OT: Fukushima und Atomenergie/Kernkraftwerke allgemein | Kernchemie, Reaktortechnik, Risikoabschätzungen, Wiederaufarbeitung

Literaturhinweis @, Montag, 04.01.2016, 02:28 vor 3687 Tagen 5815 Views

bearbeitet von unbekannt, Montag, 04.01.2016, 02:32

Spätestens seit der Katastrophe von Fukushima war Kernkraft/Atomenergie im Gelben ein breit angelegtes und viel beachtetes Thema. In letzter Zeit ist es da ruhiger geworden, aber vermutlich eher wegen der als noch drängender empfundenen Migrantenfrage.

In den letzten Tagen machen aber wieder Kernkraftwerke "vor unserer Haustür" vermehrt von sich reden, in Frankreich (vor allem Fessenheim, vgl. auch die mysteriösen Drohnensichtungen) und in Belgien (Doel und Tihange), z.T. nicht weit von Aachen entfernt.

Dabei sind auch Tschernobyl und Fukushima noch nicht ausgestanden und der Rückbau der deutschen stillgelegten Kernkraftwerke wird uns noch jahrzehnte- wenn nicht jahrhundertelang beschäftigen. Der "Atommüll", die abgebrannten und die wiederaufgearbeiteten Kernbrennstäbe hingegen werden vermutlich über Jahrzehntausende für Gesprächsstoff sorgen. Immer noch fehlen weltweit vertrauenswürdige Endlager. Und wenn mal eine geologische Formation gefunden scheint, so mehren sich dann nach Jahrzehnten der Forschung wieder die Zweifel. So auch unlängst bei den in Deutschland lange als sicher geltenden Salzdomen, die nun doch wasserempfindlicher erscheinen als gedacht.

Da das Endlagerkonzept (in Deutschland) darauf beruht, dass eine Endlagerung in Salzstöcken so gut wie sicher sei, und darauf wiederum die Betriebs-Genehmigungen der deutschen Kernkraftwerks-Standorte fußen, ist das eine brisante Entwicklung.

Und wenn nun auch noch wegen zu hohen Quecksilberausstoßes sämtliche (!) deutschen Stein- und vor allem Braunkohlekraftwerke vom Netz genommen werden müßten, dann wäre die "Energiewende vollzogen" ... wenn auch nicht ganz so, wie ursprünglich gedacht.

Im Folgenden habe ich Literatur zur Atomtechnik, zum Atomrecht, der Risikoforschung und zu Fukushima bzw. Tschernobyl zusammengetragen.


Atomkraft/Kerntechnik allgemein, Kritik, Ökologie, Geschichte der Kernkraftnutzung usw.

Kernergietechnik allgemein    |    Geschichte der Nutzung der Atomenergie    |    Kritik an der Kernenergienutzung    |    Ökologische Aspekte    |    Politik, Analysen, Medienkritik, Parteien, Atomausstieg usw.


Reaktorkatastrophen, insbes. in Fukushima und Tschernobyl

Fukushima - Reaktorkatastrophe und Berichte    |    Berichte und Analysen zur Katastrophe von Tschernobyl    |    Japanischsprachige Literatur zu Fukushima und Kernkraft


Kernenergie, Alternativen und Kernfusion

Alternativen zur Kernenergie    |    Kernfusion


Atomtechnik, Kernchemie, Radiologie und Strahlenschutz, Wiederaufarbeitung und Endlagerung von Kernbrennstoffen

Technik der Kernenergiegewinnung    |    Kernchemie - Chemie der Atomspaltung    |    Radiologie, Nuklearmedizin, Strahlenschutz u.a.    |    Anreicherung von Kernbrennstoffen    |    Technik der Wiederaufarbeitung von Kernbrennstoffen    |    Wiederaufarbeitung in Geschichte und Politik    |    Endlagerung von Kernbrennstoffen - 'Atommüll'


Recht der Atomenergie, Versicherungsfragen, Risikoforschung

Recht der Atomenergie und der Atomwaffen, Versicherung, Risikobetrachtungen


Sonstiges und Biographien sowie literarische Bearbeitungen zu Atomfragen

Sonstiges zur Kernenergie, das nicht in die anderen Kategorien zu passen schien    |    Biographien von Atomforschern und Kerntechnikern    |    Literarische Bearbeitung des Themas Atomenergie

Fachzeitschriften- Ausgaben

Eine Auswahl weiterer Artikel im Gelben Forum zum Thema:

Ausstieg aus der Atomkraft und Konsequenzen ...

