Schöne Grafik: NYSE Margin Debt 1979 - 2015 / Steiler als senkrecht geht nicht?

Vatapitta @, Mittwoch, 28.10.2015, 11:09 vor 3749 Tagen 3087 Views

bearbeitet von unbekannt, Mittwoch, 28.10.2015, 12:00

Moin moin,

ein Bild sagt manchmal mehr als tausend Worte.
Nach der Blase ist vor der Blase.
Die Grafik erinnert mich an ELLIs "steiler als senkrecht geht nicht".

[image]

Quelle


Der gute Hellmeyer von der Bremer Landesbank ist richtig sauer auf seine Kollegen von der EZB.
Zitat: "Derzeit liegt der Zins für die Banken, die ihr Geld bei der EZB parken, bei -0,2%.

Der Stress, der aus dieser EZB-Politik für weite Teile der Finanzwirtschaft resultiert (LV, Versicherungen, EK-anlage Sparkassen, Raiffeisenbanken …) ist schon dramatisch genug und impliziert eine verschärfte systemische Risikolage auf mittlere und lange Sicht."

Er hält den Dollar angesichts der Fundamentaldaten für überbewertet.


Die negativen bzw. extrem niedrigen Zinsen bringen Unternehmen in Schwierigkeiten, die z.B. Betriebsrenten aufbringen müssen und bisher mit Kapitalerträgen gerechnet haben. Diese müssen nun durch Rückstellungen aus dem laufenden Betriebsergebnis aufgebracht werden. Das Gleiche gilt für die Altersrückstellungen der Krankenkassen. Das führt zu Beitragserhöhungen. Vereine, die mit Kapitalerträgen aus Jahresbeiträgen Investitionen gestemmt haben, müssen nun das Geld über Beitragserhöhungen oder per Umlage von ihren Mitgliedern holen. Ebenfalls schauen die Lebens- und Rentenversicherten in die Röhre und dürfen sich freuen, wenn sie ihr eingezahltes Kapital zurückbekommen.

Das Ganze ist zwar keine Steuererhöhung, aber der Staat füllt sich die Taschen auf Kosten der Bürger. Eine Inflation durch Zinssenkungen kann durch diesen Raubzug bei den Bürgern niemals erreicht werden. Es gibt nur eine Blasenbildung an den Finanzmärkten.

"Inflation" kann man nur erreichen, indem man die Schönrechnerei der letzen Jahrzehnte rückgängig macht und den Warenkorb nun mit den Produkten aktualisiert, die die höchsten Preissteigerungen aufweisen. Also den Strompreis, Wasser und Abwasser, öffentlicher Nahverkehr, Erdbeeren und Paprika im Januar, Fisch (Fleisch ist ja ungesund), Mieten, Kfz, staatliche Gebühren, das Briefporto (von 20 Pfennig auf 70 Cent) und Brötchen (von 5 Pfennig auf 30 Cent / Bauer Willi) sollten höher gewichtet werden. - Dann schaffen sie auch das. [[sauer]]

VG Vatapitta

PS: Preisentwicklung verschiedener Lebensmittel von 1900 bis 2009

--
Chronisch sind die Schmerzen dann, wenn der Doktor sie nicht heilen kann. http://www.liebscher-bracht.com/

WSB (Welt Schulden Berg), 2 Alternativen, Währungsrelation, Einflussgrößen für USD

Blum @, D, Mittwoch, 28.10.2015, 16:32 vor 3749 Tagen @ Vatapitta 1676 Views

...
Der Hellmeyer von der Bremer Landesbank ist richtig sauer auf seine Kollegen > von der EZB.

Er hält den Dollar angesichts der Fundamentaldaten für überbewertet.
...

VG Vatapitta

Vielen Dank für diese Grafik, Vatapitta. Also eine halbe Billion steht allein für die NYSE im Feuer und drückt auf die ZB-en, damit diese die Märkte weitenrhin "absichern", an denen so viel (Wall Street Wohlstand) hängt. Die Werte für den DOW Jones, für S&P 500 werden die Quote auf Dimensionen erhöhen, die unsere Flüchtlingsfolgekosten weit in den Schatten stellen.

