Zahlen-Faden: Bundeshaushalt und UN-Gelder für Flüchtlingslager in sicheren Zonen außerhalb Deutschlands

Bernadette_Lauert, Samstag, 31.10.2015, 21:20 vor 3742 Tagen 2695 Views

bearbeitet von Bernadette_Lauert, Samstag, 31.10.2015, 21:25

Habe hier:
http://www.dasgelbeforum.net/forum_entry.php?id=380352
behauptet, dass nur 120 Mio. Euro im Monat nötig gewesen wären, für UN-Gelder für Flüchtlingslager in sicheren Zonen außerhalb Deutschlands. Hab noch geschrieben, dass ich den beleg schuldig bleibe.

Habe nachvollzogen, woher ich die Zahl habe:
Das war dieser Vorgang:

Das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen muss die Nahrungsversorgung hunderttausender syrische Flüchtlinge drastisch zurückfahren. Die UN-Organisation hat nicht genug Spenden erhalten.

Flüchtlinge müssen mit nur 13,50 Dollar im Monat auskommen, was weniger als die Hälfte ihres Nahrungsmittelbedarfs abdeckt.

„Allein für die Unterstützung der Flüchtlinge rund um Syrien benötigen wir 26 Millionen Euro pro Woche“, erklärt die WFP-Sprecherin.

26 * 4,5 ~ 117 Mio US-Dollar / Monat

Qualle: http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.syrische-fluechtlinge-un-kuerzen-essensratione...

Dank den e-Gouverment-Nerds kann man hier schön rumklicken, um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie viel das ist:

http://www.bundeshaushalt-info.de/#/2015/soll/ausgaben/einzelplan.html

Der Etat für das Bundespräsidialamt reicht nicht: 33 Mio. im Jahr. Das ist übrigens nicht nur Gauck-Gehalt (jährlich "nur" 216.996 Euro -> Würde auch einige satt machen, wenngleich zugegeben nicht den Sigmar Gabriel.). Die haben ja noch andere Aufgaben, u.a. diplomatische und juristische.

370 Mio. Pro Jahr kostet es den Münzumlauf zu gewährleisten (Neuprägungen etc). Das hätte rund ein Quartal gereicht, damit syrische Flüchtlinge in einem sicheren Lager vor Ort nicht nur halb so viel wie nötig zu essen bekommen. Das sind schon echte Fluchtursachen!

Welcher Posten ist denn rund 1,4 Milliarden im Jahr (117 Mio im Monat)?

7,4 Milliarden ist das Geld für Beamte in Pension... Das wäre viel zu viel...

Wo ist eigentlich die Zahl für Zinslast versteckt, verdammt?

Naja, wie auch immer: die 117 Mio US-Dollar/Monat, damit Syrer in Flüchtlingslagern vor Ort nicht hungern müssen, wäre gut angelegtes Geld gewesen. Es ist weltweites (!UN!)-Geld und Deutschland alleine hätte es zahlen können.

Viel wichtiger wäre freilich noch gewesen, diese Destabilisierungspolitik zu bekämpfen, im Rahmen der Möglichkeiten... Aber in diesem Faden soll es mal nur um Zahlen gehen.

Gruß, Bla

Zinslast

Rybezahl, Sonntag, 01.11.2015, 13:29 vor 3742 Tagen @ Bernadette_Lauert 1520 Views

Wo ist eigentlich die Zahl für Zinslast versteckt, verdammt?

Im Haushaltsplan der Einzeplan 32 Kapitel 05 (bzw. Seite 2770).

Oder hier:
http://www.bundeshaushalt-info.de/#/2015/soll/ausgaben/einzelplan.html

Unter dem gelben Feld "Bundesschuld". Dort kann man sich die Einzelpläne auch ziehen. Es geht, wie du schon sagst, nur um die Zinsen.

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Dieses Schreiben wurde elektronisch erstellt und enthält deshalb keine Unterschrift.

Danke. 23,2 Milliarden Euro Zinsen für Bundesanleihen also

Bernadette_Lauert, Sonntag, 01.11.2015, 15:44 vor 3741 Tagen @ Rybezahl 1377 Views

bearbeitet von Bernadette_Lauert, Sonntag, 01.11.2015, 15:51

...also 16,5 mal soviel wie es gekostet hätte, die Syrer in UN-Flüchtlingslagern nicht (halb) verhungern zu lassen, zahlen wir als BRD an Zinsen (jährlich).
Dieser Goldesel schei*t auch für Leute mit Lebensversicherungen etc. Aber er schei*t doch tendenziell auf einen Haufen in Bankennähe. Den sollte man sich auch mal genauer anschauen...
Zurück zu den Flüchtlingen: Die Tatsache, dass nun alle gleichzeitig ankommen, liegt ja auch daran, dass sie sich aus solchen Lagern auf den Weg gemacht haben, weil nur noch halb so viel zu Essen ausgeteilt wurde, wie nötig ist, um satt zu werden.
Das könnte man jetzt schön im debitistischen Modell benennen:
Die "Urschuld" (Essen, Trinken, Schlafplatz) wurde nicht mehr von außerhalb (der UN) für diejenigen im Flüchtlingslager bezahlt. Aber das sind dann letztlich auch nur Worte.
"Man hat sie hungern lassen", trifft´s besser, wie ich finde.

