Öffentliche Gewalt durch das Wort

Falkenauge @, Montag, 04.01.2016, 11:30 vor 3686 Tagen 2065 Views

„Noch ein Jahrhundert Zeitungen – und alle Worte stinken“, prophezeite Friedrich Nietzsche vor über hundert Jahren. Seine Voraussage ist eingetreten. Die Medien sind die täglichen Erzeuger und Transporteure von Lügen, üblen Nachreden, Verleumdungen und sonstigen Diskreditierungen ungeheuren Ausmaßes und vergiften die öffentliche politische Debatte.

Dass kein Mensch einen anderen Menschen körperlich angreifen, wegstoßen, verletzen oder gar töten darf, ist selbstverständliche Errungenschaft moralischer Kulturentwicklung der zivilisierten Menschheit und wird überall unter Strafe gestellt. Wer so handelt, gehört zu einer kleinen kriminellen Minderheit. Ein gesteigerter Egoismus wendet sich hasserfüllt gegen den anderen, der ihm im Wege ist, um ihn mit körperlicher Gewalt auszuschalten oder ganz zu vernichten.

Doch seelische Formen der Gewalt, die mit dem gleichen Ziel aus derselben trüben Quelle aufsteigen, sind vielfach weitaus schlimmer und von verheerenderer Auswirkung. Ihre Waffe ist das Wort. Es dringt tiefer, als ein Messer dringen kann. Einen Menschen zu diskreditieren, zu diffamieren und zu verleumden, hinterlässt Wunden, die sich als Stigmata in die Urteile zahlloser Menschen verbreiten. Die verletzende Tat vervielfältigt sich in ihnen unendlich und liegt überall auf der Lauer, die Wunde immer wieder aufzureißen.

Diese seelische Gewalt bestimmt die gegenwärtige politische Diskussion in der medialen Öffentlichkeit in einem noch nie dagewesenen Maße. Das Ringen um die geltende Wahrheit, worum es letztlich geht, ist weitgehend brutalisiert und in die Primitivität animalischer Kämpfe um die Dominanz des eigenen Ego zurückgeworfen. Die Sprache als hehrer Ausdruck des Menschlichen ist vergiftet. Sie steht im Dienste der rohen Gewalt. Und die sie vor allem missbrauchen, sind nicht mehr eine kleine kriminelle Minderheit. Es sind vielfach diejenigen, die sich merkwürdigerweise als politische und mediale Elite empfinden und zu den gesellschaftlich Herrschenden aufgeschwungen haben.

Weitere Gedanken dazu hier.

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