Natürlich muss man zugeben, dass gestiegene absolute Werte nicht heißen, die Schuldenquote sei gestiegen, weil die Vermögens- und Schuldenmasse seit 2007 um ca. 50 Billionen USD weltweit gestiegen ist. Aber die Verschuldungsfähigkeit, also die Luft, aktuelle Steigerungsraten beizubehalten, ist im Schwinden begriffen und deshalb zeigt die Darstellung sehr wohl gestiegenes Risiko an.

Zum US-Dollar und dessen Einflussgrößen möchte ich nun einige Überlegungen mit Euch teilen und bitte um kritische Kommentare. Meiner Ansicht nach ist es nämlich entscheidend, wohin das weltstaatliche Finanzmanagement will, und wohin es irgendwann nur noch kann, wenn man USD-Relationen zu anderen Währungen beurteilen möchte.

A) Prämissen

In Krisenzeiten holen Amerikaner (Pensionsfonds, Private und Unternehmen) Dollar ins Land zurück. Für amerik. Unternehmen ist das steuerlich unattraktiv gestaltet, 90% der über 200 Mrd USD Forderungen Apples liegen im Ausland. Dennoch dürfte auch in der Krise und in der Gesamtheit der Unternehmen der alte Trend weitergelten: in der Krise fließt Geld ins Heimatland, um selbst Schulden zu tilgen.

Die nach wie vor dollardominierten Auslands-Anleihen der Emerging Markets werden aufgrund US-seitiger Glattstellung somit zurückgeführt. Die absolute Verschuldung der Emerging Markets, die gleichzeitig mehrheitlich krisengeschüttelt sind, wird sich aber nicht senken lassen. Also wird es zu Umschichtungen kommen. Entweder nur zu anderen Schuldnern oder auch in andere Währungen. Die Dimensionen kann ich nicht einschätzen und die Folgen von Währungsumschichtungen auch nicht, aber politische Implikationen hätte das.

Der Sogeffekt (in die USA) und der Druck zu Umschuldungen (= Finden neuer Gläubiger), müsste den Kurs des USD treiben.

B) These: zwei antipodische Alternativstrategien streiten um Realisierung und deren widerstreitende Kräfte drücken die Währungsrelationen aus

Aufgrund der Gesamtlage (Verschuldungshöhe, Rohstoffpreisverfall, Immobilien- und Aktienblasen, Wirtschaftseinbrüchen bzw. Wachstumsschwächen weltweit, Blähungen im Finanzsektor, Realwirtschaftsdepression ...) bleiben mMn zwei relevante Möglichkeiten mit entgegengesetzten Folgen:

1) Ignoranz gegenüber umfangreichem Abschreibungsbedarf und demzufolge weiterhin Negativzinsen -> Bargeldabschaffung; Nachschuldnersuchkriege, Raubzüge, Sklavensuche - > in diesem Fall müsste der Dollar oben bleiben oder steigen. Das entspricht der aktuellen Politik, die schon erstaunlich lange vorangetrieben wird.

2a) Eingeständnis zu umfangreichen Abschreibungen, mindestens im Nichtstaatlichen Sektor (Private, Unternehmen, Finanzinstitute) und deshalb -> höhere Abschreibung der im Welthandel mehrheitlich auf Dollar lautenden Schulden -> hoher Forderungsverlust unternehmerischer amerikanischer und anderer Gläubiger; z. B. auch für Versicherungen, Pensionskassen und Private aus Deutschland oder Australien, gegenüber dem jeweiligen Ausland.

Ich meine hier noch nicht die Staatsschuldenthematik, das trifft deshalb nicht so stark China und deren US-Beziehung, sondern den Unternehmens- und Privatsektor sowie Banken, die in der Realwirtschaft verankert sind (Weniger die in der Staatswirtschaft verankerten). Die Volumina der Staatsschulden sind ja nur etwa ein Drittel aller Schulden, auch wenn wir hierüber besonders viel Lesestoff angeboten bekommen.

In diesem die Politik viel stärker beeinflussenden Fall würde eine besondere Dramatik ausgelöst.

