RIP Günter Schabowski - mit einer sehr persönlichen Anmerkung

Gaby @, Sonntag, 01.11.2015, 20:47 vor 3741 Tagen 5584 Views

Moin,

heute ist Günter Schabowski verstorben. Ich habe selbst (leider) nur mit ihm telefoniert, mein Mann hat ihn kennen gelernt. Er (mein Mann) hat heute deshalb auf seiner Facebook-Seite noch einmal einen sehr persönlichen Eintrag dazu gemacht, den ich unkommentiert nachfolgend einkopiere.

Personen der Zeitgeschichte. Weiss Gott nicht unumstritten. Was Schabowski ganz, ganz hoch anzurechnen ist, ist seine sehr kritische und ehrlich-kritische Auseinandersetzung mit seiner politischen Vergangenheit.

Möge er in Frieden ruhen. Hier noch das Posting meines Angetrauten samt Link.

Viele Grüße

Gaby


"Es gibt so Nachrichten, die lassen einen nicht unberührt. Zu den Höhepunkten meiner journalistischen Laufbahn gehörte ein Hintergrundgespräch in Berlin mit Günther Schabowski (und seiner Frau Irina) - dem Mann, der 1989 mehr oder weniger aus Versehen die Berliner Mauer öffnete. Schabowski, der 1990 aus der SED-Nachfolgepartei PDS ausgeschlossen wurde, bekannte sich im Gegensatz zu den meisten anderen DDR-Politgrößen zu Mitverantwortung und moralischer Schuld, auch am Schießbefehl an der Mauer. Dafür wurde er zu drei Jahren Gefängnis verurteilt, von denen er knapp ein Jahr absitzen musste bis zu seiner Begnadigung.

An diesem Abend war außer Schabowski noch ein etwa gleich alter Zahnarzt dabei. Dieser hatte in den ersten Monaten der DDR im Alter von 15 Jahren mit ein paar gleich alten Freunden zusammengestanden, alle hatten herum gemault, dass sie in den Westen rübermachen würden, wenn es vor Ort nicht besser werden würde. Wenige Stunden später drückte die Mutter des Jungen, die einen Tipp erhalten hatte, ihm ein Fahrrad in die Hand mit der Ansage, so schnell es ginge in den Westen zu radeln, was von dem Ort aus eine überschaubare Strecke war. Alle seiner Kumpel wurden vom NKWD abgeholt, nicht einer kam lebend zurück.

Daraus entspann sich ein stundenlanger Dialog zwischen den beiden, in denen sie ihre Lebensgeschichten abglichen. Bei Schabowski kam sehr klar rüber, wie sehr er sich mit seinem Wirken im DDR-Regime kritisch auseinander gesetzt hatte. Es ist bezeichnend, dass er schon 1990 aus der PDS ausgeschlossen wurde und bis zu seinem Tod in der LINKEN alles andere als wohl gelitten war. Bezeichnend für die Partei, nicht für ihn.

Ein faszinierender Mann, der mit seinem historischen Satz „Das tritt nach meiner Kenntnis … ist das sofort, unverzüglich“ die Mauer zu Fall brachte. Ein Satz, für den er keine Vorgaben seitens des Politbüros hatte und den er deshalb mehr oder weniger spontan sagte …

Mehr im Interview mit Peter Hahne auf Youtube.

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"Das Dumme an Internetzitaten ist, dass man nie weiß, ob sie auch stimmen." Leonardo da Vinci

nach langer Krankheit

LLF @, Sonntag, 01.11.2015, 20:58 vor 3741 Tagen @ Gaby 3638 Views

heute ist Günter Schabowski verstorben.

Im Alter von 86 Jahren - "Schabowski war seit langem schwer krank, wurde betreut und trat nicht mehr öffentlich auf."

Erkenntnisgewinn des Postings? (oT)

Gaby @, Sonntag, 01.11.2015, 21:00 vor 3741 Tagen @ LLF 3127 Views

- kein Text -

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"Das Dumme an Internetzitaten ist, dass man nie weiß, ob sie auch stimmen." Leonardo da Vinci

Mir kommen die Tränen

Zweistein @, Sonntag, 01.11.2015, 21:05 vor 3741 Tagen @ Gaby 3608 Views

Sorry @gaby, aber ich denke, du kannst auch eine gegensätztliche Meinung ertragen.

Er war zu DDR-Zeiten eher der Scharfmacher-Riege zuzuordnen. Seine Unkenntnis, was er da zur "Maueröffnung" antworten sollte, hat ihn zu einer Legende gemacht, die ganz und gar nicht seinem Wesen entsprach.
Er hat nur schnell erkannt, dass ihm das im Nachhinein nützen könnte.

Für mich leider eine Fahne, die sich im Wind drehte.

Ich wünsche aber niemandem den Tod, auch ihm nicht.
Sterben werden wir trotzdem alle. Tränen werde ich für ihn nicht vergiessen.

Zweistein

--
Ich glaube, mit Digitalisierung ist die Verbreitung von Blödheit in Lichtgeschwindigkeit gemeint.
Zweistein

Es geht doch gar nicht darum, jemanden schön zu reden ...

Gaby @, Sonntag, 01.11.2015, 21:15 vor 3741 Tagen @ Zweistein 3164 Views

Moin,

was für eine "gegensätzliche Meinung" denn? Ich habe doch mit diesem Posting nicht gesagt, ich wäre Schabowski-Fan. Doch wir hier im Gelben haben es doch gelegentlich gerne, wenn jemand ein "wenig mehr" beitragen kann, als man in den MSM lesen kann. Und nun ist es nun mal so, dass mein Mann einen - ich erinner mich gut, als er heim kam - wirklich aufwühlenden Abend hatte, den er ja auch beschrieb.

Mit dem Gelben sieht man besser. Oder liest auch mal Sachen, die nicht in der Zeitung stehen. Individuell geprägt, vielleicht unwichtig ... aber eben speziell.

Nicht mehr und nicht weniger. Und wer sich das Interview mit Hahne angucken mag, der hat hinterher auch ein paar Eindrücke mehr in der Birne als Ottonormal.