Die lange und ordentlich belegte GESCHICHTE des GRÜNEN AKW-AUSSTIEG-VERRATs

Quellen zur Situation Tschernobyl aktuell: Lebenmittel heute noch t.w. schwerst radioakt. verseucht

Tschernobyl: was wussten DDR und Stasi - weit erhöhte Belastungen im Bezirk Magdeburg S/A - Westberlin Zunahme Down-Syndrom

EU-AKW-Stresstest - überwiegend mangelhafte Sicherheit - auch in D! - mindestens 4 AKW können maximal eine Stunde kühlen

KKW-Nachrichten zu Zeiten Fukushimas (@brf - da sieht man, was damals die Gemüter so bewegte.)

Neue Kernkraft - die Ökonomie sagt nein-> Olkiluoto

Die Mutanten-Schmetterlinge von Fukushima, erst 12%, dann 18%, dann 34% ...

Heute mal wieder ein Beitrag zu: "Die Kernkraft ist sicher!" (Schilddrüsenkrebs)

Das waren noch Zeiten: Was, wenn die KKWs verlängert werden (60 Jahre) (@dottore, 18.01.2010, ein Jahr vor Fukushima - vgl. auch: Grundsaetzliches zu AKW-Laufzeitverlaengerungen - das sind verkappte Atomkraftwerks-Neubauten ... nur mordsgefaehrliche)

Ansonsten einfach die Forums-Suche bemühen.

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Roentgen und Computer-Tomographie - Beitrag zur Krebsrate? "Mehr Krebs durch Verhinderung" sozusagen?

CrisisMaven ⌂ @, Mittwoch, 06.01.2016, 18:15 vor 3684 Tagen @ Literaturhinweis 3940 Views

bearbeitet von unbekannt, Mittwoch, 06.01.2016, 18:31

Es gab im Gelben Forum immer wieder Diskussionen rund um's Roentgen. Da aber alle passenden Threads schon aelteren Datums sind, haenge ich es hier mit dran (vgl. auch die Liste zur Radiologie im besonderen).

Leider sind mir bisher (habe aber auch nicht intensiv nachgeforscht) keine genauen Zahlen bekannt zur Frage, inwieweit z.B. die verpflichtenden Roentgen-Reihen-Untersuchungen zu einer Steigerung der Krebserkrankungen in der Allgemein-Bevoelkerung bzw. bei bestimmten Berufsgruppen gefuehrt haben (z.B. war oder ist regelmaessiges Roentgen zur Erkennung von Lungentuberkulose in Baden-Wuerttemberg fuer Lehrpersonal verpflichtend). Vgl. auch den "Roentgenkater" der Lungenfachaerzte frueher.

Man kann auch kaum hoffen, dass dies je voellig geklaert wird, denn Lehrer z.B. haben ein sehr spezifisches Berufsprofil, einerseits sind sie gut versorgt (Arme sind meist weniger gesund als besser Betuchte) und andererseits setzen sich nicht Noxen aus wie z.B. Chemiearbeiter oder ... Friseure (ja ja, die kriegen ganz schoen was ab). Auch ein raeuchernder Metzger ist u.U. mehr gefaehrdet, als eine Lehrkraft. Zudem schwanken die radiologischen Hintergrundbelastungen von Gebiet zu Gebiet, und wer auf der Schwaebischen Alb wohnt, hat andere "natuerliche" Belastungen, als jemand in Hamburg oder in Mecklenburg-Vorpommern. Wer nahe am Kernkraftwerk wohnt, hat wieder andere Belastungen, auch wenn deren Auswirkungen vertuscht bzw. selbst von den betroffenen abgestritten werden. Und dann kommen da noch Roentgen-Belastungen aus Bildschirmen hinzu (jedenfalls, bis Fluessigkristalle in Mode kamen). Dafuer gibt's heute dann neue Gefahren, etwa Nacktscanner - ggf. auch bald zur allgemeinen Ueberwachung bei "Gefaehrdungslagen". Warum nicht an Silvester am Koelner Hauptbahnhof?

