Wie soll Nordkorea denn eine Wasserstoffbombe testen? (mT)

DT @, Mittwoch, 06.01.2016, 08:14 vor 3688 Tagen 6369 Views

bearbeitet von unbekannt, Mittwoch, 06.01.2016, 08:17

http://www.spiegel.de/politik/ausland/nordkorea-meldet-test-einer-wasserstoffbombe-a-10...

Das glaubt doch kein Mensch.
Erstens würden die sich selber vergiften, zweitens müßte der Fallout ja
bis nach China und Südkorea reichen, evtl. auch nach Japan (obwohl die ja genug von Fukushima selber haben), drittens wäre selbst eine unterirdische Bombe
noch groß genug, um einen riesigen Krater zu machen.

[image]

Hier mal ein Bild, wie so eine Wasserstoffbombenexplosion aussieht:
Castle Bravo, 15 MT
https://www.youtube.com/watch?v=jjz1OUi2ypM
https://www.youtube.com/watch?v=yEje927dygM

Und wer mal sehen möchte, wie groß der Effekt von Castle Bravo war.
Hier der Krater, die halbe Insel wurde weggesprengt:
[image]


Hier ein Bericht über eine 5 MT H-Bombenexplosion underground in Alaska,
es war zu unsicher, das in Nevada durchzuführen.
https://en.wikipedia.org/wiki/Cannikin

Und so sieht das aus, wenn 5 MT unterirdisch gezündet werden (Film):
https://www.youtube.com/watch?v=rtH0EDLcbwA

Warum so übertrieben?

Kaladhor @, Münsterland, Mittwoch, 06.01.2016, 08:26 vor 3688 Tagen @ DT 4473 Views

bearbeitet von unbekannt, Mittwoch, 06.01.2016, 08:42

Warum direkt eine H-Bombe im MT-Bereich heranziehen?

Die ICBM der USA und der Russen sind zumeist Mehrfachsprengköpfe, und jeder einzelne Sprengkopf liegt mit der Sprengleistung meist zwischen 400 und 600 kT, und solche Bomben erzeugen nur einen Krater, wenn sie oberirdisch gezündet werden.

Bei einer unterirdischen Sprengung kann man dagegen eine Kraterbildung sehr gut vermeiden, in dem man
a. tief genug zündet und/oder
b. entsprechend geeignete Gesteinsformationen auswählt.

Gruß,
Kaladhor

--
Ich bin nicht links, ich bin nicht rechts, ich kann noch selber denken!

Das ist korrekt. Die B61 ist auch eine Wasserstoffbombe (mT)

DT @, Mittwoch, 06.01.2016, 10:32 vor 3688 Tagen @ Kaladhor 4163 Views

bearbeitet von unbekannt, Mittwoch, 06.01.2016, 10:57

und konnte an der Pershing II als taktischer Sprengsatz zwischen 5 und 80 kT
eingestellt werden, aber es gibt auch strategische Einstellungen mit über 300 kT:

https://de.wikipedia.org/wiki/W85_%28Kernwaffe%29

Das "Schöne" am Teller-Ulam Design ist seine Skalierbarkeit. Jetzt kann
der dicke Kim im Prinzip mit genügend Deuterium, Tritium und Lithium-6 das Ding
hochskalieren, wie es schon der Edward Teller wollte. Der hatte ja schon die Gigatonnen-Bombe geplant.

http://blog.nuclearsecrecy.com/2012/09/12/in-search-of-a-bigger-boom/

Kim kann "leicht" bis auf 40 oder 60 MT kommen.
Damit könnte er NYC und die Hintertanen, Washington DC mit Langley,
oder auch den kompletten Großraum LA oder das Silicon Valley mit einer
einzigen Bombe ausradieren.

Hier kann man mal ein bisschen Kim "spielen":

http://www.golem.de/news/nukemap3d-atomkrieg-bei-google-earth-1307-100592.html
http://nuclearsecrecy.com/nukemap3d/

http://nuclearsecrecy.com/nukemap/?lat=38.89469253046311&lng=-77.02189926086425&...

Ich halte es fuer theoretisch moeglich, dass Nordkorea Wasserstoff-Fusionsbomben "besitzt" ...

CrisisMaven ⌂ @, Mittwoch, 06.01.2016, 12:53 vor 3688 Tagen @ DT 4086 Views

https://en.wikipedia.org/wiki/Cannikin

... denn das Cannikin-Experiment war eine aussergewoehnliche Angelegenheit.

