Ergänzungen und andere Darstellungen vom Saker

Kurz_vor_Schluss, Sonntag, 15.11.2015, 18:52 (vor 3730 Tagen) @ Albrecht5856 Views

Servus Albrecht,
kenne zugegebenermaßen den Herrn Tarpley nicht, aber manches von dem, was er sagt, klingt einsichtig - insofern danke.
Das Grundproblem ist doch, dass keiner von uns die Geldströme zum IS kennt bzw. die Kommunikation innerhalb der Eliten (wer immer diese sein mögen). Solange das so ist, bleibt es ein munteres Hin-und-Her-Raten und der Eine sieht die Illuminaten, der andere Beraternetzwerke, der Dritte die Juden und der Vierte Neuschwabenland hinter dem Ganzen.

DASS es verborgene Kräfte gibt, glaube ich unbenommen - aber wie genau die Konstellationen dazu in Washington sind? I don't know.
Zum IS jedenfalls noch ein paar Ergänzungen vom Saker, dessen Analysen ich wegen ihrer Sachlichkeit und kritischen Grundhaltung schätze:

Der Saker hat auf seinem Blog eine gute und lesenswerte Darstellung des Islamischen Staates schreiben lassen - seiner Struktur, seiner Erfolge, seiner Außendarstellung, Finanzierung etc. - hier auf Englisch: http://thesaker.is/the-middle-east-wars-islamic-state-sitrep/
Dabei werden alle Interpretationen vom IS aufgelistet - der IS als Papiertiger bzw. Mythos, als reale Kraft, als von ehemaligen Baathisten gestützte Bewegung, als Al Quaida Ableger etc.
Der Schreiber wertet das nicht, zählt es nur auf.

Der Saker selber schrieb in einem anderen Artikel, dass er sich persönlich von der Kampfkraft vom IS überrascht zeigte - bei Einsetzen der russischen Luftschläge habe der IS sofort seine Taktik geändert, Militärbewegungen würden nur noch nachts stattfinden, IS Kommandos sich eingraben bzw. beständige Stellungswechsel vornehmen etc.

Vor allem sei es der syrischen Armee nicht gelungen, in fünf Wochen Offensive gegen Daesh (der arabische Name von IS) einen Erfolg vorzuweisen - erst in der sechsten Woche hätten syrische Truppen eine seit über zwei Jahren belagerte Luftwaffenbasis gegen heftigen Widerstand vom IS befreien können - dies sei ein symbolischer und strategisch wertvoller Sieg (ein russischer Kommentator sprach vom "syrischen Stalingrad"). Mehr hier: http://thesaker.is/week-six-of-the-russian-intervention-in-syria-a-first-major-success-...

Dabei präsentiert er auch in einem Link interessante, schöne und grausige Fotos vom Ort nach der Schlacht - man sieht sich umarmende und küssende syrische Soldaten, einen Soldaten, der voller Freude seine Arme gen Himmel reckt (ein schönes Motiv) - und Fotos von toten IS-Kämpfern, auf die syrische Soldaten mit ihren Schuhen treten (eine Geste der Verachtung in der arabischen Welt - jemand mit dem Schuh zu bewerfen, so wie damals Baby Bush in Bagdad, ist Ausdruck tiefster Verachtung).
Es sind grausige Szenen zum Teil - nur anschauen, wenn einen Blut und Tote nicht zu sehr schocken. http://colonelcassad.livejournal.com/2470426.html

Kurz: Laut Saker ist es zu früh, von einem Wendepunkt des Krieges zu sprechen (er vermutet Reaktionen der Unterstützer vom IS - Türkei und Katar), doch seien die Ereignisse der letzten Tage ermutigend. Allerdings sei der IS kein Papiertiger, sondern eine reale (auch militärische) Kraft, mit der die nächsten Jahre zu rechnen sei.
Ergänzung von mir: Sicherlich auch bei uns! Wie nemo irgendwo so treffend schrieb, werden Terroranschläge bei uns (die ja kommen müssen), dazu benutzt werden, hier einen zweiten "Völkerkerker" (new style? No, EU-style!) zu errichten. Keine schönen Aussichten - aber wohl realistische.
Schönen Abend
K_v_S

--
Es ist schon alles gesagt, nur noch nicht von allen.
Karl Valentin


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