Nun gibt es (in der Welt.de) einen Bericht zur Computer-Tomographie (CT):

"Experten warnen vor Computertomografie ... Computertomografie birgt Risiken: ... Strahlenbelastung ist immens. CT-Scans könnten in Zukunft für bis zu zwei Prozent aller Krebserkrankungen verantwortlich sein. ... In den USA sei jede dritte der jährlich 63 Millionen CT-Untersuchungen überflüssig ..." (Hervorhebung CM)

Tatsaechlich liegen die Strahlendosen bei einer (insbesondere Ganzkoerper-) Computertomographie bei einem Mehrfachen jeder "einfachen" Roentgenuntersuchung.

Unnoetiges Roentgen im Kindesalter hat zudem andere Auswirkungen, als bei Achzigjaehrigen, die nicht noch Jahrzehnte zur Ausbildung eines Tumors vor sich haben. Strahlenkrebs braucht Jahre, um auszubrechen.

Aber andererseits ... sind Roentgenuntersuchungen ungleich viel haeufiger. Ich behaupte: alle Roentgenuntersuchungen zusammengenommen verursachen insgesamt hoehere Gesamt-Strahlendosen als alle CT-Untersuchungen zusammengenommen. Genaue Werte fehlen (egal, wer was anderes behauptet - hier habe ich eigene empirische Fakten), denn Roentgenbelastung wird ueberhaupt nicht dokumentiert (anders als andere radiologische Untersuchungen, etwa mit radioaktiven "Markern") - nicht mal Roentgenpaesse werden korrekt ausgefuellt, meist ueberhaupt nicht.

Das, was man sich vom Roentgenpass urspruenglich erhoffte - naemlich, Doppeluntersuchungen zu vermeiden, wird so gut wie ueberhaupt nie eingehalten. Selbst wenn ein Roentgenarzt ein Roentgenbild bei einer Klinikeinweisung mitgibt, wird dort froehlich erneut geroentgt, und umgekehrt, der noch haeufigere Fall, wenn eine Klinik einen Arztbericht mit Roentgenbild(ern) mit "nach Hause" fuer den nachbetreuenden Arzt gibt, wird der in aller Regel dennoch erneut Roentgen (und wenn er kein Geraet hat, ueberweist er an einen befreundeten Facharzt - da gibt es Ueberweisungskartelle und Provisionen - jeder Kenner des Gesundheitssystems weiss das). (Vieles davon ist auch durch die Kosten der anders nicht zu amortisierenden Geraete, an denen ein Ueberangebot besteht, zu erklaeren - hippokratisch-ethisch ist es darum nicht und volkswirtschaftlich ist es ein Milliardengrab, selbst wenn dadurch keine erneut Milliarden kostenden iatrogenen Folgeerkrankungen induziert wuerden - "rationelle Ueberversorgung" allenthalben. Die Roentgen-Versessenheit der Aerzte hat auch viel mit deren Unkenntnis zu tun ... vgl. Masseinheiten zur Strahlenbelastung)

Hinzu kommen auch Behandlungen unter Roentgenbestrahlung, um den Verlauf im Koerper zu ueberwachen.

Eigentlich gilt fuer all das die Strahlenschutzverordnung. Und deren oberster Grundsatz ist Expositions-Vermeidung. Jedenfalls wird dies jedem einleuchten, der von der grundsaetzlichen Schaedlichkeit radiologischer Zusatz-Belastung ueberzeugt ist und nicht der Hormesis-These anhaengt (vgl. "PET-, CT-,Röntgen-Aufnahmen ab sofort strikt meiden").

Genuegend Material zur epidemiologischen Bewertung gaebe es ja ...

Hinzu kommt, dass selbst ohne Roentgenstrahlendosis aufgrund von Roentgenbildern oft falsche Diagnosen gestellt werden, die zu unnoetigen bis schaedlichen "Behandlungen" fuehren.

