Abe: Jährlich drei Prozent mehr Mindestlohn nutzen Japans Konjunktur

Beo2 @, NRW Witten, Mittwoch, 25.11.2015, 13:25 vor 3724 Tagen 2979 Views

bearbeitet von unbekannt, Mittwoch, 25.11.2015, 13:33

Teil der Regierungsstrategie für mehr Wirtschaftswachstum:
https://de.nachrichten.yahoo.com/abe-jährlich-drei-prozent-mehr-mindestlohn-nutzen-japa...

Es scheint mir, dass der Abe der erste westliche Politiker sein wird, der etwas sehr wichtiges begriffen hat:

Japans Wirtschaft ist im dritten Quartal erneut in die Rezession gerutscht, was vor allem an einem Rückgang der Unternehmensinvestitionen lag. Es ist die zweite Rezession seit dem Amtsantritt von Abe vor knapp drei Jahren. Auch 2014 war die Wirtschaft im zweiten und dritten Quartal geschrumpft.
Japans Ministerpräsident Shinzo Abe hat sich für eine jährliche Anhebung des Mindestlohns um drei Prozent angesprochen, um die Wirtschaft des Landes anzukurbeln. "Wir müssen dafür sorgen, dass der Mindestlohn jedes Jahr um drei Prozent steigt", sagte Abe ...

Die Unternehmen halten Lohnerhöhungen jedoch wegen des Preisdrucks von Seiten der Kunden für schwierig.

Das ist natürlich Unsinn und die übliche wohlkalkulierte Angstmacherei, denn die Mindestlöhner bzw. Beschäftigte sind zugleich die Kunden. Mit mehr Kaufkraft in der Hand können sie auch mehr oder teuerer einkaufen.

Jetzt sollte der Abe noch dafür sorgen, dass auch die Altersrenten und das Kindergeld jährlich um 3% steigen. Eine wachsende Binnennachfrage und mehr Kinder sind ihm sicher.

Abe hat daher Steuersenkungen in Aussicht gestellt, um den Wettbewerb mit der ausländischen Konkurrenz zu erleichtern.

Hier würde ich empfehlen, den Freibetrag auf die Lohn-/Einkommensteuer deutlich zu erhöhen .. und den Rest so belassen, wie es ist.

Der Mindestlohn ist in Japan nicht landesweit gleich, im Durchschnitt beträgt er 798 Yen (6,10 Euro) pro Stunde. Nach Angaben des Ministers für die Belebung der Wirtschaft, Akira Amari, stebt der Regierungschef einen Anstieg auf 1000 Yen in den nächsten zehn Jahren an.

Das Motor jeglicher Konjunktur ist die sich aufwärts drehende Lohn-/Rente-Preis-Spirale, "AUFwärts" wohlgemerkt, nicht "ABwärts"!

Übrigens, Japan ist das Land mit der mit Abstand höchsten Staatsverschuldung der Welt von ca. 230% des BIP (oder mittlerweile noch mehr). Da hat wohl der Abe langsam kalte Füße und eine Düsenklemme bekommen.
http://www.laenderdaten.de/wirtschaft/staatsverschuldung.aspx

Mit Gruß, Beo2

Keynesiotische Wirtschaftstheologie

Zarathustra, Mittwoch, 25.11.2015, 14:56 vor 3724 Tagen @ Beo2 2549 Views

Teil der Regierungsstrategie für mehr Wirtschaftswachstum:

https://de.nachrichten.yahoo.com/abe-jährlich-drei-prozent-mehr-mindestlohn-nutzen-japa...

Es scheint mir, dass der Abe der erste westliche Politiker sein wird, der
etwas sehr wichtiges begriffen hat:

Japans Wirtschaft ist im dritten Quartal erneut in die Rezession

gerutscht, was vor allem an einem Rückgang der Unternehmensinvestitionen
lag. Es ist die zweite Rezession seit dem Amtsantritt von Abe vor knapp
drei Jahren. Auch 2014 war die Wirtschaft im zweiten und dritten Quartal
geschrumpft.

Japans Ministerpräsident Shinzo Abe hat sich für eine jährliche

Anhebung des Mindestlohns um drei Prozent angesprochen, um die Wirtschaft
des Landes anzukurbeln.[/u] "Wir müssen dafür sorgen, dass der
Mindestlohn jedes Jahr um drei Prozent steigt", sagte Abe ...

Die Unternehmen halten Lohnerhöhungen jedoch wegen des Preisdrucks von

Seiten der Kunden für schwierig.