Viele Grüße

Gaby

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"Das Dumme an Internetzitaten ist, dass man nie weiß, ob sie auch stimmen." Leonardo da Vinci

Mich interessiert dein Eindruck

Rybezahl, Sonntag, 01.11.2015, 21:26 vor 3741 Tagen @ Gaby 2982 Views

Hallo Gaby!

heute ist Günter Schabowski verstorben. Ich habe selbst (leider) nur mit
ihm telefoniert, mein Mann hat ihn kennen gelernt.

Friede sei mit ihm!

Mich interessiert dein persönlicher Eindruck. Oder war das nur ein kurzes "Hallo - Tschau"? Ich weiß, das ist sehr schwierig bei nur einem Telefonat. Trotzdem.
(Ist das jetzt das typische "und wie war er so"?)

Gruß!

--
Dieses Schreiben wurde elektronisch erstellt und enthält deshalb keine Unterschrift.

Ja, ok, wollte ich dir auch nicht unterstellt haben, ihn schön zu reden (oT)

Zweistein @, Sonntag, 01.11.2015, 21:34 vor 3741 Tagen @ Gaby 2912 Views

- kein Text -

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Ich glaube, mit Digitalisierung ist die Verbreitung von Blödheit in Lichtgeschwindigkeit gemeint.
Zweistein

Antwort

LLF @, Sonntag, 01.11.2015, 21:38 vor 3741 Tagen @ Gaby 3094 Views

bearbeitet von unbekannt, Sonntag, 01.11.2015, 21:41

Ab einem gewissen Alter und Krankheitszustand könnte man den Übergang auch als Erlösung bezeichnen.
Vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Sterben

Das stimmt nur zu Teil - Er war ein Betonkopf und hatte wüste Sachen zu verantworten

azur @, Sonntag, 01.11.2015, 22:16 vor 3741 Tagen @ Gaby 3265 Views

Hallo Gaby,
Hallo Gabys Mann,

das Folgende muss man imho anders sehen:

Bei Schabowski kam sehr klar
rüber, wie sehr er sich mit seinem Wirken im DDR-Regime kritisch
auseinander gesetzt hatte.

Es stimmt, dass es bei etlichen Älteren schnell welche gab, die Schabowskis Auseinandersetzung mit der DDR als Verrat begrieffen. Selbst mit Erstaunen erlebt.

Aber dem liegt ein Irrtum zu Grunde:

Es ist bezeichnend, dass er schon 1990 aus der
PDS ausgeschlossen wurde und bis zu seinem Tod in der LINKEN alles andere
als wohl gelitten war. Bezeichnend für die Partei, nicht für ihn.

Er war zum einen als Betonkopf berühmt. Habe ihn als Berliner Schüler und Lehrling noch ein paar Mal erleben können, wo er ja, neben seinen sehr hohen Parteifunktuionen (es wurde t. w. zum Ende hin in Veranstaltungen mit ihm versucht, Schabowski mit möglichst harmlos klingenden Fragen ins Schwitzen zu bringen, was auch schnell gelang):

"1967 bis 1968 die Ausbildung an der Parteihochschule der KPdSU in Moskau. Im Anschluss arbeitete Schabowski beim SED-Zentralorgan Neues Deutschland, zunächst als stellvertretender Chefredakteur, von 1978 bis 1985 als Chefredakteur und zugleich Mitglied des Zentralvorstands des Verbandes der Journalisten der DDR (VDJ). Mit dieser für die Parteipropaganda wichtigen Position war ein weiterer politischer Aufstieg verbunden. 1981 wurde er Mitglied des Zentralkomitees (ZK) der SED und 1984 Mitglied des Agitationskomitees beim Politbüro des ZK der SED. 1985 wurde er nach dem Sturz von Konrad Naumann Erster Sekretär der Bezirksleitung der SED von Ost-Berlin und damit auch Vorsitzender der Bezirkseinsatzleitung Berlin. "

Unter seiner Führung wurden am Ende der DDR in Berlin massenhaft Demonstranten verhaftet und zusammengeschlagen:

"Am 18. November 1989 setzte die Volkskammer der DDR einen Ausschuss zur Untersuchung von Amtsmissbrauch, Korruption und persönlicher Bereicherung ein. Hierzu beantragte der Ausschuss bei der DDR-Staatsanwaltschaft Haftbefehl.[24] Schabowski sagte dort am 18. Januar 1990 aus, das brutale Vorgehen der Sicherheitskräfte bei den Demonstrationen am 6./7. Oktober 1989 in Berlin sei auf Anweisung Erich Honeckers geschehen, er selbst habe von den Festnahmen und Misshandlungen erst aus Zeitungen erfahren. Klaus-Dieter Baumgarten dagegen, ehemals Kommandeur der Grenztruppen, entgegnete im Neuen Deutschland, Schabowski sei als Erster Sekretär der SED-Bezirksleitung Berlin über alle „Vorkommnisse an der Grenze zu Berlin-West zeitgerecht, sachlich und exakt informiert“ worden."

Und da war auch so etwas:

"Schabowski gehörte auch zu denen, die 1988 in der Ossietzky-Affäre der Repression das Wort redeten: Am 11. September 1988 hatten an der Erweiterten Oberschule (EOS) „Carl von Ossietzky“ in Berlin-Pankow einige Schüler, darunter Philipp Lengsfeld, Sohn der ausgebürgerten Vera Wollenberger, auf der jährlich üblichen Kundgebung für die Opfer des Faschismus mit eigenen Transparenten gegen Neonazis in der DDR Anstoß bei der Obrigkeit erregt. Es folgten Aushänge zu Gunsten der Solidarność, gegen die traditionellen Militärparaden der Nationalen Volksarmee am Jahrestag der DDR und ein ironischer Kommentar zum Gedicht eines Soldaten über seine Waffe. In der Schule kam es zu lebhaften politischen Diskussionen und zum Anfertigen einer Unterschriftenliste. Spätestens diese Liste bewog den Schulleiter, die Vorgänge an politische Gremien außerhalb der Schule zu melden. Schließlich schaltete sich Margot Honecker als zuständige Ministerin ein und verlangte strenge Sanktionen. Schabowski war von den Eltern eines der Schüler um Vermittlung gebeten worden. Aber schließlich wies er an:

