gemacht. Vielleicht interessiert es den ein oder anderen, wie so mein erstes Jahr Selbständigkeit ablief und mit welchen Problemen man zu kämpfen hat.

In meiner Branche fangen viele nach einer mehrjährigen Berufstätigkeit als Freelancer an. In der Regel nimmt man ein oder mehrere Kunden seines Arbeitgebers mit und führt zu Beginn seiner Selbständigkeit das letzte Projekt beim Arbeitgeber in Eigenregie weiter fort. So entfällt das Akquiseproblem zu Beginn der Selbständigkeit und ein gewisses Einkommen ist erst mal garantiert. Dann melden sich die Freelancer bei Agenturen an, die dann weiter in Projekte vermitteln. Die Provision der Agenturen vom Stundensatz ist in der Regel so hoch, dass nach Abzug der Kosten und einer Risikoprämie der Nettolohn eines Freelancers nicht höher als der eines angestellten Beraters/Entwicklers des entsprechenden Leistungslevels ist.

Ich bin jedoch einen anderen Weg gegangen. Ich habe in jahrelanger Arbeit ein Produktportfolio entwickelt, das ich als Ergänzung und spezifische Problemlösung zu SAP Software anbiete. Deshalb auch keine Tätigkeit als Freelancer, sondern gewerblicher Auftritt in Form einer GmbH.

Mein Ziel war es, dass ich mich als Spezialist und Lösungsanbieter in einer Nische für SAP Software positioniere und meine Aufträge primär über das Internet generiere. Kunden sollten über Google und meine Website zu mir kommen, d.h. ich möchte weniger aktiv auf Kunden über Cold Calls und dergleichen zugehen. Der SAP Markt ist riesig und in meiner Nische gibt es nur wenig qualifizierte Anbieter und eine aussagekräftige Webpräsenz meines Wettbewerbs gibt es schon gar nicht.

Erster Schritt war die Suche eines Firmennamens, der mit meinen Leistungen im Zusammenhang steht und die Registrierung einer Domain im Sommer 2014. Anschließend habe ich mit Wordpress und einem geeigneten Template meine Website mit vielen Informationen, einem Blog und einem angeschlossenen Shop in den folgenden Monaten gestaltet. Bei der Gestaltung meiner Website habe ich großen Wert darauf gelegt, dass die Kriterien erfüllt werden, die bei Google zu einem höheren Ranking führen. U.a. habe ich die relevanten Keywords in den Content gestreut, habe aussagekräftige H1 Header gesetzt und auch jedes Bild beschrieben und mit Keywords in den ALT-Tags versehen.

Am 01.01.2015 habe ich meine Website freigeschaltet. Mit den Google Webmaster Tools habe ich meine Website bei Google angemeldet und in den folgenden Wochen meine Website bei Webkatalogen mit höherem und niedrigerem Pageranke angemeldet, um so an wertvolle Backlinks zu kommen.

Erwartungsgemäß hat mich Google die ersten Wochen/Monate nicht gelistet und ich wurde nicht gefunden. Nach ca. 3 Monaten (ab März/April) wurde ich bei Google gefunden und seit dieser Zeit bin ich mit meinen Keywords sukzessive nach oben geklettert. Seit Sommer 2015 werde ich mit meinen Keywords bei Google auf der ersten oder zweiten Seite gelistet. Alle potentiellen Wettbewerber und auch die großen SAP Dienstleister habe ich geschlagen.

Ich habe zwar nur 20 – 30 effektive Besuche auf meiner Website pro Tag, aber da ich mich in einer Nische befinde, sind die Besuche meiner Website hocheffektiv. Jemand, der nach meinen Keywords sucht, befindet sich schon potentiell im Markt, abgesehen von Studenten, die möglicherweise eine Bachelorarbeit schreiben. Erstaunlich viele Besucher kommen über die Google Bilder-Suche, so dass sich die Verschlagwortung meiner Bilder wohl gelohnt hat.

In meinem Blog liefere ich mindestens einmal pro Monat frischen Content zu meinem Tätigkeitsfeld, um so konstant neue Besucher auf meine Website zu locken. Einmal habe ich einen Lösungsansatz preisgegeben, nach dem viele SAP Entwickler suchen, um zu testen, wie sich der Traffic auf meiner Website dadurch steigert. Und in der Tat – der Traffic ist schlagartig um ca. 25% gestiegen.

Wie gesagt, ich nutze die Wordpress-Technologie für meine Website. Und was habe ich festgestellt? Der Inhalt auf meinem Blog wird viel schneller indexiert und rankt auch höher als der Rest meiner Website.

Trotz meines fulminanten Starts im Google Pagerank haben sich meine Investitionen in meinen Webauftritt nicht ausgezahlt. Bis heute habe ich keinen einzigen Backlink generiert und auch keinen einzigen Kommentar auf meinem Blog erhalten. In einem Jahr habe ich 8 Telefonanrufe, 4 Emails und ein kleines Projekt über meine Website erhalten.

Ich musste feststellen, dass in meiner Branche doch die Entwickler über Agenturen oder die großen SAP Dienstleister geordert werden. Auch das Platzieren von AddOns für SAP geschieht wohl nur über die SAP Dienstleister, die einen direkten Draht zum IT-Chef des Kunden haben und so ihre oder andere Produkte platzieren.

Der Versuch, meine Lösungen über SAP Dienstleister zu vertreiben, war leider nicht von Erfolg gekrönt. Meine Lösung steht in Konkurrenz zu deren eigenen Produkten, die ähnliches anbieten. Meine Lösung ist zwar qualitativ besser, preiswerter und vom Kunden leichter zu implementieren, steht jedoch in Konkurrenz zu den eigenen Produkten der SAP Dienstleister. Die sind zwar miserabler und teurer, aber der Kunde weiß es in dem Moment ja nicht, was ihm verkauft wird.

Eine größere Hürde bei meiner Unternehmensgründung waren die Eröffnung eines Geschäftskontos und die Unterzeichnung eines Mobilfunkvertrags. Da ich ein Privatkonto bei der Postbank habe, hat die Postbank letztendlich mir auch ein Geschäftskonto eröffnet. Kreditlinien habe ich bis heute keine und auch meine VISA ist eine Prepaid-Karte. Ein Mobilfunkvertrag bei T-Mobile und Vodafone war nicht möglich. Beide haben mich abgewiesen. Daraufhin habe ich meinen privaten Vertrag bei der Telekom gekündigt. Allerdings war ein Business Mobilfunkvertrag bei O2 ohne weiteres möglich, auch als Existenzgründer. Bei vielen meiner Einkäufe muss ich nach wie vor in Vorkasse gehen.

Ein großes Plus in der heutigen Zeit sind Cloud-basierte Dienste. Ich nutze Collmex als Buchführungs- und Fakturierungsprogramm. Hier werden auch die Umsatzsteuervoranmeldungen automatisch in das Finanzamt gesendet und es gibt viele Buchungsvorlagen. Lohnabrechnungen kann man preiswert mit iLohnGehalt erstellen. Mit meinem Steuerberater bin ich gar nicht zufrieden, er gibt mir keine genauen Auskünfte und kann mir nicht weiterhelfen. Am liebsten würde ich auf ihn verzichten.

Summa summarum, bisher habe ich den Gang in die Selbständigkeit nicht bereut. Allerdings musste auch ich feststellen, dass ohne schlagkräftigen Vertrieb die eigene Leistung am Markt keinen Wert hat. Und in meinem Bereich spielen persönliche Kontakte doch weiterhin eine überaus dominierende Rolle.

--
Der Königsweg zu neuen Erkenntnissen ist nach wie vor der gesunde Menschenverstand.

Ich danke Dir. Gratulation!

BillHicks ⌂ @, Wien, Mittwoch, 20.01.2016, 14:40 vor 3671 Tagen @ Plancius 4446 Views

bearbeitet von unbekannt, Mittwoch, 20.01.2016, 14:53

Lieber Plancius,

danke für dieses phantastische Geschenk an uns hier!
Du bist nach meinem Gefühl voll auf dem richtigen Weg.
Ich gratuliere Dir zu Deinem Mut, Deiner Entschlusskraft und der Fähigkeit, Deinen Entschluss in Taten umzusetzen.
Wow! Weiter so!
Blas' sie alle weg, die ängstlichen, überbezahlten, übergroßen Amateure, die sich Profis nennen.[[top]]

Alles Liebe[[herz]]

--
BillHicks

..realized that all matter is merely energy condensed to a slow vibration – that we are all one consciousness experiencing itself subjectively. There's no such thing as death, life is only a dream, and we're the imagination of ourselves.

"...persönliche Kontakte ... weiterhin eine überaus dominierende Rolle." - ohne geht gar nicht, in keinem Geschäftsfeld. (oT)

Griba @, Dunkeldeutschland, Mittwoch, 20.01.2016, 14:42 vor 3671 Tagen @ Plancius 4152 Views

- kein Text -

--
Beste Grüße

GRIBA

Danke - und eine wichtige Frage an alle: Gibt es einen Weg, die Krankenversicherungskosten zu senken?

ebbes @, Mittwoch, 20.01.2016, 15:19 vor 3671 Tagen @ Plancius 4592 Views

bearbeitet von unbekannt, Mittwoch, 20.01.2016, 15:23

Für viele ist das größte Problem beim Weg in die Selbstständigkeit, die hohe Krankenversicherung monatlich zu bezahlen (über 300 Euro).

Die Regelungen wurden meines Wissens entschärft. Keine 60 Prozent jährliche Zinsen bei Nachzahlungen und auch sonst gibt es neue Möglichkeiten.

http://www.biallo.de/versicherungen/krankenkasse/gkv-selbststaendige.php

Kennt ihr noch mehr (Geheim)tipps?

Denke, das Thema ist für einige hier von Interesse, falls sie bei der evtl. kommenden Rezession und Austausch von Menschen durch Robotern ihren Job verlieren.

http://www.welt.de/wirtschaft/article140401411/Maschinen-koennten-18-Millionen-Arbeitne...

Danke und Gruß

ebbes

--
Jedes blinde Huhn, das an der Börse einmal erfolgreich war, denkt gleich, es sei ein Adler.

Verschiedene Möglichkeiten.

Echo @, Mittwoch, 20.01.2016, 16:21 vor 3671 Tagen @ ebbes 4632 Views

bearbeitet von unbekannt, Mittwoch, 20.01.2016, 17:15

Sicherlich gibt es mehrere Möglichkeiten. Das Hauptproblem ist, dass das ganze System eher unflexibel (Gesundheitsprüfungen, Wechsel GKV<>PKV, Abmeldungsprobleme) und zunehmend komplex (Abrechnungen, Berechnungen,...) ist. Man ist manchmal gar auf die Willkür der Beteiligten angewiesen.

Da ich U30 bereits 200-250€ Monatsbeitrag habe, jedoch nur so viel arbeite um angemessen zu leben, musste ich mich zwangsweise mit der Thematik beschäftigen. Ich sehe vor allem vier Auswege:
-Wenn man die GmbH nicht selber besitzt oder die Dachgesellschaft eine sonstige juristische Person ohne Besitzer ist (Näheres gerne per PN), dann kann man sich sozialversicherungspflichtig anstellen lassen. Geht sowohl legal als auch mit zwischengeschalteten Strohmännern. Steuerfreundliche Lohngestaltung ist möglich. Mein Versicherungsvertreter hat mir damals gar geraten, dass man sich ja nach 1 Jahr feuern könne - man erhält somit im Idealfall alle einbezahlten Lohnnebenkosten grob gerechnet wieder über das Arbeitslosengeld ausbezahlt. Weiterer Bonus: Ggf. Arbeitgeberfördermittel für Arbeitsloseneinstellung beachten [[zwinker]].
-Nicht mehr zahlen. Das Gesetz sieht eine PKV-Beitragsreduktion auf ~100€ vor, wenn genügend Monatsbeiträge offen sind. Pflegeversicherungspflicht beachten. Ist die wahrscheinlich einfachste Lösung, solange man gesund ist.
-Ins Ausland absetzen. England soll sogar eine kostenlose Arztbehandlung anbieten.
-Absicherungsgemeinschaften bilden (Artabana, ...)

