Presse: Darf ein Medium Anzeige und redaktionellen Beitrag verknüpfen?

Leserzuschrift @, Dienstag, 17.11.2015, 13:32 vor 3732 Tagen 2815 Views

Hallo zusammen,

ich habe von einem Magazin eine Anfrage bekommen, eine meiner öffentlichen Veranstaltungen zu bewerben. Das Angebot: Wenn ich eine Anzeige bei ihnen schalte, könnte ich mit einem redaktionellen Beitrag rechnen. Ich wusste, dass dies unter der Hand hin und wieder geschieht, aber dass ich diese Einladung in schriftlicher Form bekomme, machte mich stutzig.

Und dann noch: ich könne dies auch in Form eines "Druckkostenzuschusses" (200 bis 600 Euro) machen. Auch so bekäme ich einen redaktionellen Beitrag.

Ist ja nett, dass sie mir helfen wollen, aber wo bleibt da die Unabhängigkeit der Presse?


Vielen Dank für fachkundige Einschätzung,
beste Grüße, ein treuer DFG Leser

Unabhängigkeit? *lach

stocksorcerer @, Dienstag, 17.11.2015, 13:46 vor 3732 Tagen @ Leserzuschrift 2284 Views

Die Presse war noch nie unabhängig. Den ganzen Schmarrn glaubt man doch nicht, der im Kopf der Zeitungen steht, überparteilich, unabhängig, blablubb.

Die Geschichte ist gang und gäbe, seit ich das erste Mal eine Zeitung aufgeschlagen habe. Manche Zeitungen machen es sich gar leicht und geben allen PR-Zusendungen ein eigenes Kürzel, mit dem der Beitrag dann so aussieht, als habe ihn ein Redakteur der Zeitung verbrochen. Mit ein wenig Übung kann man sogar lernen zu erkennen, welche Beiträge das sind. Bei der Geopolitik natürlich nicht. Da sind pauschal alle Beiträge abhängig und den Chefredaktionen - manchmal sogar den Herausgebern - nahegelegt.

Seinerzeit wurden Beiträge noch als redaktionelle Beiträge kaschiert, wobei dann irgendwo auf der Seite dann doch noch "Werbung" stand, wenn man aufmerksam suchte. Heute nehmen viele das nicht mehr so genau.

Presse unabhängig oder gar nach ethischen Gesichtspunkten? Das habe ich mal geglaubt, als ich mein Studium begonnen habe. Spätestens mit dem Gladbecker Geiseldrama war dann aber für alle und jedermann ersichtlich, welchen Stellenwert Ethik bei den deutschen Medien hat.

Gruß
stocksorcerer

P.S.: Darf ein Medium lügen? ^^

Ohne Anzeige kein redaktioneller Beitrag - das ist bei Lokalblättern schon immer so!

Griba @, Dunkeldeutschland, Dienstag, 17.11.2015, 14:06 vor 3732 Tagen @ Leserzuschrift 2153 Views

bearbeitet von unbekannt, Dienstag, 17.11.2015, 14:09

In der Regel kaufst Du einen redaktionellen Beitrag von entsprechender Zeilzahl/Spaltenbreite.[[top]] Wer schon mal für Vereine (auch gemeinnützige sind betroffen) versucht hat, in der Presse auf Veranstaltungen aufmerksam zu machen, weiß das.

Noch heftiger wird es, wenn in sogenannten Fachblättern Beiträge erscheinen, die nur nach intensiver Suche als Produkt-Werbung zu erkennen sind.

Freiheit der Presse? Auf welchem Stern lebst denn Du?
Sinn der Presse ist die Verbreitung von Regierungs-Propaganda und/oder Gewinn-Aquise (wie im Gelben erst unlängst zu erfahren war).

--
Beste Grüße

GRIBA

Das kommt ganz auf das Medium an [redaktionelle Beitraege gegen Werbeschaltung] ...

CrisisMaven ⌂ @, Dienstag, 17.11.2015, 14:08 vor 3732 Tagen @ Leserzuschrift 2208 Views

bearbeitet von unbekannt, Dienstag, 17.11.2015, 14:15

ich habe von einem Magazin eine Anfrage bekommen, eine meiner öffentlichen Veranstaltungen zu bewerben.