„Es ist eine eindeutige Atmosphäre im gesamten FDJ-Kollektiv zur Ablehnung der Handlungsweise der provozierenden Schüler herauszubilden, die bis zum Punkt geführt werden sollte, dass die FDJler der Auffassung sind, dass die betreffenden Schüler nicht an eine EOS gehören.“

Trotz deutlicher Kritik durch Mitglieder der DDR-Opposition wie Stephan Hermlin, Christoph Hein und Marianne Birthler und die Internationale Liga für Menschenrechte und trotz der Fürsprache durch Vertreter der Evangelischen Kirche wie Bischof Gottfried Forck endeten die Vorgänge mit dem Schulverweis einiger Schüler und der Rücknahme bisher gewährter schulischer Freiheiten.[1][2]"

Kenne auch Beteiligte dieser bitteren Geschichte.

Schabowski hat, nach dem Wiki-Artikel, auch früher als andere, zumeist aber erst im Herbst, als die Wende längst lief, Kontakt zur Oposition aufgenommen.

Vertraut hat ihm nirgends jemand. Er galt als Betonkopf und mächtiger Wendehals.

Für meinen Teil glaube ich ihm seine spätere ersthafte Auseinandersetzung mit dem Staat, aber es bleibt nun mal eine Saulus, Paulus Geschichte.

Noch mal dazu:

Es ist bezeichnend, dass er schon 1990 aus der
PDS ausgeschlossen wurde und bis zu seinem Tod in der LINKEN alles andere
als wohl gelitten war. Bezeichnend für die Partei, nicht für ihn.

Dann schau mal, mit wem zusammen er ausgeschlossen wurde. Das waren die absolut schlimmsten Finger. Die, die in der frühen Wende abgelöst wurden, wie viele Chefredakteuere und Funktionäre wie Ute Eiweleit (Studten-Sekretäring beim Zentralrat der FDJ), waren selbst den eigenen Reihen zu heftig.

https://de.wikipedia.org/wiki/G%C3%BCnter_Schabowski#Verlust_der_Macht

Er ist da nicht durch Zufall in die Reihe geraten.

Und dass er von der, selbst für die DDR, beispiellosen Polizeigewalt am 7. Oktober 1989 in Berlin nicht gewusst haben will, ist eine bodenlose Frechheit!

So brutal ging das über Stunden zu: http://www.chronikderwende.de/wendepunkte/wendepunkte_jsp/key=wp7.10.1989.html
http://www.jugendopposition.de/index.php?id=642

Das will er in seiner Position, in seinem Zuständigkeitsbereich: "Erster Sekretär der Bezirksleitung der SED von Ost-Berlin und damit auch Vorsitzender der Bezirkseinsatzleitung Berlin" nicht gewusst haben?

Das war die Bezirkeinsatzleitung: http://www.ddr-wissen.de/wiki/ddr.pl?Bezirkseinsatzleitung !

Siehe das Schema unten: http://www.bstu.bund.de/DE/Wissen/Aktenfunde/Isolierungslager/_node.html

Schabowski war Vorsitzender dieser Truppe!

(Das einzige Urteil wegen Wahlfälschung usw. erging ausgerechnet gegen Modrow, dem genau diese Verantwortung vorgeworfen wurde "Vorsitzender der Bezirkseinsatzleitung": http://www.zeit.de/1993/23/gejagt-von-der-unschuld )

Ruhe er in Frieden!

Viele freundliche Grüße

azur

--
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Meide das Destruktive - suche das Konstruktive.

Fahne in Wende?

Hinterbänkler @, Schweiz - tief im Emmental, Sonntag, 01.11.2015, 23:54 vor 3741 Tagen @ Zweistein 2571 Views

Für mich leider eine Fahne, die sich im Wind drehte.

Hallo Zweistein,

nein, das kann man von ihm nicht sagen.
Ich war Anfang der 90er einige Male bei ihm zu Hause und in interessante Diskussionen verwickelt.
Die Wende war für ihn eine wichtige Lektion für die persönliche Entwicklung.
Nach der Wende ist er extrem selbstkritisch mit sich (und natürlich mit den anderen aus dem Politbüro) umgegangen, im Gegensatz zu all den anderen, die ihre Fahne wirklich in den Wind hingen.
Die Gefängnisstrafe hat er für sich 100% akzeptiert.

Danke und Gruß
Hinterbänkler

--
...und es gibt überhaupt gute Gründe dafür, zu mutmassen, daß in einigen Stücken die Götter insgesamt bei uns Menschen in die Schule gehen könnten. Wir Menschen sind - menschlicher ...

Friedrich Nietzsche 'Jenseits von Gut und Böse'

Danke für das Einstellen des Interviews!

Olivia @, Montag, 02.11.2015, 14:01 vor 3740 Tagen @ Gaby 2046 Views

Hallo Gaby,

Ich habe gestern bei N24 gelesen, dass er einer der Wenigen war, die sich klar zu ihrer Mitschuld bekannt haben. Das hat mich beeindruckt. Insofern ist auch dein Post und dein Link für mich sehr interessant.

Viele Grüsse

--
For entertainment purposes only.

Nachruf von Vera Lengsfeld (ex Wollenberger selbst). Liest sich irgendwie anders als das, was Du beschreibst (+edit)

Gaby @, Montag, 02.11.2015, 14:27 vor 3740 Tagen @ azur 2283 Views

bearbeitet von unbekannt, Montag, 02.11.2015, 14:37

Moin,

also, wenn selbst Vera Lengsfeld, ehemals Wollenberger, Schabowski in einem Nachruf mehr als würdigt, scheinen die Dinge doch ein wenig anders zu sein, als Du sie darstellst. Du erwähnst sie direkt, deshalb der Nachtrag.