Das ist natürlich Unsinn und die übliche wohlkalkulierte Angstmacherei,
denn die Mindestlöhner bzw. Beschäftigte sind zugleich die Kunden. Mit
mehr Kaufkraft in der Hand können sie auch mehr oder teuerer einkaufen.

Na klar! Noch besser: Einfach die Löhne jährlich um 10 Prozent anheben und schon brummt die Wirtschaft auch alljährlich.

Eso-Gruss!

Zara

Japaner wissen schon, was sie machen - sie müssen so vorgehen.

pigbonds @, Mittwoch, 25.11.2015, 18:28 vor 3724 Tagen @ Beo2 2612 Views

Checken wir es mal ab.

Japans Ministerpräsident Shinzo Abe hat sich für eine jährliche

Anhebung des Mindestlohns um drei Prozent angesprochen, um die Wirtschaft
des Landes anzukurbeln.[/u] "Wir müssen dafür sorgen, dass der
Mindestlohn jedes Jahr um drei Prozent steigt", sagte Abe ...

Anheben des Mindestlohns sorgt dafür, dass Unternehmen produktiver werden müssen,
dass manuelle Arbeiten von Maschinen übernommen werden.

Anheben des Mindestlohnes hat also einen ähnlichen Effekt wie die Aufwertung
der eigenen Währung, nur, dass bei einer Währungsaufwertung im Prinzip alle
Löhne steigen, also in der Folge auch die Jobs mit höheren Löhnen produktiver
werden müssen.

Die Unternehmen halten Lohnerhöhungen jedoch wegen des Preisdrucks von

Seiten der Kunden für schwierig.

Eben, siehe oben. Die Unternehmen müssen produktiver werden, die Angestellten
besser ausbilden, in neue Maschinen investieren, sich auf höher-margige Produkte
konzentrieren, etc.

Das ist natürlich Unsinn und die übliche wohlkalkulierte Angstmacherei,
denn die Mindestlöhner bzw. Beschäftigte sind zugleich die Kunden. Mit
mehr Kaufkraft in der Hand können sie auch mehr oder teurer einkaufen.

Nein, Toyotas werden für den ISIS einfach teurer, ausser die Japaner schwächen
gleichzeitig den Yen. So würden die schlecht bezahlten Export-Jobs weiterbestehen,
jene im Binnenmarkt aber zerstört. Relativ gesehen.

Jetzt sollte der Abe noch dafür sorgen, dass auch die Altersrenten und
das Kindergeld jährlich um 3% steigen
. Eine wachsende Binnennachfrage
und mehr Kinder sind ihm sicher.

So würde er dann gleich den Effekt wieder aufheben, nämlich dass schlechtbezahlte
Jobs vom Binnensektor in den Exportsektor transferiert werden, dann so könnte sich
der Binnenmarkt die höheren Löhne wieder leisten. Relativ gesehen.

Der Staat hätte aber höhere Ausgaben, die Lohnempfänger würden von der kalten Progression
heimgesucht. Also hier auch ein Nullsummenspiel, je nach Steuerprogression.

Abe hat daher Steuersenkungen in Aussicht gestellt, um den Wettbewerb

mit der ausländischen Konkurrenz zu erleichtern.

Aha! Lies nochmals, was ich oben geschrieben habe: Ziel der Übung ist, schlechtbezahlte
Jobs des Binnensektors in den Exportsektor zu verlagern.

Hier würde ich empfehlen, den Freibetrag auf die Lohn-/Einkommensteuer
deutlich zu erhöhen
.. und den Rest so belassen, wie es ist.

Also die kalte Progression ausschalten - in Deinem Szenario - das sich dann als
deficit spending auswirkt, und eigentlich ohne Lenkungswirkung sein soll. Abe
will aber Japan aber im internationalen Wettbewerb stärken. Ob dies ausgerechnet
mit der Verlagerung vom Tieflohnsektor gelingt?? Will er mit China konkurrieren?

Es geht wohl um Industriejobs, also um die oben erwähnten Toyota oder vielleicht deren
Zulieferer,etc. , beispielsweise.

Der Mindestlohn ist in Japan nicht landesweit gleich, im Durchschnitt

beträgt er 798 Yen (6,10 Euro) pro Stunde. Nach Angaben des Ministers für
die Belebung der Wirtschaft, Akira Amari, stebt der Regierungschef einen
Anstieg auf 1000 Yen in den nächsten zehn Jahren an.

