Hallo CalBaer,
das ist alles richtig. Die Renten sind Teil der enormen Veränderungen, die wir in Zukunft wegen der Logik der geschichtlichen Abläufe sehen werden.
1. Der Verlust eines Hafens führte zum Ende der Finanzierung des Krieges und damit zu seinem Ende.
Im amerikanischen Sezessionskrieg gilt der Fall von Vicksburg im Mai 1863 nach den Geschichtsbüchern als Wendepunkt des Krieges. Aus finanzieller Betrachtung wurde der Krieg schon ein Jahr vorher am 29. April 1862 durch die wenig beachtete Eroberung von New Orleans entschieden.
Die Anleihen des Südens zur Finanzierung der Konföderation waren mit der Baumwollernte besichert, die über New Orleans exportiert wurde. Durch den Fall der Hafenstadt war es den Gläubigern der Anleihen nicht mehr möglich, notfalls auf die Sicherheiten der Anleihen zuzugreifen. Das hatte verheerende Folgen. Da der heimische Rentenmarkt erschöpft war und keine Auslandsanleihen mehr aufgelegt werden konnten, war die konföderierte Regierung gezwungen ungedeckte Papierdollar zu drucken – was schon vor der Kapitulation der Hauptstreitmacht im April 1865 zum totalen Zusammenbruch der Wirtschaft führte und in der Hyperinflation endete.
2. Die Verlängerung der Finanzierung bedeutete die Fortsetzung eines zwischenstaatlichen Krieges mit der Rettung vorangehender Kredite.
Der 1. Weltkrieg war der vorletzte Krieg, der nach der Auffassung von H. Münkler einem binären Ordnungssystem – des Entweder-oder – zuzurechnen ist: „Krieg oder Frieden, Staatenkrieg oder Bürgerkrieg, Kombattanten oder Nichtkombattanten – ein Drittes gibt es nicht.“ Zu seiner teilweisen Finanzierung hat @kapiernix in
http://www.dasgelbeforum.net/forum_entry.php?id=117309
das Folgende gesagt:
„Ich hab einmal irgendwo gelesen, daß der 1.WK ohne die Finanzierung durch die Amerikaner spätestens 1916 hätte beendet werden müssen, mangels Geld. Die Entente stand trotz der Finanzierung durch die Amerikaner im April 1917 vor dem Zusammenbruch und konnte nur durch den Kriegseintritt der Amerikaner gerettet werden. Dieser Kriegseintritt wurde propagandistisch ebenfalls von den New Yorker Großbanken über die von ihnen dominierte Presse gefördert und ihre politischen Kontakte orchestriert, um ihre bis dahin an GB und Frankreich begebenen Kriegskredite zu retten. So zeichnen diese Hochfinanzbanker für den Tod von Millionen Soldaten und Zivilisten und die Verwüstung Europas mit verantwortlich.“
3. Die gegenwärtigen „low density wars“ als endemische, virulente und chronische Kriegszustände erzeugen nur noch in der Finanzökonomie wachsenden Wohlstand und Reichtum.
Nach dem 2. Weltkrieg befolgte das entstehende US – Imperium die Ideen von Alfred Thayler Mahan, demzufolge die Kontrolle der Weltmeere der Schlüssel zur Weltherrschaft sei. Gleichzeitig beachtete es die Vorstellung von Halford J. Mackinder, für den die Beherrschung der Küstenregionen Eurasiens wichtig sei, um zu verhindern, dass die stärkste eurasische Landmasse zum führenden Weltreich aufsteigen könnte. Das führte in Asien zu den zwischenstaatlichen Kriegen in Korea und Vietnam und über Libyen, das gewagt hatte, den Dollar als Zahlungsmittel für sein Öl abzulehnen, über den Irak, Afghanistan und Syrien zu den heutigen asymmetrischen oder auch hybriden oder auch Neuen Kriegen. Diese von Martin van Creveld vorhergesagte „transformation of war“ bedeutet die Auflösung der „Westfälischen Ordnung“ von 1648 und angesichts der Vernichtungskraft der Nuklearwaffen und der Verwundbarkeit der modernen Industrie- und Dienstleistungsgesellschaften zum Ende der Sta!
atenkriege, die zu „low density wars“ transformiert werden. Ein Kennzeichen dieser neuen Formen des Krieges sind die „private military company (PMC)“. Die Nichtunterscheidbarkeit von Kombattanten und Nichtkombattanten ist typisch für diese Neuen Kriege, die ja sehr dehnbar sind in Raum und Zeit und für die die festen Termine der Kriegserklärung und der Kapitulation mit Friedensbeginn nicht gelten, erzeugen mit dem Wohlstandsversprechen im Rahmen der gegenwärtigen Zentralmachtordnung eine nicht kontrollierbare und nicht beherrschbare Massenflucht und Völkerwanderung in eben diese Zonen Europas. Damit ist Europa ein Teil der Neuen Kriege und muss alle Konsequenzen mittragen!
Da die Staatspolitik ja nichts anderes ist als die Kehrseite der internationalen Finanz-Interessen, werden diese mit ihren Beraternetzwerken in Verbindung mit den Strategen des „NATO-US-military-industrial complex“ ihre Rechnung präsentieren. Sie werden sich zum Beispiel an den humanen Ressourcen (mögliche andere finanzielle, organisatorische, physische, ökonomische, technologische Güter Mal außen vor) bedienen, die Deutschland im Moment vielleicht noch hat: besonders ausgebildete oder talentierte Menschen. Dies betrifft vor allem Akademiker, Ärzte, Unternehmer, Ingenieure, Facharbeiter. Das bisherige Gleichgewicht von brain-drain und brain-gain in Deutschland wird nicht bestehen bleiben – es wird sich für uns ins Negative zu Gunsten vor allem der angelsächsischen Welt verschieben. Die Problematik der Auswanderung wurde im Forum ja schon ausführlich besprochen.
Die Zukunft wird zeigen, wie eine neue Zentralmachtordnung mit ihren Strukturen, ihren Mythen und den handelnden Personen ausgestaltet ist. Auf jeden Fall werden wir zahlen!
Gruß
Johann