Hier zum Nachruf

Viele Grüße

Gaby

PS: Und das, was Du zu Philip Lengsfeld schreibst, das ist ja bloß alles wieder copy paste wikipedia.

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Mein Eindruck ist zu kurz, um zu zählen. Ich fand ihn angenehm und sehr menschlich

Gaby @, Montag, 02.11.2015, 14:39 vor 3740 Tagen @ Rybezahl 2192 Views

Moin,

vielleicht sollte ich den Grund voraus schicken, warum wir telefonierten. Nachdem mein Mann ihn ja kennen gelernt hatte und hier an der Deutschen Schule in Thessaloniki damals ein sehr aktiver und engagierter Geschichtslehrer wirkte, entstand die Idee für das Jahr 2010, also 20 Jahre Deutsche Einheit, Schabowski an die Schule zu holen. Um von der Pressekonferenz, von den Wendezeiten zu berichten.

Er war sofort bereit dazu. Leider scheiterte das Projekt dann doch. Zum einen an der Flugangst seiner Frau Irinia (man hätte mit dem Zug anreisen müssen, eine rund 40-Stunden-Tour von Berlin damals) und dann an seiner damaligen körpferlichen Verfassung. Er hatte bereits mindestens einen Infarkt gehabt, erholte sich gerade davon und ein Herzschrittmacher stand an (meine ich mich zu erinnern).

Wie gesagt: Das Gespräch war nicht lang, aber sehr freundlich. Berührt hat mich, wie zärtlich er nach so langer Ehe von seiner Frau sprach.

Mehr weiss ich dazu leider nicht zu sagen.

Viele Grüße

Gaby

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Estens ist Vera selbst eine schillerne Person und zweitens sind die geschilderten Umstände belegt

azur @, Montag, 02.11.2015, 15:02 vor 3740 Tagen @ Gaby 2302 Views

bearbeitet von unbekannt, Montag, 02.11.2015, 15:11

Moin,

Hallo,


also, wenn selbst Vera Lengsfeld, ehemals Wollenberger,

Vera ist selbst eine schillerne Person - siehe allein ihren Zug durch die Parteien: SED (75 - 83, und ist es ehrenhaft, dass und warum sie ausgeschlossen wurde!*), Grüne, CDU (wo sie auf dem CDU-Parteitag 2003 eine selten peinliche Eloge auf Merkel hielt - das war nicht viel anders, als Elogen in der DDR auf den Staatsratsvorsitzenden - die Problme mit Konvertiten sind bekannt und es war wie eine Illustration dafür).

Hier sieht man sie differenziert: http://www.ddr89.de/ddr89/personen/lengsfeld.html

Schabowski in
einem Nachruf mehr als würdigt, scheinen die Dinge doch ein wenig anders
zu sein, als Du sie darstellst.

Die geschilderten Umstände sind nun mal so, wie sie auch belegt wurden (und nicht nur über wiki, nicht wahr?).

Du erwähnst sie direkt, deshalb der
Nachtrag.

Danke.

Dass sie nun einen lobt, der sich kritisch mit der DDR-Vergangenheit auseinandergesetzt hat (wie Du lasest, nahm ich es ihm, und da bin ich eine Ausnahme, sogar ab), ist nicht verwunderlich.


PS: Und das, was Du zu Philip Lengsfeld schreibst, das ist ja bloß alles
wieder copy paste wikipedia.

Na dann schau mal das hier:
http://www.bstu.bund.de/DE/Wissen/Aktenfunde/Ossietzky/ossietzky_node.html

https://www.bstu.bund.de/DE/Wissen/Aktenfunde/Ossietzky/ossietzky_kowalczuk.html

http://www.jugendopposition.de/fileadmin/Redaktion/Arbeitsmaterialien/bpb_Schulkonflikt...

https://ddrwebquest.wordpress.com/2011/06/25/horch-und-guck-72-schule-in-der-ddr/

Das war ein riesen Skandal, und ist gut erforscht und belegt.

Da etliche Freunde von mir in dieser Zeit auf der Ossi (so wurde diese Schule genannt) in Pankow waren (stamme selbst aus Pankow), habe ich das auch damals recht gut mitbekommen.

Kopiere nun mal nichts - das kannst Du Dir auch durchlesen: https://de.wikipedia.org/wiki/Ossietzky-Aff%C3%A4re

Die gesamte DDr-Oposition wurde durch den Vorfall elektrisiert, und auch andere.

Und es ist und bleibt nunmal so, dass er Vorsitzender der Bezirkseinsatzleitung war, die besonders der Verbindung von SED, der Stasi, der Abteilung "Inneren" und der Polizei diente. Und zwar, als am 7. / 8. Oktober 89 masssive Polizeigewalt gegen Demonstranten angewendet wurde. mit Massenverhaftungen.

http://www.berliner-zeitung.de/archiv/am-7--und-8--oktober-1989-wurden-friedliche-demon...

http://revolution89.de/?PID=static,Revolution,00040-Proteste-zum-Geburtstag,00030-Demon...

http://revolution89.de/?PID=static,Revolution,00050-Gethsemanekirche-Berlin,Index_de

Das war eindeutig, wie noch vieles mehr, unter Schabowski!

Man soll ja über Tote an sich nichts Schlechtes sagen, aber nun ist es wohl notwendig: Der ist schon früher als falscher Fuffziger bekannt gewesen, der sich volkstümlich geben konnte, aber immer auch ein stalinistischer Drecksack sein.

Habe mir auch nicht ausgedacht, welche außerordentlich hohe Funktionen und Positionen der inne hatte. Denkst Du, die konnte jeder erreichen? Nein, eben ganz bestimmt nicht! Dazu musste man Honecker und Mielke extrem gefallen.

Viele freundliche Grüße

azur

*) Auch der Umstand, dass sie von eigenen Ehemann für die Stasi ausgespitzelt wurde, darf nie vergessen werden.

PS: https://de.wikipedia.org/wiki/Nomenklatura#Deutsche_Demokratische_Republik

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Meide das Destruktive - suche das Konstruktive.

