Goldpreis Fundamentalanalyse - Versuche mich daran mal - COMEX Lager sind leer!

Piter @, Sonntag, 20.12.2015, 09:04 vor 3700 Tagen 5061 Views

bearbeitet von unbekannt, Sonntag, 20.12.2015, 15:18

Hallo,

auch auf die Gefahr hin, dass meine Analysen totaler Quatsch sind, versuche ich mich einmal an einer fairen Fundamentalanalyse, ohne Manipulation und mit einem Auge auf Ellis Welleninterpretation.

Das Hauptproblem sehe ich darin, dass die Goldbullen, die Nachfrageseite, welche zweifellos stark ist, als gegeben und feste Größe betrachten und nicht mit Dynamik rechnen können oder wollen. Darum rechnen sie uns immer wieder vor, dass doch die Nachfrage steigt, während das Angebot beständig fällt und der Preis darum steigen müsse.

Obwohl ich erst wieder seit Ende 2014, ganz vorsichtig, in Gold investiere, glaube ich auch langsam nicht mehr an die ewige Goldbullenprognose (Preise über 2.000 US$ in Kürze). Aber vielleicht ist das auch nur ein psychologischer Effekt, der am Ende eines so langen Bärenmarktes auftritt.

Darum weigere ich mich beständig, ohne Gold zu sein. Ein wenig Edelmetall (10-20%) muss sich in jedem Depot befinden.

Vorweg, ich gehöre zu der Fraktion, die beim Goldpreis um 1.000 US$ eine Möglichkeit für eine kurzfristige Bodenbildung sieht.

Fundamental: In diesem Jahr verschwanden an der COMEX 1 Mio. Unzen an physischem Gold. Weil JP-Morgan und/oder Citibank den Papiergoldmarkt unter ihre Kontrolle brachten.

Zurzeit sind bei der COMEX nur etwa 100.000 Unzen vorrätig, nach über 1 Mio. Unzen vor einem Jahr.

Die Analysten reden immer noch von hohen "Off-Exchange" Lagerbeständen. Also ich weiß nicht, ob man diese Lager mitzählen darf, da es doch eher langfristige Investitionen sind, wie Zollfreilager etc.

Die Frage: Kann sich ein Preis allein aus Papiergold Kontrakten bilden? Oder bestimmt das physische Angebot die Preise und die Papiergoldberge kopieren den nur und haben sonst keinen Einfluss?

Die physische Nachfrage ist zweifellos stark, vor allem aus China. Aber auch das Angebot durch die Goldminen ist weiterhin hoch. Viele Goldminen haben ihre Projekte, als Gold über 1.500 US$ lag, mit Kosten zwischen 900-1.200 US$ kalkuliert. Wegen der fallenden Ölpreise und Währungseffekte konnten sie die Kosten dann auf 700-1.000 US$ senken. Würde der Goldpreis auf 800 US$ fallen und dort mal ein Jahr bleiben, dann würden viele Minen dicht machen müssen.

Das würde den Preis dann wieder schnell auf 1.200-1.500 US$ bringen.

Die Alternative wäre, dass ELLI recht behält und Gold jetzt schon in Richtung 1.400 US$ springt, dann würden die Minen eine "Lebensverlängerung" bekommen und noch einmal einige Erweiterungsinvestitionen anschieben, welche die Goldkosten pro Unze weiter senken würden jedoch auch die Fördermenge erhöhen.

Das wäre dann langfristig möglicherweise wieder bearish.

Dann müsste der Goldpreis, irgendwann 2018 vielleicht, noch einmal deutlich unter 1.000 US$ fallen, um das Minenüberangebot zu beseitigen. Je länger der Goldpreis in den nächsten Monaten über 1.200 US$ verweilt, desto stärker würde dann der folgende Abverkauf. Vielleicht sogar auf 400-600 US$ pro Unze?

Das wäre dann das finale Bärenmarkttief, welches irgendwann zwischen 2018-2020 eintreten könnte.

Aber auch wiederum nicht so tief, dass Angebot und Nachfrage völlig aus dem Gleichgewicht geraten. Daher 400 US$ halte ich nur für möglich, wenn alle Goldinvestoren gezwungen würden zu verkaufen. Das wäre heute noch absolut unvorstellbar. Aber wenn eine Weltrezession herrscht, der DAX Index unter 4.000 fällt und alle jammern, dann könnten auch die sichersten Reserven aufgelöst werden.