Das Motor jeglicher Konjunktur ist die sich aufwärts drehende
Lohn-/Rente-Preis-Spirale
, "AUFwärts" wohlgemerkt, nicht "ABwärts"!

Übrigens, Japan ist das Land mit der mit Abstand höchsten
Staatsverschuldung der Welt von ca. 230% des BIP (oder mittlerweile noch
mehr). Da hat wohl der Abe langsam kalte Füße und eine Düsenklemme
bekommen.
http://www.laenderdaten.de/wirtschaft/staatsverschuldung.aspx

Solange der Export läuft spielt dies keine Rolle. Die Bank of Japan kauft
den Exporteuren die Devisen ab und bildet so Devisenreserven:
https://en.wikipedia.org/wiki/List_of_countries_by_foreign-exchange_reserves

Japan muss dies machen, weil sie sehr abhängig von den Rohstoff-Importen sind.

Eben, sie wissen, was sie tun müssen!

Beo2 @, NRW Witten, Mittwoch, 25.11.2015, 20:22 vor 3724 Tagen @ pigbonds 2477 Views

bearbeitet von unbekannt, Mittwoch, 25.11.2015, 20:31

Japans Ministerpräsident Shinzo Abe hat sich für eine jährliche Anhebung des Mindestlohns um drei Prozent angesprochen, um die Wirtschaft des Landes anzukurbeln. "Wir müssen dafür sorgen, dass der Mindestlohn jedes Jahr um drei Prozent steigt", sagte Abe ...

Anheben des Mindestlohns sorgt dafür, dass Unternehmen produktiver werden müssen, dass manuelle Arbeiten von Maschinen übernommen werden. Anheben des Mindestlohnes hat also einen ähnlichen Effekt wie die Aufwertung der eigenen Währung,

Unsinn. Eine sich aufwärts drehende Lohn-Preis-Spirale ENTwertet automatisch die eigene Währung.

Die Unternehmen halten Lohnerhöhungen jedoch wegen des Preisdrucks von Seiten der Kunden für schwierig.

Das ist natürlich Unsinn und die übliche wohlkalkulierte Angstmacherei, denn die Mindestlöhner bzw. Beschäftigte sind zugleich die Kunden. Mit mehr Kaufkraft in der Hand können sie auch mehr oder teurer einkaufen.

Eben, siehe oben ... Nein, Toyotas werden für den ISIS einfach teurer, ausser die Japaner schwächen gleichzeitig den Yen.

Eben, siehe oben. Für die Schwächung der eigenen Währung ist automatisch gesorgt.

Jetzt sollte der Abe noch dafür sorgen, dass auch die Altersrenten und das Kindergeld jährlich um 3% steigen. Eine wachsende Binnennachfrage und mehr Kinder sind ihm sicher.

So würde er dann gleich den Effekt wieder aufheben, nämlich dass schlechtbezahlte Jobs vom Binnensektor in den Exportsektor transferiert werden,

Nichts desgleichen ist zu erwarten oder notwendig. Der Mindestlohn betrifft schließlich alle Sektoren und Unternehmen gleichermaßen. Höhere Mindestlöhne führen zudem zum Anstieg bei den Steuereinnahmen sowie bei den Altersrenten (Staatsausgaben) und zugleich zu weniger Sozialhilfeausgaben (vgl. "Aufstocker" und bei den zu kleinen Renten).

dann so könnte sich der Binnenmarkt die höheren Löhne wieder leisten. Relativ gesehen. Der Staat hätte aber höhere Ausgaben,

Nein, siehe oben: weniger Sozialhilfeausgaben + höhere Steuereinnahmen.

die Lohnempfänger würden von der kalten Progression heimgesucht. Also hier auch ein Nullsummenspiel, je nach Steuerprogression.

Nullsummenspiele sind in der VoWi nichts Ungewöhnliches oder Negatives (ausgeglichene Außenhandelsbilanz vorausgesetzt), denn des Einen Ausgaben/Verluste sind des Anderen Einnahmen/Gewinne. Das gerade unterscheidet eine VoWi von einem privaten Unternehmen.

Abe hat daher Steuersenkungen in Aussicht gestellt, um den Wettbewerb mit der ausländischen Konkurrenz zu erleichtern.

Aha! Lies nochmals, was ich oben geschrieben habe: Ziel der Übung ist, schlechtbezahlte Jobs des Binnensektors in den Exportsektor zu verlagern.

Nichts desgleichen; der Mindestlohn gilt ja für alle Sektoren und Unternehmen gleichermaßen.

