Hallo Langmut,
Jean Baudrillard hat in seinen Büchern Amerika und Die Konsumgesellschaft die Situation beschrieben: Die durch den Mord an den Indianern freigesetzte Energie überstrahlt nicht nur Amerika, sondern imperial die ganze Welt. Auch die dortige Vernichtung des Geschichtlichen, Sozialen und Partikularen findet ihre Fortsetzung weltweit. Die „Revolution des Überflusses“ in der modernen Konsumgesellschaft führt nach Baudrillard nicht zu einer gerechteren Gesellschaft, sondern zu einem neuen System symbolischer Hierarchien und globaler Herrschaft. Die Globalisierung beruht, wie früher der Kolonialismus, auf einer ungeheuren Gewalt. Zitat Baudrillard aus dem Jahr 1984:
»Im Grunde sind die Vereinigten Staaten mit ihrem Raum, ihrem technologischen Raffinement, ihrem brutalen guten Gewissen einschließlich der Räume, die sie der Simulation öffnen, die einzige aktuelle primitive Gesellschaft. Und es ist faszinierend, sie als die primitive Gesellschaft der Zukunft, als die der Komplexität, der Gemischtheit und der größten Promiskuität zu durchreisen, als die eines raubtierhaften, aber in seiner oberflächlichen Buntheit schönen Rituals, einer psychischen und sozialen Ausrottung der Negativität, einer totalen metasozialen Tatsache mit unvorhersehbaren Folgen, deren Immanenz uns staunen macht, die aber keine Vergangenheit hat, in der sie sich spiegeln könnte, die also zutiefst primitiv ist...«
Die europäischen Staaten sind nur Länder, Amerika ist eine visionäre und utopische Idee, und für ihn ein „Paradies“: „Mag es auch beklagenswert, monoton und oberflächlich sein, es gibt kein anderes.“
Für mich geht es nur um die Frage, welche individuellen Antworten ich auf diese unvermeidbaren evolutionären Abläufe habe.
Gruß Ostfriese