Das wird garantiert weder untersucht, noch liessen sich solche Untersuchungen ueberhaupt erfolgversprechend durchfuehren - dazu muessten erstmal zwei Roentgenfachaerzte, insbes. bei Weichteilaufnahmen, zu identischen Schlussfolgerungen kommen [[freude]] ..., wenn sie dasselbe Roentgenbild vorgelegt bekommen.

Derselbe Roentgenarzt ist oft nicht mal nach 15 Minuten (!!!) in der Lage, zu erkennen, dass ihm dasselbe Roentgenbild vorliegt und stellt aufgrund desselben Bildes dann zwei gegensaetzliche Diagnosen!

Wenn Sie es lieber am Magen haetten ...

Weiteres zum Thema:

"Es gibt eine lineare Beziehung zwischen der Häufigkeit von Brustkrebserkrankungen und der Zahl durchgeführter Fluoroskopien"

Zur Geschichte der Strahlenbelastung und ihrer Erforschung

Dass Roentgen schaedlich ist, weiss man sehr gut aus der Anfangsphase ("Erythem-Dosis").

Roentgen in Europa verstrahlt chinesische Arbeiter ...

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Mit 40 DM pro Kopf begann die Marktwirtschaft, mit 400.000 Euro Schulden pro Kopf wird sie enden.
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Zwei 'Undercover'-Reporter in Fukushima und ihre Berichte - als Leiharbeiter getarnt in den Reaktorruinen

Literaturhinweis @, Samstag, 14.01.2017, 14:11 vor 3311 Tagen @ Literaturhinweis 2682 Views

Das Thema Fukushima ist ja ziemlich aus der öffentlichen Wahrnehmung entschwunden, obwohl dort täglich versucht wird, der Katastrophe Herr zu werden und die Ausflüsse radioaktiver Nuklide in Grundwasser und Ozean zumindest zu verlangsamen, indem man das radioaktive Wasser in immer zahlreicher werdende Tanks sammelt.

Für Japaner ist die Katastrophe aber tägliches Thema, je nachdem, wo man wohnt oder was es gerade wieder für Neuigkeiten gibt oder wenn wieder mal über die Frage gestritten wird, ob man alte Reaktoren weiterbetreiben oder lieber auf andere Energien setzen soll.

Zwei Journalisten haben sich unabhängig voneinander bei TepCo (der nur noch dank staatlicher Stütze am Leben erhaltenen Betreiberfirma) bzw. deren Subunternehmern, als Leiharbeiter einstellen lassen und berichten über ihre Erlebnisse:

- Kazuto Tatsuta: Reaktor 1F - Ein Bericht aus Fukushima 3

"Er erzählt von der Angst der Kollegen, die größtenteils aus dem evakuierten Gebiet stammen, von den Subunternehmen bei denen er angestellt ist und denen Verbindungen zur Yakuza [japanische Mafia] nachgesagt werden, von der Radioaktivität ─ nach zwei Monaten hat sein Körper die jährliche Strahlenhöchstdosis aufgenommen und er muss pausieren." Wenn die Mafia dort mitmischt, dann wird dort ebenso sorgfältig entsorgt, wie bei der italienischen, wenn sie für Sondermüll zuständig ist.

- Tomohiko Suzuki u.a.: Inside Fukushima: Eine Reportage aus dem Innern der Katastrophe

Mafia auch hier: "Seine Undercover-Reportage berichtet von dem desaströsen Zustand des AKWs, den gesundheitsgefährdenden Arbeitsbedingungen und der Verwicklung der japanischen Mafia Yakuza in das schmutzige Geschäft."

Wohl bekomm's.

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Iod-131-Ausbruch in nördlicher Hemisphäre, gemessen von Norwegen bis Frankreich, US-Atomtest-Beobachtungsflugzeug stieg auf

Literaturhinweis @, Sonntag, 19.02.2017, 22:49 vor 3274 Tagen @ Literaturhinweis 3070 Views

bearbeitet von unbekannt, Mittwoch, 22.02.2017, 00:59

Wie ZeroHedge meldet, wurde ein mysteriöser Ausbruch geringster Mengen Jod-131 in Europa gemessen, beginnend mit der zweiten Januarwoche in Norwegen:

Concerns Grow About A Nuclear "Incident" In Europe After Spike In Radioactive Iodine Levels - Bildlink:

[image]

Mysteriös deshalb, weil, wäre es ein Kernkraftunfall wie in Fukushima, so hätte die jeweilige Betreibernation diese der Internationalen Atomenergie-Agentur melden müssen und nationale Meß-Systeme hätten Alarm geschlagen. Es ist sehr unwahrscheinlich, daß so etwas heutzutage, außer in Nordkorea, vertuscht werden kann.

