zu Weihnachten: mein Lebenstraum!

Kirsch @, Harz, Freitag, 25.12.2015, 18:48 vor 3694 Tagen 5528 Views

Eine Fahrt mit der Transsibirischen Eisenbahn ist einer meiner Lebensträume. Ich bin jetzt 67 Jahre alt und schon mit einigen Wehwehchen und Ersatzteilen behaftet. Bisher war ich absolut gebunden, familiär und arbeitsbedingt, mein Leben lang, jetzt nicht mehr. Auf was warte ich noch?

Leider bin ich etwas feige, aber trotzdem neugierig. Mir fehlen Gleichgesinnte, oder zumindest ermunternde Ratschläge. Etwas Angst habe ich davor, tagelang sitzen zu müssen, wie sind die hygienischen Bedingungen? Toiletten? Dusche? Wasser und Essen?
Wenn sich eine Gruppe von 4 Leuten finden würde, wäre die Bahnreise billiger. Geradezu ideal wäre dabei einer in der Gruppe, der wenigstens etwas russisch spricht. Aber eigentlich könnte es auch alleine gehen. Eine geführte Reise über einen der großen Reiseveranstalter ist mir zu teuer.

Hier eine interessante Website zu der geplanten Reise:
http://wikitravel.org/de/Transsibirische_Eisenbahn
Was ich mir vorstelle:
keine Luxusausführung der Reise sondern die einfache Ausführung der Fahrt im regulären Zug mit Schlafwagen mit 4 Bett-Kabinen, eventuell ein paar Zwischenstops um interessante Orte anzusehen, Kontakt mit den Bewohnern dort und im Zug (ist mir wichtig). Aber gibt es dort auch Menschen, die entweder deutsch oder englisch sprechen? Das riesengrosse Russland ist mir fremd, aber ich möchte dieses Land sehr gerne wenigstens etwas kennen lernen. Die russischen Menschen, die ich bisher kenne (durch mein Hobby) sind mir sehr sympathisch.
Ich bin ganz einfach eine “normale” ältere, humorvolle Frau, die sehr gerne interessante Gespräche führt, gutes Essen liebt, sehr interessiert an Kultur, Natur, Tieren und Menschen ist, und ich bin neugierig auf alles Neue im Leben. Die USA kenne ich teilweise, Russland liegt gleich nebenan und ist mir total fremd. Die meiste Zeit meines Lebens ist vorbei, also sollte ich nicht mehr zu lange warten. Das Leben ist endlich.

Etwas Sorge bereitet mir allerdings auch die derzeitige politische Situation. Kann man so eine Reise im kommenden Frühjahr (Mai/Juni) wagen? Meinungen hierzu würden mich auch sehr interessieren. Mein Bruder antwortete mir auf die Frage: du kannst natürlich auch schon mal im Sarg Probe liegen mit Deiner Einstellung! Jetzt mache ich mich schon so lange verrückt mit dem kommenden Wirtschaftscrash und der Kriegsgefahr, dass ich vielleicht das Leben darüber verpasse! Außerdem, Reisen bildet! Und ein paar Brocken Russisch können vielleicht für die Zukunft auch nicht schaden!

Wer hat so eine Fahrt schon mal gemacht? Wer kann mir zu der geplanten Reise Ratschläge geben?
Für gut gemeinte Tips bin ich dankbar!
Frohe Weihnachten an alle hier!
kirsch

Reisepartner finden

LLF @, Freitag, 25.12.2015, 20:18 vor 3694 Tagen @ Kirsch 4294 Views

Eine Fahrt mit der Transsibirischen Eisenbahn ist einer meiner
Lebensträume.
Wenn sich eine Gruppe von 4 Leuten finden würde, wäre die Bahnreise
billiger.

Mal bei www.travbuddy.com nachschauen. Das Lesen fremder Blogs ist völlig kostenlos, die Suche und Kontaktaufnahme kostet einmalig 10 USD.

Aber gibt es dort auch Menschen, die entweder deutsch oder englisch sprechen?

Vielleicht 10%.

Etwas Sorge bereitet mir allerdings auch die derzeitige politische
Situation. Kann man so eine Reise im kommenden Frühjahr (Mai/Juni) wagen?

Russland wird wohl unversehrt aus der gegenwärtigen Krise hervorgehen.

Englisch

Slinky @, Freitag, 25.12.2015, 20:38 vor 3694 Tagen @ LLF 3827 Views

Hallo,

Vielleicht 10%.

die jüngeren Leute sprechen meist sehr gut Englisch, viele besser als ich. Deutsch wird auch von einigen Gesprochen.

