Hallo Dirk-MV,
kann ich gut verstehen. Kenne keinen, der es so, wie es war, wieder haben will. Wo man für falsche Witze abgeholt und eingesperrt wurde, und jeder aufpassen musste, was er wo sagt. Eine Menge Bücher und Filme unter Verschluss.
Aber was las ich neulich: http://www.spiegel.de/einestages/verbotene-filme-geheime-zensur-im-dienst-der-bundesreg...
Ein kleiner, gesichtsloser Zirkel, dessen Mitglieder man namentlich größtenteils nicht kannte und der im Verborgenen tagte, hatte dreizehn Jahre lang auf einer bestenfalls fragwürdigen Rechtsgrundlage in der Bundesrepublik eine Art Geheimzensur betrieben und dutzendweise Filme verboten, die der Regierung nicht genehm waren."
und: https://de.wikipedia.org/wiki/Interministerieller_Ausschu%C3%9F_f%C3%BCr_Ost-West-Filmf...
Der Interministerielle Ausschuß für Ost-West-Filmfragen, ursprünglich Interministerieller Filmprüfungsausschuß,[1] war ein Gremium welches in der Bundesrepublik Deutschland von 1953 bis 1966/67 für die Zensur von ausländischen Filmen zuständig war.
Bereits am 23. Januar und am 14. Februar 1951 gab es zwei Besprechungen, betr. Einfuhr von Filmen aus der Ostzone und betr. sowjetische Importfilme, in welchen ein zentraler Ausschuss für den Import von Filmen aus sozialistischen Ländern empfohlen wurde. Dieser sollte nicht öffentlich bekannt gemacht werden
Dem Ausschuss saß das Wirtschaftsministerium vor.[3] Am 8. Dezember 1953 der Ausschuss mit seiner Arbeit, er ließ sich im Kino Stern in Bonn den sowjetischen Film Maximka vorführen und verbot danach den Import.[2] Im Mai 1954 wurden vier von 13 für die Mannheimer Kultur- und Dokumentarfilmwoche angemeldete Filme nicht zugelassen. Darüber hinaus genehmigte der Ausschuss die anderen Aufführung nur unter der Bedingung, dass die DEFA-Abordnung nicht ausdrücklich begrüßt wurde.[3] 1955 beantragte die DEFA eine Drehgenehmigung für Westdeutschland um einen Dokumentarfilm über berühmte Orgeln produzieren zu können. Die DEFA schlug dazu eine deutsche Gemeinschaftsarbeit vor. Der Ausschuss lehnte dies ab, da es zu einem Präzedenzfall werden könnten und zu unerwünschten und nicht immer kontrollierbaren Betätigung von DEFA-Aufnahmestäben[4] führen könnte. Auch weitere Versuche der DEFA mit westdeutschen Filmproduzenten zu kooperieren wurden vom Interministeriellen Ausschuß für Ost-West-Filmfragen unterbunden.[3]
Anfang 1967 wurde die Prüfung von Filmen an das Bundesamt für gewerbliche Wirtschaft übertragen, der Ausschuss für Ost-West-Filmfragen sollte nur noch in besonders umstrittenen Fragen tätig werden, was aber nie getan wurde.[3] In einer Stellungnahme des Bundesamtes für Wirtschaft bestritt dieses 1967, dass es einen solchen Ausschuss überhaupt gegeben habe und bezeichnete die Treffen als Ressortbesprechungen.[5] Wann der Ausschuss aufgelöst wurde kann nicht mehr exakt bestimmt werden, auch das Bundeswirtschaftsministerium konnte dies 1988 nicht feststellen.[6]
Rechtsgrundlage
Die Legalität des Ausschusses war umstritten (haha).Er bestand bis 1961 faktisch ohne Gesetzesgrundlage. Gerechtfertigt wurde er mit einem Militärregierungsgesetz Nr. 53 vom September 1949, welches aber allein wirtschaftliche Aspekte berücksichtigte, sowie ab Ende der 1950er Jahre § 93 Strafgesetzbuch, welches die Verbreitung von verfassungsfeindlichen Filmen unter Strafe stellte. Im September 1961 wurde das Verbringungsgesetz verabschiedet, welches die Einfuhr von Filmen aus bestimmten, sozialistischen, Ländern genehmigungspflichtig machte.[3] Dieses Gesetz wurde 1967 vor dem Bundesverfassungsgericht angegriffen. Dieses entschied fünf Jahre später, dass das Gesetz konform mit dem Grundgesetz ist. Der Autor Stefan Buchloh hält aber die Arbeit des Ausschusses nicht mit den Grenzen die das Gericht dem Gesetz steckte für übereinstimmend. Keinem der betroffenen Filme könne eine aktiv kämpferische, aggressive Haltung gegen die freiheitliche demokratische Grundhaltung oder gegen den Gedanken der Völkerverständigung nachgewiesen werden.[7]
Verbotene Filme
Der Ausschuss prüfte zwischen 1953 und 1966 etwa 3180 Filme, ca. 130 wurden verboten. Dazu gehörten
Der Untertan von Wolfgang Staudte durfte zunächst nur in studentischen Filmclubs vorgeführt werden. Daraufhin legte der West-Berliner Filmproduzent Erich Mehl eine gekürzte Version vor, die aber ebenso keine Zulassung für kommerzielle Kinos erhielt. Daraufhin wandt sich Mehl an die westdeutsche Presse.[3] Der Berliner Telegraf veröffentlichte ein Plädoyer für den Untertan. Der Kurier lobte den Film als avantgardistisch. Der Radiosender RIAS kritisierte das Verbot als unerklärlich.[9] Sieben Monate später, im November 1956, wurde eine stark gekürzte Fassung auch für das kommerzielle Kino erlaubt.[3] Die Kürzung betrug 12 Minuten und der Film war mit einem die Grundaussage des Films umkehrenden Vorspruch versehen worden, dass die Karriere des Diederich Heßling nur ein Einzelschicksal wäre.[10]
Berlin – Ecke Schönhauser wurde im Herbst 1958 abgelehnt obwohl der Film die Realität in der DDR sehr kritisch darstellte. Drei Wochen später wurde auch eine gekürzte Version, in der die Szene in einem westdeutschen Notaufnahmelager entfernt worden war, abgelehnt. Auch eine dritte Vorführung am 13. März 1959 vor 24 Beamten ermöglichte keine Freigabe, wobei Vertreter des Justiz- und des Wirtschaftsministeriums keine rechtliche Grundlage für ein Verbot sahen. Der Verleiher zog den Antrag auf Import zurück, womit eine weitere Befassung damit unnötig wurde. Fünf Jahre später führte der Sozialistische Deutsche Studentenbund den Film ohne Genehmigung auf. Der Film wurde daraufhin erneut dem Interministeriellen Ausschuß für Ost-West-Filmfragen vorgelegt und erhielt erneut keine Genehmigung.[3]"
Die zensierten Filme wurden dann tatsächlich mehrfach oft so umgeschnitten, dass sie ein ins Gegenteil verkehrten Ausgang erhielten - und das im ach-so-freien-Westen!