Chinas Zentralbank würde es freuen, die würden dann wohl alles aufkaufen, was es gibt.

So etwa schaut meine aktuelle Interpretation aus.

Zwischenzeitlich darf aber beim QE nichts anbrennen. Die Welt dürfte ein langsames Wachstum haben, mit Schuldenabbau und Deflation, wahrscheinlich auch in den USA. Erst wenn das Wachstum dann so schwach wäre, dass sich die ZBs noch einmal finalen Aktion entschließen, so würde ein Mega-Welt-QE Programm, das Goldpreisniveau wieder anheben.

So ungefähr sieht meine Interpretation der Edelmetallmärkte aus.

Zum Trading:

Um 1.000 US$ Gold, 15 US$ Silber und 800 US$ Platin, kaufe ich jetzt ganz langsam zu. Aber bin auch durchaus bereit, nach kleinen Anstiegen (10-20%) wieder zu verkaufen. Sollte Gold unter 1.000 US$ fallen, erwarte ich einen schnellen und schmerzvollen Ausverkauf. Wobei wahrscheinlich das Niveau um 1.000 noch einige Monate lang getestet würde, um die Verwirrung zu stiften. Darum sollte man, wenn es unter 1.000 geht, nicht gleich alles rausschmeissen, sondern ein paar Wochen abwarten, ob nicht doch noch 1.050 wiederkommen...

Darum habe ich meinen aktuellen Trading-Stop bei 1.020 US$ platziert.

Geht es langsam aber sicher unter 1.000 erwarte ich, wie besprochen, einen finalen Ausverkauf bis ca. 800 US$. Weil dann auch die Minen wahrscheinlich um 900-1.000 US$ ihre Lagerbestände endgültig raushauen müssten, um ihr Überleben noch um ein weiteres Jahr zu verlängern.

Doch wäre ich bereit, bei 800 US$ auch wieder zu kaufen. Ginge der Preis vorher auf 1.400 US$, wäre ich nicht mehr bereit, bei 800 zu kaufen, weil dies m.E. den Leidensprozess verlängern würde.

Gruss
Piter

Armstrong: 'Jene die Gold zum Kauf empfehlen, leiden an schierem Irrsinn'

Apostroph @, Down Town (Switzerland), Sonntag, 20.12.2015, 09:29 vor 3700 Tagen @ Piter 4837 Views

http://www.armstrongeconomics.com/archives/40638

Ausschnitt davon zu Gold:

As this cycle materializes, we get the classic shift from PUBLIC to PRIVATE assets. During the German Hyperinflation, ALL tangible assets rise from real estate, stocks, to gold. It is not EXCLUSIVELY gold. The propaganda these people have filled the heads of the media and ruined so many novice investors is truly criminal. They have distorted events to suit their exclusive purpose to promote gold sales and some argue for money must be tangible and want to embrace a gold standard as if this has EVER worked even one time confusing people using gold coins with a fiat-type declaration that gold is worth $100,000 and ounce. Just pure insanity and so far off the mark it is beyond description. They should be handing out flowers in airports while chanting.

So weit (so gut) Original: Martin Armstrong.


Mit Gruss.

Apo'

--
"Wir können nicht alle Helden sein, weil ja irgendeiner am Bordstein stehen und klatschen muss, wenn sie vorüber schreiten."

W. Adair

Kurze Erwiderung ohne Anspruch auf Vollständigkeit

Michael Krause @, Sonntag, 20.12.2015, 10:37 vor 3700 Tagen @ Piter 4167 Views

bearbeitet von unbekannt, Sonntag, 20.12.2015, 10:47

1) Die Behauptung, COMEX könne nicht liefern, höre ich schon seit über 30 Jahren (so lange handele ich schon Gold). Wenn es soweit kommt, bitte Bescheid sagen.

2) Ich möchte hier nicht die Funktion von Terminmärkten erläutern, dass kann u.a. Paranoia besser. Frage: kannst Du Gold zum COMEX Preis (also ohne Aufgeld) kaufen? Märkte streben immer zu einem Gleichgewicht, wäre also der COMEX Markt nach unten manipuliert, würde so viel Nachfrage in den physischen Markt gehen, dass dort die Preise steigen. Ergo, ich sehe weder Manipulation noch Kapitualation der COMEX.