Grüße,

Slinky

Reise und erlebe!

Slinky @, Freitag, 25.12.2015, 20:35 vor 3694 Tagen @ Kirsch 3915 Views

Hallo Kirsch,

was soll ich sagen: einfach machen!

Ich war vor zwei Jahren mal dienstlich in Chabarowsk am Amur nahe der Chinesischen Grenze unterwegs. Dort bin ich mit einem Infrastrukturmesszug dann ca. 300km nördlich gefahren, also nicht direkt die Transib, sonder eine Stichstrecke.

Die Landschaft dort hat etwas surreales, größere Birken, kleiner Birken, mal mehr, mal weniger davon oder auch nur Fläche ohne alles, einige Male den Amur gekreuzt, oder auch weiter Blick über die Ebenen... In Russland sind die Schienen nicht geschweißt, sondern auf Stoß geschraubt: das tut ganz gut akustische Schläge, hat aber irgendwann was sedierendes...

Es ist übrigens eine doofe Idee, wenn man mit dem Messzug die Spurweite der Schienen mißt und die so grottig ist, das der verantwortliche Streckenfuzzi eigentlich die Strecke sperren wollte: Du kommst mit dem Zug noch irgendwie zum nächsten Abstellgleis und hast dich Quasi selber festgesetzt und zum Flieger geht der Nachtzug nicht zurück wegen gesperrter Strecke... Das Problem wurde dann pragmatisch gelöst: die betroffene Stelle noch ein paar mal mit dem Zug gemessen, von Hand gegen gemessen, aber wider erwarten stimmte die Spurweite immer noch nicht... Ach, dann tut es auch ein Tempolimit [[top]]

Ich bin dann irgendwo im Nirgendwo ausgestiegen und mit dem Nachtzug zurück nach Chabarosk. Ticket hat mir im Bahnhof einer meiner Betreuer gekauft, ging nur mit Paß. Etwas ungewöhnlich war dann das "aufsitzen" spät Abends auf den Zug, weil es im Bahnhof und im Zug komplett Dunkel war. Auf meine Nachfrage, warum: Maßnahme gegen tschetschenische Scharfschützen... Auch Rauchen wurde nicht empfohlen...

Im Nachtzug hatte mein Betreuer und ich eine Doppelkabine mit Ausklappbaren Betten. Es war alles sehr sauber. War aber glaube ich auch schon gehobene Klasse. Und Obacht: die Kaffeelöffel sind abgezählt und die Stewardessen, die es da pro Waggon gibt, sind da sehr rigoros. Was auch auffällt, die Waggons haben die Türen sehr hoch über dem Boden und Bahnsteige sind Luxus: die Stewardessen haben dann extra kleine Trittbänke, die sie dann vor die Türen stellen.

Kurz: mach die Reise und erlebe was, spüre und fühle das Land und lasse es auf Dich wirken. Ich war mit meinen Begleitern dann auch noch Abends in einer 'Russendisko': irgendwo im Wald eine Hütte, drin 40m² Platz mit einen paar rustikalen Tischen und Stühlen und einer Discokugel...

Es mag überheblich klingen und mein Aufenthalt war auch nur knapp eine Woche, aber ich begann zu verstehen, warum die Russen so sind wie sie sind: es ist einfach diese bezaubernde Natur mit all ihrer Schönheit, aber auch all ihrer Härte, die einfach ihre Einwohner prägt... Ich erinnre mich noch heute gerne an diesen Trip.

Lieber Kirsch, wage es und erlebe es!

Liebe Grüße,

Slinky

Finde ich großartig, die Idee

helmut-1 @, Siebenbürgen, Sonntag, 27.12.2015, 21:14 vor 3692 Tagen @ Kirsch 2547 Views

Worauf ich neidisch bin, ist der Satz:

Bisher war ich absolut gebunden, familiär und arbeitsbedingt, mein Leben lang, jetzt nicht mehr. Auf was warte ich noch?

Leider kann ich hier nichts Konstruktives beitragen, so gerne ich auch möchte. Das mit dem "absolut gebunden", das hat mich noch voll im Griff, auch noch mit 64. Es wird ja die Zeit kommen, wenn mein Sohn mit der Ausbildung fertig ist und er sich in der Firma breitmacht, dass ich dann auch mal in Urlaub fahren kann, - gerade für solche längere Aktionen, die nicht in zwei Wochen abzuwickeln sind.