Edit: Da die PKV im Alter eher unbezahlbar wird, sind die Ergänzungen von @Amos sehr wichtig. Über den Umweg des Auslands komme man übrigens sogar Ü55 zurück in die GKV (Normalerweise ist dies nicht erlaubt). Sind alles nur grobe Anrisse zum Thema. Tiefergehende Einarbeitung ist erforderlich.

Es gibt einige, die wie folgt vorgehen

Amos, Mittwoch, 20.01.2016, 16:48 vor 3671 Tagen @ ebbes 4446 Views

bearbeitet von Amos, Mittwoch, 20.01.2016, 17:05

ja, die Vorschläge von Echo sind richtig, er ist offensichtlich ein Insider.

Es gibt wohl inzwischen einige, die ungehalten darüber sind, dass die Neuankömmlinge in der GKV beitragsfrei sind und daher die wie folgt vorgehen:

1.) solange sie jung, oder die Beiträge dort niedrig sind, versichern sie sich preiswert in der PKV.
2.) dann mit ca. 54 Jahren in der GmbH der Ehefrau mindestens 3 Jahre lang für 8,5 Euro/ Stunde halbtags oder weniger arbeiten.
(Sozialversicherungs-Beitragssatz ca. 20% und nochmal ca. 19% Arbeitgeberbeitrag zur Sozialversicherung den die GmbH bezahlt)
3.) mit ca. 58 Jahren, dann wahlweise Krankengeld, natürlich nur falls sie wirklich krank sind, oder 18-24 Monate ALG 1.
4.) Die GKV hat es dann satt, immer weiter nur Miese zu machen und schickt den latenten Kostenverursacher von Amts wegen in Erwerbsunfähigkeitsrente.  

Europäische Versicherer

Isländer @, Mittwoch, 20.01.2016, 19:36 vor 3670 Tagen @ ebbes 3751 Views

Danke - und eine wichtige Frage an alle: Gibt es einen Weg, die Krankenversicherungskosten zu senken?


Ein wichtiger Aspekt bei Versicherungen ist die Selbstbeteiligung.
Beispiel:

Privathaftpflicht im Jahr 100 €, bei 1000 € Selbstbeteiligung nur 50 €.

Ohne Selbstbeteiligung zahle ich also 50 € im Jahr für eine Versicherung, welche mir Schäden unter 1000 € ersetzt. Brauche ich die???
Nun ja, Vermittler bekommt auch nur 50 % Provision… .

Also, KV mit Selbstbeteiligung suchen, möglichst SB so hoch ansetzen, wie man es verschmerzen kann.

Die Briten sind auf dem Gebiet ganz gut.

Hier mal ein interessanter Link, durch internationale Streuung der Kundschaft wird auch noch der alternde germanische Stammbaum kompensiert, bei welchem die Jungen auch noch für Kinder und Eltern von "Berechtigten" in Drittländern zahlen, oder wenn ein „Wolga-deutscher“ glaubhaft macht, dass sein Urgroßvater mal einen deutschen Schäferhund hatte… .


http://www.focus.de/finanzen/versicherungen/krankenversicherung/ende-der-privaten-kasse...


...Tatsächlich funktionieren internationale Krankenversicherer wie ALC, Aetna oder Morgan Price ganz anders als Policen made in Germany: Sie müssen keine Basistarife anbieten, sparen keine Rückstellungen fürs Alter an und kalkulieren nach aktuellem Schadenaufwand ihrer Versicherten. Extreme Beiträge im Alter verhindert laut ALC-Chefin Sarah Jewell die weltweite Mischung der Versicherten „viel besser, als wenn sie nur auf eine alternde Gesellschaft wie in Deutschland beschränkt sind“...

LG
Isländer

--
Alle meine Beiträge stelle ich unter Vorbehalt zukünftiger Erkenntnisse.
Die Zeiten des direkten Beweises sind vorbei.
18tm4vxxbKH878xhLWGMhdhtx3rJ16Jc2P

Vorsicht bei hohen Selbstbeteiligungen in der Krankenversicherung!

CrisisMaven ⌂ @, Mittwoch, 20.01.2016, 20:20 vor 3670 Tagen @ Isländer 3747 Views

Also, KV mit Selbstbeteiligung suchen, möglichst SB so hoch ansetzen, wie man es verschmerzen kann.

Siehe meine Beitraege:

Anmerkungen zu US-, britischem und sonstigen Kranken"versicherungs"-"Modellen" ...

Grosschaden-, rabattierte und Selbstbehaltstarife - warum sie oftmals teurer sind ..

und natuerlich generell:

Auswahlkriterien und Kalkulationsgrundlagen von privaten Krankenversicherungen

--
Mit 40 DM pro Kopf begann die Marktwirtschaft, mit 400.000 Euro Schulden pro Kopf wird sie enden.
Atomkraft | in English

Da hier viele interessante Antworten kommen,

helmut-1 @, Siebenbürgen, Mittwoch, 20.01.2016, 21:18 vor 3670 Tagen @ ebbes 3882 Views

will ich einen Brief an Lloyd -Deutschland hier abdrucken, den ich dieser Tage verschickt habe.

Die Antwort steht noch aus, - sicher tun die sich schwer mit der Beantwortung, da es das deutsche (offiziell nicht existierende) Versicherungskartell nicht erlaubt.

Aber vielleicht weiss hier dazu jemand etwas, - zumal es sicher einige versierte Insider gibt.

Sehr geehrte Damen und Herren,

aufgrund eines Hinweises habe ich mich für eine Lloyd-Unfallversicherung interessiert. Ein Bekannter sagte mir, dass die Fa. Lloyd so etwas anbietet, was europaweit gültig ist.

Die Frage ist nach einer tatsächlichen Unfallversicherung, die im gesamten EU-Raum gültig ist, z.B. für Freiberufler, oder Selbständige, ungeachtet, in welchen Ländern derjenige einer Tätigkeit nachgeht, oder gemeldete Wohnsitze hat.

Übers Internet bin ich an Ihr PDF gekommen:

www.online-protokoll.de/view.php?nr=2983

Aber ich denke, das ist nicht das, was ich suche. Sie bieten hier eine Versicherung für den Teil der Unfälle an, aus der bleibende körperliche Schäden resultieren. Das wäre allenfalls als Zusatz interessant, genauso wie die dann daraus resultierende Berufsunfähigkeit oder Einschränkung der Ausübung des Berufes.

Um den aus meiner Sicht gewählten Begriff "tatsächliche Unfallversicherung" zu erklären:

"Unfall" ist ein nicht geplantes, nicht vorhersehbares Ereignis, - juristisch definiert. Das kann durch eigenen oder auch fremden Einfluss zustandekommen. Dadurch werden Massnahmen notwendig, um die Folgen dieses Unfalls zu beseitigen oder wenigstens zu vermindern.

Um es an einem Beispiel zu erklären:

Man bricht sich das Bein. Dadurch wird eine Erste-Hilfe-Massnahme, ein Krankentransport, eine ärztliche Behandlung z.B. bei einem Unfallarzt oder auch in einem Krankenhaus notwendig, evtl. auch ein zeitlich befristeter Krankenhausaufenthalt, sowie Nachuntersuchungen und ggf. Reha-Massnahmen.

Diese nun entstandenen Kosten sind eindeutig auf ein nicht vorhersehbares Ereignis, nämlich den Unfall, zurückzuführen. Genau darauf zielt meine Frage ab, ob Ihre Gesellschaft so etwas anbietet.

Natürlich ist mir bekannt, dass z.B. in Deutschland diese Kosten nur durch eine Krankenversicherung abgedeckt werden können, obwohl das Wort "krank" hier eigentlich nichts zu suchen hat. Ich gehöre zu den Leuten, die seit Jahrzehnten nicht krank sind, deshalb auch über keine Krankenversicherung verfügen und auch keine benötigen, und ich schreibe mittlerweile schon den 6er vor meinem Alter.

In den verschiedenen europäischen Ländern gibt es unterschiedliche Versicherungen, - öfters wird auch das angeboten, was ich bei Ihnen anfrage . Beispielsweise gibt es in Rumänien eine staatliche Erstversorgungsversicherung für Ausländer, die monatlich ca. 12 € kostet, und die genau diese Unfälle abdeckt, was ich vorhin beschrieben habe (ohne Reha). Darüber hinaus aber auch Notfallmassnahmen, wie z.B. die Erstbehandlung bei einem Infarkt, o.ä.

Der Haken dabei ist, dass der Gültigkeitsbereich dieser Versicherung auf Rumänien beschränkt ist. Ein Bekannter sagte mir, dass Lloyd (GB) so eine Versicherung angeboten hat, zumindest früher, die auch sehr preiswert gewesen wäre.

Natürlich sind solche Anfragen gerade gesundheitspolitisch in Deutschland kontraproduktiv, - eine bewußte Lebensform, die jedwelche ernsthafte Krankheit ausschließt, kann und darf es nach der seit Generationen praktizierten Lebensform nicht geben, - die wirtschaftlichen Folgen für die medizinische und die Pharma-Industrie wären nicht auszudenken.

Andererseits wäre es gerade im Sinne der Selbständigen und Freiberufler, die sich ohnehin nicht erlauben können, sich selbst durch Krankheit zu blockieren und sich deshalb überwiegend danach verhalten. Wenn ich z.B. einen bestimmten Werkplan mit einer zwingenden Terminvorgabe fertigen muss, für den ich z.B. 2 Tage benötige, und für den ich dann einige Tausend € Vergütung erhalte, dann möchte ich wissen, in welcher Höhe ich eine Tagegeldversicherung abschließen müsste, um den Ausfall abzufangen.

Die Alternative wäre eine in dem Land abzuschließende befristete Auslandskrankenversicherung, die auch kostengünstig ist. In der Realität ist das aber keine Alternative, weil diese Versicherungen - z.B. auf Rumänien bezogen, überwiegend nicht seriös arbeiten und deshalb von einem niedergelassenen Unfallarzt nicht anerkannt werden. Dazu sprechen wir zwar von einem "vereinten Europa", aber die Tatsache, dass man in verschiedenen EU-Ländern einen Hauptwohnsitz haben kann (oder sogar muss, weil jedes Land den ersten Wohnsitz nur als Hauptwohnsitz und nicht als Nebenwohnsitz akzeptiert), machen sich dann diese Versicherungsgesellschaften zunutze, um sich der Zahlungspflicht mit Hinweis auf eben diesen Wohnsitz zu entziehen.

Andererseits gibt es Berufe, die eine vorübergehende Tätigkeit in einem anderen EU-Land bedingen, und wo zumindest der juristische Begriff "Unfall" mit den spezifischen üblichen Folgen abgesichert sein sollte.

Da die Versicherungsgesellschaft Lloyd traditionell auch Versicherungen anbietet, die in anderen Ländern nicht geläufig sind, habe ich an Sie geschrieben, mit der Bitte um eine informative Antwort, die mir weiterhilft.

Mit freundlichen Grüßen

Grundsaetzlich haben (private) deutsche Unfallversicherungen Weltgeltung ... (edit) ...

CrisisMaven ⌂ @, Mittwoch, 20.01.2016, 21:34 vor 3670 Tagen @ helmut-1 3576 Views

bearbeitet von unbekannt, Mittwoch, 20.01.2016, 21:37

Die Frage ist nach einer tatsächlichen Unfallversicherung, die im gesamten EU-Raum gültig ist, z.B. für Freiberufler, oder Selbständige, ungeachtet, in welchen Ländern derjenige einer Tätigkeit nachgeht, oder gemeldete Wohnsitze hat.

Lediglich ist das Problem, dass das fuer deutsche Wohnsitze gedacht ist. Obwohl es eigentlich wurscht ist, solange man nicht z.B. in Somalia zu verunfallen gedenkt.

Das Problem aber mit auslaendischen Policen ist meist noch ein anderes: wer schon deutsche Policen nicht lesen kann (vom juristischen Kleingedruckten her), der tut sich mit auslaendischen, noch dazu angelsaechsischen, Policen erst recht schwer.

