Roentgen und Computer-Tomographie - Beitrag zur Krebsrate? "Mehr Krebs durch Verhinderung" sozusagen?
Es gab im Gelben Forum immer wieder Diskussionen rund um's Roentgen. Da aber alle passenden Threads schon aelteren Datums sind, haenge ich es hier mit dran (vgl. auch die Liste zur Radiologie im besonderen).
Leider sind mir bisher (habe aber auch nicht intensiv nachgeforscht) keine genauen Zahlen bekannt zur Frage, inwieweit z.B. die verpflichtenden Roentgen-Reihen-Untersuchungen zu einer Steigerung der Krebserkrankungen in der Allgemein-Bevoelkerung bzw. bei bestimmten Berufsgruppen gefuehrt haben (z.B. war oder ist regelmaessiges Roentgen zur Erkennung von Lungentuberkulose in Baden-Wuerttemberg fuer Lehrpersonal verpflichtend). Vgl. auch den "Roentgenkater" der Lungenfachaerzte frueher.
Man kann auch kaum hoffen, dass dies je voellig geklaert wird, denn Lehrer z.B. haben ein sehr spezifisches Berufsprofil, einerseits sind sie gut versorgt (Arme sind meist weniger gesund als besser Betuchte) und andererseits setzen sich nicht Noxen aus wie z.B. Chemiearbeiter oder ... Friseure (ja ja, die kriegen ganz schoen was ab). Auch ein raeuchernder Metzger ist u.U. mehr gefaehrdet, als eine Lehrkraft. Zudem schwanken die radiologischen Hintergrundbelastungen von Gebiet zu Gebiet, und wer auf der Schwaebischen Alb wohnt, hat andere "natuerliche" Belastungen, als jemand in Hamburg oder in Mecklenburg-Vorpommern. Wer nahe am Kernkraftwerk wohnt, hat wieder andere Belastungen, auch wenn deren Auswirkungen vertuscht bzw. selbst von den betroffenen abgestritten werden. Und dann kommen da noch Roentgen-Belastungen aus Bildschirmen hinzu (jedenfalls, bis Fluessigkristalle in Mode kamen). Dafuer gibt's heute dann neue Gefahren, etwa Nacktscanner - ggf. auch bald zur allgemeinen Ueberwachung bei "Gefaehrdungslagen". Warum nicht an Silvester am Koelner Hauptbahnhof?
Nun gibt es (in der Welt.de) einen Bericht zur Computer-Tomographie (CT):
"Experten warnen vor Computertomografie ... Computertomografie birgt Risiken: ... Strahlenbelastung ist immens. CT-Scans könnten in Zukunft für bis zu zwei Prozent aller Krebserkrankungen verantwortlich sein. ... In den USA sei jede dritte der jährlich 63 Millionen CT-Untersuchungen überflüssig ..." (Hervorhebung CM)
Tatsaechlich liegen die Strahlendosen bei einer (insbesondere Ganzkoerper-) Computertomographie bei einem Mehrfachen jeder "einfachen" Roentgenuntersuchung.
Unnoetiges Roentgen im Kindesalter hat zudem andere Auswirkungen, als bei Achzigjaehrigen, die nicht noch Jahrzehnte zur Ausbildung eines Tumors vor sich haben. Strahlenkrebs braucht Jahre, um auszubrechen.
Aber andererseits ... sind Roentgenuntersuchungen ungleich viel haeufiger. Ich behaupte: alle Roentgenuntersuchungen zusammengenommen verursachen insgesamt hoehere Gesamt-Strahlendosen als alle CT-Untersuchungen zusammengenommen. Genaue Werte fehlen (egal, wer was anderes behauptet - hier habe ich eigene empirische Fakten), denn Roentgenbelastung wird ueberhaupt nicht dokumentiert (anders als andere radiologische Untersuchungen, etwa mit radioaktiven "Markern") - nicht mal Roentgenpaesse werden korrekt ausgefuellt, meist ueberhaupt nicht.
Das, was man sich vom Roentgenpass urspruenglich erhoffte - naemlich, Doppeluntersuchungen zu vermeiden, wird so gut wie ueberhaupt nie eingehalten. Selbst wenn ein Roentgenarzt ein Roentgenbild bei einer Klinikeinweisung mitgibt, wird dort froehlich erneut geroentgt, und umgekehrt, der noch haeufigere Fall, wenn eine Klinik einen Arztbericht mit Roentgenbild(ern) mit "nach Hause" fuer den nachbetreuenden Arzt gibt, wird der in aller Regel dennoch erneut Roentgen (und wenn er kein Geraet hat, ueberweist er an einen befreundeten Facharzt - da gibt es Ueberweisungskartelle und Provisionen - jeder Kenner des Gesundheitssystems weiss das). (Vieles davon ist auch durch die Kosten der anders nicht zu amortisierenden Geraete, an denen ein Ueberangebot besteht, zu erklaeren - hippokratisch-ethisch ist es darum nicht und volkswirtschaftlich ist es ein Milliardengrab, selbst wenn dadurch keine erneut Milliarden kostenden iatrogenen Folgeerkrankungen induziert wuerden - "rationelle Ueberversorgung" allenthalben. Die Roentgen-Versessenheit der Aerzte hat auch viel mit deren Unkenntnis zu tun ... vgl. Masseinheiten zur Strahlenbelastung)
Hinzu kommen auch Behandlungen unter Roentgenbestrahlung, um den Verlauf im Koerper zu ueberwachen.
Eigentlich gilt fuer all das die Strahlenschutzverordnung. Und deren oberster Grundsatz ist Expositions-Vermeidung. Jedenfalls wird dies jedem einleuchten, der von der grundsaetzlichen Schaedlichkeit radiologischer Zusatz-Belastung ueberzeugt ist und nicht der Hormesis-These anhaengt (vgl. "PET-, CT-,Röntgen-Aufnahmen ab sofort strikt meiden").
Genuegend Material zur epidemiologischen Bewertung gaebe es ja ...
Hinzu kommt, dass selbst ohne Roentgenstrahlendosis aufgrund von Roentgenbildern oft falsche Diagnosen gestellt werden, die zu unnoetigen bis schaedlichen "Behandlungen" fuehren.
Das wird garantiert weder untersucht, noch liessen sich solche Untersuchungen ueberhaupt erfolgversprechend durchfuehren - dazu muessten erstmal zwei Roentgenfachaerzte, insbes. bei Weichteilaufnahmen, zu identischen Schlussfolgerungen kommen
..., wenn sie dasselbe Roentgenbild vorgelegt bekommen.
Derselbe Roentgenarzt ist oft nicht mal nach 15 Minuten (!!!) in der Lage, zu erkennen, dass ihm dasselbe Roentgenbild vorliegt und stellt aufgrund desselben Bildes dann zwei gegensaetzliche Diagnosen!
Wenn Sie es lieber am Magen haetten ...
Weiteres zum Thema:
Zur Geschichte der Strahlenbelastung und ihrer Erforschung
Dass Roentgen schaedlich ist, weiss man sehr gut aus der Anfangsphase ("Erythem-Dosis").
Roentgen in Europa verstrahlt chinesische Arbeiter ...
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Mit 40 DM pro Kopf begann die Marktwirtschaft, mit 400.000 Euro Schulden pro Kopf wird sie enden.
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