2b) Sollten auch die größeren auslandsverschuldeten Staaten pleite gehen (... wollen, in aktuell gelebter Kultur scheint zwischen faktisch und juristisch "pleite" ein riesiger Unterschied zu bestehen und ebensolche Freiheit, selbst zu definieren, ob man pleite macht), dann haben wir noch ein krasseres Szenario. Wenn dieser Faden gerissen ist, und die großen Länder wie Portugal, USA, Spanien, Brasilien offiziell zahlungsunfähig werden, ein Dominoeffekt ergeben wird, der die Welt umstürzt. Wer in einem solchen Szenario zuerst pleite macht, hat dann ja die größten Vorteile im Vergleich zum Nächsten, weil die "Selbst-Rettungswilligen" noch ihre Taschen öffnen. Die "Retter" sind die, die mit der Option 1 unter allen Bedingungen weitermachen wollen. Diese Option halte ich aktuell für unwahrscheinlich, würde sie aber nicht ausschließen. Vor 2b kommt also 2a, weil das leichter vom Establishment zu überleben wäre. Werden große Staatsanleihen nicht mehr bezahlt, implodieren Bankbilanzen in unvorstellbarem Ausmass, kommt China in Druck, massiv zu intervenieren, sind Bürgerkriege wahrscheinlich etc.

Schon der Fall 2a) ist aber ein revolutionärer Schritt im Denken und die Grafik hat mich dazu angeregt, darüber weiterzusinnieren.

Denn wenn die Blasenmärkte hinunterrauschen, dann gibt es bei so hohen Schuldenquoten besonders starke Dominoeffekte nach unten. Interessant wäre, ob diese Schulden vor allem Unternehmen aufgebaut haben, die damit ihre eigenen Aktien kaufen wollten oder ob es vor allem Finanzakteure sind, die damit spielen. Was gefährlicher für die Realwirtschaft ist, hängt natürlich auch von den weichen Daten ab, den Regulationen und der Kraft des Lobbyismus.

Egal wie diese Details aussehen. In diesem Fall (2a und b) sehe ich den USD (und das Britische Pfund) schwächer tendieren, weil der hohe Finanzsektoranteil stark betroffen sein wird.

Ob der USD aktuell im klassischen PPP-Vergleichssinne über- oder unterbewertet ist, halte ich für weniger wichtig. Da ich uns in der Endphase eines Paradigmenwechsels sehe, eines Bruches des bestehenden Geldsystems, sehe ich die stärkeren Kräfte als die zwischen Alternative 1 und 2. 1 schiebt den USD nach oben, 2 nach unten.

Durch debitistisch erklärbaren Deflations-Druck in Richtung der Lösung 2a oder auch 2b sehe ich die Luft für das Halten der Strategie 1 immer dünner werden.

Doch die Währungs-Bewertung wird viel eher die Kräfteverhältnisse beschreiben, die zwischen 1 und 2 wirken. Man könnte fragen, wieso denn nicht ein mächtiges Land die 1 fährt und ein anderes die 2 und das so bleibt. Ich glaube, das ist nicht möglich, nicht über einen Zeitraum von 1-2 Jahren hinaus und nur unter steigender Spannung und nur unter teilweiser Abkopplung der Finanzmärkte.

Wenn mächtige Akteure das Spiel von 1 auf 2 wenden, dann müssen die anderen mitmachen. So wie jetzt alle ZBen der Welt ähnliche Strategien fahren, so werden das auch bei geänderter Zielsetzung bezüglich dem Schuldenberg alle mitspielen müssen.

Die Kräfte, die aktuell noch ideologisch wirken können, werden bald durch Fakten der Deflation, des Debitismus stärker und stärker bestimmt werden.

Ich würde mich freuen, wenn Du und andere, meine - möglicherweisen falschen - Überlegungen, unter die Lupe nähmen. Denn ich halte es auch für machtpolitisch interessant, kurz- wie langfristig, wie sich Währungsrelationen verschieben und welche Auswege Staaten in der Außenpolitik ergreifen könnten. Der aktuelle Währungswettlauf nach unten ist eine generelle und einfache Beobachtung. Sie geht vom bestehenden Systemdenken aus und verhält sich phantasielos. Wer aber welche anderen Kräfte entfesseln kann, um in diesem Wettlauf eine bessere Position zu erringen, das ist eine vertiefende und wie ich finde, dem DGF viel angemessenere Frage.

Blum

--
It's not what you don't know that gets you into trouble, it's what you know that just ain't so that gets you into trouble. (Satchel Paige)

@Blum - Sprechen sich die FED und die EZB ab? - Wer findet Belege dafür?

