Hallo Durran,
mir hat man immer erzählt, dass für die Studienzulassung ein längerer Ehrendienst quasi erforderlich wäre. Dann, ausgerechnet beim DDR-Jurastudium, bekam ich mit, dass ein guter Teil der Jurastudenten, unter denen auch NVA- und Polizeioffiziere waren (das habe ich dann im Westen, an der FU Berlin auch erlebt - da waren auch Studenten, die bei Polizei, Finanzämter und Bundeswehr angestellt waren) ungedient waren.
Es galt Wehrpflicht, und es gab keinen Wehrersatzdienst (wie bis vor Kurzem mit Zivil- oder Gedenkdienst), sondern nur alternativ den Dienst ohne Waffe als sogenannter Spatensoldat (versetzt mit viel Schikanen).
Den Wehrdienst konnte man wie Du sagst bei der Volksarmee ableisten:
Natürlich gab es zunächst die regulären Streitkräfte der DDR. Das war
die Nationale Volksarmee.
oder bei der Bereitschaftspolizei:
Dann hatten wir sozusagen als Ersatzarmee die Bereitschaftspolizei,
ebenfalls mit Wehrdienstpflichtigen besetzt.
oder bei den Grenztruppen (GT) oder bei einem speziellen der 3 Wachregimentern, von denen 2 im wesentlichen sogenannte militärische OPbjeksicherung betrieben (der Dienst als MOS-Soldaten war, neben dem in der Luftraumüberwachung und dem Grenzdienst, der physisch anstrengenste).
So etwas erzählt auch Zweistein, aber eine Wahl kannte ich nicht:
Dazu kamen die Grenztruppen, ebenfalls mit Wehrplichtigen besetzt. Ab den
achtzigern allerdings meist mit freiwilligen Wehrplichtigen besetzt.
War 3 Jahre bei den Grenztruppen, wo ich niemals nicht hin wollte, weil das bekanntlich gefährlich war (und ich definitiv keinen Menschen erschießen wollte, nur weil der nicht in der DDR bleiben wollte - was man aber unbedingt für sich behalten musste, weil es als Verrat am Eid ausgelegt und bestraft werden konnte), aber ich hatte nie gehört, dass man den Dienst dort ablehnen könne. Vielleicht hat man es mir nur nicht gesagt?
(Mich hatte man erst ausgemustert, und dann einfach zu den GT gezogen, weil mein behandelnder Arzt nicht da war (war für längere Zeit in die Provinz versetzt) und die rote Socke von Oberarzt in der Charite meinte kein Attest ausstellen zu können. Dann hat man mir Schonposten versprochen und mich einfach regulär eingezogen (und 2 Wochen vor der Entlassung in der abschließenden med. Untersuchung mitgeteilt, dass ich hätte nie gezogen werden dürfen - dumm gelaufen).
Keiner sagte mir, dass ich da eine Wahl hätte. Das habe ich auch bei andern Jungs und betroffenen Familien nie so gehört. Und auch bei den GT habe ich in den Mengen, die ich kennenlernte (und man hatte viel Zeit für Erzählungen), der sich das aussuchen konnte. Die waren alle ohne Wahlmöglichkeit dorthin eingezogen worden, und wollten das ganz überwiegend nicht. Das wurde von den meisten Wehrdienstleistenden bei den GT immer wieder betont, dass man es nicht gewollt hatte, aber einfach dafür verpflichtet worden war (es gab ja auch das Gerücht, dass die Leute dort politisch besonders zuverlässig gewesen sein sollen, aber das ist aus meiner Sicht totaler Blödsinn - die Truppen nahmen alles, was sie bekamen und ich traf dort sehr, sehr viel Ablehnung von Partei und Staat, wie man sich vorsichtig zeigte).
Man konnte als Wehrpflichtiger also 1 1/2 Jahre dienen (SaZ, für die wenigen Leute, die in Russland studierten, waren es sogar nur 9 oder 12 Monate), oder 3 Jahre als Unteroffizier auf Zeit (UaZ), oder 4 Jahre als Offizier auf Zeit (das war lang, aber sehr lukrativ). Darüber hinaus wurde stetig aggressiv Berufssoldaten geworben: 25 Jahre Offizier (OaZ), 10 Jahre als Berufsunteroffizier (Buffi, zzgl. ein paar wenige Fähnrichen, die immer wieder verlängerten) - und da wurden oft die angeworben worden, die Defizite hatten und woanders nicht zurecht kamen. Es galt nicht attraktiv beruflich bei der Armee zu arbeiten, auch wenn extrem gut bezahlt wurde, es für Berufssoldaten leichter Wohnungen und Kfz gab usw.