Ich habe meiner Frau versprochen, auch solche Dinge mit ihr gemeinsam zu erleben, - eine kleine Gruppe wäre ideal. Meine Frau wartet nun schon 25 Jahre auf die Einlösung dieses Versprechens.

Aber neidisch bin ich schon irgendwie, - das muss ich zugeben. Genauso finde ich die Idee gut, sowas hier im Forum anzufragen. Hier gibts sicher einige Leute, die nicht nach der "Neckermann-Reisen-Norm" gestrickt sind und das Besondere suchen.

Wahrscheinlich wirst Du direkt auf Dein Mail direkte Anfragen bekommen, und das ist gut so. Mal sehen, wann ich mich mit sowas ernsthaft befassen kann. Derzeit habe ich begonnen, mein Wohnmobil komplett zu restaurieren, dann kommt der Wohnwagen dran, der angehängt wird. Beides zusammen hat eine Gesamtlänge von knapp unter 18 m, grade noch unter der höchtzulässigen StVO. Zul. Ges.Gew. für alles : 6 to. Klar ist das für uns beide etwas zu groß ausgelegt, - da könnten noch zwei andere (Gleichgesinnte) dazukommen. Es war ja für uns sowie für Sohn und Freundin ausgelegt (ein Schlafzimmer getrennt und eine Schlafkabine mit 2 Stockbetten getrennt).

Dazu als absolutes Individualgefährt konzipiert, - Duschkabine, WC-Kabine, eigene Stromversorgung, Gas und Wasser sowieso, etc. Ich bin leider kein Typ, der bei solchen Fahrten irgendwelche Campingplätze ansteuert.

Genau ab dann, wenn das letzte Drittel beginnt, lege ich los. Dann wird mal so richtig gefeiert, und dann geht die Post ab. Aber leider ist das erst im Sommer 2018. Selbst wenn mich manche für verrückt erklären, - für mich fängt das "lebenswerte" Leben exakt ab dem Tag an, wenn ich 66 und 2/3 Jahre alt bin, weil ich den 100er fest im Visier habe. Deshalb die "Drittel-Rechnung" auch als persönlichen Feiertag. Zum Glück habe ich den Verstand (für den "way of life") und auch die Gene dazu, um das umzusetzen.

Ich wünsche Dir von Herzen, dass Du die richtigen Leute findest, um diese Fahrt zu realisieren. Ursprünglich wollte ich Dir das direkt auf Dein Mail schreiben, - aber ich machs hier öffentlich, um auch anderen in dieser Situation Mut zu machen. Man lebt nur einmal, - und das sollte man bewußt tun. Noch (die Betonung liegt auf "noch") gibt es wunderbare Stellen auf dieser schönen Welt, die es lohnen, sich anzusehen.

Manche sparen ihr Geld für die Kinder zum Erben auf. Der größte Blödsinn in meinen Augen. Was ist wirklich wichtig: Den Kindern eine konstruktive Ausbildung und einen Start ins Berufsleben zu ermöglichen, das ist das Eine, das Andere ist der dauernde intensive Gesprächskontakt in der Form, dass sie immer gut erklärten und nachvolziehbaren Rat bekommen, wenn sie danach fragen. (Der unnötigste Rat ist bekanntlich der ungebetene). Dann werden sie immer in der Lage sein, aus einer bestimmten substanziellen Menge mehr zu machen, auch, wenn diese gering ist. Irgendwelche Vermögenswerte in der Hoffnung zu hinterlassen, damit es ins "Grandiose" geht, finde ich als Unsinn.

Und sollte es noch solche Zeitgenossen geben, die bei den heutigen Zinsen noch streng darauf achten, dass von ihrem lieben Erspartem nichts verloren geht, - dann kann ich nur daran erinnern, dass bekanntlich "das letzte Hemd keine Taschen hat".

Weitere Infos zur Reise:

Kirsch @, Harz, Dienstag, 29.12.2015, 09:15 vor 3691 Tagen @ helmut-1 2442 Views

bearbeitet von unbekannt, Dienstag, 29.12.2015, 15:21

Helmut, habe vielen Dank für Deine Aufmunterungen! In meinem Bekanntenkreis stoße ich allerdings überwiegend auf Unverständnis und es heißt allgemein: Dafür bist Du zu alt, das ist nur etwas für junge Leute!