Vatapitta @, Donnerstag, 29.10.2015, 01:03 vor 3749 Tagen @ Blum 1239 Views

bearbeitet von unbekannt, Donnerstag, 29.10.2015, 01:45

Moin moin Blum @ all,

Vielen Dank für diese Grafik, Vatapitta. Also eine halbe Billion steht
allein für die NYSE im Feuer und drückt auf die ZB-en, damit diese die
Märkte weitenrhin "absichern", an denen so viel (Wall Street Wohlstand)
hängt.

Danke, das Absichern der Märkte durch die Zentralbanken hatte ich als Hintergrund für deren Handeln noch nicht auf dem Schirm.

Zum US-Dollar und dessen Einflussgrößen möchte ich nun einige
Überlegungen mit Euch teilen und bitte um kritische Kommentare. Meiner
Ansicht nach ist es nämlich entscheidend, wohin das weltstaatliche
Finanzmanagement will, und wohin es irgendwann nur noch kann, wenn man
USD-Relationen zu anderen Währungen beurteilen möchte.

Ja, sie haben ein Ziel!

A) Prämissen

In Krisenzeiten holen Amerikaner (Pensionsfonds, Private und Unternehmen)
Dollar ins Land zurück. Für amerik. Unternehmen ist das steuerlich
unattraktiv gestaltet, 90% der über 200 Mrd USD Forderungen Apples liegen
im Ausland. Dennoch dürfte auch in der Krise und in der Gesamtheit der
Unternehmen der alte Trend weitergelten: in der Krise fließt Geld ins
Heimatland, um selbst Schulden zu tilgen.

Exakt dieser Effekt ist m.E. beabsichtigt.

Die nach wie vor dollardominierten Auslands-Anleihen der Emerging Markets
werden aufgrund US-seitiger Glattstellung somit zurückgeführt. Die
absolute Verschuldung der Emerging Markets, die gleichzeitig mehrheitlich
krisengeschüttelt sind, wird sich aber nicht senken lassen.

Die Schuldner sind Sklaven der Banken, im Kleinen, wie im Großen.

Also wird es zu Umschichtungen kommen.

Ja.

Der Sogeffekt (in die USA) und der Druck zu Umschuldungen (= Finden neuer
Gläubiger), müsste den Kurs des USD treiben.

Genau. Der Dollar als Waffe. - Die Schuldner müssen Dollar kaufen und treiben damit den Kurs.
Gleichzeitig wird Kapital aus den verschuldeten Märkten abgezogen und in die USA zurückgeholt.
Das treibt dort die Assetmärkte. - Ein willkommener Effekt im Wahljahr 2016. Die Minizinserhöhung im Dezember bleibt für lange Zeit die Einzige. In Wahljahren erhöht die Fed die Zinsen nicht. - Und wenn in den USA die Aktienmmäkte steigen, dann tun sie das auch an den meisten andern Börsen. Der steigende Dollar ist gut für die jeweiligen großen Exportunternehmen.
Heute Anstieg der Börse in Argentinien (fast pleite?) um ca. 6 %.
…..

Wer aber welche anderen
Kräfte entfesseln kann, um in diesem Wettlauf eine bessere Position zu
erringen, das ist eine vertiefende und wie ich finde, dem DGF viel
angemessenere Frage.

Blum


Machs nicht zu kompliziert, Blum.
Es geht um den Wirtschaftskrieg gegen Russland. Die schwächere deflatorische Wirtschaft braucht weniger Energie. Niemand möchte den Ölausstoß zur Stützung der Preise kürzen. Jeder $ aus dem Export wird gebraucht.

Und China ist extrem überschuldet behauptet zumindest Marc Faber.
Die US-Behörden/Ratingagenturen kennen die jeweilige Verschuldung einzelner Länder oder Unternehmen sehr genau. Wir haben einen Artikel im Gelben, der sich mit der für den Wirtschaftskrieg zuständigen US-Behörde beschäftigt. - Wer ihn findet , hänge ihn bitte an diesen Beitrag an.