In der Grenzkompanie waren ganz überwiegend Wehrpflichtige, aber auch etliche Berufssoldaten. Das war überall so, also auch bei NVA und den Wachregimentern - von denen eines dem MfS zugeordnet war.
Dann gab es noch die Kampftruppen. Diese meist betrieblichen
Verteidigungstruppen gab es auch noch. Die wären dann kurzfristig
ebenfalls kampfbereit gewesen.
Kannte etliche, die sich da hatten dafür "bequatschen" lassen, und etliche fanden es sogar ganz gut.
Dazu noch die GST, eine paramilitärische Organisation.
Viele Sportarten mit Geräten, wie bei mir Tauchen, konnte man nur als GST-Mitglied machen. Auch Segelfliegen, Fallschirmspringen, Modellsportarten usw. gab es nur in der GST (Gesellschaft für Sport und Technik). Die sportarten wurden viel für vormilitärische Ausbildung benutzt. Es waren aber nicht viele GST-Mitglieder. Und doch haben viele mal in GST-Uniformen gesteckt. Im Wehrerziehungslagern Ende 9. Klasse (Mädchen machte Zivilschutzausbildungen in der Schule und nur Studentinnen mussten in Ausbildungslager) und in der Berufsausbildung oder am Gymnasium (EOS).
Des weiteren unterstanden alle Soldaten der Reservistenpflicht.
Und die "Resis" wurden auch t. w. gezogen und auch eingesetzt (aber bei weitem nicht wie in z. B. Israel).
Studenten wurden zu Reserveoffizieren ausgebildet (das war schon im alten Preußen ähnlich, und ist auch international oft so).
Damit nicht genug. In den Schulen gab es militärische Schulungen.
Das hier kann ich nicht teilen:
Schießübungen waren als Schulabschluß erforderlich.
Alle Jungs, die gesund waren, waren in den Wehrausbildungslagern . Dort wurde u. a. auch ein wenig geschossen (auch bei der Armee wurde auf Grund Miunitionsmangel nicht viel geschossen - ganz anders, als bei den Russen, die Munition Mützenweise bekamen), aber Schießen war kein Gegenstand von schulischen Prüfungen und war natürlich nicht auf dem Zeugnis verzeichnet.
Geschossen wurde keinesfalls mit Kalaschnikow, sondern mit kleinen, leichten Nachbildungen mit KK-Munition (geile Teile, aber auch sehr störanfällig).
https://de.wikipedia.org/wiki/KK-MPi_69
In die Kasernen wurden auch Schüler eingeladen, die dann auch entladene Waffen anfassen durften. Aber das waren Ausnahmen, und nicht die Regel.
Das stimmt also leider nicht:
Jeder hatte mit 16
Jahren eine Kalaschinkov in der Hand und hat auch damit geschossen.
Also wenn, dann hatten nur die Jungs Schießübungen mit dem kleinen KK-Knarren, und das waren keine Kalaschnikows. Die anderen schossen mit dem Luftgewehr (auch jüngere Schüler bei Hans-Beimler-Übungen - quasi Wandertage mit Übungen am Seil, Verbandsanlegen, Personenbergen, Kompass- und Kartenlesen...).
Die Kalaschnikow hatte man erst im Wehrdienst in der Hand ("Dienst an der Waffe").
Das Folgende waren die o. g. KK-Dinger:
Während der Berufsausbildung war Wehrunterricht mit scharfer Waffe
Pflicht.
Noch was zu @Luna: Ab 87 wurde auf Grund Personalknappheit (die Grenzeinheiten waren oft nur zu 75 % besetzt) die Grundausbildung bei den GT auf ein viertel Jahr verknappt (weiß das auch genau, weil ich es geschafft hatte, mich in die Ausbildung versetzen zu lassen).
Dem kann ich nur hinsichtlich der Ausbildung zustimmen, denn es hat ja kaum einer Waffen oder militärische Ausrüstungen in Besitz, was eigentliches Gerüstetsein bedeutet (wobei es ja da auch noch die Rüstfeste der Kirchen gibt
):
Man kann also resümieren. Die DDR Bürger Ü40 sind gerüstet.
Viele andere waren in der: https://de.wikipedia.org/wiki/Zivilverteidigung organisiert.
Beim Bau von Neubaugebieten und Neubauschulen, waren übrigens auch Überlegungen bedacht worden, wie man Atomschläge etwas besser trotzen könnte. Man, ein Glück, dass nichts passiert ist.
Siehe auch: http://www.ddr-wissen.de/wiki/ddr.pl?Wehrpflicht
Viele freundliche Grüße
azur
--
ENJOY WEALTH
(Groß-Leucht-Reklame am Gebäude Lehmann-Brothers/NY)
Meide das Destruktive - suche das Konstruktive.