Und dann ist der Gerichtsstand u.U. London oder die Cayman Islands ...

Drum haben ja viele Menschen Versicherungen, die gar nicht zahlen, was der Kunde denkt, aber keiner merkt's, da ja nichts passiert.

Bei Bauunternehmern/Dachdeckern gilt uebrigens eine hoehere Risikoklasse, als bei Buerohengsten.

EDIT: Eine private UV nach deutschem Recht zahlt uebrigens erst nach einem Jahr - naemlich wenn der verbleibende Dauerschaden feststellbar ist. Funktioniert nicht wie die Berufsgenossenschaft, ist eine reine Entschaedigung, und zudem muss man sich mit den Steigerungsfaktoren befassen.

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Das Problem ist prinzipiell anders gelagert

helmut-1 @, Siebenbürgen, Mittwoch, 20.01.2016, 21:54 vor 3670 Tagen @ CrisisMaven 3438 Views

Nämlich darin, dass es in Deutschland (und in manchen anderen Ländern auch) keine Unfallversicherung gibt, wie ich sie am Beispiel beschrieben habe.
Oder hat sich da was geändert?

Also "die auch sehr preiswert gewesen wäre" und Krankenkassenleistungen, scheint mir ein Widerspruch ...

CrisisMaven ⌂ @, Mittwoch, 20.01.2016, 23:23 vor 3670 Tagen @ helmut-1 3395 Views

Nämlich darin, dass es in Deutschland (und in manchen anderen Ländern auch) keine Unfallversicherung gibt, wie ich sie am Beispiel beschrieben habe.
Oder hat sich da was geändert?

Ja, das ist nicht die klassische Unfallversicherung.

Aber, vgl.:

Die Alternative wäre eine in dem Land abzuschließende befristete Auslandskrankenversicherung

Hierzu hatte ich schon mal was geschrieben:

"Das sind keine Krankenversicherungen. Das ist eine subsidiaere Versicherung, die hofft, dass der "Versicherte" im Ausland dennoch GKV-Deckung hat (sog. Sozial-Versicherungsabkommen) und sie daher nur in seltensten Faellen subsidiaer zahlen muss. Sie zahlt nur fuer akute Erkrankungen im Ausland, die nicht vorhersehbar waren. Die werden auch nicht "austherapiert", sondern man hat sich dann, soweit reisefaehig, sofort nach Hause zurueckzubegeben - unter den Schutzschirm der Haupt-Versicherung! Steht alles in den (allerdings zugegeben schwer lesbaren) Bedingungen."

Daher, ohne die Llyods-Police im Detail zu kennen:

Entweder sie ist subsidiaer, dann brauchst Du daneben eine regulaere Krankenversicherung, weil sie kalkulatorisch darauf aufbaut, oder sie ist es nicht, dann duerfte sie kaum "billig" sein.

Oft sind Versicherungen scheinbar billig, weil sie davon ausgehen, die Hauptlast trage bereits ein anderer Versicherer.

Zwar koennte man reine Unfall-Krankenleistungen durchaus guenstiger kalkulieren als eine volle Krankheitsabsicherung (Unfaelle sind ja zum Glueck selten), aber das Problem ist m.E. die Abgrenzung vom restlichen Gesundheitszustand. Was zudem mit zunehmendem Alter kritischer gesehen wird.

Da das Risiko, auf Glatteis auszurutschen und sich den Arm zu brechen, bei 18- wie 50-jaehrigen so gut wie identisch ist, kostet auch die UV dasselbe.

Aber die KV kostet fuer einen 18-jaehrigen vielleicht ein Drittel, Viertel, Fuenftel wie fuer einen Fuenfzigjaehrigen.

Aber am besten warten wir mal, was Lloyds zurueckschreibt.

--
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Ich sehe einen anderen Widerspruch

helmut-1 @, Siebenbürgen, Mittwoch, 20.01.2016, 23:53 vor 3670 Tagen @ CrisisMaven 3322 Views

Nachdem Du da klare Fakten auftischst, wundere ich mich, warum ich bei Deiner Argumentation Widersprüche sehe.

Was meine ich damit:

Entweder sie ist subsidiaer, dann brauchst Du daneben eine regulaere Krankenversicherung, weil sie kalkulatorisch darauf aufbaut, oder sie ist es nicht, dann duerfte sie kaum "billig" sein.

Sehe ich nicht so, weil auch Du darauf genauso argumentierst, wie ich es tun würde:

Zwar koennte man reine Unfall-Krankenleistungen durchaus guenstiger kalkulieren als eine volle Krankheitsabsicherung (Unfaelle sind ja zum Glueck selten), aber das Problem ist m.E. die Abgrenzung vom restlichen Gesundheitszustand.

Nun mein "Veto" dazu:

Unfälle sind nicht nur selten, sondern ganz genau abgrenzbar. Es gibt eine juristisch klare Definition, was ein Unfall ist. Ich hol mal grad was willkürlich aus dem Net heraus, - es gibt aber noch ausführlichere:

Holger Neunert, Experte für Versicherung: Es gibt eine klare gesetzliche Definition: Was ist ein Unfall? Ein Unfall liegt vor, wenn eine Person durch Ereignis unfreiwillig gesundheitlich geschädigt wird, das plötzlich von außen auf den Körper einwirkt. Dazu zählen Verrenkungen, Risse und Zerrungen, die durch eine erhöhte Kraftanstrengung verursacht worden sind.

Im Versicherungsjargon spricht man auch von „PAUKE“:

Ein Unfall ist ein plötzlich von außen unerwartet auf den Körper einwirkendes Ereignis, das zur Gesundheitsschädigung führt.

Da eben genau diese Unfälle selten sind und von niemand absichtlich herbeigeführt werden (es sei denn, gewollte Selbstverstümmelung, aber das ist kein Breitensport), kann man derartige Schäden auch weitaus günstiger kalkulieren.

Die verbreitete Fußfessel aber besteht in der Unart, eine KV "haben zu müssen".

Alles andere bei Deinen Ausführungen ist auch so, wie ich denke, insbesonders die "billige" Versicherung. Entweder sie bezahlt nicht, oder andere müssen aufgrund der Solidarsituation dafür bezahlen. Ist ja auch irgendwie logisch.

Das mit "PAUKE" ist ja auch richtig, aber ...

CrisisMaven ⌂ @, Donnerstag, 21.01.2016, 00:12 vor 3670 Tagen @ helmut-1 3383 Views

Da eben genau diese Unfälle selten sind und von niemand absichtlich herbeigeführt werden (es sei denn, gewollte Selbstverstümmelung, aber das ist kein Breitensport), kann man derartige Schäden auch weitaus günstiger kalkulieren.

Das ist richtig, jedoch ist es z.B. so, dass bestimmte Krankheiten eine unfallbedingte Operation extrem verteuern koennen, dass ein Mensch mit Psoriasis, der (unfallbedingte) Hautabschuerfungen hat, sicher einen anderen Heilungsverlauf hat, als einer ohne (phantasiere ich mal). Jedenfalls, wenn die Krankenbehandlung mit der UV verknuepft wird, und VOLL fuer Unfall-Reha, Knochenbruch, CT etc. pp. aufkommen soll, inkl. Problemen, die z.B. durch Vorerkrankungen zu Verteuerungen fuehren, dann kann m.E. eine solche Unfall+Krankenversicherung fuer Unfallfolgen nur so vorgehen, wie eine Berufsunfaehigkeitsversicherung. Deren Gesundheitsfrageboegen sind i.d.R. umfangreicher als die der PKV und ... die Ablehnungen sind ebenfalls hoch dadurch.

Aber warten wir mal die Antwort ab.

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Ich empfinde das als unverschämt und parasitär

Amos, Donnerstag, 21.01.2016, 17:38 vor 3670 Tagen @ ebbes 3374 Views

bearbeitet von Amos, Donnerstag, 21.01.2016, 18:08

Es gibt einige, die so ungehalten über das AsylbLG sind, dass sie nun selbst das System hemmungslos ausbeuten, wie in dieser Anleitung beschrieben ist:

http://www.der-kvprofi.de/veroeffentlichungen/notlagentarif-oder-die-hinrichtung-der-pk...

Ich persönlich empfinde das jedoch als unverschämt und parasitär.

Es muss doch noch bundesdeutsche Zahlbürger mit Anstand geben, die bereit sind, mehr in das GKV System einzuzahlen, als sie selbst bekommen, damit die kranken Asylantenströme eine ordentliche ärztliche Versorgung und schöne Zähne erhalten.

Viele Grüße
amos

Hm, wenn die Positionierung im SAP-Markt so einfach waere ...

CrisisMaven ⌂ @, Mittwoch, 20.01.2016, 15:19 vor 3671 Tagen @ Plancius 5988 Views

bearbeitet von unbekannt, Mittwoch, 20.01.2016, 17:13

Ich gehe das mal der Reihe nach durch (in der Meinung, es interessiert Dich und Du ziehst evtl. daraus Nutzen).

Ich habe mich vor einem Jahr im Bereich SAP Beratung und Entwicklung mit der Gründung einer Einmann-GmbH selbständig gemacht.

Damit, anders als der Freiberufler, zwangslaeufig Gewerbesteuerpflicht und IHK-Beitrag. Andererseits kann man durch Zahlung des eigenen Gehalts den Gewinn auf Null fahren und damit die Gewerbesteuerpflicht i.W. umgehen. Vorteile hingegen bei dem Verdacht der "Scheinselbstaendigkeit".

Andererseits evtl. spaeter bei Verkauf oder Schliessung Aufdeckung stiller Reserven ("derivativer Firmenwert") u.a.

Vorsicht bei eigengenutzter Immobilie - die kann auch dann zum Betriebsvermoegen gehoeren, wenn man formal an die GmbH vermietet. Ist kompliziert und vom Einzelfall abhaengig, aber Ein-Mann-GmbHs (ich vermute, darum handelt es sich), sind so eine Sache ...

Kenne etliche Gewerbetreibende und Freiberufler, die immer noch, wiewohl dement und achtzig Jahre alt, den Betrieb "fortfuehren", weil sie sich den Ruhestand mit Entnahme dieses Betriebsvermoegens nicht leisten koennen (Immobilienmpreissteigerungen!).

In der Regel nimmt man ein oder mehrere Kunden seines Arbeitgebers mit

Aber nur, wenn der Arbeitgeber doof war und sich das nicht abbedungen hatte im Arbeitsvertrag. (Wofuer er allerdings dann auch "Abstand" zahlen muss analog Handelsvertreterrecht, weshalb das oft zahnlos bleibt, viele aber dennoch aus Unwissenheit abschreckt.)

und führt zu Beginn seiner Selbständigkeit das letzte Projekt beim Arbeitgeber in Eigenregie weiter fort.

Da kenne ich Faelle, da hatten die Betreffenden am naechsten Tag eine einstweilige Verfuegung vom Landgericht, inkl. 250.000 Euro Zwangsgeld/sechs Monate Knast-Androhung ...

So entfällt das Akquiseproblem zu Beginn der Selbständigkeit

Ist also nochmal gutgegangen, haette aber auch den Kopf kosten koennen.

Dann melden sich die Freelancer bei Agenturen an,

Deren beste immer noch in England sitzen ...

Ich habe in jahrelanger Arbeit ein Produktportfolio entwickelt, das ich als Ergänzung und spezifische Problemlösung zu SAP Software anbiete. Deshalb auch keine Tätigkeit als Freelancer, sondern gewerblicher Auftritt in Form einer GmbH.

Was aber die Vermarktung ueber Agencies ohnehin erschweren koennte, denn die verwechseln immer noch "BW" (Business Warehouse) und "WM" (Warehouse Management). Je spezieller, je mehr Fachbegriffe, desto schwerer bei der hohen Fluktuation bei den Agencies.

Mein Ziel war es, dass ich mich als Spezialist und Lösungsanbieter in einer Nische für SAP Software positioniere und meine Aufträge primär über das Internet generiere.