3) Gold wird, anders als andere Rohstoffe, nicht verbraucht. Die Minenproduktion ist also am Gesamtbestand zu messen und damit gering und als Preistreiber eher zu vernachlässigen. Ich sehe die Gefahr, dass diejenigen Staaten, die Gold akkumuliert haben und das waren u.a. die Ölförderer (Gold ist ein Hedge zum USD) irgendwann einmal ihr Gold verkaufen müssen/werden (firesales). Ob die USD 1000 halten? Schwer zu sagen, das Chartbild spricht dagegen und wenn solche psycholgisch wichtigen Marken erst einmal fallen, werden so schnell um 15% unterboten. Eine starke Nachfrage sehe ich nicht. In den EM Länder, die einen Großteil der Nachfrage ausmachen, werten die Währungen ab, Gold wird also in lokaler Währung sogar teurer. Die Goldhype in den Industriestaaten ist vorbei. Auf den Zusammenhang von Öl und Goldpreis hat schon FOX-NEWS hingewiesen, wobei auch gesagt werden muss, ein großer Förderpreisfaktor ist Energie und der fallende Ölpreis macht die Förderung preiswerter.

4) 10-20% Gold gehören in jedes Portfolio, da stimme ich zu. Gold wurde aber von den Weltuntergangspropheten als einzig Wahres verkauft, was Einige dazu veranlasst hat, mehr als 20% ihres Portfolios mit Gold auszustatten. Das sind jetzt die Leute die nervös werden.

5) Kann natürlich auch alles anders kommen, wer weiß das schon.

--
Das einzige Recht des Sklaven ist das Recht auf Arbeit und das darf man ihm nicht nehmen.

Auf die "Pleite" der COMEX können wir noch lange warten

FOX-NEWS @, fair and balanced, Sonntag, 20.12.2015, 16:11 vor 3700 Tagen @ Michael Krause 3455 Views

1) Die Behauptung, COMEX könne nicht liefern, höre ich schon seit über
30 Jahren (so lange handele ich schon Gold). Wenn es soweit kommt, bitte
Bescheid sagen.

Ich denke, die werden immer "liefern" können, da die Regeln notfalls angepasst werden. An der LME war auch mal Zinn(?) alle ... das wurde auch geregelt und die Welt drehte sich weiter.

2) Ich möchte hier nicht die Funktion von Terminmärkten erläutern, dass
kann u.a. Paranoia besser. Frage: kannst Du Gold zum COMEX Preis (also ohne
Aufgeld) kaufen? Märkte streben immer zu einem Gleichgewicht, wäre also
der COMEX Markt nach unten manipuliert, würde so viel Nachfrage in den
physischen Markt gehen, dass dort die Preise steigen. Ergo, ich sehe weder
Manipulation noch Kapitualation der COMEX.

Die Arbitrageure sorgen doch immer dafür, daß sich Termin- und Warenmärkte nicht zu weit von einander entfernen.

China und Indien mit ihrer Riesennachfrage sind nicht in der Lage, den Markt von dem zu räumen, was die Minen nachliefern. Daran wird sich struktuell nicht ändern, solange der Dollar steigt (AU, Yuan, Rupie fallen). Man sehen, ob den Großmeistern der Manipulation (CoL + NY) die Dinge in den nächsten Jahren nicht doch aus den Händen gleiten ... das würde alles verändern.

Grüße

--
[image]
** Keiner soll hungern ohne zu frieren! **

"Papiergoldmarkt" :)

paranoia @, Die durchschnittlichste Stadt im Norden, Sonntag, 20.12.2015, 16:58 vor 3700 Tagen @ Piter 3526 Views

bearbeitet von unbekannt, Montag, 09.05.2016, 19:34

Hallo Piter,

früher gab es zu Weihnachten Schokomünzen in goldgelbfarbener Metallfolie.
Daran muss ich bei dem Ausdruck "Papiergold" denken, nicht aber an die Comex.

Die Analysten reden immer noch von hohen "Off-Exchange" Lagerbeständen.
Also ich weiß nicht, ob man diese Lager mitzählen darf, da es doch eher
langfristige Investitionen sind, wie Zollfreilager etc.