Hier würde ich empfehlen, den Freibetrag auf die Lohn-/Einkommensteuer deutlich zu erhöhen .. und den Rest so belassen, wie es ist.

Also die kalte Progression ausschalten - in Deinem Szenario - das sich dann als deficit spending auswirkt,

Nein, es ist kein höheres "deficit spending" notwendig. Wozu auch, wenn die Binnennachfrage steigt und zugleich die eigene Währung geschwächt wird?

und eigentlich ohne Lenkungswirkung sein soll.

Nein, denn "ohne Lenkungswirkung" könnte man sich die ganze Übung ja sparen. Eine solche ist aber gerade beabsichtigt.

Abe will aber Japan aber im internationalen Wettbewerb stärken. Ob dies ausgerechnet mit der Verlagerung vom Tieflohnsektor gelingt?? Will er mit China konkurrieren? Es geht wohl um Industriejobs, also um die oben erwähnten Toyota oder vielleicht deren Zulieferer,etc. , beispielsweise.

Ich glaube nicht, dass es Abe darum geht. Das ist DEINE Theorie. Wir werden sehen, was in Japan passieren wird. Also, abwarten! Der Ansatz stimmt jedenfalls m.M.n., bis auf weiteres. Es wird aber nur wenig helfen, da zahlreiche weitere Maßnahmen und Regulationen notwendig sind.
Das wird auch die EU noch lernen müssen, sonst knallt's. In DE ist man mit der Einführung des Mindestlohns in die gleiche Richtung wie nun Japan gegangen, nicht ohne gewissen Erfolg .. und das trotz Riesengejammers seitens der Unternehmen. Der Exportindustrie in DE hat es nicht geschadet .. und der Binnenwirtschaft erst recht nicht.

Die (hoffentlich) jährlichen Erhöhungen des Mindestlohns (und der Altersrenten) dürfen aber nicht zu große Sprünge machen, damit eine reibungslose Anpassung seitens der Unternehmen (bei der Vorfinanzierung) und bei den Preisen (Refinanzierung) erfolgen kann. Du darfst ja auch beim Autofahren nicht gleich zu viel Gas geben, oder? Stufenweises Gasgeben hilft viel mehr .. und spart die Kosten.

Das Motor jeglicher Konjunktur ist die sich aufwärts drehende Lohn-/Rente-Preis-Spirale, "AUFwärts" wohlgemerkt, nicht "ABwärts"!
Übrigens, Japan ist das Land mit der mit Abstand höchsten Staatsverschuldung der Welt von ca. 230% des BIP (oder mittlerweile noch mehr). Da hat wohl der Abe langsam kalte Füße und eine Düsenklemme bekommen.

Solange der Export läuft spielt dies keine Rolle. Die Bank of Japan kauft den Exporteuren die Devisen ab und bildet so Devisenreserven:
https://en.wikipedia.org/wiki/List_of_countries_by_foreign-exchange_reserves

Ich nehme doch an, dass der jap. Staat positive Zinsen auf seine Schulden zahlen muss. Das finde ich ganz und gar nicht harmlos.

Japan muss dies machen, weil sie sehr abhängig von den Rohstoff-Importen sind.

Dazu ist aber keine Staatsverschuldung von 230% notwendig, sinnvoll und akzeptabel. Das geht auch mit einer Verschuldung von 50%, wie es einige andere Industrienationen in Europa beweisen.
Der japanische Staat ist Jahrzehnte lang als Ersatzkonsument auf Pump eingesprungen (wegen sinkender Binnennachfrage), um die Rezession zu bremsen. Das war dumm und dreist gegenüber der eigenen Bevölkerung. Die Alters- und Kinderarmut in Japan ist u.a. auch deswegen mittlerweile "Spitze" unter den Industrienationen.

Mit Gruß, Beo2

Abenomics

Zarathustra, Mittwoch, 25.11.2015, 22:50 vor 3724 Tagen @ Beo2 2177 Views


Dazu ist aber keine Staatsverschuldung von 230% notwendig, sinnvoll und
akzeptabel
. Das geht auch mit einer Verschuldung von 50%, wie es einige
andere Industrienationen in Europa beweisen.
Der japanische Staat ist Jahrzehnte lang als Ersatzkonsument auf Pump
eingesprungen (wegen sinkender Binnennachfrage), um die Rezession zu
bremsen. Das war dumm und dreist gegenüber der eigenen Bevölkerung.

Der Staat ist ja die Bevölkerung. Die Wähler wählen diese Defizitkönige, die am meisten Wohltaten versprechen. Was soll daran dreist sein? Die Japaner haben Jahrzehnte lang die selbe Partei gewählt.