Viele vergessen auch nicht, dass im Osten nicht nur die Kriminalität quasi kaum vorhanden war und vor allem auch es keine Obdachlosigkeit gab. Kunst und Kultur waren stellenweise überragend und für jedermann erschwinglich. Um Wohnung und Arbeitplatz musste sich niemand sorgen. Das kann man heute kaum noch erzählen.*
Jeder fuhr lange in den Urlaub usw.*
Und doch kein Wunder, dass es das weggefegt hat. Diese Strunzdummheit bei den Funktionären, die Spitzelei, Unfreiheit und der stete Gesinnungsterror war mit nichts auszugleichen.
Die DDR-Medien waren gleichgeschaltet. Nur das haben wir hier ja auch. Und viele veramremn und schufften sich tot, ohne dass es interessiert.
Nun nähern wir uns in riesen Schritten wieder solchen Verhältnissen.
Und auch das reicht vielen - aus einen Focus-Kommentar:
"Jeden Morgen, wenn ich zur Arbeit gehe....
von Gunnar Janssen
....sehe ich im gegenüberliegenden Bürogebäudekomplex jede Menge Frauen und Männer sitzen. Es sind Menschen, die gleich Millionen anderer Menschen in Deutschland auf den Deal eingegangen sind: Arbeitszeit gegen Geld. Sie geben ihr kostbarstes Gut, nämlich Lebenszeit, benennen es um und kriegen Geld dafür. Von diesem Geld nimmt sich der Staat einen nicht unerheblichen Teil. Das machen sie Jahrzehntelang. Am Ende, wenn sie alt und verbraucht sind, müssen sie dann von einer mickrigen Rente leben. Mit dem Geld, welches man diesen Menschen als "Steuer" wegnimmt, werden nun Arbeitsplatz- und Wohnraumkonkurrenten ins Land geholt. Die wahrscheinlich nur Transferzahlungen erhalten werden. Plus deren Kinder, die kommen. Und später eine Rente, zu der sie nie eingezahlt haben. Ist das fair ?"
Und wieder: Es interessiert nur, dass keiner was anderes sagt, als die strunzdumme Führung.
Die DDR war, auch wenn sie von vielen abgelehnt wird, ihre Heimat, wo sie ihr Freuden und Freunde hatten, nicht nur Drangsale.
Reich Ranicki giftete mal eine Schauspielerin an, die von einer schönen DDR-Erfahrung berichtete. Am Lagerfeuer der HJ sei es auch schön gewesen (ihm haben dann die Prinzen eingeheizt). Da dachte ich, dass es eben so ist, dass man den Menschen nicht ihr Leben ausreden kann (wie das übrigens die Lengsfeld, mit ihrem allerdings grausamen Schicksal: Mann auf sie angesetzter IM, nicht anders, wenn es um die "größte DDR der Welt" geht).
Verstehe Dich gut. Nur schau ruhig genauer hin, was wem woran gefiel und warum was nicht.
Viele freundliche Grüße
azur
* keiner musste Stuererklärungen ausfüllen oder sich mit Krankenkassen herumschlagen. Kita war kostenlos und Arztbesuche sowieso (die waren nachher auch vielfach kaputtgespart, nur in mancher Hinsicht auch sehr modern - eine Geburtsklinik hatte weit mehr gut ausgebildetes deutschsprechendes Personal als im Westen - ca. 3 Mal soviele - aus Hamburg der Siebziger (!) hört man aus der Familie von Krankenhäusern ohne Arzt und Schwestern über Nacht und "bewachten Kinderspielplätzen", wo man statt Kita seine Kinder wie bei Ikea_Kinderbetreuung abgeben konnte - ohne Fachpersonal: In der DDR undenkbar!). Nur der Westen hat, und das wird heute gern verschwiegen, die DDR auch bekämpft, wo er konnte und knapp gemacht, was er konnte.
Die DDR ist immer auch der Staat, der Menschen wegfing, einsperrte und an den Westen verkaufte.
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