M.E. fataler Irrtum: dass naemlich ein Grosskunde wie Nestle, Daimler, RWE, Deutsche Bank, das Internet bemuehen, um ueber Stichworte potentielle Projektanbieter zu suchen. Dafuer bemueht der Zentraleinkauf einige wenige "gelistete" Agencies, s.o.

Kunden sollten über Google und meine Website zu mir kommen,

Wer kommt, sind Suchende. Ob potentielle Kunden (so) suchen, darf bezweifelt werden. Was anderes ist, wenn man Hundefutter anbietet. Da suchen auch achtzigjaehrige Gehbehinderte im Internet.

d.h. ich möchte weniger aktiv auf Kunden über Cold Calls und dergleichen zugehen.

Wie schon die Hoffnung, dass die Kunden einen suchen wuerden, sehe ich auch das kritisch: Cold Calling - bei wem? Der Projektleiter, der die Fachtermini evtl. kennt (oft nicht mal der) darf nicht mit Anbietern reden und der Einkaeufer versteht nur Bahnhof ...

Das ist bei Normteilen im Einkauf in der Automobilindustrie anders - dort gibt es Facheinkaeufer. Aber bei Projekteinkauf wechselt die Sprache/der Fachbegriff staendig. Darum ... die Agencies.

Der SAP Markt ist riesig und in meiner Nische gibt es nur wenig qualifizierte Anbieter und eine aussagekräftige Webpräsenz meines Wettbewerbs gibt es schon gar nicht.

Hm, wenn angeblich die anderen Anbieter zu bloed sind, sich im Web ordentlich zu positionieren und darum in Suchen bloss nie auftauchen - woher will man wissen, dass es sie nicht dennoch gaebe???

Erster Schritt war die Suche eines Firmennamens, der mit meinen Leistungen im Zusammenhang steht

Auch das ist so eine Sache. Vgl. Metzger Schweisfuss.

pets.com ist pleite, "effem" nicht ...

jedes Bild beschrieben und mit Keywords in den ALT-Tags versehen.

Das ist gut, wenn auch nur, weil die meisten es uebersehen.

Seit Sommer 2015 werde ich mit meinen Keywords bei Google auf der ersten oder zweiten Seite gelistet.

Wenn Du Dich suchst, oder wenn andere Dich suchen?

Die Feststellung des objektiven Ranking ist extrem schwierig und gelingt nie wirklich.

Alle potentiellen Wettbewerber und auch die großen SAP Dienstleister habe ich geschlagen.

Wie schon gesagt - woher kennst Du Wettbewerber, die man nicht finden kann, weil sie nicht so SEO-erfahren sind?

Ich habe zwar nur 20 – 30 effektive Besuche auf meiner Website pro Tag,

Da sind vermutlich dennoch, obwohl das versucht wird, herauszurechen, ein paar "Bots" dabei. Auch solche von Spammern.

aber da ich mich in einer Nische befinde, sind die Besuche meiner Website hocheffektiv. Jemand, der nach meinen Keywords sucht, befindet sich schon potentiell im Markt,

Moment mal - man kann ja seit Googles "Reformen" nur noch eingeschraenkt oder immer weniger feststellen, aufgrd. welcher Suche jemand zu einem findet. Vielleicht hast Du eine Formulierung auf Deinem Blog "Neulich beim Finanzamt" ... und jemand hat danach gesucht?

Um festzustellen, ob das Thema wirklich dem Suchenden auf den Leib geschneidert war, muesstest Du zusaetzlich "Bounce Rate", "Time on Site" etc. auswerten.

Erstaunlich viele Besucher kommen über die Google Bilder-Suche, so dass sich die Verschlagwortung meiner Bilder wohl gelohnt hat.

Ja, aber das sind fast nie Kunden. Das erhoeht den Traffic fuer jemanden, der mit Adsense-Anzeigen zusaetzlich Geld verdienen will, nuetzt aber beim Core Marketing so gut wie nix.

In meinem Blog liefere ich mindestens einmal pro Monat frischen Content zu meinem Tätigkeitsfeld, um so konstant neue Besucher auf meine Website zu locken.

Das funktioniert nur bei Leuten, die den RSS-Feed abonnieren. Anderseits hilft es, da Google "fresh content" schaetzt.

Einmal habe ich einen Lösungsansatz preisgegeben, nach dem viele SAP Entwickler suchen, um zu testen, wie sich der Traffic auf meiner Website dadurch steigert. Und in der Tat – der Traffic ist schlagartig um ca. 25% gestiegen.

Ja, diese Leute suchen, Kunden nicht.

Wie gesagt, ich nutze die Wordpress-Technologie für meine Website. Und was habe ich festgestellt? Der Inhalt auf meinem Blog wird viel schneller indexiert und rankt auch höher als der Rest meiner Website.

Das kann auch damit zusammenhaengen, dass WP immer korrekten HTML-Code generiert, der Rest ggf. gegen HTML-Standards verstoesst, was Google (etwas) abwertet.

Trotz meines fulminanten Starts im Google Pagerank haben sich meine Investitionen in meinen Webauftritt nicht ausgezahlt.

Doch - insofern Du anders generierte Interessenten auf Deinen Blog als "Visitenkarte" verweisen kannst. Das koennen viele andere nicht. Bewerben sich zwei ansonsten gleich qualifizierte SAP-Berater ums selbe Projekt, kann das sehr wohl ausschlaggebend sein. Eine ROI-Rechnung bei Webseiten ist daher eine vertrackte Sache.

Bis heute habe ich keinen einzigen Backlink generiert

Sprich: Du hast nicht mal woanders kommentiert? Straefliche Vernachlaessigung!

und auch keinen einzigen Kommentar auf meinem Blog erhalten.

Insbes. ein Mitarbeiter eines potentiellen Kunden wuerde sich hueten, das zu tun. Ich habe allein an zwei SAP-Projekten mitgewirkt, die als solche "geheim" waren, d.h. die Konkurrenz sollte nicht erfahren, dass der Kunde SAP einfuehrt ...

In einem Jahr habe ich 8 Telefonanrufe, 4 Emails und ein kleines Projekt über meine Website erhalten.

Das haetten mit Agencies TAUSENDE sein koennen (je nach Markt, nehmen wir mal MM oder SD ...). In Deiner Nische natuerlich weniger.

Ich musste feststellen, dass in meiner Branche doch die Entwickler über Agenturen oder die großen SAP Dienstleister geordert werden.

Ja, und das hat verschiedene Gruende:

Erstens:
Die ISO-QM-Zertifizierung fordert, dass JEDER Lieferant (das waerest Du) ebenfalls ISO-zertifiziert sein muss (oder eigens auditiert werden muesste).

Die Agencies sind dies darum, Du vermutlich nicht. Und: wenn schon die Webseite sich (scheinbar, s.o.) nicht "lohnt" - eine ISO-Zertifizierung kostet noch wesentlich mehr ... Fuer "nix".

Zweitens:
Jeder Grosskonzern und die meisten Mittelstaendler buendeln ihre Lieferanten. Die wollen z.B. fuer SAP-Projekte nur mit, sagen wir, zehn grossen (ISO-zertifizierten) Agencies zusammenarbeiten, nicht hunderten, schon gar nicht einem Einzelkaempfer (und schon gar nicht ohne ISO-Zertifizierung).

Diese Lieferanten sind im SAP-MM-PUR-Orderbuch gelistet und eine BAnf eines Projektleiters wird auch nur gegen diese abgeglichen, bzw. Bestellvorschlaege generiert!!! No chance ...

Auch das Platzieren von AddOns für SAP geschieht wohl nur über die SAP Dienstleister,

Richtig - oder Du laesst Dich SAP-zertifizieren. Stell' Dir mal vor, der gesamte Ersatzteilnachschub bei VW stuende still, wegen Deines fehlerhaften Add-Ons. Und: das Add-On muss vom ISO-zertifizierten Lieferanten stammen. Die Katze beisst sich in den Schwanz.

die einen direkten Draht zum IT-Chef des Kunden haben und so ihre oder andere Produkte platzieren.

Nee, die sind gelistet, siehe oben. Direkter Draht mag dann noch dazukommen.

Der Versuch, meine Lösungen über SAP Dienstleister zu vertreiben, war leider nicht von Erfolg gekrönt. Meine Lösung steht in Konkurrenz zu deren eigenen Produkten, die ähnliches anbieten.

Richtig. Und da ABAP-Quellcode offenliegt, unterliegst Du auch in Verhandlungen; die kupfern Dir das ab ...

Meine Lösung ist zwar qualitativ besser, preiswerter und vom Kunden leichter zu implementieren,

Nicht ... ohne ISO-Zertifizierung ... Ausserdem: hast Du bereits Deinen eigenen Namensraum bei SAP-ABAP?

steht jedoch in Konkurrenz zu den eigenen Produkten der SAP Dienstleister.
Die sind zwar miserabler und teurer, aber Kunde weiß es in dem Moment ja nicht, wo es ihnen verkauft wird.

Ja. Und Deine eigenen Testimonials stehen im Verdacht, Werbung zu sein - wie jedes Eigenlob. Da muesstest Du schon die Fraunhofer-Gesellschaft dazu bringen, das zu bewerten.

Mobilfunkvertrag bei T-Mobile und Vodafon war nicht möglich. Beide haben mich abgewiesen.

Wegen des Risikos der beschraenkten Haftung.

Bei vielen meiner Einkäufe muss ich nach wie vor in Vorkasse gehen.

Dito. Dazu haettest Du eine oHG oder KG waehlen oder Freiberufler bleiben sollen (bei Verkauf von Add-Ons aber waere in jedem Fall Gewerbe zu unterstellen, vgl. Faerbetheorie u.v.a.m.).

Allerdings musste auch ich feststellen, dass ohne schlagkräftigen Vertrieb die eigene Leistung am Markt keinen Wert hat.

Das machen die Agencies. Welchen Grund koennten die haben, einen guten Lieferanten nicht zu vermarkten?

Und in meinem Bereich spielen persönliche Kontakte doch weiterhin eine überaus dominierende Rolle.

Diese Kontakte haben die erfahrenen Recruiter dieser Agencies. Beispiel: mit Agency zehn Prozent weniger netto, aber 12 Monate Auslastung.

Ohne Agency 10 Monate Auslastung (wenn's denn klappt), und 10% mehr netto ...

Siehe auch

Das Geheimnis des guten Rankings in Google ...

Der Schritt von 1€, 10€ zu 100€, 1.000€ ...

Wonach waehlt Google (u.a.) aus?

Marketing und Social Media

Werbeeinnahmen und Kooperationen

--
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QM Zertifizierung ist nicht notwendig

Martin @, Mittwoch, 20.01.2016, 18:28 vor 3670 Tagen @ CrisisMaven 3696 Views

Nach ISO 9001 oder ISO 13485 (Medizinprod.) muss der Lieferant nicht nach ISO zertifiziert sein. Lieferantenaudits müssen mit oder ohne Zertifizierung sein, die Audits sind aber keine ISO Audits, sondern können sich auf die zu liefernden Produkte und zugehörigen Prozesse beschränken.

Wenn eine ISO-Zertifizierung vorliegt kann natürlich vorausgesetzt werden, dass bestimmte Prozesse funktionieren, beispielsweise die Vertragsprüfung, das Änderungsmanagement. Bei einem Lieferantenaudit sollte aber genau das am Beispiel des eigenen Produkts eh abgeprüft werden, niemand vernünftiges verlässt sich auf die Stichprobe des ISO Audits von einem anderen Produkt.

Die Entscheidung, ob ISO zertifiziert oder nicht ist also eher eine Abwägung des Aufwands. Viele Einkäufer machen es sich nur einfach.

Ja, das hatte ich ja geschrieben! (ISO, Audit etc.) EDIT

CrisisMaven ⌂ @, Mittwoch, 20.01.2016, 18:38 vor 3670 Tagen @ Martin 3736 Views

bearbeitet von unbekannt, Mittwoch, 20.01.2016, 18:45

"ebenfalls ISO-zertifiziert sein muss (oder eigens auditiert werden muesste)."