Die Alters- und Kinderarmut in Japan ist u.a. auch deswegen mittlerweile
"Spitze" unter den Industrienationen
.

Das läuft mit Deinem Abe ganz genau gleich weiter. Deficit Spending ohne Ende bis zum Ende.

[image]

Mit Gruß, Beo2

Natürlich ist die Wirkung eines höheren Mindestlohns ähnlich, wie eine Aufwertung

pigbonds @, Mittwoch, 25.11.2015, 22:51 vor 3724 Tagen @ Beo2 2326 Views

Japans Ministerpräsident Shinzo Abe hat sich für eine jährliche

Anhebung des Mindestlohns um drei Prozent angesprochen, um die Wirtschaft
des Landes anzukurbeln. "Wir müssen dafür sorgen, dass der Mindestlohn
jedes Jahr um drei Prozent steigt", sagte Abe ...

Anheben des Mindestlohns sorgt dafür, dass Unternehmen produktiver

werden müssen, dass manuelle Arbeiten von Maschinen übernommen werden.
Anheben des Mindestlohnes hat also einen ähnlichen Effekt wie die
Aufwertung der eigenen Währung,

Unsinn. Eine sich aufwärts drehende Lohn-Preis-Spirale ENTwertet
automatisch die eigene Währung
.

Quatsch. Das Anheben des Mindestlohns sorgt für einen Exporteur dafür, dass
seine Produktionskosten bei stabilen Wechselkursen relativ höher werden also
derselbe Effekt, wie eine Währungsaufwertung hätte.
Um diesen Effekt aufzugleichen, muss dafür die Währung geschwächt werden.

Die Unternehmen halten Lohnerhöhungen jedoch wegen des Preisdrucks

von Seiten der Kunden für schwierig.

Das ist natürlich Unsinn und die übliche wohlkalkulierte

Angstmacherei, denn die Mindestlöhner bzw. Beschäftigte sind zugleich die
Kunden. Mit mehr Kaufkraft in der Hand können sie auch mehr oder teurer
einkaufen.

Eben, siehe oben ... Nein, Toyotas werden für den ISIS einfach teurer,

ausser die Japaner schwächen gleichzeitig den Yen.

Eben, siehe oben. Für die Schwächung der eigenen Währung ist
automatisch gesorgt.

Wenn Unternehmen höhere Löhne zahlen können, werden die unproduktivsten
Stellen gestrichen. Auf den Wechselkurs hat es keine Auswirkung. Weil
sich die Produktion verteuert, verliert das Exportunternehmen an Wettbewerbsfähigkeit.

Jetzt sollte der Abe noch dafür sorgen, dass auch die Altersrenten und

das Kindergeld jährlich um 3% steigen. Eine wachsende Binnennachfrage und
mehr Kinder sind ihm sicher.

So würde er dann gleich den Effekt wieder aufheben, nämlich dass

schlechtbezahlte Jobs vom Binnensektor in den Exportsektor transferiert
werden,

Nichts desgleichen ist zu erwarten oder notwendig. Der Mindestlohn
betrifft schließlich alle Sektoren und Unternehmen gleichermaßen
.
Höhere Mindestlöhne führen zudem zum Anstieg bei den Steuereinnahmen
sowie bei den Altersrenten (Staatsausgaben) und zugleich zu weniger
Sozialhilfeausgaben (vgl. "Aufstocker" und bei den zu kleinen Renten).

Das glaubst Du, weil Du den Mechanismus nicht verstehst. Alle Mindestlöhne
werden gesenkt, d.h. die unproduktivsten Stellen werden gestrichen.
Weil Japan aber, wie von Abe erklärt, den Export und die Wettbewerbsfähigkeit
stärken will, wird ebenso die Währung geschwächt (deshalb will Hillary Clinton
TPP nicht unterzeichnen). Durch die Schwächung der Währung ist die Anhebung
des Mindestlohnes für den Exportsektor ein Nullsummenspiel, nicht aber für
den Binnensektor, wo die unproduktiven Stellen eben wegfallen.
So wird der Binnensektor stärker zu Produktivität gezwungen und Stellen werden
so, relativ gesehen, in den Exportsektor verschoben.

Nullsummenspiele sind in der VoWi nichts Ungewöhnliches oder Negatives
(ausgeglichene Außenhandelsbilanz vorausgesetzt)
, denn des Einen
Ausgaben/Verluste sind des Anderen Einnahmen/Gewinne. Das gerade
unterscheidet eine VoWi von einem privaten Unternehmen.

