Was bestimmt Draghis Handeln und welche Auswirkungen sind beabsichtigt?

Vatapitta @, Freitag, 23.10.2015, 02:37 vor 3751 Tagen 2360 Views

bearbeitet von unbekannt, Freitag, 23.10.2015, 02:53

Moin moin,

im Vorfeld der EZB-Sitzung gab es zahlreiche, sehr unterschiedliche Analysen. Nach Abwägung der verschiedenen Sichtweisen bin ich zu einem ganz anderen Ergebnis gekommen.

Der Reihe nach:

Die auf die Analyse von Fakten gestützte Aussage von Folker Hellmeyer, Chefanalyst der Bremer Landesbank sieht so aus:

"Die EZB täte gut daran, den Exit aus QE vorzubereiten, während die Federal Reserve bezüglich ihres Auftrags für hohes Wachstum zu sorgen (sinnvoll für eine Zentralbank?), weise wäre, einzugestehen, dass man das Gesamtbild der US-Wirtschaft offensichtlich falsch prognostiziert hat und die selbsttragenden Kräfte der US-Wirtschaft nach wie vor unausgeprägt sind.
…
Fazit:
Die Markterwartungen bezüglich eines verstärkten "südlichen Charmes" seitens der EZB sind stark ausgeprägt. Sollte Herr Draghi diese Erwartungen nicht voll erfüllen, könnte es zu positiven Bewegungen des Euros gegenüber den Hauptwährungen kommen."


Im Degussa Marktreport vom 11.09. 2015 findet sich Folgendes: (gefunden bei WKN007 - danke)

"Zusammenfassung:
â–  Die täglich fälligen Kundenverbindlichkeiten der Euro-Banken belaufen sich auf rund 5.380 Mrd. Euro.
â–  In der Kasse halten die Euro-Banken aber nur 617 Mrd. Euro. Sie haben daher eine „Liquiditätslücke“ von gut 4.760 Mrd. Euro.
â–  Wahrscheinlich ist, dass die EZB diese Lücke schließen wird. Dazu muss sie ihr Anleiheaufkaufprogramm gewaltig aufstocken.
â–  Es käme zu einer großangelegten Monetisierung der Staatsschulden im Euroraum.
â–  Die Folgen für den Euro lassen sich kaum verlässlich abschätzen; dass seine Kaufkraft nach innen und außen fällt, ist wahrscheinlich."

Diese Maßnahmen sollen für die Deckung der Bankenguthaben mit Basisgeld sorgen, um die Banken gegen einen Bankrun zu immunisieren.


Meine Einschätzung der Absichten Draghis basieren auf der nicht kommunizierten Wirkung der Maßnahmen.

Der aktuell, gegen die wirtschaftlichen Fakten (siehe Hellmeyer), erstarkte Dollar treibt die deflationären Kräfte an (Dr. Jens Ehrhardt - Finanzwoche). Die in Dollar verschuldeten Unternehmen und Staaten sehen sich einem Anwachsen ihrer Schulden in Landeswährung gegenüber. Das hemmt die wirtschaftlichen Aktivitäten weltweit, besonders aber die der Dollarschuldner.

Aus dieser Perspektive ist Draghi ein Trojaner des Pentagons in der EZB, der die europäische Karre an die Wand fährt, um den US-Krieg gegen Russland und China an der Wirtschaftsfront zu unterstützen. Irgendwo habe ich vor kurzem gelesen, dass Russland noch kräftig US Anleihen gekauft hat. Sie haben diesen Schritt der EZB anscheinend richtig antizipiert. [[top]]


VG Vatapitta

--
Chronisch sind die Schmerzen dann, wenn der Doktor sie nicht heilen kann. http://www.liebscher-bracht.com/

EZB-Sitzung

Martino @, Freitag, 23.10.2015, 21:31 vor 3750 Tagen @ Vatapitta 1558 Views

Moin moin,

im Vorfeld der EZB-Sitzung gab es zahlreiche, sehr unterschiedliche
Analysen. Nach Abwägung der verschiedenen Sichtweisen bin ich zu einem
ganz anderen Ergebnis gekommen.

Mario ist wohl unschlüssig..

[image]


[[freude]]

gefunden auf der Facebook-Page von Lega Nord (Basta Euro)

Dein persönlicher Deckungsanteil

Amos, Freitag, 23.10.2015, 23:29 vor 3750 Tagen @ Vatapitta 1267 Views

bearbeitet von Amos, Freitag, 23.10.2015, 23:37

Hallo Vatapitta,

dass die Liquiditätslücke nur 4.760 Mrd. groß ist möchte ich bezweifeln.
Wie hoch Dein persönlicher Deckungsanteil ist, kannst Du ab Januar 2016 erfragen, siehe;

http://www.dasgelbeforum.net/forum_entry.php?id=366712

Auch dass die Marktrisiken zum Ende eines Wachstumszyklus hin immer größer werden, ist weithin bekannt.

Die EZB muss und wird, wie alle anderen Zentralbanken auch, einer deflationären Entwicklung mit allen Mitteln entgegen tretten.

Wenn das eines Tages nicht mehr funktioniert, weil es durch diese anti-deflatorische Marksteuerung zu einer zu großen Kapitalfehlallokation gekommen ist muss alles ganz schnell gehen und nach Plan ablaufen.

Wenn ich einen Roman über den Reset des Geldsystems schreiben würde, hätte ich da folgende Idee, die natürlich jeder Realität entbehrt:

Jedes Kernbankensystem hat inzwischen s.g. Siron Schnittstellen, z.B. SironEmbargo um nur ein Interface zu nennen. Diese Interfaces funktionieren sehr gut, die übersichtlichen Sanktionslisten, werden vom Bundesverband der Banken täglich in die Kernbankensysteme eingepflegt.
Lieferanten des Bundesverbandes sind wiederum andere vertrauenswürdige Stellen wie z.B.:
US Department of the Treasury: Office of Foreign Assets
Control (OFAC)
Common Foreign Security Policy (CFSP) list of persons, groups
and entities subject to EU financial sanctions
Her Majesty‘s Treasury (HMT)
Consolidated List of UN 1267 Resolutions
Deutscher Bundesanzeiger

Weil diese anerkannte und bewährte Technik inzwischen im kleinen Rahmen schon sehr gut funktioniert, kann man damit auch den Reset unglaublich effektiv abwickeln, ohne dass es nötig ist, die Bankvorstände einzuweihen.
Es muss auch keiner verhungern, das Regelwerk ist sehr flexibel, keiner steht völlig ohne Geld da!
Wenn man sich selbst auf der Liste findet und Schreibrechte hat, kann man natürlich eine kleine Änderung der Filterregeln vornehmen, aber das nur am Rande.

Ein weiterer wichtiger Schritt der zeitgleich ablaufen muss, ist die Kommunikation.
Wenn Menschen wie Du und ich merken, dass wir kein Chaos befürchten müssen, sondern alles sauber geregelt wird, und wir uns nicht benachteiligt fühlen, sind wir in der Regel mit den notwendigen Maßnahmen einverstanden.
Das Konzept muss so einfach sein, dass es sofort jeder versteht.

Für die Produktivvermögen, EM und Bargeldhorter habe ich noch keine Roman-Idee, aber es eilt ja nicht, noch funktioniert ja das QE der Zentralbanken :-)

Viele Grüße
amos

Werbung

Wandere aus, solange es noch geht.