Wenn sie eine nicht-oeffentliche beworben haetten, nennte sich das investigativer Journalismus [[freude]] [[freude]] [[freude]] ...

Das Angebot: Wenn ich eine Anzeige bei ihnen schalte, könnte ich mit einem redaktionellen Beitrag rechnen.

Erpressung waere es, wenn sie das in Aussicht gestellt haetten, wenn man nicht bei ihnen inseriert [[freude]] [[freude]] ...

Ich wusste, dass dies unter der Hand hin und wieder geschieht, aber dass ich diese Einladung in schriftlicher Form bekomme, machte mich stutzig.

Leider war das Medium hier nicht genannt.

Das Geschaftsmodell gilt IMMER bei den kostenlos verteilten "Zeitungen", die man als Werbetraeger in den Briefkasten bekommt (womit sonst sollte man nasse Schuhe heutzutage noch ausstopfen? Mit iPhones?). Das kann jeder leicht nachpruefen: Ist der Fusspflegesalon wohlwollend erwaehnt, so gibt es in dieser und meist in mehreren folgenden Ausgaben auch dessen kostenpflichtige Anzeigen. Da nicht jeder Fusspfleger oder Handwerker gut formulieren kann, stellt die Zeitung auch einen als Texter getarnten Journalisten, der ein paar Fragen stellt und ein Grinse-Photo macht.

Manchmal stellen sie auch einen als Journalisten getarnten Texter. Sieht man alles daran, dass textanalytisch sich alle solchen redaktionelle Beitraege untereinander gleichen, aber der Fusspfleger dieser Sprache so gar nicht maechtig ist ...

Und dann noch: ich könne dies auch in Form eines "Druckkostenzuschusses" (200 bis 600 Euro) machen. Auch so bekäme ich einen redaktionellen Beitrag.

Ja, gibt's auch bei Buechern, nennt sich dann vanity publishing.

Ist ja nett, dass sie mir helfen wollen, aber wo bleibt da die Unabhängigkeit der Presse?

Man kann doch nicht beides haben?!?!?!

Vielen Dank für fachkundige Einschätzung,

Na ja, dass ich das mal als fachkundige Einlassung von mir geben duerfte. Vielleicht gibt es bei Ihnen keine Spatzen, oder keine Daecher ... [[freude]] ...

Jedenfalls: wenn die ARD das machte, rollten Koepfe.

Machen es private Medien, ruempft man mal die Nase. Aber mehr wegen der Tatsache, dass einer so dumm war, sich erwischen zu lassen.

Bei den anderen Magazinen und Zeitschriften, insbes. bei den kostenlos verteilten, gehoert es zum Geschaeftsmodell, ohne die sie gar nicht existieren koennten.

Und so blieben viele Fuesse ungepflegt ...

--
Mit 40 DM pro Kopf begann die Marktwirtschaft, mit 400.000 Euro Schulden pro Kopf wird sie enden.
Atomkraft | in English

absolut üblich und auch eine gute Sache - für Dich

modesto, Dienstag, 17.11.2015, 14:08 vor 3732 Tagen @ Leserzuschrift 2224 Views

Guten Tag Leser,

in meinen früheren Zeiten habe ich diese Möglichkeit für meine Restaurants gern genutzt.
Eine Anzeige wurde gebucht und ich konnte einen Text vorlegen mit meinem Inhalt, was ich gern dem Leser der Zeitung näherbringen wollte.
Beispiel: Wildwochen, neues Olivenöl aus Apulien eingetroffen, Fischerfest etc..

Der Text wurde umgeschrieben, der Inhalt blieb. Die Anzeige fand sich z.B. auf Seite 10 und der redaktionelle Beitrag auf Seite 5.

Somit hatte ich eine gute und infomative Werbung + Anzeige und die Gäste einen gewissen Mehrwert.

Alternative - Du bezahlst nur eine Anzeige und der Preis ist derselbe, ob sie Dir nun noch einen Artikel dazu "schenken" oder nicht.

Gruss modesto

edit: Tippfehler

In Anlehnung an Max Otto Bruker: "Vorsicht vor Sachen, für die geworben wird!"

Orodara @, Dienstag, 17.11.2015, 15:38 vor 3732 Tagen @ Leserzuschrift 2219 Views

Es soll sogar Solche geben.

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