Japan will laut Abe den Export fördern. Auch die privaten Unternehmen gehören
zur VoWi und die Exportunternehmen sind nur formell privat, materiell sind sie
national von strategischem Interesse - der Aufbau von Devisenreserven ist deren
Aufgabe.

Abe hat daher Steuersenkungen in Aussicht gestellt, um den Wettbewerb

mit der ausländischen Konkurrenz zu erleichtern.

Aha! Lies nochmals, was ich oben geschrieben habe: Ziel der Übung ist,

schlechtbezahlte Jobs des Binnensektors in den Exportsektor zu verlagern.

Nichts desgleichen; der Mindestlohn gilt ja für alle Sektoren und
Unternehmen gleichermaßen.

Eben nicht, wenn die Währung geschwächt wird. In der Realität ist es natürlich
komplizierter, weil auch im Rest der Welt agiert und reagiert wird.

Abe will aber Japan aber im internationalen Wettbewerb stärken. Ob dies

ausgerechnet mit der Verlagerung vom Tieflohnsektor gelingt?? Will er mit
China konkurrieren? Es geht wohl um Industriejobs, also um die oben
erwähnten Toyota oder vielleicht deren Zulieferer,etc. , beispielsweise.

Ich glaube nicht, dass es Abe darum geht. Das ist DEINE Theorie. Wir
werden sehen, was in Japan passieren wird. Also, abwarten!
Der Ansatz
stimmt jedenfalls m.M.n., bis auf weiteres. Es wird aber nur wenig helfen,
da zahlreiche weitere Maßnahmen und Regulationen notwendig sind.

Wie gesagt, Japan muss Devisen reinholen und versuchen, die Produkivität auch
im Binnensektor zu erhöhen, wenn sie keine Immigration oder keine Kolonien wollen.

Das wird auch die EU noch lernen müssen, sonst knallt's. In DE ist man
mit der Einführung des Mindestlohns in die gleiche Richtung wie nun Japan
gegangen, nicht ohne gewissen Erfolg
.. und das trotz Riesengejammers
seitens der Unternehmen. Der Exportindustrie in DE hat es nicht geschadet
.. und der Binnenwirtschaft erst recht nicht.

Deutschland hat weniger Gestaltungsmöglichkeiten, aber weil EZB den Euro schwächt,
ist der Mindestlohn auch in DE ein Mechanismus, der den Exportunternehmen relativ
gesehen Arbeitnehmer vom Binnensektor her hintransferiert.
Dass die Binnenwirtschaft in DE gut läuft, hat wie in der Schweiz nicht zuletzt mit
den sinkenden Zinsen zu tun.
Ich kenne die Zahlen für die Eurozone nicht, in der Schweiz ist rund 70% der Bankguthaben
im Inland aus Hypotheken entstanden, dh bei sinkenden Zinsen steigt "der Wert" der
Immobilien und bei Käufen entstehen so umso mehr Guthaben.
Deshalb ist bei einer Immokrise die Wirkung so fatal: sie zerstören nicht nur Eigentümer und
Bankbilanzen und Bausektor, sondern kontrahieren den Rest der Volkswirtschaft.

Die (hoffentlich) jährlichen Erhöhungen des Mindestlohns (und der
Altersrenten) dürfen aber nicht zu große Sprünge machen, damit eine
reibungslose Anpassung seitens der Unternehmen (bei der Vorfinanzierung)
und bei den Preisen (Refinanzierung) erfolgen kann
. Du darfst ja auch
beim Autofahren nicht gleich zu viel Gas geben, oder? Stufenweises Gasgeben
hilft viel mehr .. und spart die Kosten.

Das Motor jeglicher Konjunktur ist die sich aufwärts drehende

Lohn-/Rente-Preis-Spirale, "AUFwärts" wohlgemerkt, nicht "ABwärts"!

Übrigens, Japan ist das Land mit der mit Abstand höchsten

Staatsverschuldung der Welt von ca. 230% des BIP (oder mittlerweile noch
mehr). Da hat wohl der Abe langsam kalte Füße und eine Düsenklemme
bekommen.

Solange der Export läuft spielt dies keine Rolle. Die Bank of Japan

kauft den Exporteuren die Devisen ab und bildet so Devisenreserven:

https://en.wikipedia.org/wiki/List_of_countries_by_foreign-exchange_reserves

Ich nehme doch an, dass der jap. Staat positive Zinsen auf seine Schulden
zahlen muss. Das finde ich ganz und gar nicht harmlos.

