Hallo Dragonfly,
1. Russische Aktien habe ich im Auge
Naja, ich halte schon länger eine Kernposition an russischen Standardwerten (v.a. Gazprom und Rosneft). Beides sind mehrheitlich staatliche Konzerne. Der Kreml hat also langfristig ein Interesse daran, dass der Streubesitz höher bewertet wird, um den Buchwert seiner Beteiligung, zu erhöhen.
Das meine Position an russischen Aktien nur kleine Verluste aufweisen liegt daran, dass ich immer auch Tradingpositionen aufbaue, die ich dann 4 Wochen bis 3 Monate später, wieder verkaufe.
Bei Gazprom und Rosneft ist um 4 US$ (ADR) der Rückkauf von Tradingpositionen empfehlenswert. Wobei ich momentan sehr vorsichtig bin. Denn ich erwarte noch eine massive Korrektur oder einen Bärenmarkt (2016 bis 2017) an der Wallstreet.
Erst dieser Bärenmarkt und der gleichzeitige, letzte Ausverkauf der Emerging Markets, würde m.E. die Marktlage so bereinigen, dass sich auf dieser Basis, ein neuer Bullenmarkt, angeführt von Emerging Markets, entwickeln könnte.
Es hängt wiederum alles von China und vom Ölpreis ab. Viele glauben, dass Öl in den nächsten 5 Jahren tief (40-60 US$) bleibt. Das wiederum würde gegen russische Investments sprechen. Wobei man unter 50 US$ Öl immer mal kaufen darf. Denn der Rubel läuft dem Öl immer etwas voraus (nach oben wie unten). Damit ist die Profitabilität der Ölexporte gesichert und wenn dann Öl um 10-20% springt, macht der Rubel meistens auch einen Satz nach oben und die russischen Aktien steigen dann oft bis zu 50% an.
Ein so kalkulierbares Risiko, dass die Kurse schlimmstenfalls noch mal um 20% absacken, bevor sie sich ohnehin erholen würden, kann man schon einmal eingehen.
Dennoch habe ich ausser den Rohstoffaktien, für Russland, momentan nur wenig Hoffnung. Die Wirtschaft hängt am Ölpreis. Das Niveau der russischen Löhne liegt seit Jahren konstant bei 10 Barrel Rohöl pro Monat.
Unter 50 US$ Ölpreis, reicht das Geld zum leben. Aber Konsum wie Autos oder Wohnungen, sind momentan eher nicht möglich. Viele russische Haushalte verschulden sich zu 20% Zinssätzen, um ihren Konsumwahnsinn weiterzufahren.
Sberbank Aktien sind dieses Jahr auch ganz gut gelaufen. Doch bezweifle ich, dass das dauerhaft ist.
Es wird am Ende, wenn Öl in den nächsten 1-2 Jahren nicht massiv steigt, zu Kreditausfällen führen.
Einige Bekannte bezahlen zwar noch irgendwie die Zinsen, für ihre Kredite, aber längst keine Rückzahlung mehr.
Ein beliebtes Spiel ist es, am Monatsersten, die fälligen Raten für die 1. Kreditkarte, von einer zweiten und dritten Karte, zu bezahlen und diese Summen dann im Kreis zu buchen.
Wobei Russlands Probleme, auch China, weniger dramatisch sind wie in den USA. Darum sehe ich, Kreativität vorausgesetzt, auf Sicht von 10 Jahren, Russland und China wieder deutlich besser als heute. Darum werde ich auch langfristig immer ein paar dieser Aktien halten.
Vom Timing her, wie gesagt, aktuell interessant (mit knappen Stops und Einstieg jeweils auf Tagesbasis überprüfen), eventuell gibt es eine Erholung bis Jahresende und ins neue Jahr hinein ( rechne dafür 40% Wahrscheinlichkeit), danach aber noch mal runter oder sofort, von jetzt bis zum 1. Quartal, einen Ausverkauf und dann wiederum die nächste Erholung.
Die 2.000er Marke im S&P wird dabei sicher entscheidend sein. Geht es wieder da runter, sind wir schnell wieder bei 1.900 und wenn die nicht hält, dann sind wir Ratzfatz bei 1.500-1.600 im SPX. Gerade weil das so vollkommen gegen jegliche Saisonalität (Ausverkauf im 4. und 1. Quartal) sprechen würde (hatten wir das jemals zuvor???), halte ich es für möglich. Denn die Computermodelle, die alle auf solchen statistischen Wahrscheinlichkeiten aufbauen, könnten versagen und dann gibt es die erste 1. Quartalspanik, in der Geschichte der Wallstreet. Wäre doch mal was?
Deshalb sichere ich meine Tradingpositionen momentan auch mit Vola-Zertifikaten ab. Denn die Vola wird in den nächsten 3-6 Monaten wahrscheinlich eher steigen.
Für LONG ohne Absicherung, ist mir der Markt momentan viel zu gefährlich.
Gruss
Piter