Die Deutschen und die Obrigkeit
Was sich die politische Klasse wie eine über den Menschen schwebende Herrenrasse erlaubt, ist nur möglich, weil das Volk in alter Obrigkeits-Hörigkeit sich treu-doof alles bieten lässt. Es ist ein Grundproblem der Gegenwart. Es ist bei der Masse so wenig Freiheits-Bewusstsein vorhanden. Freiheit ist durch Freizeit ersetzt.
Wie hatte das Heinrich Heine schon beklagt und mit Spott überzogen:
„Es lässt sich nicht leugnen, dass auch die Deutschen die Freiheit lieben, aber anders wie andere Völker. Der Engländer liebt die Freiheit wie sein rechtmäßiges Weib, er besitzt sie, und wenn er sie auch nicht mit absonderlicher Zärtlichkeit behandelt, so weiß er sie doch im Notfall wie ein Mann zu verteidigen. Der Franzose liebt die Freiheit wie seine erwählte Braut. Er glüht für sie, er flammt, er wirft sich zu ihren Füßen mit den überspanntesten Beteuerungen, er schlägt sich für sie auf Tod und Leben, er begeht für sie tausenderlei Torheiten. Der Deutsche liebt die Freiheit wie seine alte Großmutter.“
Nur verhältnismäßig wenige, die vom Volk als Narren angesehen werden oder auch sich als Narren (Kabarettisten) geben, wagen sich offen zu empören. Doch davon geht für die Herrschenden keine Gefahr aus. Sie können unbesorgt sein.
„Seid auch außer Sorge in betreff der kleinen Narren, die euch zuweilen mit bedenklichen Späßen umgaukeln. Der große Narr schützt euch vor den kleinen. Der große Narr ist ein sehr großer Narr, riesengroß, und er nennt sich deutsches Volk. …
Aber habt ihr gar keine Furcht, dass dem Narren mal all die Lasten zu schwer werden, und dass er eure Soldaten von sich abschüttelt und euch selber, aus Überspaß, mit dem kleinen Finger den Kopf eindrückt, so dass euer Hirn bis an die Sterne spritzt?
Fürchtet euch nicht, ich scherze nur. Der große Narr bleibt euch untertänigst gehorsam, und wollen euch die kleinen Narren ein Leid zufügen, der große schlägt sie tot. …
Wann erheben sich die Deutschen vom Untertanen zum freien Menschen?
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