Nach ISO 9001 oder ISO 13485 (Medizinprod.) muss der Lieferant nicht nach ISO zertifiziert sein. Lieferantenaudits müssen mit oder ohne Zertifizierung sein,

ENTWEDER ISO-zertifiziert

ODER eigenes Lieferantenaudit.

Alles andere ist ein Vabanque-Spiel, sowohl hinsichtlich des Risikos, die ISO-Zertifizierung zu gefaehrden, ODER einen schmerzlichen Verlust zu erleiden.

Beispiel: der Lieferant ist NICHT ISO-zertifiziert und man hat auch auf das individuelle Lieferantenaudit verzichtet.

Nun entstehen Verluste (dadurch), d.h. Aktienkurs oder Dividende brechen ein.

Moegliche Folge: ein Grossaktionaer, etwa ein Fonds, verklagt den Vorstand wegen dieser Fahrlaessigkeit ... wer wollte das riskieren???

Und wenn ich nun recht haette - glaubst Du im Ernst, der Zentraleinkauf von, sagen wir, einem Konzern, dessen Hauptsitz in Australien, HongKong oder Detroit sitzt, schickt einen Auditor fuer, sagen wir, 8.000 Euro Reiseaufwand etc. nach Europa, um eine Ein-Mann-GmbH zu auditieren?

Mit dem Risiko, dass diese zudem das Audit nicht besteht?

Oder riskiert, wegen einer Dienstleistung, die man problemlos (!) ueber Recruiting/Temping Agencies oder Beratungshaeuser (die dann ihrerseits @Plancius engagieren - aber wieder ueber eine ISO-zertifizierte Agentur!) einkaufen koennte, auch noch auf's 8.000 Euro teure Audit zu verzichten, um eine Dienstleistung, die meinetwegen 20.000 Euro kostet (aber Millionenschaeden verursachen koennte), einzukaufen???

EDIT:

Lieferantenaudits müssen mit oder ohne Zertifizierung sein

Nein, die Agencies haben noch nie einen SAP-Berater als Lieferanten auditiert, NIE. Aber sie selbst werden, neben der ISO-Zertifizierung als Eingangsvoraussetzung, natuerlich von Bayer, BASF, Novartis etc. auditiert, zusaetzlich. Da gibt es aber nicht viel zu auditieren, da koennen ja keine Maden auf dem Fussboden liegen.

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'Eigens' auditieren eines Lieferanten ist immer erforderlich

Martin @, Mittwoch, 20.01.2016, 19:17 vor 3670 Tagen @ CrisisMaven 3507 Views

bearbeitet von unbekannt, Mittwoch, 20.01.2016, 19:25

...wenn man selbst ISO-zertifiziert ist, auch (eben nicht 'oder') wenn der Lieferant ISO-zertifiziert ist. Da ein solches Lieferantenaudit dokumentiert ist, müsste im Schadensfall erst mal nachgewiesen werden, dass ein ISO-Zertifikat den Schaden verhindert hätte.

Also da widerspreche ich, teilweise ...

CrisisMaven ⌂ @, Mittwoch, 20.01.2016, 19:44 vor 3670 Tagen @ Martin 3589 Views

bearbeitet von unbekannt, Mittwoch, 20.01.2016, 19:48

... auch wenn ich seit mindestens fuenf Jahren nichts mehr mit ISO-Zertifizierungen zu tun hatte.

...wenn man selbst ISO-Zertifiziert ist, auch (eben nicht 'oder') wenn der Lieferant ISO zertifiziert ist. Da ein solches Lieferantenaudit dokumentiert ist, müsste im Schadensfall erst mal nachgewiesen werden, dass ein ISO Zertifikat den Schaden verhindert hätte.

Nochmal:

A) Ich bezweifle, dass ein Grosskonzern ueberhaupt einen nicht-ISO-zertifizierten Lieferanten in Erwaegung zieht.

Drum ja so Sachen wie SAP Electronic Buyer/Marketplace etc. pp. wo dann zwar die Kugelschreiber selbst bestellt werden koennen (oder Reisemanagement, soll der Deutschen Bank -SAP-Pilotkunde Anfang der 2000er- auf Anhieb 300 Millionen gespart haben). Aber dieser Bueromaterial-Lieferant ist eben zertifiziert und ggf. vom Zentraleinkauf auditiert, damit nicht doch mal einer "schnell ueber die Strasse" beim Tante-Emma-Laden einkauft.

B) Bei jeder Norm, so auch der ISO-Norm, darf man abweichen. D.h. man hat die Moeglichkeit, einen nicht-ISO-zertifizierten Lieferanten selbst zu auditieren, auch in Abweichung vom ISO-Konzept, wenn dieses "gleichwertig" ist. Genauso kann, ausser vielleicht im Flugzeugbau, bei Medizinprodukten (GLP / GMP - "Give me paper"), auch ein Norm-abweichendes Teil gekauft oder eingebaut werden oder hergestellt, wenn es dafuer Gruende gibt und dieses gleich- oder hoeherwertig ist. Nur sind die Dokumentationsanforderungen dann so hoch, dass das i.d.R. unterbleibt.

Am Bau passiert das haeufiger, aber da ist ja das Bauamt mit beteiligt als Pruefinstanz.

Ansonsten muss schon eine Oelquelle lichterloh brennen und Red Adair kommt und sagt "Ich loesch' Euch das, aber nur mit meinen eigens dafuer entwickelten Konzept, das keinerlei Feuerwehrzulassung hat".

C) Wie @Plancius ja nun geschrieben hat, hat er SAP-Kunden mit z.T. 1-3 Mitarbeitern, d.h. das zaehlt nach gaengigen Definitionen nicht mal als Mittelstand (das faengt bei z.B. 500 Mitarbeitern an - der Rest ist das "K" in "KMU") und ich haette mir nie traeumen lassen, dass SAP bei solchen, Verzeihung, "Klitschen" je eingesetzt werden wuerde. Extra dafuer hat man mal Business One zugekauft ... Dort gelten natuerlich andere Regeln, da geht noch einiges und tatsaechlich kann man sich dort noch direkt vermarkten. Im Gegenteil, manche Recruiting Agency wird vermutlich deren Suchauftraege ablehnen, die vermitteln am liebsten "100 MM-Berater am Stueck".

D) Aber an einem halte ich fest, jedenfalls kenne ich nichts anderes, und ich berate Kollegen auf dem Gebiet, habe also einen ueber meine eigenen Auftraege hinausgehenden Horizont: noch nie wurde ein SAP-Berater (egal, ob als Einzelkaufmann, Freiberufler, oder Ein-Mann-GmbH) weder auditiert noch von ihm von der Agency ein ISO-Zertifikat verlangt. Stattdessen verlangen diese Agencies (seit 'gefuehlt' 2005) i.d.R. drei "unabhaengige" Referenzen aus frueheren Projekten (was es Anfaengern zunehmend schwerer macht).

Dennoch sind diese Berater der Agency gegenueber Lieferant - aber aus hunderten kenne ich nicht einen Zertifizierten oder (auch nur) Auditierten.

--
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Ist schon so wie ich schrieb

Martin @, Mittwoch, 20.01.2016, 21:03 vor 3670 Tagen @ CrisisMaven 3639 Views

... auch wenn ich seit mindestens fuenf Jahren nichts mehr mit
ISO-Zertifizierungen zu tun hatte.

Nun, als ehemaliger Beauftragter des Managements (seither haben sich die Normen nicht geändert, habe selbst die neueste ISO 13485 mitgeschrieben) denke ich, ich bin up to date

A) Ich bezweifle, dass ein Grosskonzern ueberhaupt einen
nicht-ISO-zertifizierten Lieferanten in Erwaegung zieht.

Doch, sogar im regulierten Medizingerätebereich. Nur, wenn Anforderungen konzernweit festgelegt werden, dann geht man aus Bequemlichkeit nach Schema F vor, ob das unnötige Kosten verursacht oder nicht, ist dann egal. Es ist Bequemlichkeit, um keine von Fall zu Fall Entscheidungen zu treffen. Will man aber einen Lieferanten unbedingt haben, spielt es keine Rolle mehr. Es ist dann auch Bequemlichkeit von Auditoren, die so mal schnell ihre Liste abhaken können.

Im Automobilbereich ISO/TS 16949 bin ich nicht sicher, müsste ich rückfragen.


Drum ja so Sachen wie SAP Electronic Buyer/Marketplace etc. pp. wo dann
zwar die Kugelschreiber selbst bestellt werden koennen (oder
Reisemanagement, soll der Deutschen Bank -SAP-Pilotkunde Anfang der 2000er-
auf Anhieb 300 Millionen gespart haben). Aber dieser
Bueromaterial-Lieferant ist eben zertifiziert und ggf. vom Zentraleinkauf
auditiert, damit nicht doch mal einer "schnell ueber die Strasse" beim
Tante-Emma-Laden einkauft.

Das verhindert die ISO Norm nicht, und keine ISO Zertifizierung heißt ja nicht, dass der Laden nicht ordentlich funktioniert.

B) Bei jeder Norm, so auch der ISO-Norm, darf man abweichen. D.h. man hat
die Moeglichkeit, einen nicht-ISO-zertifizierten Lieferanten selbst zu
auditieren, auch in Abweichung vom ISO-Konzept, wenn dieses "gleichwertig" ist.

Man darf bei der QMS-Norm nicht abweichen, nur nicht zutreffendes streichen. Ist aber keine Abweichung, da nicht gefordert.

Das ist eine andere Sache bei Produktnormen / technischen Spezifikationen.


C) Wie
@Plancius ja
nun geschrieben hat
, hat er SAP-Kunden mit z.T. 1-3 Mitarbeitern,
d.h. das zaehlt nach gaengigen Definitionen nicht mal als Mittelstand (das
faengt bei z.B. 500 Mitarbeitern an - der Rest ist das "K" in "KMU") und
ich haette mir nie traeumen lassen, dass SAP bei solchen, Verzeihung,
"Klitschen" je eingesetzt werden wuerde. Extra dafuer hat man mal
Business
One
zugekauft ... Dort gelten natuerlich andere Regeln, da geht noch
einiges und tatsaechlich kann man sich dort noch direkt vermarkten. Im
Gegenteil, manche Recruiting Agency wird vermutlich deren Suchauftraege
ablehnen, die vermitteln am liebsten "100 MM-Berater am Stueck".

Zu der SAP-Geschichte kann ich nichts sagen. Mein Bruder vertreibt als 1-Mann GmbH Software, die den ISO-konformen Ablauf bei Firmen unterstützt, ist aber selbst nicht zertifiziert. Liest sich paradox, geht aber.

D) Aber an einem halte ich fest, jedenfalls kenne ich nichts anderes, und
ich berate Kollegen auf dem Gebiet, habe also einen ueber meine eigenen
Auftraege hinausgehenden Horizont: noch nie wurde ein SAP-Berater (egal, ob
als Einzelkaufmann, Freiberufler, oder Ein-Mann-GmbH) weder
auditiert noch von ihm von der Agency ein ISO-Zertifikat verlangt.
Stattdessen verlangen diese Agencies (seit 'gefuehlt' 2005) i.d.R. drei
"unabhaengige" Referenzen aus frueheren Projekten (was es Anfaengern
zunehmend schwerer macht).

Dennoch sind diese Berater der Agency gegenueber Lieferant -
aber aus hunderten kenne ich nicht einen Zertifizierten oder (auch nur)
Auditierten.

Ja, irgendwo macht das ja auch Sinn. Der Freelancer wäre dann das Management, der Beauftragte des Managements und der Mitarbeiter in einer Person, würde die Prozesse für sich selbst schreiben und sich selbst regelmäßig Bericht erstatten. Ein QMS ist ja ursprünglich für etwas größere Organisationen geschrieben. Ein Bekannter ist eine 1-Mann GmbH mit Sekretärin für alles, muss aus regulatorischen Gründen zertifiziert sein, da wird das dann schon etwas kurios.

Meine Klientel ist der Mittelstand

Plancius @, Mittwoch, 20.01.2016, 19:15 vor 3670 Tagen @ CrisisMaven 3810 Views

Vielen Dank für Deine Antwort @CM.

