Platon über die Organisation v. Menschenmassen u. Eigentum, in einer Abhandlung über günstige Staats- u. Verfassungmodelle

azur @, Freitag, 27.11.2015, 01:49 vor 3722 Tagen 3109 Views

bearbeitet von unbekannt, Freitag, 27.11.2015, 02:01

Hallo allen,

der angepriesene Wiki-Artikel ist lang, aber lohnt für alle Staatskritiker und jene, die sich Gedanken darüber machen, wie das Leben in Gemeinschaften gestaltet sein sollte.

"Die Nomoi (altgriechisch Νόμοι Nómoi 'nÉ”mɔɪ̯, lateinisch Leges, deutsch Die Gesetze) sind ein in Dialogform verfasstes Spätwerk des griechischen Philosophen Platon. Das fiktive, literarisch gestaltete Gespräch über Staatstheorie ist Platons umfangreichste Schrift. An der Diskussion sind drei alte Männer beteiligt: der Kreter Kleinias, der Spartaner Megillos und ein Athener, dessen Name nicht genannt wird.

Das Thema des Dialogs ist die Suche nach der bestmöglichen Staatsverfassung und deren Ausgestaltung im Detail. Zunächst werden Zielsetzung und Prinzipien einer umsichtigen Gesetzgebung besprochen und historische Beispiele herangezogen, dann wendet sich das Gespräch konkreten Einzelheiten der Beschaffenheit eines optimal eingerichteten Staates zu. Es wird erörtert, unter welchen Voraussetzungen ein solcher Staat entstehen könnte und wie das Zusammenleben seiner Bürger zu regeln wäre. Angestrebt wird diejenige Verfassung, die den Bürgern dauerhaft die günstigsten Lebensverhältnisse gewährleistet. Die aretḗ (Tüchtigkeit, Tugend) der Bürger ist das Staatsziel, dem alles untergeordnet wird.

Kleinias gehört einem Gremium seiner Heimatstadt Knossos an, das die Gründung einer neuen Siedlung auf Kreta vorbereitet. Dieses Projekt nehmen die drei Staatstheoretiker zum Anlass, auf einer Wanderung gemeinsam das Modell eines idealen Stadtstaats auszuarbeiten, wobei der Athener alle wesentlichen Ideen beisteuert. In ihrem Entwurf legen sie neben allgemeinen Grundsätzen auch eine Fülle von Einzelheiten fest. Sie konzipieren detaillierte Vorschriften, um dem neuen Gemeinwesen eine stabile Basis zu verschaffen. Eine Hauptaufgabe der Gesetzgebung sehen sie darin, sozialen Verfallserscheinungen und einem Niedergang der staatlichen Gemeinschaft vorzubeugen. Besondere Aufmerksamkeit widmen sie der Organisation einer sorgfältigen Erziehung der Jugend."

https://de.wikipedia.org/wiki/Nomoi * (unten zur Rolle des Privateigentums, sowie zu Gold- und Devisen)

Merkwürdig dabei [[zwinker]] : "Der erste Schritt ist die Wahl der Staatsform. Tyrannische Willkürherrschaft scheidet von vornherein aus. In Betracht kommen Demokratie, Oligarchie, Aristokratie und Monarchie. Sie alle sind aber einseitig und daher mangelhaft, denn sie dienen nicht dem Ganzen,"

Dazu sei noch einmal verwiesen auf: https://de.wikipedia.org/wiki/Verfassungskreislauf
"Es baut auf der aristotelischen Klassifikation der antiken Verfassungen auf und unterstellt, dass es einen zwingenden Verfallsprozess gibt, in dessen Folge die verschiedenen Verfassungen zyklisch aufeinander folgen. Dabei spielt, so die dem Modell zugrunde liegende These, das Phänomen der Dekadenz eine zentrale Rolle: Der Verfall der Tugenden innerhalb der Stadtstaaten, etwa in Gestalt einer nachlassenden Orientierung am Gemeinwohl, sei dafür verantwortlich, dass vormals gute und gerechte Verfassungsordnungen korrumpiert und durch despotische Regierungen ersetzt würden. An deren Stelle folge nach einer Phase des Chaos, der Unzufriedenheit und der Machtkämpfe die jeweils nächste Phase des Verfassungskreislaufs."