Meinen Respekt hat er

Michael Krause @, Montag, 02.11.2015, 17:39 vor 3740 Tagen @ Gaby 2104 Views

Alle diejenigen, die jetzt den Stab über Schabowski brechen, sollen erst einmal beweisen, dass sie es an seiner Stelle besser gemacht hätten, das gilt insbesondere für all die Opportunisten aus der Politik, insbesondere im Westen.

Ich gehöre zu den wenigen Wessis, die auch schon vor dem Mauerfall im Osten waren. Mein akademischer Lehrer hat zusammen mit Prof. Kaul viele politische Strafverfahren geführt. Wer diese Zeit der Bundesrepublik einmal nachvollziehen möchte, dem sei die Biographie von Posser, Anwalt im kalten Krieg ans Herz gelegt. Die McCarthy Ära gab es auch im Westen, nur spricht darüber keiner mehr.

Dass die DDR so nicht zu erhalten war, hat übrigens schon Mittag erkannt. Sein Buch, Um jeden Preis, mit persönlicher Widmung, steht noch heute in meinem Bücherschrank. Das sollten mal diejenigen lesen, die noch heute an die Überlebensfähigkeit der DDR und dem Märchen vom bösen Wessi glauben. Ans Herz legen möchte ich das Kapitel über den DDR Chip. Mir haben sie noch 1990 erzählt, Sachsenring solle den Trabant weiterbauen, für den Exportmarkt, insbesondere Ägypten. Auch über die Sket werden hier Legenden verbreitet, nicht Azur? Da ich selber an der TAKRAF Restrukturierung beteiligt war, habe ich erst kürzlich für einen Vortrag vor einer irakischen Delegation einmal die Privatisierung Sket und TAKRAF Stand heute verglichen. Die TAKRAF wurde komplett zerschlagen, bei der Sket hatte man die Großmannsträume weiterverfolgt und wollte das Kombinat unbedingt erhalten. Heute gibt es im ehemaligen TAKRAF Verbund 10-mal so viele Arbeitsplätze wie im alten Sketverbund. Das war vor allem Dohnanyis Verdienst, der das den Gewerkschaften verkauft hat. Also lieber Azur, bitte keine Märchen erzählen. Bei meinem Besuch im Irak direkt nach dem Golfkrieg war ich in einer Ziegelei in Hilla. Die einzige Maschine, die dort noch funktionierte, war eine alte Seilzugmaschine der Sket. Für diese Märkte war Sket gut geeignet, das heißt aber nicht, dass deren Produkte weltmarktfähig waren.

Also lasst Schabowski in Frieden ruhen. Der war keiner der Bösen, menschenverachtenden Kader. Meinen allergrößten Respekt hat er.

--
Das einzige Recht des Sklaven ist das Recht auf Arbeit und das darf man ihm nicht nehmen.

@azur, ich stimme Dir voll zu

CalBaer @, Montag, 02.11.2015, 18:08 vor 3740 Tagen @ azur 2100 Views

bearbeitet von unbekannt, Montag, 02.11.2015, 18:21

Man muss eben das System von innen erlebt haben. Bei der Bilderbuchkarriere, die Schabowski bis 1989 hingelegt hat, war er zweifelsfrei ein hundertzwanzigprozentiger, wie man so schoen in der DDR sagte. Er hat das System bis zum Untergang vollumfaenglich mitgetragen und ist dabei auch ueber Leichen gegangen (Schiessbefehl). Niemand ist zu so einer Karriere gezwungen worden, jeder hatte immer noch die Freiheit sich dem vollstaendig zu versagen. Seine Einstellung nach dem Untergang der DDR ist irrelevant, denn sie trug nichts mehr zur Beendigung der DDR bei. In den Wochen vor dem 9. November eskalierte die Lage und die SED-Fuehrungszirkel sahen als letzte Rettung die Oeffnung der Grenze, womit sie schnell alle DDR-Kritiker in den Westen loswerden wollten. Aber in diesen Tagen ging eben alles sehr chaotisch und improvisiert zu (Honecker wurde abgesetzt, Krenz war an der Macht), und die Ankuendigung Schabowskis war mehr ein Versehen seinerseits als auch eine Missinterpretation der Bevoelkerung. Die Ausreisemoeglichkeit war erst fuer den Folgetag vorgesehen und es war als eine Ausreise auf Nimmerwiedersehen gedacht. Die Entwicklungen ueberschlugen sich aber derart, es sammelten sich am selben Abend Menschenmassen vor den Grenzuebergangsstellen an, die darauf hin geoeffnet wurden (geplant war das so nicht). So nahm die Geschichte ihren Lauf und Schabowski war gewiss kein Held. Oder sollen wir ihm etwa dankbar sein, dass er nicht auf uns schiessen liess? Wenn man ihm eins anrechnen kann, ist, dass er zumindest zugab und die Verantwortung in Teilen uebernahm, was man aber ohnehin schon wusste. Trotzdem RIP, Schabe!

--
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www.tinyurl.com/yykr2zv2

Wie bitte? Auf Grund einer Selbstdarstellung des Selbstdarstellers, der so hoch war?? (Edit) @CalBaer

azur @, Montag, 02.11.2015, 21:55 vor 3740 Tagen @ Michael Krause 2139 Views

bearbeitet von unbekannt, Montag, 02.11.2015, 22:04

Alle diejenigen, die jetzt den Stab über Schabowski brechen, sollen erst
einmal beweisen, dass sie es an seiner Stelle besser gemacht hätten, das
gilt insbesondere für all die Opportunisten aus der Politik, insbesondere
im Westen.

Nein Michael, denn dann nach dieser Argumentation hätte es nicht einmal eine Ost-Opposition geben können, da diese ja nicht beweise konnte, dass sie es besser gemacht hätte.

