Die Wehrkraftzersetzung Syriens durch das Kabinett Merkel

Leserzuschrift @, Freitag, 13.11.2015, 14:20 vor 3732 Tagen 5477 Views

Auf welcher Seite die Bundeskanzlerin steht, darf als bekannt vorausgesetzt werden. Dennoch stehen ihr nicht alle Wege offen, denn: Die Freiheit des Vasallen ist die Entscheidung, seine Söhne am Schlachtfeld oder sein Kapital als Tribut zu opfern. Weil die Deutschen ihre Katharsis offenbar ernst nehmen, lassen sie sich nicht zum Ausmorden heranziehen. Dagegen kann man ihnen beinahe jede finanzielle Bürde auferlegen. Das weiß auch Angela Merkel, Übersee sowieso.

Seit einiger Zeit bombardieren die USA in Syrien bevorzugt Pistazienbäume; ein gutes Training für künftige Überfälle. Derweil marschiert der IS weiter voran. Die syrischen Streitkräfte geraten mehr und mehr ins Hintertreffen. Ob an dem Holzpfahl für Herrn Assad schon geschnitzt wird, wurde bisher nicht berichtet.

Seit Ende 2014 verstärkt Syrien die Einberufungen in die Armee. Es beginnt der verständliche Exodus junger Männer unter 30 Jahren, denn wer will in Zeiten der Niederlage einer zerfallenden Armee dienen? "Short of manpower to fight the rebellion", nennt das die Washington Post, macht sich aber keine Gedanken zur Effektivität amerikanischer Luftschläge gegen den IS. Wer braucht schon Pistazien?

Millionen und Abermillionen Flüchtlinge in und um Syrien harren nun der Dinge, die da kommen. Und sie kommen. Dinge zwar, doch eher Maschinen, gefährliche Maschinen. Wladimirowitsch rückt an! Die Vorbereitung darauf wird in Washington und Berlin nicht unbemerkt geblieben sein. Solche Planungen erstrecken sich für gewöhnlich über längere Zeiträume. Man darf zumindest unterstellen, dass die "Wertegemeinschaft" seit Beginn 2015 mit Maßnahmen Moskaus gegen den drohenden Zerfall Syriens gerechnet hat.

Betrachtet man nun die Grafik der Washington Post [1] zur finanziellen Ausstattung der UN für die Flüchtlingslager in den Nachbarländern Syriens, so darf man für 2014 noch wohlwollend von Stagnation sprechen. Mit Beginn 2015 lässt sich aber die absichtliche Unterversorgung nicht mehr schönreden. "Gravierende Kürzungen der Lebensmittelrationen [...] aufgrund Unterfinanzierung bzw. nicht eingehaltener Finanzzusagen" (Wikipedia) sind die Folge. Wie schon erwähnt, keine Pistazien für Syrer. Es soll ihnen schlecht gehen.

Seit Juni 2015 mildert Mazedonien "überraschend" seine Flüchtlingspolitik; die Durchreise wird erheblich erleichtert. Die Direktroute aus der Türkei steht offen. Der viel längere, gefährlichere und teurere Weg über Libyen und Italien wird unattraktiver. Merke! Wenige Wochen zuvor: "In Mazedonien droht ein von den USA orchestrierter Staatsstreich. Nach Massenkundgebungen von Anhängern der Opposition am Sonntag und der Regierung am Montag trafen sich am Dienstag Premierminister Nikola Gruevski und der Vorsitzende der sozialdemokratischen SDSM, Zoran Zaev, auf Einladung von NATO, EU und OSZE zu Gesprächen in Strasbourg." (junge Welt, 22. Mai 2015)

Jetzt kommen nach und nach immer mehr Flüchtlinge nach Europa. Man kann ihre Motivation verstehen. Nach alledem, was ihnen als Manövriermasse der abscheulichsten Geopolitik angetan wurde, muss man es sogar.

Doch zurück zu Wladimirowitsch. Dieser ist bereits Ende August mit einem Expeditionskorps im syrischen Latakia präsent [2] und schickt sich an, Merkels Chefs zu brüskieren. Das geht natürlich nicht, und so tritt die Kanzlerin am 11. September 2015 an die Öffentlichkeit und sagt: "Das Grundrecht auf Asyl für politisch Verfolgte kennt keine Obergrenze; das gilt auch für die Flüchtlinge, die aus der Hölle eines Bürgerkriegs zu uns kommen." Amen.

