Video-Hinweis: "Frankfurt Euro Finance Week"
Guten Morgen,
anbei ein ein Video-Mitschnitt aus der Podiumsdiskussion der "Frankfurt Euro Finance Week",
aufgegabelt auf den Cashkurs-Seiten.
https://www.youtube.com/watch?v=28lOEXD1eeI
Axel Weber, der mir bis jetzt mit merkwürdigen Aussagen und noch denkwürdigerem Lebenslauf in Erinnerung ist, macht in dem Video ein paar interessante Aussagen hinsichtlich der (Un)-Wirksamkeit
der Nullzinspolitik und die Erfahrungen in der Schweiz.
In Erinnerung bleiben die Aussagen von ihm aus dem Jahr 2007 ("Das Engagement deutscher Kreditinstitute am amerikanischen Immobilienmarkt ist überschaubar und insgesamt begrenzt. Es konzentriert sich auf Anlagen mit hoher Bonität").
Auch Anspielungen auf die Bedenken der Deutschen hinsichtlich der Rettungspolitik, bezeichnend „perverse Angst“ blieben nicht aus. Aber vielleicht stand das so in irgendeinem Drehbuch und er musste das sagen.
Als er von der Bundesbank zurücktrat, durfte er erstmal ein Jahr über den Atlantik und an der University von Chicago unterrichten. (nebenbei: wurde auch "Rockefeller University" genannt, man könnte auch "Standard Oil University" frotzeln...). Danach ging es mit einem 4-Millionen Franken-Begrüßung-Scheck zur UBS.
Nun aber zum Video:
Grundaussage 1.) Negativzinsen + Deflation führen zur vermehrten Geldhortung, da Bargeld eine positive Realrendite erwartet
Grundaussage 2.) Das absolute Zinsniveau hat Währungspolitisch keinen Aussagewert. Entscheidend sind nur die relative Differenzen.
Grundaussage 3.) "Strafzinsen" führen bei relativer Verhandlungsmacht der Banken in einer bestimmten Produktsorte zu höheren Zinsen - hier (in der Schweiz) zu höheren (!) Hypotheken-Zinsen. Da der Immobilien-Markt als "alternativloser Investment-Fluchtort" des Hamsterradlers boomt, nehmen die Kunden auch leicht höhere Zinsen in Kauf. Die Banken holen sich dort die anderswo verlorenen Margen zurück, was mittelfristig den Immo-Markt "stabilisiert" oder leicht bremst und zu einem Paradox führt.
Im Prinzip sieht er Währungspolitisch (!) keinen Ausweg aus dem Desaster.
"Seit 30 Jahren sinkende Zinssätze und ich sehe keine Anhaltspunkt warum sich das ändern sollte"
(Minute 41)
Sollte es aber so weitergehen (und er sieht ja keine Wende), würde das die Leute ins Bargeld treiben und dann müsste man wie Kenneth Rogoff fordert Bargeld abschaffen. Er redet nur von "unabsehbaren" Folgen... meint damit aber wohl die Tatsache, dass man den Leuten kaum noch die Geschichte vom freien Leben in der freien Marktwirtschaft verklickern kann, wenn die Banken dann bei "Digital-Geld" einfach die Strafzinsen direkt an den Michel weitergeben.
Soweit so gut, und dann kommt die Chicago-Boy-Denke zum Vorschein:
Die ganze Finanz-und Währungspolitische Maßnahmen sind Quatsch wenn nicht vorher (!) schon
"Strukturreformen" wirksam werden. Das Desaster sehe man an Japan. Soweit bin ich einverstanden. Es fehle an "Offenheit" am Arbeitsmarkt und an Frauen im Arbeitsmarkt
. (Min 43)
Lustig auch Herr Ulrich Kader, der meint die ganzen Instrumente seien ja auch Neuland für die Zentralbanken...
(Min 49)...
Viel Spaß beim anschauen.
Gruß
Martino