Was bestimmt Draghis Handeln und welche Auswirkungen sind beabsichtigt?
bearbeitet von unbekannt, Freitag, 23.10.2015, 02:53
Moin moin,
im Vorfeld der EZB-Sitzung gab es zahlreiche, sehr unterschiedliche Analysen. Nach Abwägung der verschiedenen Sichtweisen bin ich zu einem ganz anderen Ergebnis gekommen.
Der Reihe nach:
Die auf die Analyse von Fakten gestützte Aussage von Folker Hellmeyer, Chefanalyst der Bremer Landesbank sieht so aus:
"Die EZB täte gut daran, den Exit aus QE vorzubereiten, während die Federal Reserve bezüglich ihres Auftrags für hohes Wachstum zu sorgen (sinnvoll für eine Zentralbank?), weise wäre, einzugestehen, dass man das Gesamtbild der US-Wirtschaft offensichtlich falsch prognostiziert hat und die selbsttragenden Kräfte der US-Wirtschaft nach wie vor unausgeprägt sind.
…
Fazit:
Die Markterwartungen bezüglich eines verstärkten "südlichen Charmes" seitens der EZB sind stark ausgeprägt. Sollte Herr Draghi diese Erwartungen nicht voll erfüllen, könnte es zu positiven Bewegungen des Euros gegenüber den Hauptwährungen kommen."
Im Degussa Marktreport vom 11.09. 2015 findet sich Folgendes: (gefunden bei WKN007 - danke)
"Zusammenfassung:
â– Die täglich fälligen Kundenverbindlichkeiten der Euro-Banken belaufen sich auf rund 5.380 Mrd. Euro.
â– In der Kasse halten die Euro-Banken aber nur 617 Mrd. Euro. Sie haben daher eine „Liquiditätslücke“ von gut 4.760 Mrd. Euro.
â– Wahrscheinlich ist, dass die EZB diese Lücke schließen wird. Dazu muss sie ihr Anleiheaufkaufprogramm gewaltig aufstocken.
â– Es käme zu einer großangelegten Monetisierung der Staatsschulden im Euroraum.
â– Die Folgen für den Euro lassen sich kaum verlässlich abschätzen; dass seine Kaufkraft nach innen und außen fällt, ist wahrscheinlich."
Diese Maßnahmen sollen für die Deckung der Bankenguthaben mit Basisgeld sorgen, um die Banken gegen einen Bankrun zu immunisieren.
Meine Einschätzung der Absichten Draghis basieren auf der nicht kommunizierten Wirkung der Maßnahmen.
Der aktuell, gegen die wirtschaftlichen Fakten (siehe Hellmeyer), erstarkte Dollar treibt die deflationären Kräfte an (Dr. Jens Ehrhardt - Finanzwoche). Die in Dollar verschuldeten Unternehmen und Staaten sehen sich einem Anwachsen ihrer Schulden in Landeswährung gegenüber. Das hemmt die wirtschaftlichen Aktivitäten weltweit, besonders aber die der Dollarschuldner.
Aus dieser Perspektive ist Draghi ein Trojaner des Pentagons in der EZB, der die europäische Karre an die Wand fährt, um den US-Krieg gegen Russland und China an der Wirtschaftsfront zu unterstützen. Irgendwo habe ich vor kurzem gelesen, dass Russland noch kräftig US Anleihen gekauft hat. Sie haben diesen Schritt der EZB anscheinend richtig antizipiert.
VG Vatapitta
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Chronisch sind die Schmerzen dann, wenn der Doktor sie nicht heilen kann. http://www.liebscher-bracht.com/
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