Für die Ostopposition war Schabowski keinerlei Hoffnungsfigur. Wenn das überhaupt jemand war, dann Modrow, von dem man auch im Westen wusste, dass er im Falle einer DDR-Peristroika der kommende Mann war. Es heißt von einem in der DDR-Oposition verankerten Historiker, dass Strauß mit dem Mrd-Kredit bewusst Honecker stützte (auch aus Profitinteresse seiner Freunde vom Rosenheimer Kreis), weil jeder Tag mehr Honecker, wären 100 Tage Modrow weniger. Man hätte also eine schnellere und gründelichere Implosion der DDR stützen wollen.

Modrow war ganz anders als Schabowski, der lange Chefredakteuer DER Parteizeitung war (!!), in die Provinz abgeschoben. Schabowski war in außerordentlicher Nähe zur Macht! Und das eben nicht, weil er ein Reformer gewesen wäre.

Er war in der berühmt-berüchtigten Abteilung Propaganda beim ZK der SED, die u. a. jede Woche Zeitungsseiten kassierte, Journalisten unter Druck setzte Filme und Theaterstücke verbot, Diskussionen im Keime erstickte und eisern über die Honeckerlinie achtete:

"1981 wurde er Mitglied des Zentralkomitees (ZK) der SED und 1984 Mitglied des Agitationskomitees beim Politbüro des ZK der SED. 1985 wurde er nach dem Sturz von Konrad Naumann Erster Sekretär der Bezirksleitung der SED von Ost-Berlin und damit auch Vorsitzender der Bezirkseinsatzleitung Berlin. Seit 1986 Sekretär des ZK, unterstand er direkt dem Generalsekretär."

Siehe seine feine Gesellschaft: https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Mitglieder_des_Politb%C3%BCros_des_ZK_der_SED#Z...

https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Mitglieder_des_Sekretariats_des_ZK_der_SED#Apri...

Ehrlich, und da wundert sich wer, dass der Mann selbst von der eigenen Partei ausgeschlossen wurde, die im selben Atemzuge lieber von Stalinisten Geschasste zurück holte?

Man kann dem zwar zustimmen, aber auch Gauck verstehen: http://www.spiegel.de/politik/deutschland/guenter-schabowski-gauck-und-der-kreis-seiner...

Weder für die kirchliche noch die sonstige Oposition in Berlin war Schabowski, der der "Erste" in der Hauptstadt war, also der Parteikönig von Berlin (dessen Machtfülle heute gar nicht mehr vorstellen kann - und kaum vermittelbar ist), ein besonderer Ansprechpartner oder gar "Hoffnungsträger". Der steckte ganz tief in der Reihe von Betonköpfen!

Man lese allein die Funktionäre, die in gleicher Höhe agierten!

Das kann das auch nicht relativieren:


Ich gehöre zu den wenigen Wessis, die auch schon vor dem Mauerfall im
Osten waren. Mein akademischer Lehrer hat zusammen mit Prof. Kaul viele
politische Strafverfahren geführt. Wer diese Zeit der Bundesrepublik
einmal nachvollziehen möchte, dem sei die Biographie von Posser, Anwalt im
kalten Krieg ans Herz gelegt. Die McCarthy Ära gab es auch im Westen, nur
spricht darüber keiner mehr.

Da hast Du in vielem Recht, und ich kannte auch Dr. Friedrich Wolff, den ich mit Hilfe eines Richters für die Seminare von Prof. Rottleuthner (FU Berlin) zu Rechtsgeschichte in Deutschland nach 45 (beide Staaten, mit den Vorgängerzonen - das Seminar ging über Jahre) gewinnen konnte. Der war, wie auch der ehemalige Chefred. des ND Schütt (zu DDR-Zeiten ein gaaanz schlimmer Finger, anders als Wolff, der schon früher als klug, verständig und machtdistanziert galt), nach der Wende sehr bemüht, sich ehrlich mit allem auseinander zu setzen.

Du musst uns, die wir diesen Irrsinn damals erlebt haben, schon unser Urteil lassen.


Dass die DDR so nicht zu erhalten war, hat übrigens schon Mittag erkannt.

Das ist ja bekannt. Wenig dagegen, dass es eine Dreispaltung gab: die Betonköpfe, die alles so lassen wollten wie es war (Honecker, Mielke, Hermann - im Grunde das gesamte Politbüro), die die refomieren wollten und sich an Gorbatschow orientierten (Mischa Wolf, Chef der DDR-Abwehr, Modrow) und die, die keine Chance mehr sahen (Schalk usw.).

Sein Buch, Um jeden Preis, mit persönlicher Widmung, steht noch heute in
meinem Bücherschrank.

Gratulation!

Schreiben und sich gut selbst darstellen, konnte er. Das war bekannt. Deswegen hat er ja auch die Pressekonferenzen der DDR-Nachwenderegierungen leiten können. Und hatte ja auch das Vertrauen etlicher, galt als etwas moderater (deswegen galt er überhaupt vermittelbar, als ganz hohes Tier der SED-DDR, die Modrow-Regierung war ja ein Kompromiss).

Aber bitte: Eine Selbstdarstellung fällt selten zum Nachteil des Autobiographen aus. Da hat er aber, anders als andere, sich mit Selbstkritik nicht zurück gehalten, was aber viele, viele, viele für eine Masche halten. Die sagen, Schabowski habe schon immer ein feines Näschen für seinen Vorteil gehabt. Dafür spricht auch, welche Positionen er inne hatte, und das er lächerlicherweise (skandalös lächerlicherweise) die Verantwortung für die brutalen Polizeieinsätze und Massenverhaftungen im Oktober 89 in Berlin, die er nun mal als Chef der Bezirkseinsatzleitung hatte (und zwar sonnenmegaklar), von sich wies. Das war eine starke und wüste Lüge!

Die in der Wende eingesetzte Kommission, die vorwiegend aus DDR-Oppositionellen bestand, hatte keinerlei Grund ihm das zu glauben!

