US-Depressionen Grafik - Fibo

Dieter, Samstag, 02.01.2016, 17:40 vor 3687 Tagen 4146 Views

Hallo,
in der Welt-online war eine Grafik von Reuters zu den US-Depressionen seit WKII.

Beim Blick auf die Grafik, bemerkte ich, daß die Abstände zwischen den Depressionen in einem harmonischem Verhältnis stehen und habe das einmal mit Hilfe eines Grafikprogramms überprüft.

[image]

Leider läßt die von mir gemachte Feststellung keine Deutung zu, wann und in welchem Ausmaß die nächste Depression der USA fällig ist, bzw. wie lange sie dauert.

Gruß Dieter

2020 der Trog

Weiner @, Samstag, 02.01.2016, 22:53 vor 3687 Tagen @ Dieter 4129 Views

Hallo Dieter,

Deine Idee, die jeweiligen Steigungen zwischen den Rezessionen auszurechnen, ist ein sehr interessanter Ansatz. Ich werde mir das merken und gelegentlich für andere Kurven untersuchen.

Was nun die Terminierung der US-Rezessionen betrifft, so lassen die sich durchaus in Wellenfunktionen zerlegen, jedoch ist das eine sehr komplexe Angelegenheit. Ich greife deswegen nur diejenigen Komponenten heraus, die für die Datierung der nächsten Rezession bestimmend sind. Das ist zum einen der in meinem Beitrag von gestern erwähnte knapp 30jährige Zyklus in seiner Interferenz mit einem ultralangen Zyklus. Diese beiden Wellen haben eine Interferenz bzw. einen Knoten im Bereich 30 bis 40 Jahre. Die Schwankung erklärt sich dadurch, dass beide Zyklen nicht wirklich lineare Schwingungen sind (es gibt für sie daher auch keine Differentialgleichungen sondern sie müssen iterativ ermittelt werden).

Hier nun die Liste der Knoten (Monat/Jahr):

1786 Juni
1819 September
1851 September
1883 Juni
1915 März
1947 August
1983 Januar
2020 Januar

Wenn Du nun die Liste der US-Rezessionen mit diesen Jahren vergleichst, dann wirst Du feststellen, dass praktisch um alle diese Daten herum jeweils eine Rezession, in Einzelfällen sogar eine Depression lag. Einzige Ausnahme wäre das Jahr 1851, wo es eine Rezession davor und danach gab, das Jahr 1851 selbst aber einen positiven Saldo hatte. Wie bereits an anderem Ort gesagt: selten kann man einen einzelnen Zyklus dominant sehen, etwas häufiger sind dagegen dominante Knotenpunkte, wie ich hier nun ein Beispiel dargestellt habe. Mit diesem analytischen Zugang lässt sich immerhin eine Anzahl der Rezessionen erklären bzw. bestimmen (und damit die nächste auch voraussagen). Für einen umfassenden Erklärungsansatz aller Rezessionen, der durchaus möglich wäre, müsste man aber den Aufwand einer Dissertation oder Haibilitation investieren. Und wer sollte einem das bezahlen?

Das Jahr 2020 wird also der Wendepunkt in der nun anstehenden Rezession sein, bis dahin geht es bergab, danach (langsam) wieder aufwärts. Die Wirkung dieser Knotenpunkte ist nicht allein auf die Wirtschaft beschränkt sondern umfassender. Am besten lässt sich das verdeutlichen mit den (historischen) Periodengrenzen der Jahre 1914/1915 oder 1947/1949 oder 1982ff.

MfG, Weiner

Fibonacci-Verhältnisse beim Verhältnis von Gewinnen zum BIP

Dieter, Sonntag, 03.01.2016, 00:50 vor 3687 Tagen @ Weiner 2926 Views

Hallo Weiner,
gerade habe ich eine weitere Grafik auf ihre Fibo-Verhältnisse hin untersucht:
In diesem Fall eine Kurve mit den Tiefpunkten der geringsten Unternehmensgewinne am BIP der USA.

zur Grafik


Im unteren Bild ist zu sehen, wie es sein könnte, falls Dein angedachter Zeitpunkt 2020 zuträfe. Persönlich gehe ich allerdings von höchstens einer kleinen Zwischenerholung zu einem derartigen Zeitpunkt aus.

Gruß Dieter

Nichtlineare Schwingungen

Leserzuschrift @, Sonntag, 03.01.2016, 15:03 vor 3686 Tagen @ Weiner 2458 Views

Hallo,

Sie schreiben

... beide Zyklen nicht wirklich lineare Schwingungen sind (es
gibt für sie daher auch keine Differentialgleichungen
sondern sie müssen iterativ ermittelt werden).

Der Satz ist äquivalent zur Aussage, dass es nur für lineare Schwingungen eine Darstellung in Differentialgleichungsform gibt und nichtlineare Schwingungen nicht in Differentialform dargestellt werden können. Diese Aussage ist falsch: https://de.wikipedia.org/wiki/Schwingung#Lineare_und_nichtlineare_Schwingungen.

Gruß

Wow, ich wußte gar nicht, dass das GELBE ...

Weiner @, Sonntag, 03.01.2016, 23:23 vor 3686 Tagen @ Leserzuschrift 2451 Views

... nebenbei noch ein Mathematikforum ist - und dass ich nach Mitternacht jedes meiner Worte haarspalten und auf die Goldwaage legen muss!

Selbst ordinäre Differentialgleichungen löst man bisweilen und bequemerweise eher mit numerischen Verfahren (etwa in der mechanischen Kinetik). Ein weiterer Zugang wäre die Finite-Elemente-Methode.

