Im Auftrag der öffentlichen Hand?

Leserzuschrift @, Sonntag, 27.09.2015, 14:10 vor 3773 Tagen 2674 Views

Zufällig bin ich auf eine Info gestoßen, von der ich glaube, dass Sie von allgemeinem Interesse ist.

Vielleicht gibt es jemanden im Forum, der sich des Themas einmal annehmen will. Es will mir nicht so recht einleuchten, dass "im Auftrag der öffentlichen Hand" derartige Gewinnmargen erzielt werden können - zumal die Aufträge doch alle ausgeschrieben werden sollten.

Herzlich
Uwe

Hier der Text:

European Homecare

Jahresabschluss zum 31. Dezember 2013

Wir sind ein privater Betreiber von Einrichtungen zur Unterbringung, Versorgung und sozialen Betreuung von Asylbewerbern, Aussiedlern, Flüchtlingen und anderen sozialen Randgruppen (z.B. Obdachlose) im Auftrag der öffentlichen Hand. Es handelt sich hierbei um Erstaufnahmeeinrichtungen, Gemeinschaftsunterkünfte/Wohnheime und einzelne Wohnungen, bei denen wir teilweise auch Bewachungsleistungen und die medizinische Erstversorgung übernehmen sowie die Bewohner in eigenen oder fremden Räumen verköstigen.

Im Geschäftsjahr 2013 haben wir in fünf verschiedenen Bundesländern insgesamt 27 Betriebsstätten mit ca. 4.100 Plätzen unterhalten.

Eigenkapital € 2.450.386,40 100 %
Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit € 2.623.629,63 107 %
Jahresüberschuss (nach Steuern) € 1.410.399,71 57,6 %

Zum Vergleich:
Bundesanleihen (30 Jahre) 1,38% p.a.

Da gibt es nix auszuschreiben

Skydiver @, Hippie State Packistan, Sonntag, 27.09.2015, 14:31 vor 3773 Tagen @ Leserzuschrift 2066 Views

Schon längst wird alles genommen, was irgendwie verfügbar ist.

Die Profite sind exorbitant.

Das muss fuer ein Unternehmen, das vermutlich Immobilienbesitz hat, nichts ungewoehnliches sein ...

CrisisMaven ⌂ @, Sonntag, 27.09.2015, 14:38 vor 3773 Tagen @ Leserzuschrift 2346 Views

Im Geschäftsjahr 2013 haben wir in fünf verschiedenen Bundesländern insgesamt 27 Betriebsstätten mit ca. 4.100 Plätzen unterhalten.
Eigenkapital € 2.450.386,40 100 %
Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit € 2.623.629,63 107%
Jahresüberschuss (nach Steuern) € 1.410.399,71 57,6 %
Zum Vergleich:
Bundesanleihen (30 Jahre) 1,38% p.a.

Ja aber eine Bundesanleihe zu 100 Euro kostet auch nur ... 100 Euro.

Ich vermute, dass European Homecare mit den Gebaeuden einen erheblichen Berg Darlehen vom Mehrfachen vor sich her schiebt.

Nehmen wir an, jede der 27 Betriebsstaetten waere 1 Million Wert = 27 Millionen und zu 100% fremdfinanziert, dann kann der sog. Leverage-Effekt bei guenstiger Finanzierung zu beliebig hohen Eigenkapitalrenditen fuehren.

Viele Unternehmen moegen zwar nur eine Umsatzrendite von 1% haben, koennen aber dennoch bei entsprechender Verschuldung eine Eigenkapitalrendite von 100% erzielen (oder beliebig mehr).

Da Immobilien und Schiffe beleihungsfaehig sind, erklaeren sich so auch die kometenhaften Aufstiege z.B. der Reeder Onassis und Niarchos (denen noch Steuerverguenstigungen zugute kommen, um die ja gerade in den letzten Jahren wegen der GR-Krise immer wieder gestritten wurde).

Ach ja, und die Gemeinnuetzigkeit: solche von Pro Asyl protegierten Unternehmen haben meist dutzende gemeinnuetzige Stiftungen und Vereine, die Geschaefte abwickeln, von Mehrwert- und Koerperschaftssteuer befreit sind und immer nur Verluste schreiben, weshalb sie dann auch noch bezuschusst werden.

Das Rote Kreuz konnte z.B. 700 Mark fuer eine Taxifahrt von ein paar km nehmen (mehr ist es nicht - in Frankreich machen Taxinunternehmen genau dasselbe ...) und bekam gleichzeitig kostenlos Zivildienstleistende ueberlassen, weil es ja ... immer Verluste schreibt.

Von daher duerfte Homecare Vorteile haben, deretwegen Amazon erst einen Double Dutch bemuehen muss ...