Siehe: http://www.chronikderwende.de/lexikon/glossar/glossar_jsp/key=kompol%25dcb.html

"Kommission zur Untersuchung der Polizei-Übergriffe
Sitzung des Untersuchungsausschusses

Die unabhängige Untersuchungskommission zu den Ereignissen am 7. und 8. Oktober 1989 in Berlin, wie die offizielle Bezeichnung lautete, entstand aus zwei Ausschüssen, die sich nahezu zeitgleich, aber unabhängig voneinander, gebildet hatten. Auslöser waren die brutalen Übergriffe der Sicherheitskräfte auf Teilnehmer der Demonstrationen am 7. und 8.Oktober 1989 in Ost-Berlin. Während sich eine unabhängige Gruppe von Bürgerrechtlern (darunter Marianne Birthler und Werner Fischer), die um das Kontakttelefon in der Gethsemanekirche entstanden war, bereits im Oktober um die Betroffenen gekümmert und Gedächtnisprotokolle der Zugeführten gesammelt hatte, beschloss die Berliner Stadtverordnetenversammlung am 3.11.1989 die Bildung einer zeitweiligen Untersuchungskommission. Aus dem Zusammenschluss dieser Kommission und jener Kommission im Umfeld der Gethsemanekirche entstand nach einigen Auseinandersetzungen schließlich eine unabhängige Untersuchungskommission. Diesem Gremium gehörten neben Künstlern und Schriftstellern (u.a. Christa Wolf, Christoph Hein, Daniela Dahn) auch Stadtverordnete, Ärzte, Anwälte, Kirchenvertreter und Vertreter der Sicherheitskräfte an.

Ziel der Kommission war es, die Verantwortlichen für die Übergriffe der Sicherheitskräfte gegen Teilnehmer der Demonstrationen am 7./8.Oktober zu ermitteln, und Material für juristische Konsequenzen zu sammeln. Dabei hatte es das Gremium ständig mit Verschleierungs- und Verschleppungsversuchen der Staatsmacht zu tun. Dennoch fanden in der Zeit zwischen dem 15.11.1989 und dem 14.3.1990 24 Befragungen von verantwortlichen Funktionsträgern statt: z.B. Egon Krenz, Günter Schabowski, der Minister für Staatssicherheit, Erich Mielke, der Minister des Innern, Friedrich Dickel), der Leiter des AfNS, Generaloberst Wolfgang Schwanitz, Staatsanwälte, Polizeioffiziere, Mitarbeiter des MfS. Im Ergebnis wurden mehrere Anzeigen erstattet, die zu Strafanträgen führten. Alle Verfahren wurden ohne Konsequenzen eingestellt, das letzte gegen Erich Mielke 1999. Dennoch war die Existenz der Kommission ein in der Geschichte der DDR einmaliger Vorgang, der nur dadurch zu erklären ist, dass das System bereits zu marode war, um diesen Versuch einer basisdemokratischen Wahrheitsfindung abzuwehren. Die Kommission stellte ihre Arbeit offiziell am 27.4.1990 ein. Der Abschlussbericht erschien als Buch. Der Nachlass der Kommission wurde dem Archiv der evangelischen Kirche übergeben."

Edit: http://www.jugendopposition.de/index.php?id=644

"Gedächtnisprotokolle und Unabhängige Untersuchungskommission"

Schabowski hatte die Zeichen der Zeit erkannt, aber kein wunder: Honecker war bereits weg und die Funktionäre kämpften um das Überleben ihrer Macht:

"Am 23. Oktober 1989 übergeben Vertreter mehrerer Oppositionsgruppen auf einer Pressekonferenz dem Vizegeneralstaatsanwalt von Berlin, Klaus Voß, eine hundertseitige Dokumentation mit Erlebnis- und Tatsachenberichten zu den Vorfällen um den 7. Oktober. Der Staatsanwalt verspricht eine umfassende und unvoreingenommene Prüfung. Dies war erst möglich geworden, nachdem auf der Demonstration am 22. Oktober SED-Bezirkschef Günter Schabowski und Oberbürgermeister Erhard Krack versprochen hatten, dass eine Kommission die Gewalttätigkeiten vom 7. und 8. Oktober aufklären solle.

Bisher wird eine kritische öffentliche Untersuchung zum Vorgehen von Polizei und Staatssicherheit stets mit einer Kritik am Staat gleichgesetzt. Erst die sich allmählich ändernden gesellschaftspolitischen Umstände – am 18. Oktober tritt der SED-Partei- und Staatschef Erich Honecker von allen seinen Ämtern zurück – ermöglichen erste Schritte der Aufklärung."

Das sollten mal diejenigen lesen, die noch heute an
die Überlebensfähigkeit der DDR

Dei DDr ist vor allem an der dummen Repression ihrer Bürger, der stetigen Unfreiheit und Unterdrückung jedes neuen Ansatzes zugrund gegangen.

Für eben dies alles steht Schabowski. Schon vergessen? Der war Chefred. des DDR-SED-ND, der größten und wichtigsten Zeitung damals, dem Parteiblatt. Der war in der Abteilung Agitation und Propaganda des Politbüros! Viel mehr Einfluss konnte man gar nicht haben!

und dem Märchen vom bösen Wessi
glauben.

Wer hat das hier erzählt?!

Worauf beziehst Du Dich dabei?!

Willst Du mir unterstellen, ich hätte jemals so einen Blödsinn geglaubt?

Dass etliche Entscheider in der BRD der DDR feindlich gesinnt waren, ist aber kein Gerücht, oder[[zwinker]] [[freude]]?

Ans Herz legen möchte ich das Kapitel über den DDR Chip.

Guten Morgen. Die Story wurden schon Jahre in der DDR überall erzählt! Die war ein ausgelutscht, wie sonst nur irgendetwas!

Mir
haben sie noch 1990 erzählt, Sachsenring solle den Trabant weiterbauen,
für den Exportmarkt, insbesondere Ägypten.

Der Zusammenbruch der DDR-Wirtschaft hatte viel Gründe. Tatsächlich waren viele Produkte weltmarktfähig und sind massenhaft in Westdeutschland abgesetzt worden, z. B. über sehr bekannte Marken, aber auch über Versandthandel wie Neckermann und Otto!

Auch über die Sket werden
hier Legenden verbreitet, nicht Azur?