Wenn ich bedenke, auf wie vielen Gebieten Du mit qualitativ hochwertigen Beiträgen bewandert bist - Atomenergie, Gesundheit, jetzt SAP - und wie ausführlich Deine Beiträge sind, dann frage ich mich auch manchmal, ob nicht hinter Deinem Nick doch mehrere Personen stecken.

Ich muss Dir in vielen Punkten Recht geben. Du bist ein guter Kenner der Materie. Nur bewege ich mich in einer anderen Klientel. Deine Aussagen treffen auf den gehobenen Mittelstand und Großunternehmen zu. Einer meiner Kunden besteht nur aus 3 Personen. Die Firma residiert in einer 3-Zimmer-Plattenbauwohnung, wo der SAP-Server unter dem Schreibtisch des Chefs steht.

Vorsicht bei eigengenutzter Immobilie - die kann auch dann zum
Betriebsvermoegen gehoeren, wenn man formal an die GmbH vermietet. Ist
kompliziert und vom Einzelfall abhaengig, aber Ein-Mann-GmbHs (ich vermute,
darum handelt es sich), sind so eine Sache ...

Ja das ist bei mir der Fall. Habe ich leider auch keinen Rat vom Steuerberater bekommen.

In der Regel nimmt man ein oder mehrere Kunden seines Arbeitgebers mit


Aber nur, wenn der Arbeitgeber doof war und sich das nicht abbedungen
hatte im Arbeitsvertrag. (Wofuer er allerdings dann auch "Abstand" zahlen
muss analog Handelsvertreterrecht, weshalb das oft zahnlos bleibt, viele
aber dennoch aus Unwissenheit abschreckt.)

Die Mitnahme und das Abwerben von Kunden ist überall im Dienstleistungssektor mit hoher persönlicher Bindung der Fall. Siehe Friseur, Arzt, Anwalt, wenn sie sich selbständig machen. In meiner Firma ist mal eine ganze Abteilung gegangen und hat die Kunden mitgenommen, ein anderes mal ein ganzer Standort. Sie sind mit dem Geschäftsstellenleiter zur Konkurrenz übergelaufen, die eben mehr geboten hat, Kunden natürlich inclusive. Da wird auch nichts bezahlt und abgegolten.
In meiner Branche ist es üblich, dass der Ex-Arbeitgeber ein Jahresgehalt für den Kundenschutz zahlt. Habe ich aber erstmal in einem Fall gehört, dass gezahlt wurde. Da kann man natürlich auch mit einem schönen Polster in die Selbständigkeit gehen.

Mein Ziel war es, dass ich mich als Spezialist und Lösungsanbieter in

einer Nische für SAP Software positioniere und meine Aufträge primär
über das Internet generiere.

M.E. fataler Irrtum: dass naemlich ein Grosskunde wie Nestle, Daimler,
RWE, Deutsche Bank, das Internet bemuehen, um ueber Stichworte potentielle
Projektanbieter zu suchen. Dafuer bemueht der Zentraleinkauf einige wenige
"gelistete" Agencies, s.o.

Das stimmt für Großkunden. Meine Klientel ist jedoch der kleinere bis mittlere Mittelstand. Da gibt es einen IT-Leiter, 1-2 Netzwerkadministratoren und 1-3 SAP Betreuer. Hier ist der IT-Leiter an einer langen, dauerhaften persönlichen Beziehung mit dem SAP Berater/Entwickler interessiert. Der IT-Leiter ist in vielen Fällen auch flexibel und offen für Neues, insbesondere weil die Budgets oft sehr begrenzt sind, aber die Anforderungen die gleichen sind wie in einem Großunternehmen.

Bis heute habe ich keinen einzigen Backlink generiert


Sprich: Du hast nicht mal woanders kommentiert? Straefliche
Vernachlaessigung!

Meine eigenen Backlinks zähle ich nicht. Ich bin davon ausgegangen, dass ich auch mal einen anonymen Backlink erhalte.

Richtig - oder Du laesst Dich SAP-zertifizieren. Stell' Dir mal
vor, der gesamte Ersatzteilnachschub bei VW stuende still, wegen Deines
fehlerhaften Add-Ons. Und: das Add-On muss vom ISO-zertifizierten
Lieferanten stammen. Die Katze beisst sich in den Schwanz.

Meine Lösung greift nicht in den SAP Kern ein, sondern greift nur lesend auf die Datenbank zu und ist außen angeflanscht. Somit ist das Risiko begrenzt.
Ich spekuliere zu Beginn auch auf den risikofreudigen IT-Chef im Mittelstand, der nicht alles individuell entwickelt haben will, sondern auf vorgefertigte Templates setzt. Nichts mehr ist mein Produkt auch.
Ich kenne einen IT-Chef, der bei jeder Anforderung erst mal googelt, ob es da nicht schon was ähnliches gibt. Und wenn er eine simple Datenübernahme von FI-Belegen aus Indien von einem no-name Entwickler einsetzt.
Solche Entscheider sind vorerst meine Klientel, wenn es in der riesigen SAP Welt in DACH nur einige davon gibt, ist mir Genüge getan.

--
Der Königsweg zu neuen Erkenntnissen ist nach wie vor der gesunde Menschenverstand.

Marketing bei Kleinunternehmen ...

CrisisMaven ⌂ @, Mittwoch, 20.01.2016, 20:10 vor 3670 Tagen @ Plancius 3789 Views

bearbeitet von unbekannt, Mittwoch, 20.01.2016, 20:17

Vielen Dank für Deine Antwort @CM.

Gern geschehen ... "Danke fuer den Anlass" ... [[zwinker]]

Wenn ich bedenke, auf wie vielen Gebieten Du mit qualitativ hochwertigen Beiträgen bewandert bist - Atomenergie, Gesundheit, jetzt SAP - und wie ausführlich Deine Beiträge sind, dann frage ich mich auch manchmal, ob nicht hinter Deinem Nick doch mehrere Personen stecken.

Ja, wenn man sich nicht von der Schule bilden laesst, sondern das selbst in die Hand nimmt ...

Ich muss Dir in vielen Punkten Recht geben. Du bist ein guter Kenner der Materie.

Sonst halte ich lieber den Mund. Oft halte ich ihn auch, wenn ich zwar was weiss, aber andre wissen's noch besser.

Nur bewege ich mich in einer anderen Klientel. Deine Aussagen treffen auf den gehobenen Mittelstand und Großunternehmen zu. Einer meiner Kunden besteht nur aus 3 Personen.

Ja, da war ich baff. Wie schon hier grade geschrieben - dass so jemand SAP einsetzt (statt Business One oder was ganz anderes, finde ich krass ... da kann man sich ja an der eigenen SAP-Installation selbst zum SAP-Berater ausbilden und dann das eigentliche Metier an den Nagel haengen[[zwinker]] ...).

Da wird auch nichts bezahlt und abgegolten.

Ich meinte es umgekehrt: wenn der gehende Berater ein Arbeitsverbot bei frueheren Kunden aufgedrueckt bekommen soll (steht ja meist im Vertrag drin), dann ist das solange unwirksam, wie der Arbeitgeber das nicht ausgleicht (vgl. Dr. Grunewald).

In meiner Branche ist es üblich, dass der Ex-Arbeitgeber ein Jahresgehalt für den Kundenschutz zahlt. Habe ich aber erstmal in einem Fall gehört, dass gezahlt wurde.

Ja, das steht zwar oft im Vertrag drin, der Arbeitgeber loest es dann aber meist nicht ein. Denn es kostet ihn Geld und die Kuendigung von hochkaraetigen Beratern oder ganzer Abteilungen faellt meist mit Situationen zusammen, da der Arbeitgeber "klamm" ist (sonst wuerden die Top-Leute ja nicht Reissaus nehmen zu dem Zeitpunkt).

Das stimmt für Großkunden. Meine Klientel ist jedoch der kleinere bis mittlere Mittelstand. Da gibt es einen IT-Leiter, 1-2 Netzwerkadministratoren und 1-3 SAP Betreuer. Hier ist der IT-Leiter an einer langen, dauerhaften persönlichen Beziehung mit dem SAP Berater/Entwickler interessiert. Der IT-Leiter ist in vielen Fällen auch flexibel und offen für Neues, insbesondere weil die Budgets oft sehr begrenzt sind, aber die Anforderungen die gleichen sind wie in einem Großunternehmen.

Ja, diese Welt kenne ich gar nicht. Ich war i.d.R. bei den Weltmarktfuehrern in ihrer jeweiligen Branche (z.T. hundettausende SAP-Arbeitsplaetze bei Einfuehrung oder Upgrade), oder dem Branchenzweiten.

Meine eigenen Backlinks zähle ich nicht. Ich bin davon ausgegangen, dass ich auch mal einen anonymen Backlink erhalte.

Das ist extrem schwierig, denn das Internet ist so gross, dass wirklich sinnvolle, d.h. PageRank 4 und hoeher (drunter bewirkt es wenig) -Backlinks sehr umkaempft sind. (Wobei Google den PR eigentlich nicht mehr veroeffentlicht, vgl. aber Webuka als Anhaltspunkt; die rechnen intern einen aus - aber wer selbst PR 0 und kaum Backlinks hat, der wird dort auch nicht "vermessen"). Darum kommt man um gelegentliches eigenes hochkaraetiges Kommentieren auf High-PR-Blogs nicht herum, auch wenn das dann "nur" nofollow-Links sind.

Meine Lösung greift nicht in den SAP Kern ein, sondern greift nur lesend auf die Datenbank zu und ist außen angeflanscht. Somit ist das Risiko begrenzt.

Ok, das wusste ich nicht.

Ich spekuliere zu Beginn auch auf den risikofreudigen IT-Chef im Mittelstand, der nicht alles individuell entwickelt haben will, sondern auf vorgefertigte Templates setzt. Nichts mehr ist mein Produkt auch.

Das Problem: guter IT-Entwickler, guter SEO und guter Marketer/Werbetexter/Copywriter, das alles in einer Person duerfte extrem selten sein.

Aber: eine PR/Marketing/Werbe-Agentur, die vom Sachgebiet nichts versteht, ist auch ihr Geld nicht wert.

Ich kenne einen IT-Chef, der bei jeder Anforderung erst mal googelt, ob es da nicht schon was ähnliches gibt. Und wenn er eine simple Datenübernahme von FI-Belegen aus Indien von einem no-name Entwickler einsetzt.

Ja, in diesen Kreisen, verstehe ich.

Solche Entscheider sind vorerst meine Klientel, wenn es in der riesigen SAP Welt in DACH nur einige davon gibt, ist mir Genüge getan.

Nun stellte sich dann halt die Frage:

a) woran erkennt man solche Betriebe

b) wie muss man bei denen werben.

Moeglichkeiten, aber alles aufwendig, sind Messen der Branche, auf der man dann als Dienstleister einen kleinen Stand bezieht, der Industrievereinigung bzw. den Ortsverbaenden anbieten, einen spezifisch zugeschnittenen Vortrag zu halten; desgl. bei der IHK/Handwerkskammer.

Fachartikel schreiben, entweder in deren Vereinsblaettechen/Branchenzeitschriften oder in der SAPInfo.

Usw. usf.

SAP hat schon seit 15 Jahren ihre Kundenlisten nicht mehr veroeffentlicht, man kann es aber ueber Adressmittler versuchen (kostet ebenfalls, wie alles, was was taugt .... ausser ich im Gelben [[freude]]).

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Weißt Du, was für mich das Schlimmste zu Beginn der Selbständigkeit war?

Plancius @, Mittwoch, 20.01.2016, 20:44 vor 3670 Tagen @ CrisisMaven 3852 Views

... das war die gähnende Leere, die sich auf einmal aufgetan hat.

- kein Telefonanruf
- der Email-Eingang leer
- kein hektisches Suchen nach einem Termin

Ich bin nun fast 20 Jahre in der Branche und hatte in meiner Ex-Firma die Position eines Jokers. Ich kam häufig in ein Projekt, das eskaliert war, um in meinem Fachbereich die Kohlen aus dem Feuer zu holen. Je nach Situation war ich einerseits ein viel gefragter Spezialist, andererseits ein gesuchter Generalist.

