Hi @Monterone und vorab bereits um Entschuldigung für das weite Ausholen bittend.
Hallo Brendan,
Nebenbei bemerkt:
Europa war in den vergangenen Jahrtausenden schon immer ein
multikultureller Kontinent.
Eigentlich müsstest Du, @monterone, hier @Brendan zustimmen, sonst widersprichst Du Dich jetzt:
Wäre das der Fall gewesen, würde Europa seit Jahrtausenden so sein wie
die USA: ein riesengroßer Matschbrei und Schmelztiegel.
Die Doktrin und Praxis der USA des "Melting Pots" sind doch aber diametral entgegengesetzt zum Konzept des Multikulturismus, oder nicht? Im ersteren geht es doch darum, eben nicht Parallelgesellschaften aufkommen zu lassen, wo jeder seine Kultur nach Gutdünken ausleben kann, ohne auf übergeordnete, gesellschaftliche Werte Rücksicht zu nehmen, was ja Multikultur im Grunde ausmacht.
Das heist in "Melting-Pot"-Konzepten bestehen in der Gesellschaft allgemeingültige, kulturell-übergeordnete Werte (Menschenrechte, Religionsfreiheit, Gleichstellung Mann/Frau, Religionsfreiheit und andere Werte der "westlichen Aufklärung") die genau verhindern sollen, dass ein Islam zum Beispiel eine Parallelgesellschaft mit der Scharia, Unterdrückung der Frau, etc. aufbauen kann. Das heisst eben aber auch nicht, dass nicht jeder seine eigene "Bratwurst"-Kultur haben darf.
Und so wie ich das verstanden habe, waren wir in Europa eigentlich eher Schmelztiegel als Multikulti. Es sind so einige fremde Kulturen in der Geschichte Europas über die zu dem entsprechenden Zeitpunkt bestehenden weggezogen. Dabei hat sich aber nie wirklich eine multikulturelle Gesellschaft herausgebildet, bzw. sind diese in Bürgerkriegen untergegangen.
Daß es genau anders gewesen ist, und wir sehr genau die verschiedenen
ethnisch-nationalen Kulturen anhand der Sprachräume identifizieren
können, zeigt, daß das Gegenteil der Fall war.
Bei Dir ist Ethnie gleich Sprachraum gleich Nation? Was für ein Kauderwelsch und fern jeder Realität.
Wäre Europa von jeher multikulturell gewesen, bräuchte es keine
Multi-Kulti-Propaganda und Flutung mit Fremdvölkern.
Na das ist ja mal eine abstruse Argumentation.
Es hätten sich auch niemals unterschiedliche Staatsnationen herausbilden
können, weil ihnen schon das Bewußtsein dafür fehlt, was sie von ihren
Nachbarn unterscheidet.
Du setzt Ethnien, "Sprachräume" und Nationen/Staaten gleich. Aber in einem Sprachraum können sowohl mehrere Ethnien existieren, die alle der selben Nation angehören. (Auch mehrere Sprachen in einer "Ethnie" sind möglich, siehe Bayerisch
" />, oder mehrere Nationen in einem Sprachraum, oder oder oder, alles frei kombinierbar...). Du machst dann, wie insgesamt die moderne Rechte, eine quasi-biologische Einheit draus. Stichwort Deutschtümelei mit dem Zugeständnis, dass auch der Franzose und Syrer "tümeln" darf, aber bitte bei sich zu Hause.
Das führt dann zum absurden Konzept eines künstlich "deutschen Leitbildes" (deutsch = Bratwurst, Sprache, Nation, Traditionen oder was?) anstatt einer europäischen (abendländischen oder westlichen wenn man so will) Werteordnung, die unsere verschiedenen Nationen, Ethnien und "Bratwurst-Kulturen" gemeinsam haben.
Das ist was ich westliche Kultur nenne (und in der ich auch die US-Amerikanische einbeziehe), bei der es einige wichtige gemeinsame Nenner gibt. Regionale Unterschiede, die Du als ethnisch-nationale Kultur bezeichnest sind vielleicht rassistische oder Sprach- und "Bratwurst"-kulturelle Unterschiede, aber keine werte-kulturellen.
Du wirst nicht verleugnen können, dass Du Dich einem Franzosen oder Amerikaner eher "verwandt" fühlst als mit einem Afghanen oder Syrier, und es gibt einige blauäugig-blonde Menschen unter denen
" />.
Somit bin ich gänzlich gegen das Konzept des modernen, "linken" Multikulturismus als auch gegen Euren eigenartigen Kauderwelsch von Ethno-National-Pluralismus, die beide gleichen Ursprungs sind, dass jeder (ob Kultur oder bei Euch die Nation=Ethnie) das Recht hat, schön nebeneinander zu machen was er will ohne dass da ein gemeingültiger, menschlicher Werteüberbau störend wirkt. Nur in den Entitäten unterscheiden ihr euch.
Für mich ist beides die Relativierung und Entkriminalisierung von allen möglichen Verbrechen gegen die Menschlichkeit.
Deshalb finde ich auch den Ruf der Grünen/Linken nach (notwendigem!) Multikulti ohne gleichzeitig Konzepte und Maßnahmen vorzuhalten, diesen einem ethischen Überbau zu unterwerfen, also in "unsere Welt" zu integrieren, so absurd und gefährlich.
Die Gefahr, die ich sehe, ist dass sich dadurch Parallelgesellschaften bilden, die von ihren gelebten kulturellen Werten her (nicht ob sie Kebab oder Bratwurst bevorzugen!), mit den unsrigen EUROPÄISCHEN (für mich Synonym für "insgesamt westliche") nicht kompatibel sind und daher gehörig Konfliktpotential hervorbringen, das sich dann irgendwann entlädt.
Und ich bin zwar genügend Fatalist, diese Entwicklung zu sehen, die die Beendigung des hyperkollektivistischen Experiments ohne Zweifel beschleunigen wird, aber nicht zynisch oder böswillig genug, sie zu begrüssen, noch gar zu fördern oder zu feiern. Das machen dann lieber unsere linken und rechten Pappenheimer (unfreiwillig?) von ganz allein, gell? (Nein, wir intervenieren nicht in fremde Angelegenheiten, auch wenn Genozide drohen. Ruanda, Kongo, Libyen, Irak, Syrien...was interessieren uns die MENSCHEN dort. Sie haben doch ihr (kulturelles oder wahlweise auch ethnisches) Selbstbestimmungsrecht, auch auf die Gefahr hin, von ihrem Lieben Führer oder anderen, die Rechnungen offen zu haben meinen, abgeschlachtet zu werden. Oder, wie konnten es der Ami oder Tommy nur wagen, bei uns zu intervenieren und auch noch seine uns kulturfremde Demokratieauffassung aufzuzwingen, wo wir doch so schön dabei waren, unser Selbstbestimmungsrecht und kulturelle Eigenart in den KZs auszuleben. et cetera.)
Monterone
Gruss Sucram
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"Den Staat (oder irgendwas anderes) zu bekämpfen macht ihn nur stärker.
Willst Du den äußeren Staat erschüttern, dann erschüttere den Staat in Dir." (@Konstantin)