Wer lügt und wer lügt nicht – IS (noch) in Homs?
Es ist wie immer in den letzten Jahren.
Wenn über ein Ereignis berichtet wird, gibt es mindestens zwei Versionen, die der westlichen Wertegemeinschaft oder die des nationalistischen Kremls und seiner konservativen und rückwärts gewandten Anhänger.
Nun stellt sich die Frage: Wurden gestern die Falschen angegriffen?
Moskau sagt, es ginge gegen IS und Brainwashington meint, es würden gemäßigte Assad-Gegner bekämpft.
Das wirklich herauszubekommen, dürfte für Europäer kaum möglich sein.
Was aber möglich ist, zu erhellen, was da in der jüngsten Vergangenheit gelaufen ist und sich dazu auf die Meldungen der Nachrichtenportale „einzulassen“ – ich schreibe besser gar nicht erst verlassen.
Zunächst einmal ist auf folgenden Umstand zu verweisen.
Die Angabe des Namens „Homs“ ist doppeldeutig.
Es gibt eine Stadt Homs, ca. 600.000 Einwohner (zumindest früher) und es gibt eine Provinz Homs.
Diese Provinz ist in sechs Distrikte (Mintaqa) unterteilt, nämlich al Mucharram, Al-Kusair, ar-Rastan, Homs, Palmyra und Tell Kalakh.
Das Gebiet umfaßt über 42.000 km und ist etwas größer als Baden Württemberg aber kleiner als Niedersachsen.
Wenn also von Homs berichtet wird, dann ist zunächst das Ohr oder das Auge scharf zu stellen, was denn da genau gemeint ist.
Fehlt dieser Hinweis zu Stadt oder Provinz ist schon mal Vorsicht geboten.
Nun zu den Meldungen der letzten Wochen und Monate.
Mir ist schon klar, im Krieg sind alte Meldungen wenig wert doch eine Tendenz kann man diesen sehr wohl entnehmen.
Am 6. August, also vor knapp 2 Monaten, meldete das ehemalige Nachrichtenmagazin:
Die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) hat offenbar eine strategisch wichtige Stadt in der zentralsyrischen Provinz Homs erobert. Der IS habe in der Nacht zum Donnerstag die Stadt Karjatain im Südosten von Homs eingenommen, sagte der Chef der syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte, Rami Abdel Rahman. Bei vorangegangenen Kämpfen seien 37 Soldaten der syrischen Armee und andere regierungstreue Kämpfer sowie 23 IS-Kämpfer getötet worden.
Die Stadt sei deswegen so bedeutsam, weil sie an der Verbindungsstraße zwischen dem vom IS kontrollierten Palmyra in Richtung der Landeshauptstadt Damaskus liege, sagte Rahman.
Quelle: http://www.spiegel.de/politik/ausland/syrien-islamischer-staat-soll-wichtige-stadt-in-p...
Sehr interessant ist da bei die nachfolgende Karte.
Hier erkennt man einen 30 bis 50 km breiten Korridor von Palmyra Richtung Homs, der von IS besetzt sein soll.
![[image]](http://cdn2.spiegel.de/images/image-865789-panoV9free-dxyc.jpg)
Nun schauen wir mal auf die aktuelle Syrien-Karte des SPIEGELS.
![[image]](http://cdn2.spiegel.de/images/image-903599-galleryV9-smds.jpg)
Was vor 7 Wochen noch dunkelgrau war, also besetzt durch IS, ist nun angeblich in den Händen von Assad.
Wie glaubwürdig ist das denn?
Noch am 21. August, also vor knapp 6 Wochen, meldete die ZEIT:
Die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) hat im Zentrum Syriens das jahrhundertealte christliche Kloster Mar Elian zerstört. Die Extremisten verbreiteten im Internet Bilder, die zeigen, wie Bulldozer das historisch bedeutende Bauwerk in dem Ort Karjatain südöstlich der Stadt Homs niederreißen.
Quelle: http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2015-08/syrien-homs-kloster-mar-elian-isl...
Also war mindestens vor 6 Wochen IS noch schwer aktiv in der Gegend.
Und nun sind dort plötzlich friedlichere Kräfte stationiert?
Interessanterweise hat man aber Palmyra, wo noch Anfang September IS gewütet hat, noch grau markiert. Aber eben nur hellgrau, was vor wenigen Wochen noch dunkelgrau gewesen war und sich klar mit den Nachrichten - die alle westlichen Ursprungs sind - deckte.
Interessanterweise haben sich allen anderen Frontverläufe so gut wie nicht verändert, außer die Strecke Palmyra Homs.
Fazit: Zweifel an den Meldungen der Lügenpresse sind einmal mehr als erlaubt.
mfG
nereus
