Also vorab:
In der Schweiz sind viele Vorlesungen öffentlich zugänglich und deshalb konnte
man in die Vorlesungen sitzen, die der abgetretene Chefunterhändler der CH an der Uni Zürich hielt.
Er war der Chefunterhändler für die "Bilateralen 2" also im Prinzip
das gesamte Vertragswerk, das die Beziehungen der Schweiz mit der EU regelt.
http://www.uzh.ch/about/portrait/awards/hc/2010/ambuehl.html
In einer Vorlesung erklärte er sinngemäss, dass der Maidan ebenso wie das verstärkte
Eingreifen der Türkei die Umsetzung der "Masseneinwanderungsinitiative" stark
erschwere, weil die Schweiz eine Strategie hatte, zusammen mit der Ukraine und der
Türkei quasi der EU ein Rahmenabkommen vorzulegen innerhalb dessen die Schweizer
Variante zur Regelung der Einwanderung in die Schweiz umgesetzt hätte werden können.
Speziell der Maidan und die russische Reaktion darauf verhalf der Ukraine in
eine Sondersituation; an ein gemeinsames Rahmenabkommen war nicht mehr zu denken.
Seither ist auch der Vater der Masseneinwanderungsinitiative, Christoph Blocher,
etwas kleinlaut geworden und seine Bezeichnung aller "Inländer" (also auch Niedergelassene
ausländischer Staatsangehörigkeit) als "Schweizer", bedeutet, dass z.B. Familiennachzug
aus dem Ausland vermutlich ausserhalb der angestrebten "Kontingente" stattfinden
würde. Also bezüglich Reduzierung der Einwanderung ein Schuss vor den Bug, mit zusätzlichen
administrativem Aufwand und mit Gefährdung aller Verträge, die die Schweiz mit der EU
hat (sog. Guillotine Klausel https://de.wikipedia.org/wiki/Guillotine-Klausel )
Beispiel von Blocher vs Noser, wo Blocher statt seinem bekannten Klarsprech nur mit
Wischi-Waschi antwortet: https://www.youtube.com/watch?v=SIp9vRW7__w
(Der Rechtsrutsch und seine Folgen - BaslerZeitung Standpunkte)
was ist das Bild? Die Russen brauchen jetzt die Kurden als Verbuendete zu
gewinnen. Die Achse lautet dann Russland, Syrien, Kurden, Irak, Iran gegen
Tuerkei.
Die Tuerkei hat die Ukraine und die Krimtataren, sind aber nicht viele
dort und sind weit weg. Die Tuerkei braucht dringend Verbuendete.
Wieso also der Vorspann oben? Die Schweiz, die Ukraine und die Türkei sind für
die EU wichtige Transitstaaten von Energie und im Falle der Schweiz zusätzlich noch
für Verkehr.
Die Fälle der Schweiz und der Ukraine sind ja bekannt, die Türkei ist der Transitstaat
für Pipelines mit russischem, iranischem, irakischem, aserischem, turkmenischem, kasachischen
und gar arabischem und katarischem erdgas und -öl.
![[image]](http://japanfocus.org/data/caspian%20pipeline.jpg)
Die alle wollen die EU beliefern und dafür müssen sie durch die Türkei. Die
wollen ganz gewiss nicht die Türkei als Partner vergraueln.
Durch die Annektion der Krim hat nun Russland einen Korridor, der in die EU
führt, der, zumindest aus russischer Optik, weder über ukrainisches noch
türkisches Territorium führt. Nur, wegen der Sanktionen gegen die Krim, funktioniert
eine solche Pipeline vermutlich (ich hab's nicht im Detail geprüft) nicht.
Mit dem Embargo fuer landwirtschaftliche Produkte gegen die Tuerkei trifft
Putin die Agrarindustrie, eine konservative Waehlergruppe.
Wirkungslos, Erdogan agiert doch mit ähnlichen Mitteln wie Putin.
Das Ziel ist klar. Putin will Erdogan von der Politikbuehne stuerzen.
Putin möchte so einige stürzen. Aber auch danach ändert sich die Geographie
nicht und auch die türkischen Streitkräfte bleiben stark.
Um erfolgreich zu sein, braucht er alle Kurden. Und daran arbeitet Putin.
Mit einem Ausblick auf ein eigenstaendiges Kurdistan in Syrien, wird es,
fuer alle anderen Kurden sehr verfuehrerisch sich Russland anzuschliessen.
Tja, noch vor einer Woche war dies die Verschwörung der Amerikaner.
![[image]](http://www.theanalystreport.net/wp-content/uploads/2014/06/Middle-east-map-2.0.jpg)
Ein russisches Syrien und russisches Kurdistan könnte die unliebsamen Pipelines
von der Türkei fernhalten und die Türkei könnte nur Gas von Russlands
Freunden entgegen nehmen und hätte entsprechend weniger Verhandlungsstärke.
Putin will die Tuerkei in ein Buergerkrieg stuerzen. Dafuer kann er auf
die Hilfe der USA, Grossbritanien, Frankreich, Griechenland und Israel
setzen.
Du erinnerst Dich vielleicht, als ich schrieb, es gäbe vermutlich einen Deal
zwischen Obama und Putin bezüglich der Ukraine:
http://www.dasgelbeforum.net/forum_entry.php?id=361289
Das einzige, was Obama unterschätzte, war die Resistenz der ethnisch russischen
Ukrainer. Schweizer verstehen halt, dass Nationalität nicht einzig von Sprache
und sog. Ethnie abhängen. So auch in der Ukraine, wo Surzhyk als Sprache sehr
verbreitet ist, aber sowohl von den ukrainischen wie von den russischen Kulturpredigern
verachtet wird. Dabei hat Gogol Bücher in Surzhyk geschrieben.
Im Nahen Osten sieht es aber genau anders aus und Obama ist für mich ein "Völkerversteher" ...
also gleich nochmals die bekannte Karte:
![[image]](http://www.theanalystreport.net/wp-content/uploads/2014/06/Middle-east-map-2.0.jpg)
Es stellt sich die Frage, was die EU sagt.
Ausser die EU zerbräche an Le Pen und einem britischen Referendum.