Auf den 2-jährigen knapp 0% auf den 10-jährigen 3 Promille.
http://pigbonds.info/

Japan muss dies machen, weil sie sehr abhängig von den

Rohstoff-Importen sind.

Dazu ist aber keine Staatsverschuldung von 230% notwendig, sinnvoll und
akzeptabel
. Das geht auch mit einer Verschuldung von 50%, wie es einige
andere Industrienationen in Europa beweisen.

Naja, in Japan ist der Binnensektor zu teuer geworden, als es dem Export nicht
mehr so gut lief. Damit war die gesamte Wirtschaft überschuldet. Diese Überschuldung
wurde sozialisiert.

Der japanische Staat ist Jahrzehnte lang als Ersatzkonsument auf Pump
eingesprungen (wegen sinkender Binnennachfrage), um die Rezession zu
bremsen. Das war dumm und dreist gegenüber der eigenen Bevölkerung.
Die Alters- und Kinderarmut in Japan ist u.a. auch deswegen mittlerweile
"Spitze" unter den Industrienationen
.

Deshalb der Versuch (meine Deutung), den Binnensektor unter Produktivitätsdruck
zu setzen und dem Exportsektor mehr Arbeitskraft-Ressourcen zu geben.


Übrigens sehe ich in der Mehrwertsteuer einen ähnlichen Effekt:
http://www.dasgelbeforum.net/forum_entry.php?id=298982

Nein, keine "Aufwertung" unter dem Strich ..!

Beo2 @, NRW Witten, Donnerstag, 26.11.2015, 11:41 vor 3723 Tagen @ pigbonds 2078 Views

bearbeitet von unbekannt, Donnerstag, 26.11.2015, 12:22

Eine sich aufwärts drehende Lohn-Preis-Spirale ENTwertet automatisch die eigene Währung.

Quatsch. Das Anheben des Mindestlohns sorgt für einen Exporteur dafür, dass seine Produktionskosten bei stabilen Wechselkursen relativ höher werden also

derselbe Effekt, wie eine Währungsaufwertung hätte. Um diesen Effekt aufzugleichen, muss dafür die Währung geschwächt werden.

Diese Schwächung der Währung geschieht aber bei Anhebung der Löhne vollautomatisch, da auch die Preise steigen. Denn, gestiegene Inflation schlägt sich anschließend in den Wechselkursen nieder. Somit verhält sich eine Anhebung des Mindestlohns bzw. der Löhne neutral für die Exportwirtschaft, wenn sie nicht zu große Sprünge macht. Es dauert nämlich eine Weile, bis auch die Preise anziehen.
Zu Leiden kommt eher die Importwirtschaft, da Importe teuerer werden. Damit wird auch eine überschüssige Außenhandelsbilanz wieder ein Stück normalisiert. Die Konsumenten können aber hoffentlich auf einheimische Produkte ausweichen (wenn die Binnenmarktwirtschaft nicht bereits zerstört ist). Letzteres ist ja auch ausgesprochen sinnvoll.

Wenn Unternehmen höhere Löhne zahlen können, werden die unproduktivsten Stellen gestrichen.

Warum sollten sie? Mit höheren Löhnen steigen doch auch die Einnahmen der Unternehmen, da die Lohnsklaven zugleich Kunden sind .. zumindest in einer normal funktionierenden, gesunden VoWi. Im Gegenteil, ich erwarte Neueinstellungen wegen anspringender Kunjunktur und positivem Geschäfts-/Konsumklima, zumindest im Binnensektor.

Auf den Wechselkurs hat es keine Auswirkung. Weil sich die Produktion verteuert, verliert das Exportunternehmen an Wettbewerbsfähigkeit.

Nein, keine Auswirkungen auf die Exporte, weil die eigene Währung durch Inflation geschwächt wird. Einbußen wegen Verteuerung von Valuta sind eher bei den Importen zu erwarten.

Nichts desgleichen ist zu erwarten oder notwendig. Der Mindestlohn betrifft schließlich alle Sektoren und Unternehmen gleichermaßen. Höhere Mindestlöhne führen zudem zum Anstieg bei den Steuereinnahmen sowie bei den Altersrenten (Staatsausgaben) und zugleich zu weniger Sozialhilfeausgaben (vgl. "Aufstocker" und bei zu kleinen Renten).

Das glaubst Du, weil Du den Mechanismus nicht verstehst.

Das sehe ich anders herum .. weil Du einen betriebswirtschaftlichen Tunnelblick auf die VoWi hast, wie die meisten "Ökonomen".