Da Jod-131 eine kurze Halbwertzeit hat, stammt es nicht aus bereits länger gelagertem Müll, d.h. Atommüllager, die undicht geworden sein könnten, scheiden als Quelle aus (Sonderfall s.u.). Bleibt noch die Möglichkeit eines (unterirdischen) Atomwaffentests (einen oberirdischen hätte man ja sofort erkannt), trotz Atomwaffentestverbots.

Sinn ergäbe das, da seit dem Atomwaffentestverbot alle Atomwaffen-Nationen darauf angewiesen sind, statt Tests aufwendige Computersimulationen durchzuführen, die jedoch nie die gleiche hundertprozentige Gewißheit über die Funktionsfähigkeit einer modernisierten Atomwaffe, gar eines neuen Bombenkonzepts, liefern können wie echte Tests. Gerade kleinere Nationen haben hier sicher Probleme. Daß es Nordkorea war, scheidet m.E. aufgrund des Ausbreitungsmusters nahezu sicher aus, zumal dieses und Iran lückenlos überwacht werden.

Bliebe neben den genannten kleineren Atomwaffen-Nationen dennoch auch Rußland und die USA, falls dort vertragswidrig ein Test aus den eben genannten 'Forschungs'-Gründen durchgeführt worden sein sollte.

Jedenfalls stieg ein Meßflugzeug für Atomwaffentests von Offutt Air Base auf, um -vermutlich- Atmosphärenmessungen vorzunehmen, etwas, das seit dem vollständigen Atomwaffentestverbot auch nur noch selten vorkommt und aufgrund des zeitlichen Zusammentreffens darauf hinweist, daß auch die USA hier Aufklärungsinteresse und Besorgnis zeigen, was aber dennoch nicht gänzlich ausschließt, daß es um einen eigenen Versuch geht.

Gegen einen echten Atomwaffentest spricht aber, daß dieser charakteristische seismische Spuren hinterläßt, die, jedenfalls liest man dazu nichts, ebenfalls zu fehlen scheinen.

Bleibt als letzter denkmöglicher Vorgang eine "Exkursion" in einem Lager mit flüssigen Kernbrennstoff-Abfällen. Diese gab es immer wieder mal, es sind dies überwiegend Abfälle aus der Wiederaufarbeitung (i.d.R. Salpetersäurelösungen), aber auch da verwundert der erste Meßpunkt in Norwegen, es sei denn, die Exkursion trug sich in Rußland zu oder einem anderen GUS-Standort, der noch solche Abfälle beherbergen mag.

Siehe nun weitere Erwägungen auch hier.

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Der kurzzeitige Anstieg des Jod-131-Spiegels in Europa scheint geklärt - es war ein norwegischer Forschungsreaktor-Schaden

Literaturhinweis @, Donnerstag, 09.03.2017, 13:18 vor 3257 Tagen @ Literaturhinweis 2394 Views

bearbeitet von unbekannt, Donnerstag, 09.03.2017, 13:38

Der kurzzeitige Anstieg des Jod-131-Spiegels in Europa scheint geklärt: Beschädigte Brennstäbe und Folgeschäden aufgrund Bedienfehlern in einem norwegischen Forschungsreaktor (Reaktor Halden, gaufen oder vergaufen sagt der Sachse): "International cooperation in an effective, result-oriented environment. Safe and reliable operation of nuclear power plants benefit from R&D advances and related technical solutions. The OECD Halden Reactor Project is a leader in these advances with programmes devised to provide answers in a direct and effective manner." Also eine hervorragende Sicherheitsgulduur, nicht auszudenken, was passieren könnte, wenn die nun auch noch absichtlich schlampig wären.

