Molto fumo - niente arrosto. Viel Rauch - kein Braten. Naja, nicht ganz..
Guten Abend CalBaer,
es ist spät, aber ich werde mal ein bißchen Senf dazu geben.
Wobei ich nur aus meinem persönlichen Umfeld und aus den Medien berichten kann, da ich nicht mehr in ein tägliches Arbeitsumfeld eingebunden bin.
In den Medien beschwört Renzi immer wieder die großen Erfolge seiner Arbeitsmarktreform mit weniger Kündigungsschutz bei den privaten Firmen.
Im August soll es ca. 100.000 Arbeitsplätz(chen) mehr gegeben haben als im Jahr zuvor.
Meiner Meinung nach ist das, gerade im August, auch dem boomenden Tourismus geschuldet und handelt sich in diesem Fall vorwiegend um befristete Verträge (contratti precari), was so auch in diversen politischen Schwatzrunden bemängelt wird.
Hier wendet er sich an "sein Volk" nd beschreibt das größte Problem und hat Recht:
"La principale riforma è restituire fiducia agli italiani: se dopo tanto tempo gli italiani tornano a veder crescere i consumi è perché tanti soldi che sono da parte, fermi, bloccati in Italia, tornano a girare."
grob übersetzt:
Die wichtigste Reform ist, das Vertrauen der Italiener zurückzugewinnen:
Wenn nach langer Zeit die Italiener den Konsum wieder wachsen sehen, werden die Gelder wieder ausgegeben, (girare für "drehen sich"), die blockiert sind und zurückgehalten werden in Italien.
http://www.liberoquotidiano.it/news/politica/11832050/Renzi---Se-cresce-l.html
Genau das ist das Problem, welches diverse Regierungen selber kreiert haben: die Unsicherheit, was wird morgen neu bzw. höher besteuert, verfolgt, bestraft?
Das Spesometro (Ausgabenmesser) und das Renditometro (Einnahmenmesser) der staatlichen Inkassostelle Equitalia haben dem Konsum den Rest gegeben.
Will Renzi sehen, wie sich "das Geld dreht", sollte er das als erstes einstampfen und diese Aktion groß bewerben.
Vorher wird nichts passieren.
Equitalia hat Zugriff auf alle Finanzbewegungen jedes Bürgers und vergleicht mittels ausgeklügelter Software deklarierte Einnahmen mit getätigten Ausgaben.
Somit kam sofort der größte Teil des Schwarzmarktes, gerade Fahrzeuge und Immobilien, zum Erliegen.
Dann das Bargeldlimit von 1.000 Euro, sowas von deppert in einem Land wie Italien, das fiel Monti ein.
So kam auch der kleine Schwarzmarkt teils(!) zum Erliegen.
Immerhin spricht Padoan, Minister für Wirtschaft und Finanzen, davon, dass das Bargeldlimit und Steuerhinterziehung nichts gemein haben und das Limit nicht für höhere Steuereinnahmen sorgte.
Klar, das Schwarzgeld bleibt liegen, "blockiert", wie Renzi jammert.
Nun will man, vielleicht, die Grenze auf 3.000 Euro anheben.
Sie sollten sie ganz aufheben. Aber das ist typisch für Italien, es wird ein bißchen hier gedreht, da gedreht, aber kein großer Wurf.
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Im realen Leben legt der Immobilienmarkt zu und der ist bekanntermaßen DER Motor.
Das ist auch dem geschuldet, dass die Zinsen gesunken sind, wir bewegen uns um die 2% herum für Hypothekendarlehen bei guter Bonität.
Zudem kommen immer mehr Ausländer und investieren in Land, Trinkwasser und Immobilien.
Wir persönlich sehen das anhand unserer Tätigkeit, dem Suchen und Finden solcher Schnäppchen und dem Begleiten der Ausländer bis zum Notar, um ihre Interessen zu wahren und alles zu kontrollieren und zu übersetzen.
Nur ein Beispiel:
In unserem Ort gibt es ab 8.500 Euro z.B. 4.000m² fruchtbarste Erde mit Olivenbäumen, Obstbäumen und die Möglichkeit, einen Trinkwasserbrunnen zu bohren. Und das an einer Straße und nur 200m vom Ortsschild entfernt und 4km vom Strand. Idylle pur mit Infrastruktur.
Und für 30.000 Euro gibts erstklassiges Bauland mit 5.000m² in bester Lage, oft noch mit einem wehrhaften Trullo drauf, Obst und Oliven.
Da schlagen jeden Sommer so viele Ausländer zu und jedes Jahr mehr, teils nur, um dem Euro zu entfliehen und in Realwerte umzurubeln.