Was willst Du den eigentlich? Was habe ich über Sket geschriebe?

"Es wurden auch "die Kali" ( https://de.wikipedia.org/wiki/Kombinat_Kali#Aufl.C3.B6sung_des_Kombinats ) und viele Großbetriebe zerschlagen (z. B. SKET: https://de.wikipedia.org/wiki/Schwermaschinenbau-Kombinat_%E2%80%9EErnst_Th%C3%A4lmann%... - alles sehr nett umschrieben, was zig tausende Facharbeiter erlebten: Massenarbeitslosigkeit, von vielen erlebt als Demütigung)."
http://www.dasgelbeforum.net/forum_entry.php?id=380226

Das ist doch ein Fakt und wird von mir nur berichtet. SKET hat, wie die gesamte DDR-Schwermaschinen-Industrie sehr viel für den Weltmarkt produziert. Schon vergessen: Das saßen deutsche Facharbeiter und Ingenieure!

Da ich selber an der TAKRAF
Restrukturierung beteiligt war,

Das müsstest Du doch wissen, dass in der DDR wahrlich nicht alles Schrott war.

Viel Staaten haben eine um ein mehrfaches höhere Staats- und Auslandsverschuldung, als die DDR.

habe ich erst kürzlich für einen Vortrag
vor einer irakischen Delegation einmal die Privatisierung Sket und TAKRAF
Stand heute verglichen. Die TAKRAF wurde komplett zerschlagen, bei der Sket
hatte man die Großmannsträume weiterverfolgt und wollte das Kombinat
unbedingt erhalten.

Das hatte eben gute Gründe.

Das probelm war doch insgesamt, dass die DDR-Strukture völlig andere waren, die eben nur t. w. erhaltbar waren, und, dass eben "verlängerte" Werkbank, Ausschaltung von Ost-Konkuremnz und. Subjventionsbetrug usw betrieben wurde.
Vielfach fand sich kein Interessent, und die Treuhand hat ein anerkannt beachtliches Volksvermögen in einen gigantischen Schuldenberg verwandelt. Vorwiegend wurde doch nur gefleddert.

Heute gibt es im ehemaligen TAKRAF Verbund 10-mal so
viele Arbeitsplätze wie im alten Sketverbund. Das war vor allem Dohnanyis
Verdienst, der das den Gewerkschaften verkauft hat. Also lieber Azur, bitte
keine Märchen erzählen.

Was soll denn das? Habe doch nur berichtet, dass SKET gleich nach der Wende, wie in den meisten DDR-Großbetrieben, Massenentlassungen erlebte. Was ist daran bitte ein Märchen?

Es kann nicht ansatzweise so ein Märchen sein, wie das des angeblichen weißen Raben Schabo in Politbüro!

Bei meinem Besuch im Irak direkt nach dem
Golfkrieg war ich in einer Ziegelei in Hilla. Die einzige Maschine, die
dort noch funktionierte, war eine alte Seilzugmaschine der Sket.

Na sieh mal einer an. Sag ich doch.

Für diese
Märkte war Sket gut geeignet, das heißt aber nicht, dass deren Produkte
weltmarktfähig waren.

Waren sie anerkannt lange. Nur die Umwandlung von Volksvermögen in Privathand ist sehr schwierg und hatte nicht immer einen Lothar Späth (zeiss Jena) oder Dohnany an ihrer Seite.


Also lasst Schabowski in Frieden ruhen. Der war keiner der Bösen,
menschenverachtenden Kader.

Ach Michael, nun wird es ja interessant: Wer waren denn die "Bösen", die "menschenverachtenden Kader"? Und woher willst Du das überhaupt wissen?

Sieh in die Reihe der hohen Funktionäre (wobei es miese Kerle auch ganz unten gab), in deren Mitte sich Schabowski befand.

Meinen allergrößten Respekt hat er.

Na meinen bestimmt nicht. Und da befinde ich mich hier im Osten und im ehemaligen Ostberlin in der breitesten Mehrheit. Denn dafür gab und gibt es keinen Grund. Schabowksi stand auch für stetige Repression!

Meinst Du, irgendwer hier trauert dem Machthaber Schabowkis nach? Das anzunehmen, ist schlicht absolut lächerlich!

Der Mann war ein ganz, ganz hohes Tier, ein mächtiger Unterdrücker und einer der bekanntesten Wendehälse. So sieht man ihn hier, ganz überwiegend, und zwar von DDR-Opposition ausgehen über die breite Mehrheit!

Weil es um persönliche Eindrücke ging: Hatte das Glück mal eine gute Stunde allein mit Hans Modrow reden zu können. Habe selten so einen feinsinnigen und bescheidenen Menschen erlebt. Und das sagen alle über ihn, auch dessen politische Gegner.

Der stand in weiter Distanz zu dem, was Schabowski war.

Schabowski hat es zu meinem Erstaunen geschafft, dass einer wie er hier verteidigt wird! Hammer.

Möge er in Frieden ruhen!

Viele freundliche Grüße

azur

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ENJOY WEALTH
(Groß-Leucht-Reklame am Gebäude Lehmann-Brothers/NY)

Meide das Destruktive - suche das Konstruktive.

Man kann keinem erklären, wie ein Apfel schmeckt!

Reffke @, Dienstag, 03.11.2015, 02:18 vor 3740 Tagen @ azur 2039 Views

Hallo azur,

vergiß es!
Wessis begreifen es eben einfach nicht.
Man kann keinem erklären, wie ein Apfel schmeckt! [[top]]
Genauso kann man nicht das Lebensgefühl der DDR vermitteln.
Erst recht nicht die Spezies Bonzen. [[zwinker]]
Man muß rein beißen, um es zu erfahren.

Fundsache!
Da hat er wohl noch paar DM abgegriffen... [[lach]]

Gr. Reffke

--
Die Lüge ist wahrer als die Wahrheit, weil die Wahrheit so verlogen ist. André Heller
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==> Fundgrube zur Lage: www.paulcraigroberts.org

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Wandere aus, solange es noch geht.