In meiner Firma hatte ich ein großes Netzwerk. Bei meinen Kollegen und Kunden war ich ein begehrter Mann. Durch die Vermittlung meiner Kollegen wurde ich bei vielen Kunden positioniert und konnte dort mein Können unter Beweis stellen.

Das gab es nun nicht mehr. Nun war ich von heute auf morgen auf mich allein gestellt und stehe am Markt auf der gleichen Stufe, wie ein blutjunger Anfänger. Mich kennt ja niemand.

Das Netzwerk besteht nun nur noch zu früheren Kunden und Kollegen, die meinen Ex-Arbeitgeber verlassen haben. Davon kann ich zur Zeit gut leben, aber mich juckt es einfach, auf eigene Faust neue Kunden zu akquirieren. Wahrscheinlich muss ich nur Geduld haben. Meine Lebenserfahrung zeigt mir, wenn man erst einmal einen weitreichenden Schritt gewagt hat und die Weichen in eine andere Richtung gestellt hat, dann öffnen sich auf einmal Türen, die man nicht gesehen hat. Außerdem vertraue ich Gott, dass er mir zur richtigen Zeit Chancen eröffnet. Mein Vater sagte immer: "Man kann eine Chance einfacher erlauern als erlaufen."

Gruß Plancius

--
Der Königsweg zu neuen Erkenntnissen ist nach wie vor der gesunde Menschenverstand.

Also aus meiner Zeit als Existenzgruendungsberater weiss ich ...

CrisisMaven ⌂ @, Mittwoch, 20.01.2016, 21:19 vor 3670 Tagen @ Plancius 3776 Views

bearbeitet von unbekannt, Mittwoch, 20.01.2016, 21:34

... das war die gähnende Leere, die sich auf einmal aufgetan hat.
- kein Telefonanruf
- der Email-Eingang leer
- kein hektisches Suchen nach einem Termin
Mein Vater sagte immer: "Man kann eine Chance einfacher erlauern als erlaufen."

... dass es in der Regel drei Jahre dauert, bis man halbwegs von Auslastung sprechen kann. War natuerlich in Deinem Fall durch Vor-Kontakte anders, aber wer z.B. einen Broetchenlieferservice in einer Kleinstadt etablieren will ("Samstag morgen frische Broetchen an Ihrer Haustuer"), der muss eben meist drei Jahre warten, bis er merkt, dass er die Runden langsam nicht mehr alleine schafft.

Und, was viele auch falsch machen:

1) Anzeigen zu kurz schalten - die meisten fuellen erst nach dem fuenften, sechsten, achten ... Erscheinen "den Coupon aus". Im internet etwas anders, aber wer meint, mit 100 Euro Adsense-Starterbudget "eben mal eine Kampagne ausprobieren zu koennen", liegt falsch.

2) Von sich auf andere schliessen. Die "Anzeige", die man selbst "toll" findet, versteht der Kunde u.U. gar nicht. ("Come in and find out" - "Kommen Sie 'rein und versuchen Sie, wieder herauszufinden" - das mittlerweile klassische Beispiel.

Der absolute Klassiker, lieber den, als zehn andere lesen:

Rosser Reeves (Englisch: Reality in Advertising)

Statt den zu lesen, hat Daewoo eine Milliarde Mark in eine europaeische Ankuendigungs-Kampagne gesteckt. Dann waren sie pleite.

--
Mit 40 DM pro Kopf begann die Marktwirtschaft, mit 400.000 Euro Schulden pro Kopf wird sie enden.
Atomkraft | in English

Dumme Frage

helmut-1 @, Siebenbürgen, Mittwoch, 20.01.2016, 21:48 vor 3670 Tagen @ Plancius 3527 Views

... das war die gähnende Leere, die sich auf einmal aufgetan hat.

- kein Telefonanruf
- der Email-Eingang leer
- kein hektisches Suchen nach einem Termin


Präsentierst Du Dich auf keiner eigenen Webside?

Ehrlich gesagt, wenn ich irgendwas im spezifischen fachlichen Bereich suche, und das sind mit Sicherheit über 100 Branchen, dann such ich erst mal im Net, gebe Thema, Fachbezug und Ort ein, und dann schaue ich, was da so kommt.

Wenn möglich veröffentlichst Du dann noch mit Referenzen, natürlich auch die Schwerpunkte heraushebend, - wenn Du vorhin von "Nischen" gesprochen hast.

Allerdings muss es dann auch rundherum "stimmen". Was meine ich damit (ist mir gerade heute passiert):

Ich benötige für ein Projekt hier in RO einen speziellen Filter. Logisch, gehe ich ins Net und klicke mich durch. Da komm ich zu einer Firma, die eine wunderschöne Webside hat, mit dem Artikel, den ich suche. Nun habe ich da ein paar technische Fragen dazu.

E-Mail Formulare auszufüllen und dann auf Antwort zu warten, die irgendwann dann kommt, das ist nicht mein Ding. Wenn ich was suche, dann will ich gleich eine Lösung oder zumindest die Zusage, wann ich das Resultat bekomme.

Also, ich wähle die angegebene Telefonnummer. Leider nur die Zentrale, - eine Durchwahl zu irgendeinem Sachbearbeiter gabs nicht. Es läutet ein paar Mal, dann komm ich auf die Schleife. "Unsere Mitarbeiter sind derzeit alle im Gespräch, wir bitten um etwas Geduld..." , und das Ganze in drei Sprachen. Dann wartet man wie ein Blöder, und nach 10 Minuten legt man auf.

Das war so kurz vor 16 Uhr. Dann wieder, 15 Minuten später, dann wieder, dann wieder, - immer dasselbe. Dann habe ich eine andere Nummer entdeckt, - den Gebietsvertreter. Festnetznummer gewählt, - Band, mit Hinweis auf eine Mobilnummer. Mobilnummer gewählt, wieder Band mit Bitte um Mitteilung der Tel.Nr. , - man werde so bald wie möglich zurückgerufen. Das Ganze hab ich noch dreimal probiert, dann hab ich die Spalte "Referenzen" angeklickt, um da mal nachzuhaken, was mit der Firma los ist.

Erste Referenz: Tel.Nr. - "kein Anschluß unter dieser Nummer"
Zweite Referenz: - Tel.Nr. - kommt immer das Besetztzeichen, - wahrscheinlich ist die Numemr falsch.
Dritte Referenz: Da meldet sich jemand, - es war mittlerweile 17 Uhr 30. Zum Glück ein Mann aus der Branche, der versiert war. Mein Glück, - ich hab nun alles erfahren, was ich wissen wollte, und sogar noch mehr.

Der Mann sagte mir, dass er von dieser Firma nichts mehr hören will, - er wird sie wg. eines bestimmten Vorfalles demnächst verklagen.

Davor habe ich 5 x bei einer anderen großen Firma angerufen (im Hauptwerk), die weltweit tätig ist, - trotz Mailanfrage seit zwei Tagen trotz mehrerer Telefonate keine Antwort auf Artikel und Preis, - eine Mitarbeiterin in der Auslandsabteilung entschuldigte sich jedesmal, dass Abteilungsleiter und Mitarbeiter die ganze Wochen auf einem Meeting sind.

Durch den Mann bei der dritten Referenz habe ich aber nun den richtigen Artikel gefunden, ich brauche die anderen beiden Firmen nicht mehr.

Was will ich damit sagen:

Die beste Webside hilft nichs, wenn sie ins Leere läuft, - sie bewirkt dann das Gegenteil.

Anmerkung

Ashitaka @, Mittwoch, 20.01.2016, 15:49 vor 3671 Tagen @ Plancius 4663 Views

bearbeitet von unbekannt, Mittwoch, 20.01.2016, 16:00

Ein großes Plus in der heutigen Zeit sind Cloud-basierte Dienste. Ich
nutze Collmex als Buchführungs- und Fakturierungsprogramm. Hier werden
auch die Umsatzsteuervoranmeldungen automatisch in das Finanzamt gesendet
und es gibt viele Buchungsvorlagen. Lohnabrechnungen kann man preiswert mit
iLohnGehalt erstellen. Mit meinem Steuerberater bin ich gar nicht
zufrieden, er gibt mir keine genauen Auskünfte und kann mir nicht
weiterhelfen. Am liebsten würde ich auf ihn verzichten.

Collmex ist für Existenzgründer wirklich zu empfehlen. Kostet 50 Tacken im Monat und bietet eine sehr geordnete Übersicht. Der Import nach Datev etc. funktioniert problemlos über das OBE-Format. So lassen sich auch monatliche oder viertljährliche Checks machen.

Such dir einen Berater mit einer Reihe beschäftigter Steuerfachwirte, Bilanzbuchhalter, Betriebswirte. Im Zweifel bau darüber den Kontakt auf. Du glaubst gar nicht, was die alles auf die Beine stellen können und wie kurz die Reaktionszeiten in Kanzleien ist, in denen mehrere davon beschäftigt sind. Kanzleien mit 3-4 Beratern, 8 Fachangestellten, davon die hälfte halbtags, haben ein enormes Problem die Reaktionszeit und den Service zu bieten. Kommt man mit neuen Branchen, wie z.B. dem zwar einfach gestrickten aber schnittstellentechnisch herausfordernden Onlineversandhandel, gehen Kanzleien ohne selbständig denkende Mitarbeiter unter. Da haben die wenigsten Berater Zeit für. Und das Rad dreht sich immer schneller.

Kanzleien, die zwar geballte Beraterkraft bieten, aber den tagtäglichen Ansprüchen (Schnittstelle zu Kreditinstituten, Versicherungen, Ämtern) über ausreichend Girl-/Manpower nicht gerecht werden, gibt es wie Sand am Meer. Dass du dein Equipment nicht vorfinanziert hast, ist in Zeiten von KFW- und geförderten Landesdarlehen schon komisch. Da haben die meisten Kanzleien eigentlich laufend Beziehungen mit den ortsansässigen Banken, erarbeiten die Anträge gemeinsam. Ich würde aber auch immer die ortsansässigen Genossenschaftsbanken / Sparkassen empfehlen. Meine Erfahrung.

Sollte die Ertragsvorschau ausreichend mit Fachkenntnis und nachvollziehbaren Kalkulationen / Kostenplanungen untermauert sein, dürfte das, sofern die Schufa stimmt, dein Geschäftsführergehalt zum Gesamtbild passt, in deiner Branche das geringste Problem sein. Nicht weils einfach wäre, sondern weil die Förderungen gerade da rausgehauen werden sollen.

Bis 50 TEUR ist bei KFZ-Drlehen meine ich eh alles vom Bankberater abhängig und winkt die KFW so durch. Vorausgesetzt man hält sich an die Checklisten des Bankberaters und nimmt zu allen Punkten auch in der Beschreibung ausreichend Stellung. Und wenn du schon ein Jahr vorzeigen kannst, sollte natürlich auch die Kapitaldienstfähigkeit in den letzten 12 Monaten vorhanden sein bzw. realisitisch planbar sein.

Grüße,

Ashitaka

--
Der Ursprung aller Macht ist das Wort. Das gesprochene Wort als
Quell jeglicher Ordnung. Wer das Wort neu ordnet, der versteht wie
die Welt im Innersten funktioniert.

Gratulation, habe es auch nie bereut

azur @, Mittwoch, 20.01.2016, 18:36 vor 3670 Tagen @ Plancius 3864 Views

bearbeitet von unbekannt, Mittwoch, 20.01.2016, 18:40

Hallo Planicus,

die SAP-Freien, von denen ich hörte, verdienten gutes Geld.

Wäre gut, wenn Du das Geld für eine Berufsunfähigkeitsversicherung hast. Weiß leider zu gut, wovon ich da rede.

Wenn man sein Pensum gern erledigt und genug Zeit für Erholung hat (hab zu viel Urlaub mit Laptop-Handy gemacht - später dann einen günstigen Telefon-Auftragsdienst, aber kleine Agentur hat dennoch keine Ruhe gegeben), dann ist das chice.

