Deflation volle Fahrt voraus: Entwicklung der Buchkredite im Euro-Währungsgebiet

Ashitaka @, Dienstag, 03.11.2015, 23:17 vor 3739 Tagen 4367 Views

bearbeitet von unbekannt, Dienstag, 03.11.2015, 23:31

Winke Winke,

Der bank lending survey vom 20.10.2015 dokumentiert im dritten Quartal eine deutliche Zunahme der Kreditnachfrage ("kannste mal?") deutscher Unternehmen (+13) und privaten Haushalte (Wohnungsbau +41, Konsumenten +23). Die Prognose für das vierte Quartal 2015 ist derweil verhalten und auf das weiterhin schlechte Firmenkundengeschäft zurückzuführen (dennoch +9 prognostiziert). Auch der Bedarf für Immobilien wird trotz der zurückliegenden Steigerungen vorsichtigt bewertet (Wohnungsbau +7, Konsumenten +6).

Auf Unternehmensseite sind steigende Planungen von Anlageinvestitionen (+16), der anhaltende Umschuldungsbedarf (+16), sowie die Mitnahme von Zinsvorteilen (+25!) für die steigende Kreditnachfrage verantwortlich. Bemerkenswert ist, dass nun bereits 8 Quartale in Folge der Kreditbedarf im Bereich der Lagerhaltung und Betriebsmittelinvestitionen sinkt (-19/-6/-9/-6/-23/-13/-3/-10). Schaut man sich die Entwicklung der Innenfinanzierung deutscher Unternehmen an, sieht es auch nicht besser aus.

Nun zu den Bestandsentwicklungen der Buchkreditforderungen ("wat habter denn so?"):

Die aktivierten Buchkreditforderungen der deutschen Kreditinstitute haben sich im dritten Quartal 2015 um 15,2 Milliarden Euro (0,58%) von 2.557,3 auf 2.572,5 Milliarden erhöht. Gratulation.

In der gesamten Währungsunion sind die Buchkreditforderungen der Kreditinstitute im dritten Quartal 2015 hingegen um 46,4 Milliarden Euro (-0,43%) von 10.757,1 auf 10.710,7 Milliarden Euro gesunken. (Die Instrumente der EZB wirken!)

Quelle: Konsolidierte Bilanz der Monetären Finanzinstitute (MFIs) Stand 30.10.2015

Interessant auch folgender Überfliegerbericht:

http://www.wiwo.de/politik/europa/ezb-kreditvergabe-im-euro-raum-zieht-weiter-an/124742...

Interessant deshalb, weil das Kernproblem ("wat wollter denn zurück haben?") gar nicht thematisiert werden will. Wir lesen zwar hier und da etwas über die Kreditnachfragen und Kreditvergaben, aber irgendwie werden die in den letzten Jahren steigenden Kredittilgungspflichten ("dat wolln wir wieder haben") nur wenig thematisiert. Diese haben den Bestand der Buchkreditforderungen im Währungsraum trotz steigender Nachfragen/Vergaben insgesamt um 46,4 Milliarden Euro gemindertet. Nix "mehr Kredite", sondern "Die Instrumente der EZB versagen!". Pustekuchen, Luft.

Nun bitte ganz feste für die tapferen Deflations-Fighter in der EZB beten und wieder Stuß lesen. Da wird auch noch mal erklärt wie das mit der Deflationsbekämpfung laufen soll: http://blog.zeit.de/herdentrieb/2015/10/27/ezb-mit-noch-mehr-geld-gegen-die-deflation_8979

Herzlichst winkend,

Ashitaka

--
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Quell jeglicher Ordnung. Wer das Wort neu ordnet, der versteht wie
die Welt im Innersten funktioniert.