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Mit 40 DM pro Kopf begann die Marktwirtschaft, mit 400.000 Euro Schulden pro Kopf wird sie enden.
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reale Sache

mh-ing @, Sonntag, 27.09.2015, 16:03 vor 3773 Tagen @ Leserzuschrift 1839 Views

Bei Sätzen von 20-35 €/ Tag und Bewohner bei hotelartiger Unterbringung (d.h. möbliert mit Betten, Bettzeug, etwas Unterhaltungsbereichen..., Essenversorgung + 15€ noch dazu)) ist das real zu erwirtschaften.
Vermietete Wohnungen bringen das bei weitem nicht.
Mir sind Fälle bekannt, wo das Amt dann mal 6 Personen auf 20m² stopft und diesen Betrag zahlt, nur um die Leute irgend wo unter zu kriegen.

Zu "Vermietete Wohnungen bringen das bei weitem nicht." ...

CrisisMaven ⌂ @, Sonntag, 27.09.2015, 21:23 vor 3772 Tagen @ mh-ing 1721 Views

Vermietete Wohnungen bringen das bei weitem nicht.
Mir sind Fälle bekannt, wo das Amt dann mal 6 Personen auf 20m² stopft und diesen Betrag zahlt, nur um die Leute irgend wo unter zu kriegen.

Man sollte eines nicht vergessen oder wissen (wer es noch gar nicht weiss und daher erst vergessen koennte, nachdem er dann folgendes gelesen haette):

Solche konzernartigen Anbieter sind ganz andere "Nummern" als einzelne Vermieter.

Ich kenne z.B. einen Fall einer Grossstadt, da gab es eine genaue Richtlinie, welche Zuschuesse die Stadtverwaltung fuer nicht-staedtische Kindertagesstaetten (Kindergaerten und sog. "Krabbelstuben") zahlt/erstattet:

A) Betrag X% der gesamten Personalkosten (weniger als 70%).

B) NIX fuer die Miete.

So, dann gruendet man eine Krabbelstube in Privatinitiative (Verein) und muss ... den groessten Teil des Budgets fuer die Miete und Nebenkosten aufwenden.

Es wird nur eine ("schlecht") bezahlte Betreuungskraft eingestellt, der Rest ist kostenlose Elternmitarbeit. Auch die Verwaltung erledigen die Eltern etc.

Tjaaaa, dann schaue ich mir die Strukturen der einschlaegigen Einrichtungen (Kirchen, Wohlfahrtsverbaende) an, und siehe da: die haben einen Haufen Personal, aber geringe Mietkosten. Auch die Verwaltung wird von bereits anderweitig vorhandenem Personal (Geschaeftsfuehrer, Sekretaerin, Hausmeister, Putzdienst usw.) erledigt und ... der Einrichtung in Rechnung gestellt und ... nach A) zu 70% bezuschusst.

Die Elternbeitraege ergeben dann zusammen mit A) mehr als 100% der Kosten (unter Beruecksichtigung auch schon der Miete!). Die "gemeinnuetzige" Einrichtung macht ... Gewinn.

Die private Krabbelstube hat aber kaum Personalkosten, wegen Elternmitarbeit (halbe Betreuung, Geschaeftsfuehrer, Sekretaerin, Hausmeister, Putzdienst usw. - alles "kostenlos").

Bezuschussung nach A) nur vielleicht 10%- 20% der realen Kosten (Elternloehne fair gerechnet usw.)

Und B) - Fehlanzeige, aber teuer, da es schwer ist, einen Vermieter fuer eine Krabbelstube zu finden und man mit Laden- und Bueromieten konkurriert.

Dann finde ich heraus: dieselbe Stadt erstattet der Arbeiterwohlfahrt (AWO) aber in Abweichungen von A) und B) einfach 105% der Kosten, damit in einem "Problembezirk" ueberhaupt eine solche KiTa entsteht.

Und die Moral von der Geschicht' - soviel kriegst Du als "Privatmann" nicht ...

Das ist ein Sumpf, der sich dadurch erhaelt, dass diese ganzen "Wohlfahrts"-Verbaende mit der Politik eng verstrickt sind (AWO = SPD, Rotes Kreuz - alles und jedes, ausser NPD, Johanniter = SPD, Malteser - das spare ich mir hier [[zwinker]] und alles andere, inkl. Kirchen mit von Hitler unterzeichnetem Reichskonkordat ... ohne Worte).

D.h., so wie bei den privaten Gefaengnissen in USA, diese "Hilfs"-Organisationen und Wohlfahrts-Unternehmen kriegen es hin, die Miseren ueberhaupt erst zu schaffen, die sie dann gegen Kostenuebernahme plus saftigem Gewinnaufschlag "loesen" - "auf Dauer".

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