Die Frage ist lediglich, was passiert, wenn die Leute, die Gold long an der Comex sind bei Kontraktfälligkeit ihren Broker benachrichtigen, dass sie physisch beliefert werden.

Meines Wissens findet die Abrechnung dann nach dem Modus "Gold gegen Lagerschein" statt.

Wie schnell lässt sich lieferfähiges Gold in die "Comex Warehouses" bringen?
Das wäre für mich das einzige Kriterium bei der Bestimmung des lieferfähigen Volumens. Zollfreilagerbestände würde ich nicht dazuzählen, weil ich vermute, dass der Import, der mit Verzollung verbunden ist, zu lange dauert.

Die Frage: Kann sich ein Preis allein aus Papiergold Kontrakten
bilden? Oder bestimmt das physische Angebot die Preise und die
Papiergoldberge kopieren den nur und haben sonst keinen Einfluss?

Goldpositionen an der Comex, und Du beziehst Dich ja wohl mehr auf die Longpositionen sind für mich kein Papiergold.

Papiergold sind für mich Goldansprüche mit zweifelhafter Erfüllbarkeit.
Dazu würde ich Goldkonten bei Banken mit physischer Auslieferungsmöglichkeit zählen oder vielleicht ETFs, die statt physischer Ware im Tresor Goldforderungen an Goldhändler halten und ähnliches.
Das ist aber nur meine Meinung.

Wer Gold physisch kaufen will, geht zum Goldhändler. Wer sich absichern will, nutzt die Comex.

Trotzdem braucht die Comex die physische Anbindung des Kontrakts, damit Futurepreis(e) und Kassapreis nicht auseinanderlaufen. Dafür sorgen Arbitrageure.

Hier ein bisschen zur Arbitrage:

http://www.dasgelbeforum.net/forum_entry.php?id=62125

Du findest von mir mit den Stichworten Gold und/oder Comex einiges im Forum.

Gruß
paranoia

--
Ich sage "Ja!" zu Alkohol und Hunden.

Was möchtest Du mit Deiner Analyse sagen?

Cheftrader @, Dienstag, 22.12.2015, 19:33 vor 3697 Tagen @ Piter 2312 Views

bearbeitet von unbekannt, Dienstag, 22.12.2015, 19:50

Hallo Piter,

ich habe jetzt Deine "Überlegungen zum Gold" dreimal gelesen, was willst Du eigentlich damit sagen. Die Sache mit den "Manipulationen" und den Comex Beständen sind ein alter Hut. Du musst Dich doch fragen, wer kauft denn Terminkontrakte, das sind einmal die physischen Markteilnehmer (Schmuckindustrie und Produzenten-Hedger), die Spekulanten machen eh ein Cash-Settlement, oder meinst Du China kauft Terminkontrakte und macht dann die COMEX blank? Und sind ein paar Unzen zu wenig da, dann werden halt dort die Spielregeln geändert, so wie in den 80ern bei den Hunt`s. Schon jetzt kann eine Belieferung mittels ETF (GLD und SLV beim Silber) erfolgen, oder in Cash.

Gold ist in 1.Linie Psychologie. Deine Preisannahmen sind deshalb auch ziemlich wahllos und bringen einen nicht wirklich weiter. Wie willst Du überhaupt in Gold investieren, physisch, Derivate oder wie? Außerdem musst Du die Währungsseite €/$ berücksichtigen.

Ich gehe schon seit geraumer Zeit von einem Neustart der Systeme aus, wir befinden uns in der finale Phase der Katastrofenhausse. Aktien, Anleihen, und vor allem die Derivateblase werden uns um die Ohren fliegen.

Obwohl ich seit 30 Jahren Börsenhändler bin, habe ich keinen Plan, wie man davon profitieren kann. Vielleicht gibt es ja hier einige Ideen.
Ich sehe Gold jedenfalls als etwas, das in der Neustartphase einiges erleichtern kann, mehr auch nicht. Obwohl in dieser Zeit eventuell Zigaretten, Schnaps, Zucker, Salz... noch wertvoller als Gold sein könnten.

Fazit:
Bei GOLD ist der Besitz entscheidend, nicht der Preis.

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