Wenn die Homogenität der Werte fehlt
Als
ausgesprochene Griechenlandliebhaberin reiste sie u.a. nach Griechenland
und meinte, dass "damals" noch die Blutrache dort herrschte. Sie selbst sei
dort immer mit einem Messer in der Tasche gereist (offensichtlich ein
riesiges Küchenmesser). Ich kam aus dem Staunen nicht mehr heraus und
mußte laut lachen.
wir waren (ab den 70ern) immer gerne im Westen Kretas, Rucksack, Schlafen im Freien oder Minizelt, aber von Blutrache habe ich nichts gehört. Wir haben uns unter den West-Kretanern immer absolut sicher gefühlt.
Einmal war ich zu einer Hochzeit eingeladen und eine aus Athen angereiste junge Frau der Familie hat es gewagt mit mir während der Feier zu tanzen. Die kretanische Familie war mir gegenüber freundlich, zuvorkommend, aber die Athenerin wurde extrem zurechtgewiesen! - Integrationsgedanken hatten also auch damals in Griechenland ihre Grenzen, trotz der sehr ausgeprägten Gastfreundschaft.
Vielleicht bekommen wir ja demnächst auch wieder solche Zeiten. Die
letzten "Auseinandersetzungen" zwischen Migranten, bei denen auch Deutsche
zum Opfer fielen, nur weil sie zur falschen Zeit am falschen Platz waren,
legen jedenfalls diese Vermutung nahe. Soweit ich informiert bin soll in
Afghanistan die Blutrache noch in Mode sein.
In dem Moment, in dem der Staat überlastet ist, bzw. Macht einbüßt, wird dieses Vakuum ohnehin gefüllt. Das Problem liegt dann darin, daß wir keine homogene Gesellschaft in Deutschland mehr sind, also keine Wertegemeinschaft, sondern dann ein Gemenge unterschiedlichster Werte-Welten kleinräumig vorfinden. Darin liegt die eigentliche Tragik der derzeitigen Entwicklung.
Grundsätzlich bin ich ein starker Befürworter jeglicher staatlicher Entmachtung - das kann aber nur friedlich erfolgen, wenn man eine werte-homogene Gesellschaft vorfindet - ansonsten ist eine Verrohung vorprogrammiert.