Viel Erfolg weiterhin und viele freundliche Grüße

azur


PS: wunderbar sind die Momente, wo andere Chefs kurz versuchen, einen wie einen Angestellten behandeln zu wollen. Das aber ist vorbei.

--
ENJOY WEALTH
(Groß-Leucht-Reklame am Gebäude Lehmann-Brothers/NY)

Meide das Destruktive - suche das Konstruktive.

Gratulation und Begriffserklärung

helmut-1 @, Siebenbürgen, Mittwoch, 20.01.2016, 19:02 vor 3670 Tagen @ Plancius 3679 Views

Es ist gut, das es auch in dieser unsteten Zeit noch Leute gibt, die nur sich selbst verantwortlich sein möchten.

Auch, wenn ich nun knapp 50 Berufsjahre hinter mir habe, davon 39 Jahre selbstständig (muss ich dran denken, nächstes Jahr muss ich ein Fass aufmachen), ich hab's auch nie bereut, - es ist einfach eine Form der Lebenseinstellung.

Aber: Ich hoffe, Du hast Dir über den Begriff "selbstständig" vorher ausführlich Gedanken gemacht. Du weisst hoffentlich, wie man dieses Wort interpretiert, sofern Du nicht vorhast, einen Konzern oder eine Bank zu gründen:

Man muss SELBST und STÄNDIG arbeiten.

Mein Rat(aus eigener Erfahrung): Vergiss dabei die Familie nicht, sofern Du eine hast.....

Familie ist natürlich wichtig

Plancius @, Mittwoch, 20.01.2016, 19:24 vor 3670 Tagen @ helmut-1 3687 Views

bearbeitet von unbekannt, Mittwoch, 20.01.2016, 19:27

Hallo Helmut,

obwohl die Goldgräberzeit im SAP-Business längst vorbei ist, hat mich die derzeitige Situation in Deutschland ermutigt, den Schritt in die Selbständigkeit zu wagen.

Ich gehe davon aus, dass zwischen 2017 und 2020 der Laden hier in Deutschland hochgeht. Bis dahin will ich mich aus dem Kölner Raum in ein dünn besiedeltes Gebiet in MeckPomm abgesetzt haben.

Wenn ich Kunden habe, die ich zum großen Teil remote bedienen kann, dann soll es mir reichen. Daran arbeite ich zur Zeit.

Und wenn der Laden ganz groß hochgeht mit schwerer Wirtschaftsdepression und ggfs. Bürgerkrieg, kann ich mich dort auch als Subsistenzler über Wasser halten. Vorausgesetzt, es herrschen nicht solche Zustände wie in Somalia oder im Film "The Road".

Gruß Plancius

--
Der Königsweg zu neuen Erkenntnissen ist nach wie vor der gesunde Menschenverstand.

Was genau soll das Problem mit der Kreditkarte sein? (mT)

DT @, Mittwoch, 20.01.2016, 20:58 vor 3670 Tagen @ Plancius 3605 Views

Bei den verschiedenen Anbietern wie Consors, DAB Bank, DKB, Sparda Bank usw. gibts die doch einfach dazu wenn man mag, ebenfalls bei der Lufthansa mit Miles & More.

Oder zu einer Volksbank/Raiffeisenbank gehen, dort sollte das doch auch kein Problem sein, im Notfall halt ein paar Genossenschaftsanteile kaufen.

https://www.vr.de/privatkunden/mitgliedschaft.html

Die Genossenschaftsanteile werden ja meist auch gut verzinst, 5% oder so.

Toi toi toi auf dem weiteren Weg. Für ein Startup gilt immer: nicht das Produkt zählt, das man hat, sondern daß es einen oder mehrere Kunden gibt, die von einem das Produkt oder ein anderes (auf das man sich dann einstellen muß wenn das geht) haben wollen. Der Kunde ist Nummer 1 beim Startup, nicht das Produkt, das man hat, das aber vielleicht niemand haben möchte.

Für mich gibt es keine Kreditkarte, sondern nur eine Guthabenkarte

Plancius @, Mittwoch, 20.01.2016, 21:01 vor 3670 Tagen @ DT 3688 Views

Hallo @DT,

ich bekomme mangels Bonität keine Kreditkarte im eigentlichen Sinn, sondern nur eine VISA, die ich vorher laden muss.

Geht für mich aber in Ordnung, weil ich sowieso keine Schulden mache.

Gruß Plancius

--
Der Königsweg zu neuen Erkenntnissen ist nach wie vor der gesunde Menschenverstand.

Gott erhalte Dir diese vernünftige Einstellung

helmut-1 @, Siebenbürgen, Mittwoch, 20.01.2016, 21:21 vor 3670 Tagen @ Plancius 3560 Views

Denn damit wirst Du es weit bringen.

Vergiß niemals die Erkenntnis:

"Die Bank gibt dir 100 Regenschirme, solange die Sonne scheint..."

Das kommt zur rechten Zeit - Coincidence?! ;)

tar ⌂ @, Gehinnom, Mittwoch, 20.01.2016, 23:29 vor 3670 Tagen @ Plancius 3569 Views

bearbeitet von unbekannt, Mittwoch, 20.01.2016, 23:35

Hi,

da ich auch gerade drüber bin, mich freiberuflich im SAP-Bereich selbstständig zu machen, kommt dein Beitrag zeitlich sehr günstig.

Ich habe allerdings dank von der Leyen eine ganz andere Starthürde - die des 2011/2012 weggefallenen Rechtsanspruch auf Gründerzuschuss, die mir ziemlich Kopfzerbrechen bereitet und wobei ich seit Wochen versuche, taktisch so korrekt zu agieren, das ich diesen bewilligt bekomme ohne mich gleichzeitig allzusehr der Drangsalierung der Agentur für Arbeit auszusetzen. Alles andere empfinde ich hinsichtlich der komplett willkürlichen Änderung dieses Rechtsanspruchs auf eine Kann-Entscheidung als unfair, insb. wenn man sich deren lächerliche Begründungen reinzieht: bspw. die Vermittelbarkeit als Ablehnungsgrund (das ist so eine interne drangsalierende Vorgabe, denn dafür gibt es keinerlei gesetzliche Grundlage).

Heute kam nun der Bescheid der 12-wöchigen Sperre für ALG1 herein (beidseitig einvernehmlicher Aufhebungsvertrag), wobei ich nun rätsele, ob es sinnvoller ist, sich erst mal nur nebenberuflich selbstständig zu machen oder doch gleich richtig und mich dann in 3-4 Monaten nochmal dort zu melden. Das zieht aber einen Rattenschwanz mit sich: neben der Versicherungsproblematik (ALV, RV und KV) die Abrechnungsproblematik beim Kunden & Vermittler, die ja diesen Zirkus gescheit mitspielen müssten. Wenn ich mir dabei immer wieder überlege, dass es diesen Hickhack vor 5 Jahren nicht brauchte (...)

In meiner Branche fangen viele nach einer mehrjährigen Berufstätigkeit
als Freelancer an. In der Regel nimmt man ein oder mehrere Kunden seines
Arbeitgebers mit und führt zu Beginn seiner Selbständigkeit das letzte
Projekt beim Arbeitgeber in Eigenregie weiter fort.

Hier sichern sich eigentlich Auftragnehmer (dein ehem. Arbeitgeber) und der jeweilige Vermittler (ohne geht bei großen Kunden ja nichts mehr, v.a. wegen der Scheinselbständigkeit) gegenseitig hinsichtlich des künftigen Einsatzes des Auftragnehmers und seiner Mitarbeiter mit hohen Strafzahlungen ab. Ob und inwiefern die dann mit Karenzentschädigung in den Arbeitsvertrag fließen, bleibt dahingestellt. Bei mir stand bspw. gar nichts von Kundenschutz oder dergleichen drin.

Die Provision der Agenturen vom
Stundensatz ist in der Regel so hoch, dass nach Abzug der Kosten und einer
Risikoprämie der Nettolohn eines Freelancers nicht höher als der eines
angestellten Beraters/Entwicklers des entsprechenden Leistungslevels ist.

Diese Rechnung wage ich noch ernsthaft zu bezweifeln, denn letztlich lässt sich der Unterschied Arbeitnehmer oder Selbstständiger auf eine Wette mit zwei großen Unbekannten herunterbrechen, die das unternehmerische Risiko, was ja gleichzeitig als Chance begriffen werden kann, eben ausmachen:

1) wie ist die künftige, langfristige Auslastung (zahlende Kundschaft, die ich glücklich mache)
2) was kommt mir dazwischen, dieser Auslastung nachzukommen (Krankheit, Unfall, ...)

Je nach Alter liegt dann der Schwerpunkt mehr bei 1) oder 2), wobei für 2) ja noch etliche Versicherungen zur Verfügung stünden, die man vernünftigerweise auch abschliessen sollte (Spezialrechtsschutz, Haftpflicht, PKV+KTG+Kurortklausel, BU, Unfall, Betriebskosten). Mangels Glaskugel kann man aber von vornherein nicht sagen, das oder das wäre besser und gerade im SAP-Bereich ist es doch wohl kaum ein Problem, wieder (erfahrener) in die Anstellung zu wechseln.

Ich bin jedoch einen anderen Weg gegangen. Ich habe in jahrelanger Arbeit
ein Produktportfolio entwickelt, das ich als Ergänzung und spezifische
Problemlösung zu SAP Software anbiete. Deshalb auch keine Tätigkeit als
Freelancer, sondern gewerblicher Auftritt in Form einer GmbH.

Das klingt interessant. Kannst du mir mehr Infos per PM zukommen lassen?

Wie gesagt, ich nutze die Wordpress-Technologie für meine Website. Und
was habe ich festgestellt? Der Inhalt auf meinem Blog wird viel schneller
indexiert und rankt auch höher als der Rest meiner Website.

Wordpress war schon vor 10 Jahren für derartige Belange hervorragend.

Trotz meines fulminanten Starts im Google Pagerank haben sich meine
Investitionen in meinen Webauftritt nicht ausgezahlt. Bis heute habe ich
keinen einzigen Backlink generiert und auch keinen einzigen Kommentar auf
meinem Blog erhalten. In einem Jahr habe ich 8 Telefonanrufe, 4 Emails und
ein kleines Projekt über meine Website erhalten.

Das bestätigt mich in meiner Vermutung, nicht allzuviel Zeit in einen Webauftritt zu investieren.

Eine größere Hürde bei meiner Unternehmensgründung waren die
Eröffnung eines Geschäftskontos und die Unterzeichnung eines
Mobilfunkvertrags. Da ich ein Privatkonto bei der Postbank habe, hat die
Postbank letztendlich mir auch ein Geschäftskonto eröffnet. Kreditlinien
habe ich bis heute keine und auch meine VISA ist eine Prepaid-Karte. Ein
Mobilfunkvertrag bei T-Mobile und Vodafone war nicht möglich. Beide haben
mich abgewiesen. Daraufhin habe ich meinen privaten Vertrag bei der Telekom
gekündigt. Allerdings war ein Business Mobilfunkvertrag bei O2 ohne
weiteres möglich, auch als Existenzgründer. Bei vielen meiner Einkäufe
muss ich nach wie vor in Vorkasse gehen.

Phew... da lob ich mir die Freiberuflichkeit.

Mit meinem Steuerberater bin ich gar nicht
zufrieden, er gibt mir keine genauen Auskünfte und kann mir nicht
weiterhelfen. Am liebsten würde ich auf ihn verzichten.

Es gibt ja zum Glück nicht nur einen Steuerberater.

Summa summarum, bisher habe ich den Gang in die Selbständigkeit nicht
bereut. Allerdings musste auch ich feststellen, dass ohne schlagkräftigen
Vertrieb die eigene Leistung am Markt keinen Wert hat. Und in meinem
Bereich spielen persönliche Kontakte doch weiterhin eine überaus
dominierende Rolle.

Der Vertrieb läuft meines Wissens nur über Kontakte.

Alles Gute weiterhin!

Gruß!â„¢

--
Gruß!™

Time is the school in which we learn,
Time is the fire in which we burn.


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