Im debitistischen Modell benennen

Rybezahl, Sonntag, 01.11.2015, 20:41 vor 3741 Tagen @ Bernadette_Lauert 1256 Views

bearbeitet von unbekannt, Sonntag, 01.11.2015, 20:49

...also 16,5 mal soviel wie es gekostet hätte, die Syrer in
UN-Flüchtlingslagern nicht (halb) verhungern zu lassen, zahlen wir als BRD
an Zinsen (jährlich).

Der Steuerzahler an die, die Anleihen haben.

Das könnte man jetzt schön im debitistischen Modell benennen:
Die "Urschuld" (Essen, Trinken, Schlafplatz) wurde nicht mehr von
außerhalb (der UN) für diejenigen im Flüchtlingslager bezahlt. Aber das
sind dann letztlich auch nur Worte.
"Man hat sie hungern lassen", trifft´s besser, wie ich finde.

Die Sache ist die, dass jeder Forderung eine Schuld gegenübersteht. Global kann es nur so sein, dass eine Seite verarmt, während die andere Seite fast alles in den Händen hält. Alles zu Lasten der Natur.
Das heißt, dass die, die fast alles in den Händen halten, entweder eine Umverteilung organisieren müssen, oder die Umverteilung von denen "organisiert" wird, die fast nichts in den Händen halten (die Anführungszeichen darf man sich auch wegdenken).

Das aktuelle Geschehen könnte nun durchaus als "planvoll" interpretiert werden. Ob das aber so ist, das weiß ich nicht. Ich hoffe, diesen Leuten ist klar, dass ein Schuldenschnitt unvermeidlich ist. Das wird selbstverständlich das Machtgefüge in's Wanken bringen. Aber das gerät ohne Schuldenschnitt ja auch in's Wanken!

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Dieses Schreiben wurde elektronisch erstellt und enthält deshalb keine Unterschrift.

Was meinst Du, wie es laufen wird? (oT)

Bernadette_Lauert, Sonntag, 01.11.2015, 20:43 vor 3741 Tagen @ Rybezahl 1269 Views

- kein Text -

Nicht der Rede wert

Rybezahl, Sonntag, 01.11.2015, 22:24 vor 3741 Tagen @ Bernadette_Lauert 1685 Views

Was systemisch geschieht, ist klar. Entweder werden die Ressourcen verbraucht, bis alles alle ist und kein Ersatz gefunden wurde, oder das System wird aufgrund anderer Einflussgrößen schon vorher unregulierbar.
Was darüber hinaus passiert? Wer weiß das schon?

Ich hänge eine meditative Grafik hier an:

[image]

Kritik erwünscht.

--
Dieses Schreiben wurde elektronisch erstellt und enthält deshalb keine Unterschrift.

Mein Feedback zu der schönen Grafik...

Bernadette_Lauert, Montag, 02.11.2015, 10:09 vor 3741 Tagen @ Rybezahl 1209 Views

bearbeitet von Bernadette_Lauert, Montag, 02.11.2015, 10:20

Hi,
den Begriff "Machtbastard" für den Staat lehne ich ab. Da wird gleich eine ideologische Einordnung mitgeliefert, der ich nur eingeschränkt zustimme.
Allein schon an den staatlichen Hauptaufgaben innere und äußere Sicherheit, Durchsetzung von Recht und Verträgen, Herstellung von Gemeinwohl durch Bildungs- und infrastrukturelle Versorgung sehe ich das alles etwas anders.
Freilich gibt es Probleme. Und freilich müssen die Strukturen verbessert werden.
So viel zum Framing.

Die Grafik finde ich trotzdem klasse, weil die komplexe Zusammenhänge - und seien sie nur in einem Modell unterstellt - aufzeigt.

Inhaltlich sehe ich das so: Das von Dir beschriebene System funktioniert nach Deiner Beschreibung nicht. Daher wird die ganze Zeit daran rumgebastelt. Hier werden kollektive Aktionsklauseln bei Staatsanleihen eingeführt, dort wird Bargeld eingeschränkt und da drüben...
...entsteht vielleicht was, was wir noch gar nicht auf dem Schirm haben...

Aus meiner Sicht zielen die meisten Anpassungen in die falsche Richtung.

Aber mir hat mal jemand sinngemäß geschrieben: Wenn das System ohne Negativzins eh kollabieren würde, kannst Du Bargeldverbot nicht wirklich verdammen, wenn es nötig ist, um Negativzins so lange durchzuziehen, bis Ungleichgewichte wieder ins Lot kommen. Dieser Logik konnte ich auch erst mal nichts entgegen setzen.

Allerdings denke ich, dass der Schlüssel zur Lösung hierin liegt:

http://www.vermoegensteuerjetzt.de/topic/21.vermoegensuhr.html

Einfach lang genug zugucken und darüber nachdenken...

Gruß, Bla

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