Wie immer waren Teststops nicht nur reine Veranstaltungen der Menschenfreundlichkeit. Auch wenn es immer als Ausgeburt der menschlichen Vernunft dargestellt wurde: sowohl das Verbot oberirdischer Tests wie dann die spaetere Einigung, auch unterirdische Test zu unterlassen, sind recht praktischen Erwaegungen gefolgt:

a) Durch den oberirdischen Fallout wurden nach Hochrechnungen aus der Zeit unmittelbar vor dem dann ausgehandelten Verbot, angeblich bis zu 10.000 Neugeborene jedes Jahr (mehr) getoetet, als ohne diese radioaktive Zusatzbelastung. Hiroshima/Nagasaki und deren Strahlenfolgen waren noch im Welt-Gedaechtnis praesent. Es begann sich weltweit Widerstand zu organisieren, und man musste als Politiker damit rechnen, evtl. Wahlen zu verlieren.

b) Die unterirdischen Tests wurden m.E. aufgegeben aus zwei Gruenden:

- steigender enormer Aufwand bei der Herstellung der Voraussetzungen (Cannikin erforderte einen 2 km tiefen Tunnel) und ... die Fortschritte in der Super-Computer-Technik machten es erstmal moeglich, durch reine Computerberechnungen Tests zu ersetzen, so wie seither auch millionenmal mehr Autos im Computer "Crash-Tests" unterzogen werden, als in der teuren Realitaet.

- Einen zweiten Grund sehe ich darin, dass nicht nur das Risiko seismischer Folgen steigt, je mehr man das macht (vgl. nur die vielen wegen Erdbeben eingestellten, gegenueber atomaren Explosionen harmlosen Bohrungen fuer Geothermie-Anwendungen!), sondern dass man mit der heutigen verbesserten seismischen Messtechnik und der Satelliten-Fernbeobachtung durch einen Test sehr genau Erkenntnisse ueber das Getestete gewinnt.

Ein Grossrechner dagegen ist ungleich schwerer auszuspionieren.

---

Kurz und gut: ich weiss nicht, was Nordkorea kann und was nicht. Angeblich hat der Vater des pakistanischen Atomwaffen-Programms Nordkorea Plaene verkauft.

Weiterhin weiss man, dass nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion Atomwissenschaftler "frei kaeuflich" waren, ebenso, wie es ein suedafrikanisches Atomprogramm gab, der Verbleib dessen Mitarbeiter nach Zusammenbruch des Apartheid-Regimes ebenfalls nicht lueckenlos aufzuzaehlen sein duerfte. Pakistan jedenfalls hat 1999 gleich fuenf Tests mit unterschiedlichen Atomwaffen-Konzepten durchgefuehrt.

Es ist (mir) unklar, ob der Pakistaner Khan an Nordkorea auch Wasserstoff-Bomben-Plaene verkauft hat. Aber die Technik als solche ist fuer einen entsprechend kernchemisch ausgebildeten so schwer nicht nachzuahmen und Nordkorea besitzt zwar eingeschraenkte Ressourcen, aber hervorragende Wissenschaftler, also auch Kernchemiker.

Der Engpass bei Atomwaffen liegt eher in der werkzeugmechanischen Bearbeitung und Feinjustierung und, so verrueckt es klingt: Kernwaffen brauchen besondere chemische ("konventionelle") Sprengstoffe, um sie zu zuenden, ohne dass dabei eine blosse "Verpuffung" entsteht. Es ist tatsaechlich so, dass ein Student eine "kritische" radionukleare Anlage auf dem Kuechentisch zusammenbasteln koennte, aber eben nicht ueber eine Verpuffung hinauskaeme, die ihn lebensgefaehrlich verstrahlen wuerde und seine Nachbarschaft in Truemmer legte. Aber es kaeme eben ohne hochpraezise mechanische Installationen niemals eine Atombombe dabei heraus.

Ich halte es also fuer technisch moeglich, dass Nordkorea seine unzweifelhaft vorhandenen Fissions-Bomben mit einem Wasserstoff-Mantel umgibt und dadurch zusaetzlich eine Fusions-Reaktion erzeugt - ob sie ein optimiertes "Design" hinbekommen, das sich dann auch waffentechnisch einsetzen laesst, das kann dagegen noch Jahre dauern.

Im Uebrigen sehe ich nicht, dass Nordkorea dann so etwas direkt gegen terrestrische Ziele einsetzen wird, wie im Vorbeitrag erwaehnt, sondern es "waere gut beraten", rein auf ein EMP-Ereignis zu setzen.

Denn selbst wenn Nordkorea durch die Raketen-Abwehrschirme bis z.B. nach New York durchdraenge (und auch noch genau genug traefe!), waere wegen der verteilten Computer-Netze der Schaden durch Ausfall eines "Netzknotens" geringer, als wenn man mittels EMP halb Nordamerika (oder auch halb Westeuropa) in das 19. Jahrhundert zurueckbombte ...

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Mit 40 DM pro Kopf begann die Marktwirtschaft, mit 400.000 Euro Schulden pro Kopf wird sie enden.
Atomkraft | in English

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