Und schon gefunden: Die Superwaffe des Mr. Glaser
Sanktionen gegen Russland und den Iran: Wie amerikanische Finanzbeamte zu Wirtschaftskriegern werden. Quelle


Nach der Rede Draghis zu einer möglichen Ausweitung des QE zog ich das Fazit:

"Was bestimmt Draghis Handeln und welche Auswirkungen sind beabsichtigt?
Im Vorfeld der EZB-Sitzung gab es zahlreiche, sehr unterschiedliche Analysen. Nach Abwägung der verschiedenen Sichtweisen bin ich zu einem ganz anderen Ergebnis gekommen.
…..
Aus dieser Perspektive ist Draghi ein Trojaner des Pentagons in der EZB, der die europäische Karre an die Wand fährt, um den US-Krieg gegen Russland und China an der Wirtschaftsfront zu unterstützen. Irgendwo habe ich vor kurzem gelesen, dass Russland noch kräftig US Anleihen gekauft hat. Sie haben diesen Schritt der EZB anscheinend richtig antizipiert."


Ich halte mindestens 50% der Spitzenbanker in den Großbanken für Psychopathen - komplett gewissenlos. "Normale Menschen" halten die Widersprüche und dreisten Lügen nicht aus.

Ein extremer wirtschaftlicher Einbruch trifft vor allem die Schwachen. Aus jeder Krise gehen viele Wohlhabende gestärkt hervor. Not geht den Herren in den Banken am Arsch vorbei, wenn es nicht die Eigene ist.

Wie seht ihr das? Gibt es Belege für eine enge Abstimmung der großen Zentralbanken im globalen Wirtschaftskrieg?

VG Vatapitta

PS: Hatte das Thema im März schon mal bearbeitet:
Der Angriff der USA auf den Euroraum
Zitat von Kissinger: "Amerika hat keine Freunde, Amerika hat Interessen."

--
Chronisch sind die Schmerzen dann, wenn der Doktor sie nicht heilen kann. http://www.liebscher-bracht.com/

Weiß nicht wie zuordnen - schaut mal rein - BIZ ZB DGF Stil Haltung Währungen Kräfte Macht Institutionen China Diskussion

Blum @, D, Montag, 02.11.2015, 14:37 vor 3744 Tagen @ Vatapitta 1090 Views

Hi Vatapitta,

wir werden wohl fast alleine bleiben und off-Flucht-topic diskutieren.(ich würde es begrüßen, wenn die Themengewichtung wieder anders würde).

Das eigentliche Qualitäts-Problem sehe ich aber dort, wo wir als DAS GELBE Fiktion und Thesen und Fakten sauber trennen (ertragreiches, aufbauendes Lesen ermöglicht[[top]] ) oder wo wir einfach nur um unsere bekannten Gedanken herumfabulieren (grenznutzenminimierendes Lesen garantiert [[sauer]] ).

Ich wünsche mir vor allem Klarheit über die Fakten, wozu auch logische Zusammenhänge gehören. Das Fabulieren macht halt so viel Spaß und geht leichter von der Feder, deshalb scheint es hier immer mehr zu dominieren, was ich allerdings bedauere (Bequemlichkeit alter Männer?). (Ja, ich lese auch manchmal gerne einen Streit mit, in dem ich mich zwischen allen Fronten wiederfinde - doch die Masse überfordert mich und das Verhältnis zum Kernthema stimmt einfach nicht mehr.)

Zu unserem Austausch - wir machen das wohl am cui bono fest und beschreiben sinnvolle Zusammenhänge, weil was wem nutzt zu wissen auch wem was nutzen kann[[lach]].

Was ich aus Deinen und meinen Zitaten rauskürze, markiere ich intern als bestätigt oder abgehakt.

Heute Anstieg der Börse in Argentinien (fast pleite?) um ca. 6 %.

Den Zusammenhang hier verstehe ich nicht. Was hat das mit steigenden US-Aktienmärkten zu tun und was mit Kirchner Nachfolge?

Wer aber welche anderen
Kräfte entfesseln kann, um in diesem Wettlauf eine bessere Position zu
erringen, das ist eine vertiefende und wie ich finde, dem DGF viel
angemessenere Frage.

Mich interessieren Faktoren, die über die normalen Geldbewegungen und Bewertungstendenzen hinausgehen. Also wie rechnet sich das zynisch anmutende Spiel Waffen, Drohpotential gegen Macht? Welchen Anteil könnte dieser Faktor haben am Bewegen? Wie lange könnten z. B. RUS China USA JAP EU weiter auf ihren geldpolitischen Pfaden weiterlaufen, weil sie militärische oder institutionelle Macht haben oder nicht haben? Was ist mit kulturellem Einfluss und dessen Imagefaktoren, für welche Gruppen? Es gibt eine starke, aber eben Minderheit, die aktuell dem russischen Bären mehr vertraut als Uncle Sam. Was bewirkt dieser Umstand bezüglich Währungsrelationen?

