Habe mir jetzt laenger Gedanken gemacht, komme aber zu keiner (befriedigenden) Loesung ...
Beim Lesen kamen mir Sorgen wegen der kurzen Zeiträume ...
Was meint ihr?
Ob z.B. noch rechtzeitig alle Atomanlagen heruntergefahren werden, wenn es zu irgendeinem katastrophalen System(zusammen)bruch kommt, weiss ich nicht. Ob die in den Abklingbecken lauernden Brennstaebe lange genug weiter gekuehlt werden, bis sie auch dann keine Gefahr durch Ueberhitzung darstellen, wenn sie trockenfallen, weiss ich nicht.
Ich weiss nur, dass z.B. das, was wir in der Retrospektive als den Zusammenbruch oder die Aufloesung des Roemischen Reiches bezeichnen, sich ueber Jahrhunderte hinzog und ggf. fuer manchen Ortsansaessigen in einer Lebensspanne gar nicht als solches wahrgenommen wurde.
Andererseits war die Eroberung Konstantinopels ein Ereignis, das man auf wenige Tage datieren kann - davor christlich, danach islamisch. Davor Kirche, danach Moschee usw.
Da es stets verschiedenste Einfluesse gibt, von denen sich einige schleichend bemerkbar machen, andere abrupt, sind Vorhersagen stets schwer zu treffen.
Eine Diabetes z.B. entwickelt sich meist ueber Jahre. Und kann meist medikamentoes gut beherrscht werden (m.E. kann man sie ganz loswerden oder ganz verhindern, aber das ist eine andere Schiene, gaelte aber uebertragen auch fuer gesellschaftliche Probleme).
Dennoch kann ein Diabetiker bei ungluecklichem Zusammentreffen verschiedener Umstaende einen Schock erleiden und urploetzlich, "ohne grosse Ansage", versterben.
Umgekehrt erleiden viele Menschen einen Herzinfarkt oder Schlaganfall, denen man "das vorher gar nicht zugetraut haette" (auch hier liegen im Rueckblick meist Anzeichen vor, sie waren aber nicht wahrnehmbar, bzw. besser, wurden ignoriert).
Laut @dottore wird es "ein Tag im tiefsten Frieden sein", wenn der "Kettenbrief" reisst.
Dann kaeme es ploetzlich und sehr gewaltsam zu einem Abreissen auch der meisten logistischen Versorgungsketten, denn das Geld bewegt sich ja zu diesen gegenlaeufig, aber nie gaebe es das eine ohne das andere, so, wie arterielles und venoeses Blut auch nicht ohne das jeweilige Gegenstueck gedacht werden koennen.
Moeglich ist alles und schon viele haben hier das Thema der verlassenen Staedte der fruehere Hochkulturen erwaehnt, auf denen binnen weniger Jahrzehnte Gras zu wachsen begann und Schafe weideten.
Es gibt fuer die spaetere Ursachenanalyse, durch unsere Nachfahren in Jahrhunderten, so, wie wir heutigen die Mayas, Azteken oder Sumerer studieren, oder so, wie vielleicht Ausserirdische uns studieren moegen, falls wir in toto aussterben, aber eine Schwierigkeit:
A) Wenn man die Umgebung von Tschernobyl und Fukushima spaeter analysiert, wird man feststellen, dass dort viele Menschen wohnten, die dann ploetzlich das Weite suchten, weil und nachdem dort Atomanlagen die Gegend unbewohnbar machten.
B) Wenn nun spaeter mal, nehmen wir an, Mitteleuropa aufgrund "Game Over" evakuiert und verlassen wurde und danach die verbleibenden Atomanlagen "nur" eine Rueckkehr verunmoeglichten (die aber unmittelbar ohnehin nemand in Erwaegung gezogen haette "damals"), so koennten die Historiker spaeter mit radiologischen Methoden nicht mal genau feststellen, was zuerst eintrat:
- fluechteten die Menschen und dann versagten die Kuehleinrichtungen
oder
- versagten die Kuehleinrichtungen und deshalb flohen die Menschen?
D.h. man kann noch nicht mal immer verlaesslich was aus der Geschichte lernen, das einen kuenftig vor aehnlichen Narreteien bewahren koennte. Man muss vielmehr, wie stets in ernstzunehmenden Wissenschaften, theoretisch arbeiten, um zu belastbaren Schluessen zu kommen.
Und da ist "steiler als senkrecht geht nicht" schon mal ein ganz guter Ansatz. Das heisst nicht, dass man weiss, was danach kommt. Wer vom 10-Meter-Brett ins trockene Schwimmbecken springt, weiss nicht, ob er verstirbt, zehn Jahre im Wachkoma verbringt, querschnittsgelaehmt ist, oder "nur" multiple Knochenbrueche erleidet, die nach Ausheilung fast nicht mehr zu bemerken waeren.
Aber er wird es nicht ausprobieren.
Manche Pseudowissenschaftler gehen aber, gerade in der Wirtschaftstheorie, ganz anders vor:
a) je tiefer das Schwimmbecken, wenn mit Wasser gefuellt, desto sicherer das Springen vom 10-Meter-Brett
b) daraus waere zu schliessen, dass ein trockenes Schwimmbecken einfach noch tiefer sein muss, als ein gefuelltes.
Nur so ist z.B. ein Mindestlohn erklaerbar.
Wir schaffen das!
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Mit 40 DM pro Kopf begann die Marktwirtschaft, mit 400.000 Euro Schulden pro Kopf wird sie enden.
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