Der Sektor hat nur gelitten, weil Monti die erste, selbstgenutzte Immo fett besteuert hat und damit die 2. Immo, nicht selbst genutzt, noch höher.
Viele warfen ihr Haus am Meer oder auf dem Land auf den Markt, um die Steuern zu sparen.
Renzi schafft zum 1. Januar die Steuern auf das "prima casa" wieder voll ab, war schon unter Berlusconi so. Und schon gehts wieder ab und die Preise ziehen an..
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In meinem Umfeld ist es wie immer, nur die Handwerker haben mehr zu tun.
Die Klempner wegen der EU-Regeln, die auch hier angekommen sind zum Teil, wie Brennwertthermen nach Abgasen zu untersuchen, völliger Blödsinn, da im Dampf zu stochern, aber ich kenne es ja noch aus meinem Haus in Deutschland.
Dafür kann man einfach ein Loch ins Dach machen oder in die Wand und einen Kamin anschließen, da sagt keiner was.
Insgesamt ist das Bauen hier im Vergleich zu Deutschland total unkompliziert, wenn man sich an den Bauplan hält und nicht gerade Ärger hat mit einem der höhergestellten Beamten, (an meine Nase fass..).
Wir haben für Freunde einen Bau begleitet - Von Grundstückskauf über Planung, Genehmigung und Fertigstellung eines hochwertigen Rohbaus sind - mit Gottes und Bürgermeisters Hilfe, der ein Sohn meines Schulfreundes ist, gerade mal 10 Monate vergangen.
Sowas lockt Ausländer und so wird hier auch wieder mehr gebaut.
In den mir bekannten Produktionsbetrieben ist es mau wie immer, sie hängen entweder vom Binnenkonsum oder vom Export ab, beides läuft nicht gut.
Mein Neffe ist spezialisierter Schlosser und arbeitet mit seinen 160 Kollegen seit einem Jahr für 600 Euro im Monat - auf Abruf.
Seine Frau arbeitet für 20 Euro am Tag schwarz 5-6 Stunden an der Nähmaschine in einer Minifabrik mit ca. 20 Frauen, keine ist versichert, kein Urlaub, kein Schutz.
Alle wissen es, keiner kontrolliert es - und die Frauen sind froh drum und gehen gern arbeiten, sagt sie und meints auch so.
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Renzi sagt, dass seine Regierung mehr Geld in das Gesundheitssystem gesteckt hat und noch aufstocken will.
"Segnamoci bene i numeri: nella sanità nel 2013 106 miliardi, nel 2014 109 miliardi, nel 2015 110 miliardi, nel 2016 111m miliardi: quindi, i soldi per la sanità non sono tagliati, ne stiamo mettendo di più", ha concluso il presidente del Consiglio.
Mag sein, man merkt davon aber nichts.
In den Krankenhäusern hier ist es z.B. üblich, dass man als Patient sein Toilettenpapier selbst mitbringt. Es ist einfach keins da.
Das findet keiner schlimm, das ist eben so.
Meine Herzdame hat sich einmal mit einer sehr kompetenten Gynäkologin unterhalten und ihr ein Kompliment gemacht, sie sei die Einzige, die im, dem Untersuchungszimmer angeschlossenen, blitzblanken Bad Papier, Handseife und Handtücher hätte.
Frau Doktor erklärte ihr und die Schwester pflichtete bei, dass immer genug von allem da sei, aber das Personal würde alles mit nach Hause nehmen, sobald Lieferungen kämen.
Da die Leitung dies genauso praktiziere, würde dies keine Konsequenzen nach sich ziehen.
Man sieht die Mentalität - alle mausen und es ist ok. Erinnert an die DDR.
Wenn alle Italiener einfach nur verantwortungsvoll ihren Job machen würden, so wie die meisten Deutschen, könnte Renzi Recht haben mit seinem Ausspruch:
"E se si rimette in moto l'economia reale del Paese, noi diventiamo il Paese più forte d'Europa, più forte anche dei tedeschi,.."
Wenn die Realwirtschaft unseres Landes wieder aufdreht (mettersi in moto), werden wir das stärkste land Europas, stärker sogar als die Deutschen.
Aber da die italienische Mentalität ist wie sie ist, wird das nicht passieren ;)
Das Meer ist so schön, im Büro ist es so langweilig, Papier ist geduldig - gehen wir in die Bar auf einen Café
Gute Nacht allen Foristen und Lesern
modesto
PS: entschuldigt eventuelle Rechtschreibfehler, meine Gute sieht abends nicht mehr so gut am Bildschirm. (..trotzdem diktiert er mir ohne Skrupel^^)