Alle Mindestlöhne werden gesenkt, d.h. die unproduktivsten Stellen werden gestrichen. Weil Japan aber, wie von Abe erklärt, den Export und die Wettbewerbsfähigkeit stärken will,

Nein, Abe will die Wettbewerbsfähigkeit (der Exportwirtschaft) durch Steuersenkungen stärken (siehe unten). Mit einer Anhebung des Mindestlohns bzw. der Löhne geht das nicht. Deshalb habe ich ihm ja eine Anhebung des Grundfreibetrages auf EkSt vorgeschlagen, damit er bloß keinen Unsinn macht.

wird ebenso die Währung geschwächt (deshalb will Hillary Clinton TPP nicht unterzeichnen). Durch die Schwächung der Währung ist die Anhebung des Mindestlohnes für den Exportsektor ein Nullsummenspiel, nicht aber für den Binnensektor, wo die unproduktiven Stellen eben wegfallen. So wird der Binnensektor stärker zu Produktivität gezwungen und Stellen werden so, relativ gesehen, in den Exportsektor verschoben.

Nein, da wird nichts verschoben. Wenn, dann schon eher aus dem Importhandel in den Binnensektor. Das ergibt auch einen Sinn.

Nullsummenspiele sind in der VoWi nichts Ungewöhnliches oder Negatives (ausgeglichene Außenhandelsbilanz vorausgesetzt), denn des Einen Ausgaben/Verluste sind des Anderen Einnahmen/Gewinne. Das gerade unterscheidet eine VoWi von einem privaten Unternehmen.

Japan will laut Abe den Export fördern.

.. unter anderem. Vor allem will er aber die Binnenwirtschaft stärken, nehme ich doch stark an.

Auch die privaten Unternehmen gehören zur VoWi und die Exportunternehmen sind nur formell privat, materiell sind sie national von strategischem Interesse - der Aufbau von Devisenreserven ist deren Aufgabe.

Keine Einwände meinerseits.

"Abe hat daher Steuersenkungen in Aussicht gestellt, um den Wettbewerb mit der ausländischen Konkurrenz zu erleichtern."

Da haben wir es ja .. "durch Steuersenkungen"!

Abe will aber Japan im internationalen Wettbewerb stärken. Ob dies ausgerechnet mit der Verlagerung vom Tieflohnsektor gelingt?? Will er mit China konkurrieren? Es geht wohl um Industriejobs, also um die oben erwähnten Toyota oder vielleicht deren Zulieferer,etc. , beispielsweise.

Ich glaube nicht, dass es Abe darum geht. Das ist DEINE Theorie. Wir werden sehen, was in Japan passieren wird. Also, abwarten! Der Ansatz stimmt jedenfalls m.M.n., bis auf weiteres. Es wird aber nur wenig helfen, da zahlreiche weitere Maßnahmen und Regulationen notwendig sind.

Wie gesagt, Japan muss Devisen reinholen und versuchen, die Produktivität auch im Binnensektor zu erhöhen, wenn sie keine Immigration oder keine Kolonien wollen.

Wir drehen uns im Kreise. Über diese Streitfragen kann letztlich nur die Empirie bzw. die statistischen Daten entscheiden. Meine Thesen sind ganz klar:

Durch Anhebung des Mindestlohns bzw. der Löhne kommt es zu einem Anstieg bei den Inlandspreisen, wodurch:

__ 1) die eigene Währung geschwächt wird, so dass die Exportwirtschaft davon nicht/kaum berührt wird;
__ 2) Importe verteuert werden, wodurch eine Verlagerung von Arbeitskraft aus der Importwirtschaft in den Binnensektor erfolgt;
__ 3) die Wachstumsrate im Binnensektor wegen zunehmend positivem Geschäfts-/Konsumklima anzieht.

Knapp und bündig, und vor allem: empirisch überprüfbar!

Lassen wir also die Fakten & Zahlen sprechen, die uns Abe hoffentlich in 2 Jahren liefern wird. Das ließe sich aber auch in DE rückblickend überprüfen. Immerhin, (reale) Lohnsenkungen haben in den letzten 20 Jahren in DE zu einem Exportboom geführt, während der Binnensektor in die Knien (Rezession) ging .. bei knapp über null BIP-Wachstum unter dem Strich. Zunehmend unausgeglichene Außenhandelsbilanz ist ebenfalls die Folge; und das wird sich rächen!

Mit Gruß, Beo2

Werbung

Wandere aus, solange es noch geht.