Schließlich genehmigt der Russische Föderationsrat am 30. September 2015 die Erlaubnis zu einem Kampfeinsatz. Ab diesem Zeitpunkt dürfen die Pistazienbäume wieder Hoffnung haben. Ab jetzt wird auf Toyotas geballert, schwarze Flaggen eingeschlossen. Russland macht Nägel mit Köpfen, erste Erfolge stellen sich ein. Die Lufthoheit wird erdrückend. Der IS und die anderen Feinde der Pistazienbäume müssen ihre Taktik ändern. Doch die Strategie ist aufrecht. Warum?

Der moralische Schub durch Putin beflügelt zwar Assads Bodentruppen, dennoch sind sie von jahrelangen Gefechten ausgelaugt. Der Nachschub an frischen Rekruten stockt. Die Geländegewinne sind bisher nicht schlecht, aber dennoch bescheiden. Um die asymmetrische Kriegsführung der Söldnertruppen erfolgreich zu bekämpfen, bedarf es großer Truppenkontingente. Ob die syrische Restarmee dieses Ziel erreichen kann, wird die Zukunft zeigen.

Angela Merkel jedenfalls hat vorläufig eine Schlacht gewonnen: Im Auftrag ihrer Herrn hat sie alles Nötige dafür getan, dass möglichst viele männliche Syrer im wehrfähigen Alter den Weg nach Deutschland angetreten haben, um dort mit allen monetären Segnungen davon abgehalten zu werden, für das Heimatland zu kämpfen. Auf die Schnelle in befreite Dörfer zurückzukehren ist jetzt schwierig geworden. Ach, wie wäre das schön gewesen, anders als zum Jahreswechsel 2014/15, diesmal in eine vorrückende Armee einzutreten. So mancher hätte sich freiwillig gemeldet, angesichts der neuerdings prallen Munitionsdepots. Und bevor sie gegen den IS zur Waffe greifen, hätten einige andere in ihrem zerbombten Vorgarten vielleicht noch einen Pistazienbaum gepflanzt.


Quellen:
[1] https://www.washingtonpost.com/world/middle_east/as-tragedies-shock-europe-a-bigger-ref...
[2] http://www.ynetnews.com/articles/0,7340,L-4696268,00.html

Liebe Grüße ans Forum und speziell an @ebbes (Wer kann die Gründe eingrenzen?), schickt Euch "ars cogitandi"!

Will das Merkel-Regime den Umsturz in Syrien durch die Aufnahme wehrfähiger Männer unterstützen?

Dimi ⌂ @, Freitag, 13.11.2015, 23:53 vor 3732 Tagen @ Leserzuschrift 3743 Views

Hallo, schöner Beitrag!

Man kann ja lange über Merkels Motiv rätseln, derartige Einbrüche in der Popularität der Union hinzunehmen. Das Asylrecht ist es wohl nicht - siehe Snowden, wo es ihr völlig egal war. Humanität wohl auch nicht - so wird in den Flüchtlingslagern vor Ort in Ermangelung von ein paar Euros gehungert, während in Deutschland jeder Flüchtling mindestens 1000 p.m. kostet.

Nun haben wir eine historische Analogie: Wikileaks-Gründer Julian Assange hat darauf hingewiesen, dass die schwedische Regierung beim Überfall der USA auf den Irak im Jahr 2003 die Aufnahme von Kriegsflüchtlingen als Schwedens Beitrag zum Krieg zugesagt hat [1].

Damit ist ein ähnliches Motiv Merkels zumindest im Bereich des Möglichen.

Assange selbst vermutet die gezielte Schwächung durch Entvölkerung Syriens.

Das von Dir genannte Motiv Merkels scheint mir plausibler: Die gezielte Anlockung und großzügige Aufnahme möglichst vieler wehrfähiger Männer wäre dann der deutsche Beitrag zum Umsturz in Syrien.

Viele Grüße, Dimi

[1] http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2015/10/29/wikileaks-entvoelkerung-von-syrien-ist-teil-der-us-strategie/

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