Dass alle Faktoren irgendwie wirken, ist schon klar, aber es könnte Joker geben, Vetofunktionen, oder, z. B. Swift-Ersatz oder Weltbank-Ersatz AIIB, neuere Entwicklungen, die Kräfte verschieben. Wie stark sind diese Kräfte? Sind sie akut noch gar nicht wirksam, bergen nur ein Potential für künftige Veränderungen?

Machs nicht zu kompliziert, Blum.
Es geht um den Wirtschaftskrieg gegen Russland.

Wirklich und nur so monokausal? Wieviel ist am Geschehen denn wirklich Strategie und bewusste Entscheidung, wieviel aber konsequente Notwendigkeit z. B. eigener wirtschaftlicher Schwäche?

Niemand möchte den Ölausstoß zur Stützung der Preise kürzen. Jeder $ aus
dem Export wird gebraucht.

Oder finden manche Staaten, dass einfach am Ende der Saison der Öldominanz die Preise sowieso immer weiter sinken werden und machen Ladenschlussverkäufe?

Aber dann: wo stehen denn die Alternativen, die sich rechnen? Strom und Solarzellen werden nicht unbedingt aus sich selbst heraus geschaffen.

Weißt Du Vatapitta, ich gehe von der Ansicht aus, dass es zwar verschworene Kreise gibt, aber viele davon und mit widerstreitenden Interessen und deshalb keine monokausalen Erklärungen ausreichen, dass nicht "alle Mächtigen im Hintergrund an einem Strang ziehen." So mächtig also sehe ich keinen Menschen an, auch wenn es welche mit viel mehr Macht gibt, so gibt es auch andere mit viel Macht als ich zu sehen bekomme. Und diese Gruppen können auf ihre Weise elegant oder offensiv oder geheimnisvoll agieren und alle irgendetwas erreichen. Es geht also um zeitliche und graduelle Verschiebungen und Formen.

Und die möchte ich mal in einem Bild haben, wertfrei, einfach von ihren Anteilen her, ungefähr, ohne irgendeinen Lieblingsfreund oder -Feind herauszustellen.

Dann verhindert man im "Gelben Hirn" die frühzeitige Festlegung auf falsche Pferde aller Arten. Auch wir brauchen Denkfreiheit und die Weite statt die Enge im Sehen.

Der Debitismus ist mMn auch kein enges System, sondern eines, das viele Machtgruppen bezüglich Geldfunktion zusammenfasst, ohne die handelnden Akteure zu verteufeln. (Noch sicherer ist aber, dass es im Debitismus keine Heiligen gibt...)

Wollen die Debitisten oder Gelben Heilige sein und kämpfen deshalb um die Position des Recht habens auch bei Meinungs-, Spekulations- oder Glaubens-Fragen?

Und China ist extrem überschuldet behauptet zumindest
Marc Faber.

Nicht nur der: http://think-beyondtheobvious.com/stelters-lektuere/eine-billion-faule-kredite-bei-chinas-banken/

Dauerlink mit viel zum Thema: http://think-beyondtheobvious.com/?s=china

Die US-Behörden/Ratingagenturen kennen die jeweilige Verschuldung
einzelner Länder oder Unternehmen sehr genau. Wir haben einen Artikel im
Gelben, der sich mit der für den Wirtschaftskrieg zuständigen US-Behörde
beschäftigt. - Wer ihn findet , hänge ihn bitte an diesen Beitrag an.

Und schon gefunden: Die Superwaffe des Mr. Glaser
Sanktionen gegen Russland und den Iran: Wie amerikanische Finanzbeamte zu
Wirtschaftskriegern werden. Quelle

http://business24.ch/2014/04/08/ecole-de-guerre-economique-paris-hochschule-fuer-wirtschaftskrieg/

Im angelsächsischen und romanischen Sprachraum haben wir Einrichtungen, die wir uns in tumber deutscher Manier nicht erlauben - und über den Tisch gezogen werden, weil wir dummerweise gar nicht damit rechnen ...

"Was bestimmt Draghis Handeln und welche Auswirkungen sind
beabsichtigt?