Na, wer hätte das gedacht, da werden zuerst in Norwegen erhöhte Werte gemessen und da stammen diese Emissionen auch noch von da. Da können sich die Russen noch so sehr anstrengen, einen Unfall oder Atomtest zu verheimlichen - man muß ihn erstmal veranstalten!

Vielen Dank für die Leserzuschrift, die mich auf folgende Berichte aufmerksam machte:

Telepolis: Beinaheunfall in Norwegen (09. März 2017)

und

norwegisches Energietechnologieinstitut: Press release: unintended release of radioactive iodine at the Halden Reactor

Im genannten telepolis-Artikel ist die Blauäugigkeit der norwegischen Argumentation bereits behandelt, ich spare mir Wiederholungen.

Bellona wirft entgegen der Selbstbeweihräucherung der Betreiber denen eine mangelhafte Sicherheitsphilosophie und viele Beinaheunfälle vor: "Norway’s Halden Reactor: A poor safety culture and a history of near misses".

Der Halden-Reaktor hat eine thermische Gesamtleistung von 25 MW und ist als Siedewasserreaktor ausgeführt - die Baulinie, die AEG in den Ruin trieb.

Die Fukushima-Katastrophe war ebenfalls einer Siedwasserbaureihe geschuldet (nicht daß Druckwassereaktoren inhärent wesentlich sicherer wären - aber sie haben die Stromerzeugung im nichtradioaktiven Bereich und sind etwas brennelementschonender - Atomkraft halt).

Der Reaktor sitzt in einem Felsmassiv, was evtl. bei einer Kernschmelze nützen könnte, nicht jedoch, wenn die Belüftung nach außen bei Jod-Austritt angeschaltet bleiben muß, um noch schlimmeres zu verhindern, wie es wohl in diesem Fall zu verzeichnen war.

Siehe auch den Thread hier: Iod-131-Ausbruch in nördlicher Hemisphäre, gemessen von Norwegen bis Frankreich, US-Atomtest-Beobachtungsflugzeug stieg auf.

Die Anlage in Halden ist übrigens ein Schwerwassereaktor, daher kommt er mit nicht-angereichertem Natururan aus, muß dafür aber mit schwerem Wasser (Deuteriumoxid D2O statt Hydrogenoxid H2O) moderiert werden. Schwerwasser kommt traditionell aus Norwegen - als die Briten mit norwegischen Widerstandskämpfern im zweiten Weltkrieg die dortige Schwerwasseranlage gesprengt hatten, war der Traum von der deutschen Atombombe ausgeträumt - Deutschland hatte nicht die Mittel, Uran-Anreicherungsanlagen im Maßstab des Manhattan-Projekts zu bauen und zu betreiben und wäre auf das Erbrüten von Plutonium-239 aus einem solchen Schwerwasser-Reaktor angewiesen gewesen - und ja, es gibt Leute, die das anders sehen, es gibt auch Leute, die an Reichsflugscheiben glauben. Deutschland scheiterte aber bereits an den Ölfeldern von Baku; siehe Nordkorea - eine Hochtechnologie ohne materielle Basis kommt nicht weit.)

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Der Igel hat eine interaktive Karte zu Atomgefahren in Europa - auch wenn seine Praktikanten nicht wissen, was ein GAU ist ...

Literaturhinweis @, Sonntag, 25.06.2017, 11:13 vor 3149 Tagen @ Literaturhinweis 1357 Views

bearbeitet von unbekannt, Sonntag, 25.06.2017, 11:21

Der Igel (so heißt er, wenn man mal nicht über ihn speien muß) hat einen Artikel mit interaktiver Karte, was bei einem Super-GAU in Europa so passieren würde:

[image]

Daß bei einem GAU genau nichts (außerhalb) eines Kernkraftwerkes passieren darf (bis auf ein paar erhöhte Strahlenwerte innerhalb der erlaubten Immissionsgrenzen), scheint er nicht ganz verstanden zu haben. Es geht also um auslegungsüberschreitende Ereignisse, die eben nicht vorkommen dürften (außer einmal in 'einer Million' Jahren oder so).

Wie dem auch sei, viel Spaß beim Anklicken, denn viel Zeit, sich die Fluchtroute auszusuchen, bleibt im Katastrophenfall nicht ...

Manchen nicht einmal im tiefsten Frieden.

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