MRT für 50€ und Erfahrungen mit dem Gesundheitssystem in Italien
bearbeitet von modesto, Freitag, 18.12.2015, 12:12
Guten Tag allen Foristen und Lesern,
heute will ich mich diversen Erfahrungen der letzten Wochen im italienischen Gesundheitssystem anhand eines Beispiels widmen.
Vorab - es geht nicht um mich.
Die Patientin ist in Italien nicht krankenversichert, aber in Deutschland.
Von daher vielleicht interessant für Reisende.
Fall:
Fuß verstaucht, tennisballgroße Beule außen am Sprunggelenk, schwarzblau angelaufen innen und außen, extreme Schwellung innerhalb von Stunden, Schmerzen sehr groß.
Ich habe ihr Krücken gegeben, die ich noch hatte.
Notaufnahme:
Wir haben 6 Stunden gewartet an einem Sonntag, dann wurde der Fuß per Auge vom Doc begutachtet, Pappschiene dran und Termin für den nächsten Morgen - da sonntags die Fachärzte wie Orthopäde und Radiologe nicht anwesend sind.
Die Krankenkassenkarte wurde nicht verlangt, nur ein ausweisendes Dokument.
Keiner wollte Geld.
Montag:
Röntgen - nichts gebrochen, vermutete Bänderrisse und Verletzung der Kapsel, also Gips für 3 Wochen und Thrombosespritzen verordnet und ab nach Hause.
Keiner wollte Geld oder eine Versicherungskarte.
Wir haben dann im Internet einen gebrauchten Rollstuhl gefunden und erworben.
Ab zum Hausarzt (meinem), der mit der deutschen KV-Karte eine Überweisung ausstellte für die Abnahme des Gipses in 3 Wochen und die Kontrolluntersuchung, er stellte auch ein Kassenrezept aus für die Spritzen.
Seine Untersuchung lief ebenso über die deutsche KV-Karte.
Nach 3 Wochen
Termin im Krankenhaus - Gips ab, Untersuchung.
Hier wurde unten ein sogenanntes Ticket bezahlt von 32€ - die Selbstbeteiligung auch für Italiener.
Unsere Frage, ob man einen Ultraschall oder ein MRT haben könne, weil die Schwellung zwar zurückgegangen war, aber die schwarzen Blutergüsse teils noch da seien und ein Auftreten auch nach 3 Wochen nicht im Ansatz klappte:
Nein, das müsse jetzt heilen, sie könne einfach laufen und wenn dann in einem Monat noch Beschwerden da wären, könne man einen Ultraschall machen.
Eine selbst mitgebrachte Laufschiene zur Stabilisierung, (Aircraft hatten sie im Sanitätshaus da), wurde angelegt auf Wunsch der Patientin, sei aber nicht nötig. Das hat uns sehr gewundert..
MRT
Weil sie dem Braten nicht ganz traute, haben wir angerufen in einer radiologischen Praxis und nach einem MRT gefragt.
Und nun kommts.
Sie bekam sofort einen Termin und das MRT Fuß kostete sie 50 Euro.
Es gab eine CD und einen Arztbericht dazu.
Wir haben nach weiteren Preisen gefragt - z.B. HWS 90 Euro, das wäre das Teuerste.
..
Fazit:
Man wartet lange in der Notaufnahme, aber da habe ich mir aus meiner ehemaligen Heimat Deutschland Ähnliches berichten lassen.
Am Sonntag gibt es im KH keine Spezialisten.
Mit Geld geht alles ganz schnell, aber auch ohne wird man im KH unbürokratisch versorgt.
Leistungen, die in Deutschland teils schweineteuer sind - wie hier das MRT - sind hier spottbillig. Das hat mich gewundert - und erfreut.
Hilfsmittel wie Krücken, Rollstuhl, Orthesen sind eher unüblich.
Wir haben zusammen 11(!) Sanitätshäuser (Parafarmacia) angefahren, bis wir eine Schiene gefunden hatten.
Ein Deuserband hatte übrigens keines, sie wussten nicht einmal, was wir meinten (Trainig der Beine gegen den Muskelschwund bei Gips).
In Deutschland, so habe ich gefunden, kommt das italienische Modell des Selbstzahlers wohl auch in Mode.
Meine Recherchen ergaben, dass man heute schon wie in Italia auch als Selbstzahler zu einem schnellen Termin gelangt.
http://www.mdr.de/fakt/fakt-selbstzahlersprechstunde100.html
Wünsche allen einen schönen Freitag und einen geruhsamen Advent!
modesto
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