Aus dieser Perspektive ist Draghi ein Trojaner des Pentagons in der EZB,
der die europäische Karre an die Wand fährt

Diese Funktion könnte er ausüben, aber es könnte auch sein, dass er wie seine Kumpels in Japan agiert, um so lange wie möglich einen offensichtlichen weltweiten Crash zu verzögern. Ich stimme nicht mit seiner Politik als Nachfolger Trichets überein. Im MM stand mal etwas von dem Druck, unter dem Trichet irgendwann auch umgefallen ist, aber Draghi hat dieses Politspiel von Anfang an erkennen können. Ob er im Kern ein Böser ist, weil er mal bei GS war? Das möchte ich nicht jedem dort unterstellen, auch wenn ich sehe, dass viele Unglücksbringer für uns Volk aus denselben Pools kommen.

Mein Wunsch: mehr differenzieren und die Taten, nicht die Menschen an sich beurteilen. Sonst schneidet man ihnen jeden Rückweg ab, dann sagen die "fight or die". Die Taten können eindeutig sein, die Motive aber nicht! Man wird da als Beobachter selbst blind, wenn man sich schon beim ersten cui bono Treffer freut und andere nicht mehr sucht. Deinen speziellen Thread hier habe ich als Anlass genommen, sich weitere cui bonos zu suchen und größere Zusammenhänge aufzubauen als die mainstreamartigen Merkel, Obama, Putin -Bashings oder Heiligenverehrungen, die sich so schön zum Streiten eignen und die Blicke auf das ganze System stark verengen. Ich glaube nicht an bessere Zeiten nach diesen Lichtschattenfiguren, dazu ist alles sehr verzahnt.

Die Vorschläge von CrisisMaven zum stillen Protest scheinen mir angesichts der zersplitternden Polarisierungen der klügere Weg, obwohl dieser meinen idealsuchenden Wünschen entgegensteht, also im Kern kontraintuitiv wirkt.

Eine zerklüftete Opposition ist der beste Freund des Mainstreams, das darf man auch mal hier nicht vergessen. Das Forum ist stark, wenn der Diskurs fair und faktenreich geführt wird. Ideal ist, wenn beide einander in Teilen Recht geben können, selbst etwas gelernt haben, ihr Bild verfeinert und ihre eigenen Optionen vergrößert sehen. Nicht aber, wenn das politische Hau-Drauf-weil-Du-bist-von-der-anderen-Seite nachgespielt wird.

Irgendwo habe ich vor kurzem gelesen, dass Russland noch kräftig US
Anleihen gekauft hat. Sie haben diesen Schritt der EZB anscheinend richtig > antizipiert.

Vielleicht lesen auch kommunismusgeprägte Menschen PCM, aus dessen Ausführungen ist das auch leicht abzuleiten. Malik verkettet diese Argumente auch nachvollziehbar. In der Krise steigt der Dollar, egal, ob Amis ausgelöst haben oder nicht.

Ich halte mindestens 50% der Spitzenbanker in den Großbanken für
Psychopathen - komplett gewissenlos. "Normale Menschen" halten die
Widersprüche und dreisten Lügen nicht aus.

Nenne mir eine Berufsgruppe, die keine solchen inneren Widersprüche kennt. Ob Bauer oder Bäcker, ob Arzt oder Ernährungsberater, Pharmazeut oder Chemiker, Automobilist oder Solarzellenverkäufer, ob Hausbauer oder Rechtsanwalt, alle haben ggf. Gründe, ihren Platz zu verlassen, um nicht an den inneren Widersprüchen zu zerbrechen. Ignoranz ist für alle eine Option, um "gesund" zu bleiben, Zynismus oder Masochismus, Suchtverhalten oder ähnliches, da ist überall etwas in den Berufen, was auch in den Breiten wenig nachhaltig, nicht ganz ehrlich oder anderweitig gewissensbissig läuft. Sich eine gute Nische zu erarbeiten ist gar nicht so leicht.

Ein extremer wirtschaftlicher Einbruch trifft vor allem die Schwachen. Aus
jeder Krise gehen viele Wohlhabende gestärkt hervor. Not geht den Herren
in den Banken am Arsch vorbei, wenn es nicht die Eigene ist.

Ja, wobei es neue Wohlhabende geben kann nach den Krisen, das sind einfach alles Verschiebungen und die zeitliche Abfolge, das Management dieser Verschiebungen, ob menschenwürdig oder nicht, das macht den Unterschied zwischen Krieg und Frieden aus meiner Sicht.