Inzwischen habe ich mich weiter informiert, und ich habe bisher nicht gewusst, was für eine Schatzgrube “Google” ist. Hier 2 sehr informative Seiten:
http://www.transsib-tipps.de/reise-organisation/
http://www.transsibirische-eisenbahn.de/moskau-wladiwostok/

So eine 16-tägige Reise mit Reiseführung kann ich mir noch leisten und ich sehe wahrscheinlich mehr (aber nur im 4er Abteil!). Eine Unterbrechung der Bahnfahrt um Städte anzuschauen, ist für Einzelreisende doch ziemlich kompliziert, es müssen ja immer wieder neue Züge mit Schlafwagen gebucht werden. Dazu dann die Sprachschwierigkeiten. Außerdem brauche ich hierzu nicht unbedingt einen Reisepartner, was mit eventuell weiteren Problemen behaftet sein kann.

Hilfreich für weitere Interessenten ist folgendes Buch:
Transit Handbuch von Hans Engberding, Bodo Thöns, Drescher Verlag
Und Google bietet noch mehr:
www.google.ru/intl/ru/landing/transsip (R)
Über 150 Std. Film in immer 30-minütigen Portionen sind an die Karte des Streckenverlaufes angebunden, so dass man sich bei aufkommender Langeweile auch per Mausklick zwischen den interessantesten Passagen hin- und her zappen kann.

Wahrscheinlich wirst Du direkt auf Dein Mail direkte Anfragen bekommen, und das ist gut so.

Durch Deine Antwort habe ich gemerkt, dass ich ja keine direkten Antworten bekommen kann, da ich bei meinen Benutzerinfos keine Emailadresse freigegeben hatte, das habe ich jetzt geändert.
Dein Hinweis auf die Erben findet meine volle Zustimmung, nur ist das manchmal den Kindern nicht gut klar zu machen.

Freue Dich auf Deine tollen Reisemöglichkeiten mit Deinem Wohnmobil, lange ist Deine Wartezeit ja auch nicht mehr!

Ein gutes, friedliches und gesundes Neues Jahr wünscht allen
Kirsch

Ich würde die Reise machen! Mein Rat dazu:

Waldläufer @, Dienstag, 29.12.2015, 11:32 vor 3691 Tagen @ Kirsch 2063 Views

Suchen Sie sich einen Sprachkurs, z.B. Volkshochschule, und lernen Sie die wichtigsten Umgangsformen. Sie finden (auch mit keinem allzu großen Wortschatz) viel leichter Kontakt zu den Leuten im Zug und DAS erst macht so eine Reise wirklich wertvoll.
Und, Sprachkurse haben den großen Vorteil, die, die daran teilnehmen haben fast alle eine interessante Geschichte zu erzählen. Man kann nur lernen dabei und vielleicht findet sich ein Reisebegleiter oder einer der Tipps geben kann zu der Reise.

viele liebe Grüße Waldläufer

--
Ich mag das Wort schützen nicht. Es erinnert mich so an Schützengraben und an Schutzgeld.
(sinngemäß, geklaut von M. Burchardt)

Nur wenige wissen, wie viel man wissen muss, um zu wissen, wie wenig man weiß.
-Werner Heisenberg

@Kirsch: Vorsicht!

Leserzuschrift @, Dienstag, 29.12.2015, 19:16 vor 3690 Tagen @ Kirsch 2150 Views

Hallo @Kirsch.

Vorsicht! von wegen "sich leisten können".
Mit VISA z.B. hätte ich zwei mal fern der Heimat einige Tage ohne Geld verbracht, wären da keine Alternativen gewesen. In beiden Fällen technische Fehler von VISA. Wenn man keine größeren Reserven mitnehmen kann / will, dann empfiehlt sich eine vorherige Absprache in der Heimat bezügl. Western Union oder so, für den Notfall.
Musste ich loswerden.

Aber eigentlich möchte ich auf meinen bevorzugten Verlag für Reiseliteratur hinweisen. Also:

https://www.reise-know-how.de/produkte/sachbuch/transsib-moskau-peking-4160

https://www.reise-know-how.de/produkte/kauderwelsch-buch/russisch-wort-fuer-wort-plus-w...

https://www.reise-know-how.de/produkte/kulturschock/kulturschock-russland-download-pdf-...

Alles aus einer Hand.

Und so ganz aus dem Bauch heraus würde ich doch eine Pause "mitten im Nirgendwo" vorschlagen. Vertrauen Sie einfach auf weibliche Solidarität.

Gruß.
Rüdiger

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