Ausgehend von dem Ideal des selbstbestimmten freien Lebens, in dem möglichst alle Betroffene Entscheidungen mit beeinflussen können, ist der Entwurf eine Zumutung. Aber er enthält stichpunktartig Dinge, die für entscheidend erachtet wurden, eine Gemeinschaft zu organisieren und stabil zu "unterhalten".

(ein Staat hätte demnach ca. 25.000 Einwohner, wenn man Frauen, Kinder, Bedienstete usw. dazu zählt)

Hilfreich dafür ist auch die Kenntnis von der "kleinsten Zelle" im antiken Griechenland: https://de.wikipedia.org/wiki/Oikos

Zurück zu Platon. Hierüber las ich unlängst: "Platon hatte die Vorstellung, daß die Redekunst, die Rhetorik, in all ihrer Macht das Publikum zu beeinflussen in den Dienst der Wahrheit gestellt werden sollte, weil die Rede Seelenführung der Zuhörer sei. Dies erfordert pädagogisches Ethos. Eine Rhetorik ohne Philosophie ist wertlos. Oder eben Rattenfängerei."
Object B (im Blog von DA)

Der empfohlene Text über den angeblich idealen Staat, ist nicht umsonst in allen Jahrhunderten seitdem rezipiert und diskutiert worden, und auch hier teilweise zitiert worden.

Volltext: http://www.opera-platonis.de/Nomoi.html

Viele freundliche Grüße

azur


* Auch über die Tücken des Privateigentum wird nachgedacht:

"Jeder soll bestrebt sein, anderen und besonders der Jugend Vorbild zu sein, denn Vorbildhaftigkeit ist die beste Erziehung. Daher hat der Gesetzgeber nicht die Jungen zu mahnen und zurechtzuweisen, sondern die Älteren, denn an deren gutem oder schlechtem Vorbild orientiert sich die Jugend. Hinsichtlich der leiblichen Güter zeigt sich der Wert des Maßhaltens besonders beim Vererben. Man soll den Kindern keine Reichtümer hinterlassen, denn großer Besitz verdirbt den Charakter und lockt Schmeichler an; doch soll man die Nachkommen auch nicht in Armut zurücklassen, denn sonst droht ihnen das Abgleiten in Knechtschaft. Besonders verdienstlich ist aktiver Widerstand gegen Unrecht. Heilig sind die Verpflichtungen gegenüber den Fremden und besonders das Asylrecht,

Ausführlich geht der fiktive Redner in seiner Ansprache an die Siedler auf das Verhältnis von Lust, Schmerz und Begierden ein. Er versucht ihnen begreiflich zu machen, dass das Leben des Einsichtigen, Besonnenen und Tapferen lustvoller sei als das des Unverständigen, Zügellosen und Feigen. Der Unverständige könne zwar heftigere Lust erleben als der Besonnene, doch überwiege in seinem Leben insgesamt das Schmerzvolle...

Da Stabilität der gesamten Verhältnisse angestrebt wird, darf die Stadt nicht wachsen, sondern die Zahl der Haushalte ist konstant zu halten. Die Bürgerschaft soll so groß sein, dass sie einerseits die Verteidigung des Staates gegen äußere Feinde gewährleisten kann und andererseits das vorhandene fruchtbare Land zu ihrer Ernährung ausreicht. Unter diesen Gesichtspunkten findet der Athener eine Anzahl von 5040 Haushalten optimal. Unter ihnen wird die nutzbare Fläche aufgeteilt.[41]