Egoismus im Handeln einer Institution ist nicht per se ein Teufelsding. Solange die Institutionen in ihrer Gesamtheit sich ergänzen und auf Ausgleich, nicht auf Stillstand und nicht auf Krieg geeicht sind, kann so ein Egoismus gesamtgesellschaftlich vorteilhaft sein.

Wohlgemerkt, wir bewegen uns nicht im anarchistischen Gesellschaftsmodell, sondern im staatsgebundenen und damit der Entropie unterworfenen "Demokratie"-Modell unserer Zeit.

Anarchien haben meines Wissens keine verfassten Institutionen. Zara kann das gerne korrigieren, davon aber gehe ich aus.

Im aktuellen Modell unserer Zeit sind Länder und Firmen mit guten Institutionen (Beispiele: Schweiz, Norwegen) relativ besser als andere unterwegs, deren Institutionen teilweise fehlen, korrupter oder überfressen agieren (Nigeria, Irak, China, Indien; die EU als extraterritoriales undemokratisches Konstrukt passt nicht ganz hinein, aber checks and balances gehen da für viele Menschen stark auseinander).

Wie seht ihr das? Gibt es Belege für eine enge Abstimmung der großen
Zentralbanken im globalen Wirtschaftskrieg?

http://www.tagesanzeiger.ch/wirtschaft/Der-exklusivste-Club-der-Welt-und-seine-dunkle-Vergangenheit/story/16737331

Hieraus zitiert:

"Das Diner im 18. Stock

Heute pilgern jährlich rund 5000 Mitarbeiter von Zentralbanken aus allen Erdteilen zum Turm in Basel. Sie nehmen an Konferenzen teil und werden in allen Bereichen ihrer Tätigkeit geschult. Auch Chefs der wichtigsten Zentralbanken treffen sich dort regelmässig für ein Wochenende. «Der exklusivste Club der Welt hat 18 Mitglieder», schildert LeBor. «Sie treffen sich alle zwei Monate am Sonntag um 19 Uhr in Konferenzraum E. Ihre Diskussionen dauern eine Stunde, manchmal eineinhalb. Nach dem Meeting verlassen die Assistenzen den Raum. Die übrigen begeben sich zum Diner im Diningroom im 18. Stock. Sie wissen, dass Essen und Wein superb sein werden. Das Essen dauert bis 23 Uhr, gelegentlich bis Mitternacht. Hier findet die eigentliche Arbeit statt. Doch von allem, was an diesem Tisch gesprochen wird, dringt kein Wort an die Öffentlichkeit.»"

Vor Jahren erzählte mir ein junger Elitestudent, dass er dort schon teilnehmen durfte und sich am Esstisch mit diesen mächten Menschen angenehm unterhalten konnte.

Solche Einrichtungen finde ich aber per se nicht schlecht, es kommt darauf an, welche Werte dort vertreten werden, es kann schon sein, dass manche auch an ihre Völker denken. Man muss nicht vom Schlechten ausgehen. Wir können aber auch nicht so tun, dass dort alles immer schön altruistisch liefe. Eine gute Verfassung oder Institution schreibt eben im Handeln vor, was wie zu gehen hat und was nicht und sanktioniert Fehlhandeln hart.

Wo Transparenz des Handelns fehlt (also z. B. widerstreitdende Ideen gar nicht benannt werden [dürfen], wo Andersdenkende unterdrückt werden, da ist Gefahr im Verzug.)

PS: Hatte das Thema im März schon mal bearbeitet:
Der
Angriff der USA auf den Euroraum

Zitat von Kissinger: "Amerika hat keine Freunde, Amerika hat Interessen."

Mein tiefer Wunsch wäre, dass auch wir diese Haltung der Interessen in den Vordergrung stellten und nicht glaubten, wir hätten Freunde. Die Welt ist voller Geschichten falscher Freunde, die sich sofort abwenden, wenn der Gönner pleite ist oder auch um einen Gefallen bittet.

Unserem Volk wird eine Binde um die Augen gelegt, wenn es darum geht, interessengeleitet und selbsterhaltend zu agieren und die Massen legen sich diese Binde auch noch selbst an, um sozial "geliebt" zu werden.

Blum[[herz]]

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It's not what you don't know that gets you into trouble, it's what you know that just ain't so that gets you into trouble. (Satchel Paige)

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