Vielen Dank für die Zusammenfassung. (oT)

inno @, Mittwoch, 04.11.2015, 12:43 vor 3739 Tagen @ Ashitaka 1497 Views

- kein Text -

„Überschuldungskrisen lassen sich nicht und durch nichts aus der Welt schaffen“ Dottore (THX und LG) (oT)

Silke, Mittwoch, 04.11.2015, 12:49 vor 3739 Tagen @ Ashitaka 2003 Views

- kein Text -

'Gesunde' Entwicklung

Zarathustra, Mittwoch, 04.11.2015, 15:16 vor 3738 Tagen @ Ashitaka 1865 Views


Interessant auch folgender Überfliegerbericht:

http://www.wiwo.de/politik/europa/ezb-kreditvergabe-im-euro-raum-zieht-weiter-an/124742...

Interessant deshalb, weil das Kernproblem ("wat wollter denn zurück
haben?") gar nicht thematisiert werden will. Wir lesen zwar hier und da
etwas über die Kreditnachfragen und Kreditvergaben, aber irgendwie werden
die in den letzten Jahren steigenden Kredittilgungspflichten ("dat wolln
wir wieder haben") nur wenig thematisiert. Diese haben den Bestand der
Buchkreditforderungen im Währungsraum trotz steigender Nachfragen/Vergaben
insgesamt um 46,4 Milliarden Euro gemindertet. Nix "mehr Kredite", sondern
"Die Instrumente der EZB versagen!". Pustekuchen, Luft.

Hallo Ashitaka

Das ist im Prinzip eine 'gute' Nachricht. Denn das bedeutet, dass trotz Netto-Tilgung/Abschreibung die Wirtschaft leicht gewachsen ist, durch Produktivitätssteigerung. Die Relation BIP/Kreditbestand hätte sich demnach verbessert.

Beste Grüsse, Zara

@Zarathustra

Ashitaka @, Mittwoch, 04.11.2015, 18:29 vor 3738 Tagen @ Zarathustra 2174 Views

bearbeitet von unbekannt, Mittwoch, 04.11.2015, 18:38

Das ist im Prinzip eine 'gute' Nachricht.

An welches Prinzip denkst du dabei konkret?

Denn das bedeutet, dass trotz
Netto-Tilgung/Abschreibung die Wirtschaft leicht gewachsen ist, durch
Produktivitätssteigerung. Die Relation BIP/Kreditbestand hätte sich
demnach verbessert.

Man mag bitte an die Leistungsbilanzüberschüsse der Eurozone denken. Aus dem Cash dieser Summen werden die "Bestandsminderungen der MFI-Kreditforderungen" (=Tilgungen) bestritten. Wir können uns das weiterhin sinkende Niveau nur noch deshalb erlauben. In den letzten 24 Monaten sind die Kreditforderungen der MFI's im Euroraum um 184,8 Milliarden Euro gesunken. Halte die Außenhandelsbilanzüberschüsse von Eurostat dagegen und es wird klar wie der Hase läuft.

Produktivitätssteigerung als solches führt nicht zu cash. Cash fluppt nur über Kreditwesen und den Import von Cash durch Leistungsbilanzüberschuss. Warten wir ab, wie sich die Importstatistiken und -prognosen der Drittstaaten weiter entwickeln. Sind ja schon sehr düster aus. Dürfte in der EU für weitere deflationäre Impulse sorgen. Nicht vergessen, dass die derzeit laufende Nachfrage vor allem auf Umschuldungen und die Mitnahme von Zinseffekten beruhen. Dass der Kreditbedarf zwecks Finanzierung der Vorräte seit Jahren zurückgeht, dass die Anlageinvestitionen ebenfalls kein nachhaltiges Wachstum zeigen, das alles passt bestens zu den sinkenden Wachstumsraten.

Also, bitte lasst uns endlich ein staatlich gefördertes Programm im Rahmen von jährlich mind. 40-50 Milliarden Euro in DE schaffen, um z.B. den Wohnungsbau in die Höhe zu treiben. New Credits, neue Beleihungen, braucht das Land. Die Flüchtlinge sind eine tolle Lösung, zudem ein richtig toller Verteilungsarm für die so oder so unaufhaltbaren Ausgabenerhöhungen (Transferleistung).

Herzlichst,

Ashitaka

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