Hinsichtlich der Frage, was Gemeinschafts- und was Privatbesitz sein soll, kommen verschiedene Modelle in Betracht. Bei dieser Entscheidung hat der Gesetzgeber zu beachten, dass das theoretisch Bessere nicht immer umsetzbar ist. Aus pragmatischen Erwägungen kann er sich gezwungen sehen, auf die beste Option zu verzichten. Je nach den Umständen muss er sich nötigenfalls für die zweit- oder drittbeste Lösung entscheiden. Da die Bürgerschaft eine Einheit bilden soll, gleichsam einen Organismus, wäre das Beste die radikale Abschaffung des Privateigentums. Sie wäre so konsequent durchzuführen, dass nicht nur sämtliche materiellen Güter verstaatlicht werden, sondern auch die Familie als Privatsphäre und „Besitz“ des Familienvaters aufgelöst wird. In diesem Modell wird sogar die Exklusivität der ehelichen Bindung aufgehoben, und die Kinder sind nicht von ihren Eltern aufzuziehen, sondern die Erziehung obliegt der Bürgergemeinschaft. Das hält der Athener für vollkommene Lebensverhältnisse, doch sieht er ein, dass ein solches Modell utopisch Die zweitbeste Lösung nimmt den Privatbesitz an Grund und Boden mit erheblichen Einschränkungen in Kauf. Immerhin soll bei den Grundbesitzern das Bewusstsein einer starken Sozialbindung des Eigentums kultiviert werden. Das Los entscheidet, welche Familie welchen Landbesitz erhält. Jede Familie hat das ihr zugewiesene Land zu behalten, der Verkauf von Immobilien ist verboten. Damit die Zahl der Haushalte konstant bleibt, darf eine Wohnstätte nur an einen der Söhne des Besitzers, den er auswählen kann, vererbt werden. Die Töchter treten durch Heirat in andere Familien ein, überzählige Söhne werden von Bürgern ohne männliche Nachkommen als Erben eingesetzt oder als Kolonisten in die Ferne entsandt. Außerdem kommen Mittel der Familienplanung zum Einsatz, wenn die Bevölkerung zu wachsen droht oder wegen Seuchen oder Kriegen schrumpft. Die Stadt hat keine konvertible Währung, Devisenbesitz ist untersagt, ebenso Besitz von Gold und Silber sowie Kreditgeschäfte. Für Reisen bekommt man die benötigten Devisen vom Staat zugewiesen. Bei der Verheiratung von Töchtern ist jede Mitgift verboten.[43]

Als zentrales Anliegen des Gesetzgebers hebt der Athener das Ziel hervor, dass die Bürger miteinander so befreundet wie möglich sein sollen. Daher muss Rechtsstreitigkeiten, die sich meist an Eigentumsfragen entzünden, möglichst vorgebeugt werden Damit es zu keinen inneren Konflikten kommt, ist soziale Ungleichheit nur innerhalb eines festgelegten engen Rahmens tolerierbar:
Die reichsten Bürger dürfen neben ihrem Landlos bewegliche Güter bis zum vierfachen Wert eines Landloses besitzen, also insgesamt maximal das Fünffache des vom Staat garantierten Existenzminimums ihrer ärmsten Mitbürger, die außer dem Landlos nichts haben.[45] Auch dabei soll ausschließlich der Gesichtspunkt maßgeblich sein, wie man als Bürger ein guter Mensch wird. Diesem Ziel wird alles untergeordnet. Der Staat und der Besitz der Staatsbürgerschaft sind keine Selbstzwecke, sondern Mittel zur Erlangung der Tugend. Sollte der Staat trotz aller Bemühungen des Gesetzgebers und der Gesetzeswächter eines Tages korrumpiert werden und seine Bürger schlechter statt besser machen, so ist notfalls Auswanderung geboten.

Leitlinien für die Familiengründung und das Leben der Frauen..."

--
ENJOY WEALTH
(Groß-Leucht-Reklame am Gebäude Lehmann-Brothers/NY)

Meide das Destruktive - suche das Konstruktive.

Masterplan der NWO

Mercury @, Freitag, 27.11.2015, 08:25 vor 3722 Tagen @ azur 2235 Views

Hallo Azur,

immer wieder beeindruckend, welch interessante Splitter du ausgräbst. Einmal mehr Dank dafür.

Das betrifft die UN-Studie ebenso wie die "Platon-Papers". Ich bin entsetzt, dass die sich schon damals so sicher waren, um den Plan zur Bewirtschaftung ihrer Untertanenschafe so deutlich auszusprechen! [[ironie]]

Gruß

Mercury

--
„Meine Arbeit ist ein Versuch, mit großer Traurigkeit die Tatsache der westlichen Kultur zu akzeptieren." Ivan Illich

Werbung

Wandere aus, solange es noch geht.