Jedenfalls sind die Zyklen nichtlineare Schwingungen und mußten durch empirische Beobachtung und darauf bauende iterativ-numerische Verfahren so erschlossen werden, dass sie extrapoliert werden können (was im Übrigen nicht ich geleistet habe, dazu bin ich nicht intelligent, diszipliniert und fleißig genug, und nutze somit dankbar das Werk anderer ...). Hinzu kommt, dass die Zyklen ja aufeinander bezogen sind (entspräche mechanisch gesehen einem Vielkörperproblem), und da landet man dann sehr schnell in sehr kniffligen Situationen. [[zwinker]]

@Dieter: Deine Bemerkungen/Beobachtungen zu Fibonacci-Verhältnissen sind (wie bereits gesagt) sehr interessant. So weit ich es sehen kann, besteht eine Beziehung zu den historischen Zyklen darin, dass letztere zueinander in bestimmten Proportionen stehen, die u.a. dem Goldenen Schnitt gehorchen - der wiederum mit den Fibonacci-Zahlen in Beziehung steht. Vielleicht melde ich mich einmal zu diesem Spezialproblem bei Dir per PN.

Es ist gerade ein Kennzeichen der von mir so bezeichneten "natürlichen Zyklen", dass sie strukturell miteinander verwandt sind. Und wenn ich es richtig sehe, sind sie auch deswegen "kosmologisch" zu nennen (Dein Begriff) bzw. im Universalprozess verankert (meine ursprüngliche Formulierung), weil man diese Zyklen überall, vom Atombau bis hin zu Galaxienbewegungen finden kann - dort halt jeweils in anderen Skalen/Größenordnungen aber mit der gleichen internen Proportion. Übrigens: der Trog 2020 dürfte tief und breit werden. Und: der Einwurf von @SevenSamurai ist berechtigt. Die Antwort liegt nicht nur in der Inflation (deren Aufblasung wiederum mit sehr langfristigen Zyklen korreliert ist) sondern auch mit dem richtigen Verständnis dessen, was "Wachstum" ist. Heute wird ja total sinnloses Zeug in das BIP hineingestopft, was dort gar nicht hingehörte.

Deshalb hier auch eine Antwort an @Domac: Ich bin mir nicht sicher, ob der Ausdruck "Aufwärtsentwicklung" diese Prozesse wirklich genau trifft. Wenn ich Kurven vorschlage, so dienen die ja nur der Veranschaulichung. Ging die historische Entwicklung während der Weimarer Zeit wirklich aufwärts? Wirtschaftlich und kulturell ja bzw. vielleicht ... aber politisch gewiss nicht. Und die 1930er Jahre würden wir auch nicht gerade als "Aufwärtsentwicklung" bezeichnen wollen. Es trifft eher das zu, was Merkel gemeint hat: Wir schaffen das! Parallel zum Aufwärtstrend sind einfach Kräfte und Kräftesynergien da, die die Herausforderungen der Zeit meistern lassen. Leider manchmal auf eine Weise und mit einem Erfolg, die sich hinterher als gar nicht so gut herausstellen. Hier muss, wie immer, auf den Kontext der anderen Zyklen geachtet werden, damit man das volle Bild hat. Die Zyklen sind, wenn man qualitative Aussagen aus ihnen ableiten will, eher wie Farben, die miteinander gemischt werden und so in jedem historischen Zeitabschnitt für einen völlig anderen, völlig individuellen Gesamteindruck sorgen - obwohl es doch immer die gleichen Grundfarben sind.

So, die Feiertage sind nun vorbei, der Alltag beginnt wieder, und muß mich auf den Status des Zwischendurch-Mitlesers zurückziehen. Ich danke für die Aufmerksamkeit und für die Fragen. Und wünsche allen eine gute Zeit.

MfG, Weiner

Das schöne ist doch:

SevenSamurai @, Sonntag, 03.01.2016, 11:00 vor 3687 Tagen @ Dieter 2551 Views

Das schöne ist doch, wie man aus der Grafik sieht:

Es gibt keine Crashs!

Es handelt sich lediglich um Verschnaufpausen zu neuen Hochs. Es geht immer weiter hoch, auch wenn es den Crashpropheten nicht gefällt.

Erinnert mich an diese Veröffentlichung:

Can the world get richer for ever?

By Theo Leggett Business correspondent, BBC News

http://www.bbc.com/news/business-31868506

--
Zitat des Jahres: "We have put together I think the most extensive and inclusive voter fraud organization in the history of American politics."

It's a big club, and you ain't in it.

Vermutlich nicht inflationsbereinigt, die Grafik

Dieter, Sonntag, 03.01.2016, 13:07 vor 3687 Tagen @ SevenSamurai 2521 Views

bearbeitet von Dieter, Sonntag, 03.01.2016, 16:10

Hallo,

vermutlich ist die Grafik nicht inflationsbereinigt, sie war ohne Aussage diesbezüglich, was für meine Betrachtung auch erst einmal unwichtig war.

Wenn man die langfristige Aktienentwicklung anschaut, so beruhen die meisten Steigerungen einfach auf Inflationsmechanismen und nicht auf realen Kursgewinnen.

Real geht es ganz und gar nicht so schön hoch, wie so viele Grafiken uns demonstrieren wollen.

Siehe auch hier: Seitwärtsbewegung beim Dow und rapider Absturz real:
http://www.macrotrends.net/1283/stagflation-impact-on-djia-returns

Gruß Dieter

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