Ich halte es für elementar, in welcher Reihenfolge sich MSM aus der öffentlichen Meinungsbildung verabschieden. Habens Zeitungen wie die Süddeutsche einen längeren Atem, so wird der Michel niemals zur Besinnung kommen, niemals aufwachen. Der Informationseintopf wäre damit aus Sicht der Bilderberger gewährleistet.
... und ich habe, glaube ich, sehr aufmerksam verfolgt, wie sich beide entwickelt haben.
Ich weiss noch, wie ich in der Frankfurter Allgemeinen das erste Mal ueber einen Druckfehler stolperte - fuehlte sich an, als sei ich in eine Wand gerannt.
In den sechzigern gab es keine Druckfehler.
In den siebzigern kam dann fuer einige Zeit noch die "ZEIT" hinzu, weil sie mir ein Vertreter an der Tuer aufschwatzte (fuer ca. zwei Drittel des offiziellen Jahresabonnementspreises). Ich habe sie dann gleich wieder per Einschreiben mit Rueckschein gekuendigt, als ich die ersten beiden Ausgaben erhielt und studierte (Zweisteins Logeleien waren nicht schlecht, aber sonst, siehe unten).
Da ich mit Einschreiben mit Rueckschein gekuendigt hatte, haben sie es prompt uebersehen und dann, das haengt mit der damaligen Logik des subventionierten Postzeitungsvesands zusammen, erhielt ich sie ein weiteres Jahr kostenlos. Mit andern Worten: viel Altpapier, um Kohlebriketts einzuwickeln (wir hatten da noch Einzeloefen), und das zu einem Drittel (auf ZWEI Jahre gerechnet) des offiziellen Preises. Auch mit der ZEIT habe ich daher meinen Frieden geschlossen.
Aber, was ich, der ich auch sonst viel las, insbes. auch auslaendische Medien, auch aus Uebersee, und zwar nicht die unsaeglichen Europa-Ausgaben, die spaeter kamen (wofuer brauche ich US News and World Report oder Time als Europa-Ausgabe, um dasselbe zu lesen, was im Spiegel oder Nouvel Observateur steht, wenn ich doch diese Zeitschriften abonniert habe, um ORIGINAL zu erfahren, was sich in USA abspielt, SO, wie der "Ami" das morgens liest?), dann bemerkte, war:
- die Berichterstattung wurde immer unkritischer
- ausser im Feuilleton kam eine philosophisch tiefgruendigere Denkweise komplett abhanden.
- Man haengte sein Maentelchen mehr und mehr nach dem Wind.
- Und, insbes. im Spiegel, zog mit einer juengeren Generation eine Journaille ein, die alles, was ihr politisch missliebig war, generell in selektiv praesentiertem "faktoiden Licht" zeigte.
- Und die "Zeit" hat das gemacht (wohl immer schon, das muss Graefin Doenhofs Markenzeichen gewesen sein), was ich als "scheissliberal" bezeichne: alles und jedes hin- und hergekaut, immer mit "aber anderseits muss man auch beruecksichtigen", sozusagen bis eben der Ehrenmord zum Verdienstkreuz berechtigen koennte. Aber auch wieder nicht. Aber immerhin muss man dem Taeter Opferschutz angedeihen lassen, schliesslich muss er mit seiner Entscheidung weiterleben, waehrend die Tote, ... so etwa halt.
Die FAZ hatte da ueber Jahre schon noch etwas Schneid, vgl. den legendaeren Kurt Rudzinski, aber in der Retrospektive fuehle ich mich von der FAZ heute so verschaukelt, wie in Orson Welles "Der Dritte Mann" sich die Patienten von gestrecktem Penicillin hintergangen gefuehlt haben muessen.
Das einzige, was es "vor dem Internet" noch herausriss, war, dass die FAZ bestimmte Reden, die moegliche Wendepunkte der Zeitgeschichte werden konnten, im Volltext brachte. Aber GERADE DAS war ja auch keine eigene journalistische Leistung.
Und so haben FAZ, SPIEGEL, ZEIT und alle anderen bei mir Resistenzen gezuechtet, die mich zu dem begeisterten Ausruf verleiten: "Ich habe Ihre Zeitung gerade vor mir. Bald werde ich sie hinter mir haben."
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Mit 40 DM pro Kopf begann die Marktwirtschaft, mit 400.000 Euro Schulden pro Kopf wird sie enden.
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